Corona Covid-19 > Kurzarbeitergeld

1. Das Wichtigste in Kürze

Kurzarbeitergeld, kurz KUG, ist neben dem Arbeitslosengeld eine Leistung der Arbeitslosenversicherung. Ziel ist, Arbeitsplätze zu erhalten und gleichzeitig dem Arbeitnehmer den Einkommensausfall, der durch eine Verkürzung der Arbeitszeit entsteht, wenigstens teilweise zu ersetzen. Mit den weitreichenden finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise auf Unternehmen und damit auch auf Arbeitnehmer, kommt dieser Lohnersatzleistung in Form des sog. vereinfachten Kurzarbeitergeldes eine besondere Rolle zu.

2. Voraussetzungen

Ist ein Unternehmen aufgrund von Ereignissen, die es selbst nicht zu vertreten hat, temporär in eine wirtschaftliche Notlage geraten, kann es bei der Agentur für Arbeit Kurzarbeit anmelden. Hierfür müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Bedingt durch die Corona-Pandemie hat der Gesetzgeber eine Lockerung dieser Auflagen bis zum 31.12.2021 und einen vereinfachten Zugang zum KUG beschlossen. Bis zum Ablauf dieser Frist reicht es für einen Antrag bereits aus, wenn 10 % der Arbeitnehmer eines Betriebes (im Normalfall müssten dies mindestens ein Drittel der Arbeitnehmer sein) von dem Arbeitsausfall betroffen sind und der Arbeitsentgeltausfall dabei mindestens 10 % beträgt. Auch auf den üblichen Aufbau von Minusstunden vor Gewährung des Kurzarbeitergeldes wird verzichtet. Die Antragstellung kann nicht vom Arbeitnehmer durchgeführt werden, sie ist Aufgabe des Unternehmens.

Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben normalerweise alle sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer, die im Anschluss an die Kurzarbeit weiterhin im Unternehmen beschäftigt sind. Auch Leiharbeitnehmer können von Kurzarbeit betroffen sein und Kurzarbeitergeld beziehen.

Keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben nicht versicherungspflichtig Beschäftigte, z.B. Minijobber, Praktikanten, Werkstudenten, freie Mitarbeiter und Mitarbeiter ab Ausspruch der Kündigung.

Die genauen Regelungen, auch zur Beantragung, finden Sie beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter www.bmas.de > Schwerpunkte > Informationen zum Coronavirus > Kurzarbeitergeld.

Die Bundesagentur für Arbeit bietet alle Informationen und Voraussetzungen für den erleichterten Zugang von Kurzarbeitergeld unter www.arbeitsagentur.de > Kurzarbeitergeld: Informationen für Beschäftigte.

3. Höhe

Die Höhe des Kurzarbeitergeldes richtet sich nach dem finanziellen Ausfall, den der Arbeitnehmer durch die Kürzung der Arbeitszeit hat. Grundsätzlich erhält ein Arbeitnehmer ohne Kind 60 %, ein Arbeitnehmer mit Kind 67 % des entfallenen Nettolohns.

Bis zum 31.12.2021 erhalten Arbeitnehmer, die einen Arbeitsausfall von mindestens 50 % haben, ab dem 4. Monat ein erhöhtes Kurzarbeitergeld von 70 % des entfallenen Nettolohns (Arbeitnehmer mit Kindern 77 %) und ab dem 7. Monat von 80 % (Arbeitnehmer mit Kindern 87 %). Voraussetzung ist, dass der Anspruch auf Kurzarbeitergeld bis zum 31.3.2021 entstanden ist.

Eine ausführliche Berechnungstabelle finden Sie im Merkblatt „Berechnung des Kurzarbeitergeldes“ der Agentur für Arbeit. Für Geringverdiener gibt es eine gesonderte Berechnungstabelle. Beides ist zu finden unter www.arbeitsagentur.de > Kurzarbeitergeld: Informationen für Beschäftigte.

Mit dem Kurzarbeitergeld-Rechner können Sie die Höhe Ihres Kurzarbeitergelds auch online berechnen unter www.smart-rechner.de > Arbeit und Soziales > Kurzarbeitergeld-Rechner.

Kurzarbeitergeld ist steuerfrei und fällt unter die sog. Lohnersatzleistungen. Jedoch unterliegen diese Leistungen dem Progressionsvorbehalt, d.h. dass sie zusätzlich zur Berechnung des Steuersatzes herangezogen werden. Somit kann sich die Steuerlast erhöhen und damit die Zahlung der Einkommenssteuer.

Rückwirkend zum 1.3.2020 sind Zuschüsse des Arbeitgebers zum KUG steuerfrei, sofern diese zusammen höchstens 80 % des ausgefallenen Arbeitsentgelts betragen. Diese Steuerbefreiung soll durch das Jahressteuergesetz 2020 bis zum 31.12.2021 verlängert werden.

4. Dauer

Diese Lohnersatzleistung ist zeitlich begrenzt. Im Allgemeinen kann sie fortlaufend maximal über einen Zeitraum von 12 Monaten bezogen werden. Aufgrund der Corona-Pandemie gilt Folgendes: Das Kurzarbeitergeld kann bis zu 2 Jahre verlängert werden, längstens bis zum 31.12.2021, wenn der Betrieb bis zum 31.12.2020 Kurzarbeit eingeführt hat. Bekommt das Unternehmen zwischenzeitlich einen Auftrag und kann den Arbeitnehmer für eine kurze Weile, d.h. mindestens einen Monat, wieder voll beschäftigen, wird für diesen Zeitraum die Kurzarbeit und demzufolge auch der Anspruch auf KUG ausgesetzt. Anschließend verlängert sich der Anspruch um die Dauer, die der Arbeitnehmer wieder als regulär Beschäftigter gearbeitet hatte.

Nähere Informationen hierzu finden Sie unter www.arbeitsagentur.de > Kurzarbeitergeld: Informationen für Unternehmen.

5. Hinzuverdienst

Die Bundesregierung hat aufgrund der Corona-Krise die gesetzlichen Regelungen zum Zuverdienst geändert. Diese Sonderregelungen für Kurzarbeiter sind vom 1.5.2020 bis zum 31.12.2020 verbindlich. Es gilt, dass Personen, die nach Beginn der Kurzarbeit eine Nebenbeschäftigung aufnehmen, so viel hinzuverdienen dürfen, bis sie 100 % ihres normalen Einkommens erreicht haben. Erst dann wird das Kurzarbeitergeld gekürzt. Dies gilt nicht für Minijobs, sog. geringfügige Beschäftigungen, die während der Kurzarbeit aufgenommen werden. Diese werden, voraussichtlich bis zum 31.12.2021, nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.

Nebenbeschäftigungen und Minijobs, die bereits vor der Kurzarbeit bestanden haben, werden ebenfalls nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.

6. Überstunden

Überstunden können als Hinweis dafür gelten, dass der Arbeitsausfall, wie es bei Kurzarbeit gefordert ist, nicht unvermeidbar wäre. Aus diesem Grund sind Überstunden grundsätzlich während des Bezugs von KUG nicht erlaubt. Sollten doch für einen kurzen Zeitraum Überstunden unumgänglich sein, wird die Vergütung wie folgt geregelt: Der Arbeitgeber kommt für das Arbeitsentgelt der geleisteten Überstunden auf. Dafür verringert sich der Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

7. Urlaubsanspruch

Der Urlaub aus dem Vorjahr muss vor der Kurzarbeit aufgebraucht werden. Der Jahresurlaub aus dem Jahr 2020 muss nicht zur Vermeidung von Kurzarbeit herangezogen werden. Nimmt ein Arbeitnehmer während der Kurzarbeit Urlaub, erhält er das durchschnittliche Gehalt aus den letzten 13 Wochen vor Eintritt der Kurzarbeit.

8. Feiertage

Während Feiertagen besteht kein Anspruch auf Kurzabeitergeld. Es liegt im Aufgabenbereich des Arbeitgebers für die Vergütung aufzukommen.

9. Arbeitsunfähigkeit

Wird ein Arbeitnehmer vor der Kurzarbeit krank, erhält er ab Eintritt der Kurzarbeit das durch den Arbeitsausfall verringerte Entgelt plus Krankengeld in Höhe des Kurzarbeitergeldes vom Arbeitgeber. Dieser erhält auf Antrag eine Erstattung des Krankengeldes von der Krankenkasse (§ 47b Abs. 4 SGB V). Gleiches gilt, wenn der Arbeitnehmer erst während der Kurzarbeit erkrankt, jedoch muss der Arbeitgeber die Erstattung des Kranken-Kurzarbeitergeldes dann bei der Agentur für Arbeit beantragen (§ 98 Abs. 2 SGB III). In beiden Fällen ist der erkrankte Arbeitnehmer während der Kurzarbeit also finanziell so gestellt wie seine gesunden Kollegen.

Nach 6 Wochen Entgeltfortzahlung gibt es Krankengeld von der Krankenkasse (§ 47 Abs.2 SGB V). Dieses wird auf Grundlage des normalen Entgelts, nicht des Kurzarbeitergeldes, berechnet. Der Arbeitnehmer erhält also genau soviel Krankengeld, wie er es ohne die Einführung von Kurzarbeit erhalten hätte.

10. Weiterbildung

Die aufgrund der Kurzarbeit frei verfügbare Zeit kann für Weiterbildungsmaßnahmen genutzt werden. Diese können während der Kurzarbeit unter bestimmten Voraussetzungen voll oder teilweise erstattet werden:

  • Der Abschluss der beruflichen Ausbildung sowie eine bereits geförderte Weiterbildung müssen mindestens 4 Jahre zurückliegen.
  • Die Inhalte der Weiterbildung müssen über eine auf den Arbeitsplatz bezogene Anpassungsfortbildung hinausgehen.
  • Die Weiterbildung geht über mehr als 120 Stunden und wird von einer durch die Arbeitsagentur anerkannten Einrichtung durchgeführt.
  • Bei Betrieben mit einer Größe von über 250 Mitarbeitern muss der Arbeitnehmer vom Strukturwandel betroffen sein oder eine Weiterbildung in einem Mangelberuf, wie beispielsweise in der Gesundheit- und Krankenpflege, anstreben.

Eine Weiterbildung kann während der Kurzarbeit begonnen werden. Bei der Rückkehr in den normalen Arbeitsalltag muss sie aber entweder bereits beendet, oder zeitlich so angelegt sein, dass dem Unternehmen kein wirtschaftlicher Schaden entsteht, es sei denn der Arbeitgeber stimmt einer Fortführung der Weiterbildung zu. Wurde eine Weiterbildung bereits vor Beginn der Kurzarbeit begonnen, kann sie währenddessen fortgeführt werden, sofern es sich um eine berufsbegleitende Maßnahme handelt. Nähere Informationen hierzu finden Sie beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter www.bmas.de > Schwerpunkte > Informationen zum Coronavirus > Kurzarbeitergeld > Fragen und Antworten zum Thema Kurzarbeit > Fragen und Antworten zum Download > Fragen und Antworten zum Thema Kurzarbeitergeld und Qualifizierung.

Eine Weiterbildungsmaßnahme kann bei der Agentur für Arbeit sowohl von Seiten des Arbeitnehmers als auch vom Arbeitgeber beantragt werden. Nach einer positiven Prüfung des Antrags wird ein Bildungsgutschein ausgestellt, der bei einer anerkannten Fortbildungseinrichtung eingelöst werden kann. Unter https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs kann man sich über solche geförderten Qualifizierungsmaßnahmen informieren.

Aufgrund der Corona-Pandemie gewinnt das E-Learning an Bedeutung. Auf verschiedenen Internetplattformen gibt es kurze, teilweise kostenfreie Weiterbildungen. Beim Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) unter www.kofa.de > Dossiers > Digital aus- und weiterbilden > Digitale Medien in der betrieblichen Weiterbildung > Passende E-Learning-Angebote kann man sich einen Überblick über die verschiedenen Anbieter verschaffen.

Auch die Volkshochschule bietet kostenlose Onlinekurse im Bereich der Grundlagenbildung, der Vorbereitung auf den (qualifizierenden) Hauptschulabschluss sowie Kurse für Deutsch als Fremdsprache an. Weitere Informationen finden Sie unter www.vhs-lernportal.de > Über das vhs-Lernportal.

11. Elterngeld

Bisher wurde das Nettoeinkommen der letzten 12 Monate vor der Geburt zur Bemessung des Elterngeldes herangezogen. Dabei wurden das Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld als sog. Lohnersatzleistungen nicht angerechnet. Diese Regelung wurde nun durch die Corona-Krise ausgesetzt. Jetzt gilt: Eine durch die Corona-Pandemie bedingte Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit hat keinen Einfluss auf die Höhe des Elterngeldes. Entsprechende Einkommenseinbußen im relevanten Zeitraum fließen nicht in die Berechnung des Elterngeldes ein. Diese Neuerung soll auch für eine spätere Bemessung bei einem weiteren Kind gelten.

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Letzte Bearbeitung: 09.10.2020

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