ADHS > Erwachsene

1. Das Wichtigste in Kürze

ADHS* ist insbesondere als Erkrankung des Kindes- und Jugendalters bekannt. Bei etwa der Hälfte der Patienten bleiben die Symptome ganz oder teilweise jedoch bis ins Erwachsenenalter bestehen. Betroffene können sich nur schwer konzentrieren und leiden unter innerer Unruhe. In der Regel tritt zudem mindestens eine zusätzliche psychische Erkrankung auf.

2. Symptome

Erwachsenen mit ADHS fällt es oft schwer, Strukturen in ihr Leben zu bringen und den Alltag zu organisieren. Aufgrund innerer Unruhe und mangelnder Konzentrationsfähigkeit gelingt es ihnen häufig nicht, Aufgaben innerhalb angemessener Zeit oder überhaupt zu Ende zu bringen. Sie sind meist nicht nur in ihrem Berufsleben beeinträchtigt, da Impulsivität, Vergesslichkeit sowie Stimmungsschwankungen auch zu Problemen in der Familie oder mit Freunden führen können.

3. Diagnose und Begleiterkrankungen

Erwachsene Patienten haben ein erhöhtes Risiko zusätzlich an einer oder mehreren psychischen Erkrankungen (z.B. Depression, Angststörung oder Suchterkrankung) zu leiden.

Es kann jedoch auch vorkommen, dass psychische oder körperliche Erkrankungen (z.B. Borderline-Störung, Schilddrüsenfunktionsstörung, Epilepsie) ADHS-Symptome verursachen. Aus diesem Grund ist eine ausführliche Diagnose durch einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, für Neurologie, für psychosomatische Medizin oder durch einen ärztlichen bzw. Psychologischen Psychotherapeuten wichtig. Der Betroffene soll über ADHS, sein individuelles Krankheitsbild und die Behandlungsmöglichkeiten informiert werden, um gemeinsam mit dem behandelnden Arzt/Psychotherapeuten einen Behandlungsplan zu erstellen.

4. Behandlung

Im Erwachsenenalter wird in der Regel eine Kombination aus Medikamenten und Psychoedukation (z.B. Aufklärung und Beratung, Selbstmanagement-Training, Psychotherapie) empfohlen.

4.1. Psychoedukation

Insbesondere Patienten, bei denen die Diagnose ADHS erst im Erwachsenenalter gestellt wurde, ist eine Psychoedukation zu empfehlen. Diese dient einem besseren Verständnis der Krankheit, der Symptome sowie der dadurch hervorgerufenen Probleme. Zudem erhalten Betroffene nützliche Tipps für den Alltag, z.B. zur Strukturierung ihres Tagesablaufs.

Hilfreich kann auch eine Verhaltenstherapie sein, um z.B. Problemlösefähigkeiten und Techniken zur Verminderung von Stress und Ablenkbarkeit zu erlernen. Näheres unter Psychotherapie.

4.2. Medikamente

Eine medikamentöse Behandlung bei Erwachsenen mit ADHS sollte nur von Ärzten durchgeführt werden, die umfassende Kenntnisse über ADHS, Begleiterkrankungen und die einzusetzenden Medikamente besitzen.

In der medikamentösen Therapie können Stimulanzien wie Methylphenidat, Amfetamin und Lisdexamfetamin oder Nicht-Stimulanzien wie Atomoxetin und Guanfacin eingesetzt werden. Die Wahl, ob und welches Medikament verwendet wird, treffen Arzt/Psychotherapeut und Patient gemeinsam. Beachtet werden sollten z.B. der aktuelle Zulassungsstatus, die Wirkdauer und das Vorliegen zusätzlicher psychischer Erkrankungen.

Patienten mit ADHS, die zusätzlich Probleme mit Substanzmissbrauch oder -abhängigkeit haben, sollten sich von einem Spezialisten beraten lassen, der sich mit der Behandlung von ADHS und Sucht auskennt.

5. Praxistipps

  • Einige deutsche Kliniken bieten ADHS-Spezialambulanzen bzw. -sprechstunden für Erwachsene an. Weitere Informationen und Adressen bietet das Zentrale ADHS Netz unter www.zentrales-adhs-netz.de/fuer-betroffene/erwachsene.html.
  • Das aktuelle Wissen zu Diagnose und Therapie von ADHS ist in einer medizinischen Leitlinie zusammengefasst. Die Leitlinie "ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen" kann auf der Website der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) unter www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/028-045.html heruntergeladen werden.
  • Eine ausführliche Beschreibung möglicher Symptome sowie Informationen über ADHS-Fragebögen bietet das ADHS-Netzwerk unter https://adhs-netz.com/adhs-erwachsene.

 

* ADHS wird der Einfachheit halber als Sammelbegriff für ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom) verwendet.

6. Verwandte Links

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Redakteurin: Janina Del Giudice

Letzte Bearbeitung: 06.06.2018

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