Das Wichtigste in Kürze
Menschen mit chronischen oder schweren Erkrankungen sollten ihre Urlaubsreise frühzeitig und passend zu ihrer gesundheitlichen Situation planen. Wichtig sind eine rechtzeitige ärztliche Beratung, ausreichend Medikamente, passende Unterlagen z.B. für Flug, Zoll und Notfall sowie ein geklärter Versicherungsschutz. Bei Auslandsreisen sollten außerdem Einreisebestimmungen, Impfungen und die medizinische Versorgung am Urlaubsort geprüft werden.
Vor der Buchung: Ärztliche Beratung
Vor der Buchung sollten Menschen mit chronischen oder schweren Erkrankungen prüfen, ob Reiseziel, Klima, Anreise und medizinische Versorgung vor Ort zur eigenen gesundheitlichen Situation passen. Sinnvoll ist eine frühzeitige ärztliche Beratung, besonders bei Fernreisen, Zeitverschiebung, großer Hitze oder Kälte, Höhenlagen, eingeschränkter Mobilität oder einer instabilen Krankheitsphase. Dabei kann geklärt werden, ob besondere Vorsichtsmaßnahmen, Medikamente, Impfungen, Hilfsmittel oder Atteste notwendig sind. Eine gute Planung hilft, gesundheitliche Risiken zu verringern und den Urlaub möglichst erholsam zu gestalten.
Eine individuelle reisemedizinische Beratung erfolgt in Hausarztpraxen oder bei spezialisierten reisemedizinischen Beratungsstellen. Adressen und weitere Informationen dazu bietet das Robert Koch-Institut (RKI) unter www.rki.de > Themen > Infektionskrankheiten > Infektionskrankheiten A-Z > Reiseassoziierte Infektionskrankheiten.
Medikamente auf Reisen: Menge, Lagerung und Handgepäck
Bei schweren und chronischen Krankheiten sollten in den Urlaub und auf Ausflüge immer mehr Medikamente mitgenommen werden, als eigentlich notwendig wäre, denn die Reisedauer kann sich aus unvorhergesehenen Gründen verlängern.
Wichtige (Notfall-)Medikamente sollten bei Flugreisen im Handgepäck mitgenommen werden. So bleiben sie verfügbar, falls aufgegebenes Gepäck verspätet ankommt oder verloren geht. Flüssige Medikamente oder medizinisch notwendige Hilfsmittel sollten bei der Sicherheitskontrolle vorgezeigt werden, ein Rezept oder eine ärztliche Bescheinigung kann erforderlich sein. Zudem herrschen im Frachtraum oft Minustemperaturen, sodass temperaturempfindliche Medikamente im Aufgabegepäck ihre Wirksamkeit verlieren können.
Auch im Hotelzimmer ist es sinnvoll, Medikamente auf mehrere sichere Orte zu verteilen, z.B. Koffer, Handtasche oder Zimmersafe. So ist die Versorgung eher gesichert, falls etwas verloren geht oder abhandenkommt.
Wichtige Dokumente und Atteste
Bei Auslandsreisen sollten wichtige medizinische Unterlagen mitgenommen werden. Dazu gehören z.B. ein aktueller Medikamentenplan oder Opioid-Ausweis, ein Notfallausweis, ärztliche Atteste für notwendige Medikamente oder Hilfsmittel sowie Informationen zur Krankheit, zu Allergien und zum Verhalten im Notfall. Die Unterlagen sollten möglichst auf Englisch oder in der Landessprache vorliegen, damit Ärzte, Zollbehörden oder Sicherheitskontrollen sie verstehen können.
Betäubungsmittel und starke Schmerzmittel im Ausland
Für Betäubungsmittel und bestimmte starke Schmerzmittel gelten bei Auslandsreisen besondere Vorschriften. Patienten dürfen ärztlich verordnete Betäubungsmittel grundsätzlich nur in einer für die Reisedauer angemessenen Menge und für den eigenen Bedarf mitführen. Bei Reisen bis zu 30 Tagen in Schengen-Staaten ist eine ärztlich ausgefüllte Bescheinigung nach Artikel 75 des Schengener Durchführungsübereinkommens erforderlich, die vor Reiseantritt von der zuständigen Landesgesundheitsbehörde oder einer beauftragten Stelle beglaubigt werden muss. Für jedes Betäubungsmittel ist eine eigene Bescheinigung nötig. Bei Reisen außerhalb des Schengen-Raums sollten die Einfuhrbestimmungen des Ziellands vorab bei der jeweiligen Botschaft oder dem Konsulat geklärt werden, da die Regelungen je nach Land unterschiedlich sein können.
Ausführliche Informationen sowie die Bescheinigung für das Mitführen von Betäubungsmitteln und eine Liste mit den zuständigen Behörden für Beglaubigungen der Bescheinigung bietet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte unter www.bfarm.de > Bundesopiumstelle > Betäubungsmittel > Reisen mit Betäubungsmitteln.
Impfungen und Infektionsschutz
Menschen mit chronischen oder schweren Erkrankungen sollten vor Urlaubsreisen ihren Impfstatus frühzeitig ärztlich prüfen lassen. Reiseimpfungen richten sich z.B. nach Reiseziel, Aufenthaltsdauer, Vorerkrankungen und individuellem Infektionsrisiko. Die Beratung bietet zudem die Gelegenheit, fehlende Standardimpfungen nachzuholen. Besonders bei geschwächtem Immunsystem, bestimmten Medikamenten oder geplanten Fernreisen sollte geklärt werden, welche Impfungen geeignet sind und welche Infektionsschutzmaßnahmen zusätzlich sinnvoll sind, z.B. Schutz vor Mückenstichen, sorgfältige Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene sowie eine passende Reiseapotheke.
Medizinische Versorgung am Urlaubsort
Vor der Reise sollten chronisch oder schwer kranke Menschen prüfen, welche medizinische Hilfe es am Urlaubsort gibt. Wichtig sind z.B. Adressen und Telefonnummern von Ärzten, Krankenhäusern, Notdiensten und Apotheken in der Nähe der Unterkunft. Bei Auslandsreisen sollten Informationen zur Krankheit, zu Medikamenten, Allergien und zum Verhalten im Notfall auf Englisch oder in der Landessprache mitgenommen werden. Auch die Kontaktdaten der behandelnden Ärzte zu Hause sollten griffbereit sein, damit diese bei Rückfragen angerufen werden können.
Krankenversicherung und Auslandsschutz
Vor Beginn der Reise sollten Patienten ihren Krankenversicherungsschutz im Urlaubsland prüfen. Näheres unter Auslandsschutz.
Checkliste: Vor der Reise
Von Arztgespräch bis Notfallkontakte: Diese Checkliste als kostenlose PDF-Datei fasst die wichtigsten Vorbereitungen für Menschen mit chronischen oder schweren Erkrankungen übersichtlich zusammen.
Checkliste vor der Reise für chronisch und schwer kranke Menschen
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