ADHS > Ursachen und Diagnose

1. Das Wichtigste in Kürze

Die Ursachen des ADHS* (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom) sind zwar nicht eindeutig geklärt, es gibt aber einige Faktoren, die ADHS fördern können. Die Kernsymptome einer ADHS sind Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Impulsivität. Da die Abgrenzung zu gesundem Verhalten oft sehr schwierig sein kann, sollten Diagnose und Therapie nur von erfahrenen Ärzten und Psychotherapeuten durchgeführt werden.

2. Vorbemerkung

ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom) - im folgenden einheitlich als ADHS bezeichnet - sind Erkrankungen, die nur von erfahrenen Spezialisten diagnostiziert und therapiert werden sollten. Da die (Fehl-)Diagnose für die Betroffenen mit komplexen psychosozialen Belastungen einhergehen kann, werden hier nur Grundzüge erläutert. Sie sind nicht umfassend und sollen keinesfalls zur Laiendiagnose verleiten.

Bei etwa der Hälfte der Jugendlichen mit ADHS bleibt die Symptomatik auch im Erwachsenenalter ganz oder teilweise bestehen. Näheres unter ADHS > Erwachsene.

3. Mögliche Ursachen

Die Ursachen von ADHS sind nicht eindeutig geklärt, aber Experten gehen heute davon aus, dass die Vererbung zu etwa 70 % an der Entstehung einer ADHS beteiligt ist. Hat ein Elternteil ADHS, ist insbesondere für Jungen das Risiko deutlich erhöht, ebenfalls daran zu erkranken.

Folgende Risikofaktoren stehen im Verdacht das Auftreten der Krankheit zu begünstigen oder die Ausprägung zu verstärken:

  • Frühgeburt, Geburtstrauma
  • Nikotin, Alkohol und Drogen in der Schwangerschaft
  • Ungünstiges äußeres Umfeld, z.B. fehlende emotionale Zuwendung, hoher Medienkonsum, ständige Probleme mit Freunden oder in der Schule

4. Diagnose

Bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ist eine Abklärung auf ADHS sinnvoll, wenn

  • sie Entwicklungs-, Lern-, Leistungs- oder Verhaltensprobleme haben,
  • an anderen psychischen Störungen leiden,
  • ihre Aufmerksamkeit und Konzentration beeinträchtigt sind oder
  • sie sehr unruhig oder impulsiv sind.

Entscheidend für eine ADHS-Diagnose sind insbesondere Hyperaktivität, Impulsivität und/oder Unaufmerksamkeit. Die Symptome gehen einher mit Beeinträchtigungen sozialer Beziehungen, des Leistungsvermögens, der Aktivitäten oder der Teilhabe und treten in mehreren Lebensbereichen (z.B. in der Familie und in der Schule) auf.

Diagnose und Therapie sollten grundsätzlich von einem erfahrenen Spezialisten durchgeführt werden.

 

Zur Diagnose des ADHS werden entsprechend der Leitlinie "ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen" folgende Untersuchungen durchgeführt bzw. Informationen eingeholt:

  • Informationen durch die Eltern (bei älteren Kindern/Jugendlichen/Erwachsenen auch durch diese selbst) zu Auftreten, Häufigkeit und Intensität der Symptome und zur Entwicklung des Kindes
  • Informationen vom Kindergarten oder der Schule zu Auftreten, Häufigkeit und Intensität der Symptome und zur Entwicklung des Kindes
  • Information über Einschränkungen z.B. der sozialen Beziehungen, des Leistungsvermögens, der Teilhabe
  • Information über Beginn und Verlauf der Symptome
  • Untersuchung auf zusätzliche psychische Symptome/Störungen und körperliche Erkrankungen
  • Abklärung der früheren und aktuellen Rahmenbedingungen in der Familie, in Kindergarten/Schule oder am Arbeitsplatz
  • Körperliche Untersuchung des Kindes (internistisch, neurologisch, evtl. weitere) und psychologische Tests
  • Verhaltensbeobachtung des Kindes und der Eltern-Kind-Interaktionen

4.1. Abgrenzung

Die Abgrenzung zu gesundem, normalem Verhalten kann sehr schwierig sein, insbesondere bei Kindern vor dem Schulalter. Andere Ursachen wie z.B. Tics, Zwangs- oder Stoffwechselstörungen müssen ausgeschlossen werden und eventuell begleitende Krankheiten wie Depressionen oder Angsterkrankungen dürfen nicht unberücksichtigt bleiben. Aus diesen Gründen gehört die Diagnose der ADHS unbedingt in die Hände eines erfahrenen Arztes/Psychotherapeuten.

5. Formen und Symptome

In Deutschland werden zur Diagnose und Einordnung des ADHS insbesondere die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) sowie das Diagnostische und statistische Manual psychischer Störungen (DSM-5) herangezogen.

 

In Fachkreisen erfolgt die Unterscheidung der ADHS-Formen zunehmend nach DSM-5:

  • ADHS-Mischtyp (Auffälligkeit durch Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit)
  • Vorwiegend unaufmerksamer ADHS-Typ (Auffälligkeit insbesondere durch starke Unaufmerksamkeit)
  • Vorwiegend hyperaktiv-impulsiver ADHS-Typ (Auffälligkeit insbesondere durch starke Impulsivität und Hyperaktivität)
  • ADHS-Residualtyp (Die Symptome sind nicht mehr alle voll ausgeprägt, bestanden jedoch zu einem früheren Zeitpunkt)

 

Folgende Kernsymptome werden beschrieben:

  • Hyperaktivität
    z.B. mit Händen/Füßen zappeln, häufiges Aufstehen/Herumlaufen/Klettern in unpassenden Situationen, Schwierigkeiten mit ruhiger Beschäftigung
  • Unaufmerksamkeit
    z.B. Schwierigkeiten Arbeiten zu organisieren oder zu Ende zu bringen, ist vergesslich, macht Flüchtigkeitsfehler, scheint häufig nicht zuzuhören
  • Impulsivität
    z.B. häufiges Unterbrechen und Stören von Gesprächen oder Spielen, kann schwer abwarten an der Reihe zu sein

Die Kernsymptome können je nach Patient ganz unterschiedlich ausgeprägt sein.

6. Epidemiologie

In Deutschland sind ca. 500.000 Kinder und Jugendliche von AD(H)S betroffen, dabei überwiegt die Zahl der Jungen. 40-60 % der Kinder, bei denen ADHS diagnostiziert wurde, behalten Restsymptome des Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms auch im Erwachsenenalter.

7. Praxistipps

  • Das ADHS Infoportal des zentralen ADHS Netzes, des Bundesministeriums für Gesundheit und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet unter www.adhs.info ausführliche und hilfreiche Informationen für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Pädagogen und Eltern.
  • Das aktuelle Wissen zu Diagnose und Therapie von ADHS ist in einer medizinischen Leitlinie zusammengefasst. Die Leitlinie "ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen" kann auf der Website der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) unter www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/028-045.html heruntergeladen werden.

 

* ADHS wird der Einfachheit halber als Sammelbegriff für ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom) verwendet.

8. Verwandte Links

Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom

ADHS > Behandlung bei Kindern

ADHS > Ernährung

ADHS > Erwachsene

ADHS > Schule

ADHS > Sport und Freizeit

ADHS > Studium und Beruf

ADHS > Wohnen

Redakteurin: Janina Del Giudice

Letzte Bearbeitung: 06.06.2018

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