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1. Das Wichtigste in Kürze

Die Depression ist eine häufige psychische Erkrankung, deren Hauptsymptome eine gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit, verminderter Antrieb, erhöhte Ermüdbarkeit und Einschränkung von Aktivitäten sind. Wie schwer sie verläuft, ist sehr unterschiedlich. Sie hat viele zusammenwirkende Ursachen, wie z.B. Vererbung, Krankheiten und seelische Belastungen. Depressionen zeigen sich häufig in körperlichen Symptomen, treten oft gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen auf und die Diagnose ist schwierig.

2. Ursachen und Risikofaktoren

Depressionen können viele Ursachen haben, meistens sind es mehrere zugleich. Welche Rolle dabei Botenstoffe im Gehirn spielen, ist ungeklärt.

Risikofaktoren sind

  • genetische Vorbelastung: psychische Erkrankungen (z.B. Depressionen und/oder Suizidversuche) von Familienmitgliedern
  • körperlichen Erkrankungen: z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebserkrankungen
  • frühere Depressionen
  • Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit
  • Belastende Ereignisse: z.B. Tod von Angehörigen, Scheidung, Arbeitslosigkeit
  • Einsamkeit und wenig Unterstützung von anderen Menschen

3. Symptome

Eine Depression kann sich in einer Vielzahl von Symptomen äußern. Gemäß der 10. Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) müssen für die Diagnose „Depression“ mindestens 2 Hauptsymptome und mindestens 2 Zusatzsymptome über 2 Wochen auftreten. Nicht zu verwechseln ist eine krankhafte Depression mit vorübergehenden Phasen gesunder Trauer, da diese eine normale körperliche Reaktion auf einen Schicksalsschlag darstellt und nicht alle Kriterien einer Depression erfüllt.

3.1. Hauptsymptome

Wenn mindestens 2 der folgenden 3 Hauptsymptome länger als 2 Wochen anhalten, besteht ein begründeter Verdacht auf eine Depression:

  • Depressive, gedrückte Stimmung
    Eine depressive, gedrückte Stimmung kann sich in Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit oder Verzweiflung äußern. Auch ein "Gefühl der Gefühllosigkeit" ist möglich. Betroffene können sich weder über positive Ereignisse freuen noch Trauer empfinden. Das Gefühl, durch jede Anforderung, z.B. in sozialen Kontakten, überfordert zu sein, ist nicht selten. Zudem tritt häufig ein ausgeprägtes Morgentief auf.
  • Interessenverlust und Freudlosigkeit
    Betroffene sind weniger aktiv als früher. Der Interessenverlust kann alle Alltagsbereiche betreffen, z.B. Haushalt, Körperpflege, Berufstätigkeit, aber auch bisher als erfreulich und anregend empfundene Hobbys und Freizeitaktivitäten.
  • Verminderung des Antriebs mit erhöhter Müdigkeit und Aktivitätseinschränkung
    Die Betroffenen fühlen sich energielos und kaum mehr belastbar und sind bereits durch Alltagsaktivitäten, z.B. putzen, kochen, essen und sich waschen, erschöpft.

3.2. Zusatzsymptome

Eine Depression liegt vor, wenn zudem noch mindestens 2 der folgenden Zusatzsymptome auftreten:

  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit
  • Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  • Suizidgedanken oder Versuche der Selbsttötung, Selbstverletzungen
  • Schlafstörungen (Tipps gegen Schlafstörungen unter Schlafhygiene)
  • Verminderter Appetit

3.3. Körperliche Anzeichen

Viele Menschen mit Depressionen bemerken zuerst körperliche Beschwerden, die sich bei einer medizinischen Untersuchung als Symptome einer depressiven Störung erweisen. Dazu zählen:

  • Allgemeine körperliche Abgeschlagenheit, Mattigkeit
  • Kraftlosigkeit
  • Schlafstörungen (Ein- und Durchschlafstörungen)
  • Appetitlosigkeit, Magendruck, Gewichtsverlust, Verdauungsprobleme wie Durchfall oder Verstopfung
  • Schmerzen, z.B. diffuse Kopf- oder Rückenschmerzen
  • Druckgefühl in Hals und Brust, Beengtheit im Hals (sog. Globusgefühl)
  • Störungen von Herz und Kreislauf, Atemnot
  • Magen-Darm-Probleme
  • Schwindelgefühle, Flimmern vor den Augen, Sehstörungen
  • Muskelverspannungen, diffuse Nervenschmerzen
  • Verlust des sexuellen Interesses, Ausbleiben der Monatsblutung, sexuelle Funktionsstörungen wie z.B. erektile Dysfunktion ("Impotenz")
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen

4. Schweregrad, Formen und Komorbiditäten

Es gibt kein einheitliches Erscheinungsbild einer Depression. Oft geht eine Depression mit anderen psychischen Erkrankungen einher. Die Bandbreite reicht von leichten depressiven Gemütsschwankungen bis hin zu schweren Verlaufsformen, die mit Wahnvorstellungen und Suizidgedanken verbunden sein können. Depressive Störungen werden nach Schweregrad, Verlauf und Dauer klassifiziert.

4.1. Schweregrad

Depressive Episoden werden anhand der Anzahl der vorliegenden Haupt- und Zusatzsymptome in verschiedene Schweregrade eingeteilt:

  • Leichte Depression
    2 Hauptsymptome, 2 Zusatzsymptome
  • Mittelgradige Depression
    2 Hauptsymptome, 3-4 Zusatzsymptome
  • Schwere Depression
    3 Hauptsymptome, mindestens 4 Zusatzsymptome

4.2. Verlauf

Depressionen können

  • als einzelne Phase auftreten,
  • chronisch wiederkehren oder
  • abwechselnd mit manischen Phasen (im Rahmen einer sog. bipolaren Störung) auftreten.

4.3. Formen

Depressionen gehören zusammen mit den Manien und bipolaren Störungen zu den sog. „affektiven Störungen“. Gemäß der ICD-10 werden Depressionen in folgende Kategorien eingeteilt:

  • Depressive Episode
    Als depressive Episode bezeichnet man eine einzelne depressive Phase, die mindestens 2 Wochen andauert. Bei schweren Depressionen ist teils schon früher eine Diagnose möglich. Hält eine Episode länger als 2 Jahre an, spricht man von einer chronischen Depression.
  • Rezidivierende depressive Störung
    Treten die depressiven Episoden wiederholt auf, spricht man von einer rezidivierenden depressiven Störung. Bei mehr als der Hälfte der Ersterkrankungen kommt es im Laufe der Zeit zu einer erneuten Erkrankung (Rezidiv). Zwischen 2 depressiven Episoden können Jahre vergehen, sie können aber auch innerhalb eines kurzen Zeitraums gehäuft auftreten.
  • Dysthymia
    Die Dysthymia zählt zu den anhaltenden depressiven Störungen, welche durch eine mindestens 2 Jahre andauernde leichte depressive Verstimmung charakterisiert ist. Dysthymien beginnen bereits im Jugendalter, und es kann zu einer Chronifizierung der Symptome kommen. In manchen Fällen kommt es zum zusätzlichen Auftreten einer depressiven Episode (Doppeldepression).
  • Rezidivierende kurze depressive Störungen
    Es handelt sich hierbei um eine depressive Episode, die weniger als 2 Wochen andauert. Meist dauert diese Episode nur wenige Tage, sie tritt aber häufig wöchentlich über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr auf.
  • Sonderformen der Depression
    Eine Sonderform ist z.B. die Wochenbettdepression. Diese kann bei Frauen nach der Entbindung auftreten. Eine Sonderform der rezidivierenden depressiven Störung ist die Saisonale Depression (SAD), auch Winterdepression genannt.

4.4. Komorbiditäten

Weitere Erkrankungen, die gleichzeitig mit einen Depression auftreten werden Komorbiditäten der Depression genannt.

Häufige psychische Komorbiditäten bei Depressionen:

  • Zwangsstörungen
  • Abhängigkeit von Alkohol, Drogen oder Medikamenten
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Essstörungen
  • Psychosomatische Störungen (unklare körperliche Beschwerden)
  • Panik- und Angststörungen

Auch körperliche Komorbiditäten sind nicht selten. Eine Wechselwirkung zwischen Depressionen und körperlichen Krankheiten ist häufig.

5. Diagnostik

Es ist nicht immer einfach eine Depression zu erkennen, da die Symptomatik vielfältig ist und die Betroffenen ihre Beschwerden nicht immer mit einer psychischen Erkrankung in Verbindung bringen. Wer einzelne depressive Symptome hat, hat nicht unbedingt eine als Depression zu diagnostizierende Krankheit.

Die Schwierigkeit besteht in der Vielzahl und der Abgrenzung der Symptome, die auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Niedergeschlagenheit, Erschöpfung, Selbstzweifel und Resignation sowie vorübergehende Stimmungsschwankungen sind nicht gleichbedeutend mit einer depressiven Störung. Auch bei vielen anderen psychischen Erkrankungen gehören depressive Symptome zum typischen Krankheitsbild. Die Grenze zwischen unbewältigter Trauer und einer depressiven Verstimmung ist nicht immer eindeutig.

Da die Behandlung je nach Schweregrad verschieden ist, ist es notwendig, dass alle Krankheitsanzeichen so genau wie möglich erfasst werden.

5.1. Befragung zum Gesundheitszustand (Anamnese)

Ein ausführliches Gespräch mit einem Arzt oder Psychotherapeuten ist wichtig, um herauszufinden, ob eine Depression mit Krankheitswert vorliegt. Dabei wird insbesondere Folgendes erfragt:

  • die Krankheitsgeschichte
  • mögliche Suizidalität (Selbsttötungsneigung)
  • Einnahme von Medikamenten

Außerdem werden andere Krankheiten ausgeschlossen, wie z.B. Demenz.

Mithilfe von systematischen Fragebögen kann geklärt werden, ob und in welchem Ausmaß Symptome einer Depression vorhanden sind. Beispiele für solche Fragebögen:

  • Der „Zwei-Fragen-Test“ soll eine schnelle Erfassung einer depressiven Störung ermöglichen. Werden die zwei Fragen mit „Ja“ beantwortet, muss nach weiteren Haupt- und Zusatzsymptomen gefragt werden. Die beiden Fragen lauten:
    • Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig, bedrückt oder hoffnungslos?
    • Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?
  • Die Allgemeine Depressionsskala (ADS) ist ein Fragebogen zur Selbstbeurteilung depressiver Symptome in der letzten Woche.
  • Ein international anerkanntes Testverfahren zur ersten Aufdeckung von Symptomen depressiver Verstimmungen ist der WHO-5-Fragebogen. Dieser soll mit Hilfe von 5 verschiedenen Fragen das allgemeine Wohlbefinden bzw. die allgemeine Lebensqualität erfassen.

5.2. Körperliche Untersuchung

Da depressive Symptome auch bei körperlichen Erkrankungen auftreten können, z.B. nach einem Herzinfarkt, Hormonstörungen oder Krebserkrankungen, muss zusätzlich eine internistische und neurologische Abklärung erfolgen. Ebenso können Hirnerkrankungen (Tumore), Allergien, Diabetes mellitus, Chronische Schmerzen und Infektionen mit depressiven Symptomen in Verbindung stehen.

6. Praxistipp Ratgeber

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Letzte Bearbeitung: 13.05.2022

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