HIV AIDS > Prävention

1. Das Wichtigste in Kürze

Einer Ansteckung mit HIV kann auf verschiedenen Wegen gut vorgebeugt werden. Besonders wichtig ist der Schutz beim Geschlechtsverkehr durch "Safer Sex" und beim Drogenkonsum durch "Safer Use". Eine medikamentöse Prävention ist durch PEP (Vorbeugung nach dem Viruskontakt) und PrEP (Vorbeugung vor einem Risikokontakt) möglich.

2. Safer Sex

Unter "Safer Sex" (sichererem Sex) versteht man Methoden, die vor einer HIV-Übertragung schützen. Jede der folgenden Methoden schützt bei richtiger Anwendung vor einer Ansteckung:

  • Beim Geschlechtsverkehr Kondome oder Femikondome (Kondome für die Frau) benutzen.
  • Schutz durch Therapie: Durch eine HIV-Therapie wird die Vermehrung der HI-Viren unterdrückt. Wenn die Virusmenge durch die regelmäßige Medikamenteneinnahme mindestens ein halbes Jahr unter der Nachweisgrenze liegt, befinden sich auch in Sperma, Scheidenflüssigkeit, anderen Körperflüssigkeiten und in der Mundschleimhaut kaum noch Viren. Dann kann HIV nicht mehr übertragen werden. HIV-positive Menschen sollten aber regelmäßig (alle 3 Monate) ihre Viruslast überprüfen lassen, um das Risiko einzudämmen, dass sich Resistenzen entwickeln und die Viruslast wieder steigt. Dann muss die Therapie umgestellt werden.
  • PrEP: PrEP ist die Abkürzung für „Prä-Expositions-Prophylaxe“. Dabei nehmen Menschen mit einem hohen HIV-Risiko vorbeugend HIV-Medikamente ein, die vor einer Infektion schützen.

Beim Oralverkehr ist das Übertragungsrisiko sehr gering, weil die Mundschleimhaut in der Regel sehr stabil ist. Weltweit sind nur wenige Fälle bekannt, bei denen HIV durch Oralverkehr übertragen wurde.

2.1. Sofortmaßnahmen nach ungeschütztem Sex

Sollte es zum ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem HIV-positiven Partner gekommen sein, lässt sich das Übertragungsrisiko durch folgende Maßnahmen etwas reduzieren:

  • Bei ungeschütztem Anal- oder Vaginalverkehr sollte der Penis unter fließendem Wasser mit Seife gewaschen werden. Dabei sind die Innenseite der Vorhaut und die Eichel vorsichtig (ohne Druck auf die Schleimhaut) zu reinigen.
  • Wenn Samenflüssigkeit in den Mund gelangt ist, sollte diese sofort ausgespuckt und der Mund mit Wasser etwa vier- bis fünfmal kurz nachgespült werden. Wenn Sperma ins Auge gelangt, sollten die Augen ebenfalls mit Wasser ausgespült werden.
  • Es sollte keine Scheiden- oder Darmspülung durchgeführt werden, denn das begünstigt die Aufnahme von HIV in den Körper.

Wichtig: Durch die Sofortmaßnahmen kann das Risiko einer Ansteckung nur in geringem Maße reduziert werden. Bei einem hohen Risiko sollte daher eine PEP angewendet werden.

3. Safer Use

Mit "Safer Use" (sichere Nutzung) ist die Verhinderung einer Infektion durch geeignete Schutzmaßnahmen gemeint.
Bei Drogenkonsumenten ist dies die Benutzung von eigenem, sterilem Spritzenbesteck unter möglichst hygienischen Bedingungen, denn beim Spritzen ist die Gefahr einer Übertragung von Krankheitserregern sehr hoch. Aber auch beim Schnupfen besteht ein Infektionsrisiko, weshalb jeder Konsument sein eigenes Röhrchen verwenden sollte. Die Deutsche Aidshilfe hat in der Broschüre "Safer Use" die wichtigsten Informationen zur Reduzierung der Ansteckungsrisiken beim Drogengebrauch zusammengefasst. Download unter www.aidshilfe.de > Service > Material bestellen > Suchbegriff: "Safer Use".
In einigen Städten gibt es auch Einrichtungen und Spritzenautomaten, wo günstig steriles Spritzenbesteck erworben werden kann. Standorte für Spritzenautomaten können unter www.spritzenautomaten.de gefunden werden.

Im medizinischen Bereich verhindert die konsequente Einhaltung der Hygienerichtlinien (z.B. das Tragen von Schutzhandschuhen) eine Ansteckung.

4. Medikamentöse Prävention

Die medikamentöse Prävention ist auf 2 Wegen möglich. Zum einen nach einem (wahrscheinlichen) Viruskontakt und zum anderen vorbeugend für Menschen mit einem sehr hohen Infektionsrisiko.

4.1. PEP

Wer den Verdacht hat, sich mit HIV angesteckt zu haben, sollte sich sofort in fachärztliche Behandlung begeben.

Mit einer PEP (Postexpositionsprophylaxe, also Vorbeugung nach dem Viruskontakt) kann verhindert werden, dass sich das HI-Virus im Körper festsetzt. Dazu werden 4 Wochen Medikamente der HIV-Therapie eingenommen. Die Medikamente müssen so schnell wie möglich verabreicht werden, am besten bereits innerhalb der ersten 2 Stunden, spätestens nach 48 Stunden. Nach 72 Stunden wird die Einnahme nach heutigem Kenntnisstand nicht mehr empfohlen.

Die Kosten für eine PEP werden von der Krankenkasse nur übernommen, wenn tatsächlich ein Infektionsrisiko bestanden hat, z.B. bei

  • Verletzungen mit HIV-kontaminierten Instrumenten bzw. Injektionsnadeln
  • Benetzung offener Wunden und Schleimhäute mit HIV-kontaminierten Flüssigkeiten
  • ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einer HIV-infizierten Person
  • Gebrauch von HIV-kontaminiertem Injektionsbesteck

Ob ein relevantes Risiko vorliegt, muss im Einzelfall von einem Arzt entschieden werden.

Wichtig: Die HIV-PEP ist keine "Pille danach", sondern eine aufwendige medizinische Behandlungsmöglichkeit für Ausnahmesituationen.

Detaillierte Informationen und einen Link zu Kliniken, die eine PEP anbieten, findet man bei der Deutschen Aidshilfe unter www.aidshilfe.de > Themen > Safer-Sex-Unfall/PEP.

4.2. PrEP

PrEP ist die Abkürzung für Prä-Expositions-Prophylaxe (Vorbeugung vor einem Risikokontakt). Hier kann ein HIV-negativer Mensch präventiv Medikamente der HIV-Therapie einnehmen, um sich vor einer Infektion zu schützen. Die Medikamente reichern sich dann u.a. in den Zellen der Schleimhäute an und verhindern, dass eindringende HI-Viren sich vermehren.

Die korrekte Einnahme der PrEP ist unabdingbar für einen zuverlässigen Schutz. Die Medikamente werden entweder täglich oder vor und nach einem sexuellen Kontakt („anlassbezogen“) eingenommen. Für Menschen, die regelmäßig Sex haben, empfiehlt sich eine dauerhafte PrEP mit täglicher Einnahme. Weiterführende Informationen unter www.aidshilfe.de > Themen > HIV-PrEP > Einnahmeschema.

Die Vorbeugung durch die PrEP ist nur in speziellen Fällen sinnvoll (z.B. bei Menschen mit einem sehr hohen HIV-Risiko). Eine ausführliche Beratung bei einem spezialisierten Arzt ist unbedingt empfehlenswert. Ebenso wichtig ist eine regelmäßige medizinische Begleitung und Kontrolle.

In Deutschland werden PrEP-Medikamente seit dem 1.9.2019 unter folgenden Voraussetzungen von der Krankenkasse bezahlt:

  • Der Versicherte hat das 16. Lebensjahr vollendet.
  • Es besteht ein erhöhtes Risiko sich mit HIV zu infizieren.

 

Im Zusammenhang mit der PrEP werden folgende Leistungen von der Krankenkasse erstattet:

  • Ärztliche Beratung bei Fragen in Zusammenhang mit der PrEP und Ansteckung mit HIV
  • Erforderliche Untersuchungen bei der Anwendung der PrEP
  • Versorgung mit den verschreibungspflichtigen Arzneimitteln der PrEP

 

Ist das Präparat nicht von der Zuzahlung befreit (Näheres unter Arznei- und Verbandmittel > Zuzahlung und Befreiung und Zuzahlungsbefreiung Krankenversicherung), müssen in der Regel folgende Zuzahlungen geleistet werden: 10 % der Kosten, mindestens 5 €, maximal 10 €, in keinem Fall mehr als die Kosten des Arzneimittels.

Detaillierte Informationen zur PrEP gibt es bei der Deutschen Aidshilfe unter www.aidshilfe.de > Themen > HIV-PrEP .

4.3. Praxistipp Leitlinien

Die Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG) hat gemeinsam mit der Österreichischen AIDS-Gesellschaft folgende Leitlinien zur medikamentösen HIV-Prävention entwickelt:

5. Verwandte Links

HIV AIDS > Behandlung

Letzte Bearbeitung: 25.02.2020

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