HIV AIDS > Allgemeines

1. Das Wichtigste in Kürze

HIV ist eine unheilbare Virus-Infektion, die das Immunsystem befällt. Wenn sie nicht behandelt wird, entwickelt sich daraus die Krankheit AIDS. Sie wird durch direkten Kontakt von Körperflüssigkeiten, vor allem Blut, Sperma und Vaginalsekret, übertragen. Die meisten Infektionen erfolgen beim Geschlechtsverkehr und beim intravenösen Drogenkonsum.

2. Übertragung

HIV wird nur durch direkten Kontakt von bestimmten Körperflüssigkeiten übertragen. Die Hauptübertragungswege der HI-Viren sind:

  • Kontakt mit infiziertem Blut, meist beim Geschlechtsverkehr (durch winzige Verletzungen), insbesondere beim Analverkehr, auch beim Vaginalverkehr, selten beim Oralverkehr. HIV kann auch durch das gemeinsame Benutzen von Injektionsnadeln beim Drogenkonsum übertragen werden. Selten kommt es zu einer Ansteckung im medizinischen Bereich, z.B. in Folge einer Nadelstichverletzung. Die Übertragung durch Bluttransfusionen ist heute in Deutschland so gut wie ausgeschlossen, da das Spenderblut konsequent untersucht wird.
  • Sexueller Kontakt mit Übertragung von infiziertem Sperma oder infizierter Vaginalflüssigkeit. Dies ist insbesondere bei ungeschütztem Anal- und Vaginalverkehr, selten auch bei Oralverkehr (durch Schlucken von infiziertem Ejakulat oder wenn infiziertes Sperma oder Menstruatuionsblut auf geschädigte Mundschleimhaut gelangt) möglich.
  • Von der Mutter auf das Kind bei Schwangerschaft, Geburt oder durchs Stillen. Das kann jedoch durch vorbeugende Maßnahmen verhindert werden.

 

Das Übertragungsrisiko wird erhöht,

  • wenn sexuell übertragbare Krankheiten oder Verletzungen vorliegen, weil dann die HIV-Viren leichter eindringen können.
  • wenn der HIV-Infizierte eine hohe Viruslast hat, weil dann viele HI-Viren vorhanden sind.

 

Nicht übertragen werden kann HIV durch Tröpfcheninfektionen, Tränen, Schweiß, Speichel, Nahrungsmittel oder Trinkwasser. Das heißt eine Übertragung ist nicht möglich durch

  • Küssen, Händedruck, Umarmen, Streicheln
  • Anhusten oder Anniesen
  • Benutzen derselben Teller, Gläser und Bestecke
  • Gemeinsame Benutzung von Toiletten, Handtüchern oder Bettwäsche
  • Besuch von Schwimmbad oder Sauna
  • Zusammenarbeiten und -wohnen mit HIV-infizierten Menschen
  • Betreuen und Pflegen von Menschen mit HIV oder AIDS
  • Erste-Hilfe-Leistungen, sofern die hygienischen Vorschriften (Handschuhe, Beatmungsmaske) eingehalten werden
  • Medizinischen und kosmetischen Behandlungen (Zahnarzt, Fußpflege usw.), sofern die Hygienevorschriften beachtet werden
  • Tätowieren und Piercen unter hygienischen Bedingungen
  • Insektenstiche oder andere Tierkontakte im üblichen Rahmen

3. Symptome und Verlauf

Eine HIV-Infektion und gegebenenfalls AIDS entwickeln sich unterschiedlich. Sie sind von vielen Faktoren abhängig, weshalb insbesondere die Zeitangaben in den nachfolgenden Beschreibungen nur sehr vage sein können.

3.1. HIV

HIV ist die Abkürzung für "Human Immunodeficiency Virus", es handelt sich also um ein "menschliches Abwehrschwäche-Virus" aus der Gruppe der Retroviren.

Es gibt zwei Typen von HIV, die jeweils in mehrere Untergruppen unterteilt werden können. In Deutschland kommt vor allem der HIV-1-Typ vor. HIV-2 ist hingegen nur für ca. 0,5 % aller Fälle verantwortlich und tritt vor allem in Westafrika auf.

 

Die Infektion mit HIV verläuft in mehreren Phasen:

3.1.1. Akute Infektion

Das HI-Virus greift das Immunsystem durch Eindringen in bestimmte Immunabwehrzellen und dortiger Vermehrung an, weshalb der Körper Krankheitserreger und entartete Körperzellen nicht mehr so gut bekämpfen kann. Zur Vermehrung werden vor allem Lymphocyten, die den CD4-Rezeptor auf der Oberfläche tragen, welcher das Viruseindringen begünstigt (sog. CD4-Zellen, auch T-Helferzellen genannt) und Makrophagen benötigt. Das Virus veranlasst durch ein spezielles Enzym („Reverse Transkriptase“) eine Umschreibung und Eingliederung seines Erbguts (RNA) in das Erbgut der Wirtszelle (DNA) und regt dadurch die Zelle zur Produktion von Virus-Erbgut an. Die vom Virus befallenen Zellen produzieren auf diese Weise neue Viren, werden aber durch die Virenproduktion schnell zerstört, während Makrophagen länger leben und kontinuierlich Viren herstellen, die sich im Körper ausbreiten. Der Körper reagiert auf diese Infektion und bildet Antikörper, die sich im Blut nachweisen lassen.

Nach der Infektion vermehren sich die HI-Viren zunächst stark. Das Immunsystem wehrt sich dagegen und es kommt nach einem Zeitraum von etwa 2 bis 4 Wochen zu grippeähnlichen Symptomen, die häufig nicht als HIV-Infektion erkannt werden. Typisch sind z.B. Fieber, Mandel- und Lymphknotenschwellungen, Hautausschlag, Müdigkeit und Abgeschlagenheit, starker Nachtschweiß und Muskelschmerzen.

3.1.2. Asymptomatische Latenzphase

Die HI-Virenzahl ("Viruslast") sinkt danach ab und das Virus lässt sich nur noch schwer nachweisen. Nachweisbar bleiben aber die Antikörper, anhand derer in der Regel HIV diagnostiziert wird (siehe unter HIV-Test).

Der Infizierte spürt in dieser Zeit in der Regel keine körperlichen Veränderungen. Allerdings vermehrt sich das HI-Virus weiter. T-Helferzellen werden zerstört, können vom Körper aber in ausreichender Anzahl nachgebildet werden. Die symptomfreie Latenzzeit kann Monate bis Jahre dauern.

3.1.3. Lymphadenopathie-Syndrom (LAS)

In diesem Stadium treten Lymphknotenschwellungen an mindestens zwei Stellen auf, die länger als 8 Wochen anhalten. Der Körper ist nicht mehr in der Lage genügend T-Helferzellen zu bilden, sodass die Abwehrkräfte geschwächt sind und es vermehrt zu Erkrankungen kommt. Die Betroffenen entwickeln unspezifische Beschwerden, d.h. es handelt sich um Beschwerden, die bei verschiedenen Erkrankungen auftreten können. Typisch sind z.B. ein schlechtes Allgemeinbefinden, Veränderungen der Haut und der Schleimhäute oder Magen-Darm-Probleme. Die Symptome sowie ihre Häufigkeit und Ausprägung sind individuell stark unterschiedlich.

3.2. AIDS

AIDS ist die Abkürzung für "Acquired Immune Deficiency Syndrome", übersetzt "erworbenes Immunschwäche-Syndrom".

Von AIDS spricht man erst, wenn es infolge des geschädigten Immunsystems zu lebensbedrohlichen Infektionen kommt. Typisch sind eine spezielle, durch einen Pilz ausgelöste, Form der Lungenentzündung (Pneumocystis jirovecii), Pilzinfektionen der Schleimhäute (Candida albicans), Hirnabszesse infolge einer Toxoplasmen-Infektion oder schwere Erkrankungen an Augen, Lunge, Hirn oder Darm, die von einem bereits vorhandenen Herpes-Virus verursacht werden.

Man spricht hier von „opportunistischen Infektionen“. Das sind Infektionen, die nur auftreten, wenn das Immunsystem schon durch eine andere Erkrankung stark geschwächt ist, in diesem Fall durch die HIV-Infektion.

Zudem können bestimmte Krankheiten neu auftreten. Typisch für AIDS sind Krebsarten, die durch Viren bedingt sind, z.B. das Kaposi-Sarkom (Krebsart an den Schleimhäuten) und das B-Zell-Lymphom (Krebsart der Lymphzellen). Diese Krebsarten zählen zusammen mit den opportunistischen Infektionen, einer bestimmten Gehirnerkrankung (HIV-assoziierte Enzephalopathie) und einem Gewichtsverlust über 10 % ohne erkennbare Ursache (Wasting-Syndrom) zu den sog. AIDS-definierenden Erkrankungen.

3.3. HIV-Co-Infektionen

HIV-Co-Infektionen sind Infektionen mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (STI), z.B. Infektionen mit Chlamydien, Humanen Papillomviren, Hepatitis C oder Syphilis. Einige STI können bei HIV einen besonders schweren Verlauf nehmen. Zudem erhöht eine Co-Infektion das Risiko, dass andere Menschen sich mit HIV anstecken. HIV-Infizierte sollten sich deshalb jährlich auf versteckte Infektionen untersuchen lassen.

Besonders gefährlich ist Hepatitis (Leberentzündung), insbesondere wenn sie durch Viren hervorgerufen wird. Es gibt harmlosere und gefährlichere Arten. Hepatitis B und C können chronisch oder gar lebensbedrohlich werden, was vor allem bei Menschen mit Immunstörungen, also auch bei HIV-Betroffenen, passiert. Näheres unter Hepatitis C > Behandlung.

Gegen Hepatitis A und B gibt es Schutzimpfungen, die man als HIV-Positiver möglichst in Anspruch nehmen sollte.

Informationen zu STI bietet die Deutsche STI Gesellschaft (DSTIG) unter www.dstig.de.

4. Prävention

Einer Ansteckung mit HIV kann auf verschiedenen Wegen gut vorgebeut werden.

4.1. Safer Sex

Mit "Safer Sex" (sichererem Sex) versteht man Methoden, die vor einer HIV-Übertragung schützen. Jede der folgenden Methoden schützt bei richtiger Anwendung vor einer Ansteckung:

  • Beim Geschlechtsverkehr Kondome oder Femikondome (Kondome für die Frau) benutzen.
  • Schutz durch Therapie: Durch eine HIV-Therapie wird die Vermehrung der HI-Viren unterdrückt. Wenn die Virusmenge durch die regelmäßige Medikamenteneinnahme mindestens ein halbes Jahr unter der Nachweisgrenze liegt, kann HIV nicht übertragen werden.
  • PrEP: PrEP ist die Abkürzung für „Prä-Expositions-Prophylaxe“. Dabei nehmen Menschen mit einem hohen HIV-Risiko vorbeugend HIV-Medikamente ein, die vor einer Infektion schützen.

Beim Oralverkehr ist das Übertragungsrisiko gering, weil die Mundschleimhaut in der Regel sehr stabil ist. Weltweit sind nur wenige Fälle bekannt, bei der HIV durch Oralverkehr übertragen wurde.

4.1.1. Sofortmaßnahmen nach ungeschütztem Sex

Sollte es zum ungeschützen Geschlechtsverkehr mit einem HIV-positiven Partner gekommen sein, lässt sich das Übertragungsrisiko durch folgende Maßnahmen etwas reduzieren:

  • Bei ungeschütztem Anal- oder Vaginalverkehr sollte der Penis unter fließendem Wasser mit Seife gewaschen werden. Dabei ist die Innenseite der Vorhaut und die Eichel vorsichtig (ohne Druck auf die Schleimhaut) zu reinigen.
  • Wenn Samenflüssigkeit in den Mund gelangt ist, sollte diese sofort ausgespuckt und der Mund mit Wasser etwa vier- bis fünfmal kurz nachgespült werden. Wenn Sperma ins Auge gelangt, sollten die Augen ebenfalls mit Wasser ausgespült werden.
  • Es sollt keine Scheiden- oder Darmspülung durchgeführt werden, denn das begünstigt die Aufnahme von HIV in den Körper.

Wichtig: Durch die Sofortmaßnahmen kann das Risiko einer Ansteckung nur in geringem Maße reduziert werden. Bei einem hohen Risiko sollte daher eine PEP angewendet werden.

4.2. Safer Use

Mit "Safer Use" (sichere Nutzung) ist die Verhinderung einer Infektion durch geeignete Schutzmaßnahmen gemeint. Bei Drogenkonsumenten ist dies die Benutzung von eigenem, möglichst sterilem Spritzenbesteck. Vor dem Spritzen sollten die Hände gründlich gewaschen werden. Die Einstichstelle sollte vor und nach der Injektion mit einem Alkoholtupfer desinfiziert werden. Im medizinischen Bereich verhindert die konsequente Einhaltung der Hygienerichtlinien (z.B. das Tragen von Schutzhandschuhen) eine Ansteckung.

4.3. Medikamentöse Prävention

Die medikamentöse Prävention ist auf 2 Wegen möglich.

4.3.1. PEP

Wer den Verdacht hat, sich mit HIV angesteckt zu haben, sollte sich sofort in fachärztliche Behandlung begeben.

Mit einer PEP (Postexpositionsprophylaxe, also Vorbeugung nach dem Viruskontakt) kann verhindert werden, dass sich das HI-Virus im Körper festsetzt. Die Medikamente müssen so schnell wie möglich eingenommen werden, am besten bereits innerhalb der ersten 2 Stunden, spätestens nach 48 Stunden. Nach 72 Stunden wird die Einnahme nach heutigem Kenntnisstand nicht mehr empfohlen.

Die erheblichen Kosten für eine PEP werden von der Krankenkasse nur übernommen, wenn tatsächlich ein Infektionsrisiko bestanden hat, z.B. bei

  • Verletzungen mit HIV-kontaminierten Instrumenten bzw. Injektionsnadeln
  • Benetzung offener Wunden und Schleimhäute mit HIV-kontaminierten Flüssigkeiten
  • ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einer HIV-infizierten Person
  • Gebrauch von HIV-kontaminiertem Injektionsbesteck
  • einer Transfusion von HIV-kontaminiertem Blut oder Blutprodukten

Ob ein relevantes Risiko vorliegt, muss im Einzelfall von einem Arzt entschieden werden.

Wichtig: Die HIV-PEP ist keine "Pille danach", sondern eine aufwendige medizinische Behandlungsmöglichkeit für Ausnahmesituationen.

Detaillierte Informationen und einen Link zu Kliniken, die eine PEP anbieten, gibt die Deutsche AIDS-Hilfe unter www.aidshilfe.de/safer-sex-unfallpep.

4.3.2. PrEP

PrEP ist die Abkürzung für Prä-Expositions-Prophylaxe (Vorbeugung vor einem Risikokontakt). Hier kann ein HIV-negativer Mensch präventiv Medikamente der HIV-Therapie einnehmen, um sich vor einer Infektion zu schützen. Diese werden entweder täglich oder vor und nach einem sexuellen Kontakt („anlassbezogen“) eingenommen. Die Vorbeugung durch die PrEP ist nur in speziellen Fällen sinnvoll (z.B. bei Menschen mit einem sehr hohen HIV-Risiko). Eine ausführliche ärztliche Beratung ist daher unbedingt zu empfehlen.

In Deutschland werden PrEP-Medikamente seit dem 1.9.2019 von der Krankenkasse bezahlt. Die gesetzliche Grundlage hierfür ist das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG).

Es müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Versicherte hat das 16. Lebensjahr vollendet.
  • Es besteht ein erhöhtes Risiko sich mit HIV zu infizieren.

 

Im Zusammenhang mit der PrEP werden folgende Leistungen von der Krankenkasse erstattet:

  • Ärztliche Beratung bei Fragen in Zusammenhang mit der PrEP und Ansteckung mit HIV
  • Erforderliche Untersuchungen bei der Anwendung der PrEP
  • Versorgung mit den verschreibungspflichtigen Arzneimitteln der PrEP

 

Ist das Präparat nicht von der Zuzahlung befreit (Näheres unter Arznei- und Verbandmittel > Zuzahlung und Befreiung und Zuzahlungsbefreiung Krankenversicherung), müssen in der Regel folgende Zuzahlungen geleistet werden: 10 % der Kosten, mindestens 5 €, maximal 10 €, in keinem Fall mehr als die Kosten des Arzneimittels.

Detaillierte Informationen der Deutschen AIDS-Hilfe gibt es unter www.aidshilfe.de/faq-prep.

5. HIV-Tests

Bei Verdacht auf HIV sollte man sich umgehend testen lassen, denn

  • je früher die Behandlung beginnt, desto höher ist die Chance, lange und symptomfrei mit HIV zu leben und den Ausbruch von AIDS zu verzögern oder zu verhindern.
  • wer über seine Infektion Bescheid weiß, kann andere vor einer Infektion schützen, weil er das Virus nicht unwissentlich weiter überträgt.

Es gibt mehrere Testverfahren, die entweder nach HIV-Antikörpern im Blut oder direkt nach dem HI-Virus oder einem Bestandteil von HIV (Antigen) suchen.

Von einem „positiven Testergebnis“ spricht man, wenn Antikörper im Blut nachgewiesen werden und eine HIV-Infektion vorliegt. Ein „negatives Testergebnis“ bedeutet, dass keine Infektion vorliegt oder die Ansteckung noch nicht lange zurückliegt und sich daher noch keine Antikörper gebildet haben.

5.1. HIV-Labortest

Bei einem Labortest wird on einem Arzt Blut aus der Armbeuge entnommen und in ein Labor geschickt. Die Labortests suchen in der Regel sowohl nach Antikörpern als auch nach bestimmten Bestandteil von HIV. Diese Bestandteile können aber erst bei einer großen HIV-Menge im Blut nachgewiesen werden. Das ist nur kurz nach der Ansteckung oder bei einem schlechten Immunsystem (z.B. im AIDS-Stadium) der Fall.
Um eine HIV-Infektion nachzuweisen, kann bereits ca. 2 Wochen nach einem HIV-Übertragungsrisiko ein Antigen-Antikörper-Test gemacht werden. Damit kann eine Infektion allerdings erst 6 Wochen nach dem letzten Risiko sicher ausgeschlossen werden, weil erst dann genügend Antikörper gebildet wurden. Das heißt: Ein HIV-positiver Befund im Antigen-Antikörper-Test ist zu jedem Testzeitpunkt zutreffend. Ein negativer Befund ist erst 6 Wochen nach einem Risiko aussagekräftig.
Wenn der Labortest reagiert, wird direkt ein Bestätigungstest gemacht. Das Ergebnis eines Labortests hat man nach einigen Tagen.

5.2. Schnelltest

Beim Schnelltest wird Blut aus der Fingerkuppe entnommen und in einen Testapparat gegeben. Der Schnelltest kann schon nach wenigen Minuten ein Ergebnis liefern. Eine HIV-Infektion kann etwa 3 Wochen nach einer Ansteckung nachgewiesen werden. Da es beim Schnelltest aber zu einem falsch-positiven Ergebnis kommen kann, sollte ein HIV-Labortest nachgeschaltet werden, wenn das Ergebnis positiv ist. Ein HIV-negatives Ergebnis ist erst nach 12 Wochen aussagekräftig, da der Test nach Antikörpern sucht, die erst mit der Zeit gebildet werden.

5.2.1. Selbsttest

Selbsttests (auch Heimtests genannt) sind Schnelltests, die man selbst zu Hause durchführen kann. Sie können in Apotheken, Drogerien oder im Internet gekauft werden. Wichtig ist, dass der Test ein CE-Zeichen hat, denn nur diese Tests sind für Laien entwickelt worden und in Europa zugelassen. Das ist z.B. bei den Selbsttests „Autotest VIH“, „INSTI“ und „Exato“ der Fall. Die Kosten liegen zwischen 20 und 50 €.
Auch hier kann es zu einem positiven Ergebnis kommen, obwohl keine HIV-Infektion vorliegt. Daher muss bei einem positiven Ergebnis ein Labortest nachgeschaltet werden, um das Testergebnis zu bestätigen.
Ein Selbsttest bietet die Möglichkeit eine HIV-Infektion zu überprüfen, ohne in eine Arztpraxis oder Teststelle gehen zu müssen. Man sollte aber bedenken, dass man mit dem Testergebnis zunächst alleine ist und nicht direkt mit jemand sprechen kann. Es besteht aber die Möglichkeit sich unter www.aidshilfe.de zeitnah persönlich, telefonisch oder online an einen Mitarbeiter zu wenden.

5.2.2. Einsendetest

Beim Einsendetest handelt es sich um eine Sonderform des Selbsttests. Man entnimmt zu Hause selbstständig Blut aus der Fingerkuppe und gibt es in das Testgerät, schickt es dann aber zur Untersuchung in ein Labor. Das Ergebnis erhält man dann telefonisch oder online.
Einsendetests werden noch nicht in ganz Deutschland angeboten. Es gibt in einigen Städten Pilotprojekte, u.a. in München, Nürnberg und Regensburg.

5.3. PCR-Test

Der PCR-Test (PCR = Polymerasekettenreaktion) weist nicht die Antikörper, sondern das HI-Virus selbst nach. Der PCR-Test wird vor allem genutzt, um die Viruslast und damit den Erfolg einer HIV-Behandlung zu messen. Er kann auch als Bestätigungstest eines positiven Antikörper-Suchtest eingesetzt werden. Wenn er mehr als 1.000 HIV-Kopien pro Mililiter Blut misst, ist das Ergebnis bestätigt.
Auch bei Neugeborenen einer HIV-positiven Mutter wird der PCR-Test verwendet. Antikörper-Suchtests sind nämlich in den ersten 18 Monaten immer positiv aus, weil die Babys Anikörper ihrer Mutter im Blut haben. Das bedeutet aber nicht, dass sie mit HIV infiziert sind.
Der PCR-Test eignet sich jedoch nicht, um eine HIV-Infektion auszuschließen. Dafür sollten Labor- oder Schnelltests benutzt werden.

5.4. Praxistipp

HIV-Tests kann man bei vielen Gesundheitsämtern, AIDS-Hilfestellen, Checkpoints und Präventionsprojekten anonym und meist kostenlos machen lassen. Erfolgt der Test beim Arzt, wird er namentlich durchgeführt und mit dem Ergebnis in die Patientenakte eingetragen.

Adressen finden Sie unter www.aidshilfe.de/hiv-test.

6. Datenschutz und Meldepflicht

HIV und AIDS sind leider noch immer sehr stigmatisiert und es gibt viele Menschen, die nicht genügend aufgeklärt sind und Vorurteile haben. Daher ist es wichtig zu wissen, wem gegenüber eine Mitteilungspflicht besteht und für wen die Schweigepflicht gilt.

6.1. Mitteilungspflicht

In Deutschland gibt es kein Gesetz, das zu einer Mitteilung gegenüber dem Sexualpartner verpflichtet. Daher entscheidet der Betroffene selbst, wen er über seine Infektion informiert. Entscheidend ist jedoch, dass er eine Ansteckung durch Safer-Sex-Maßnahmen verhindert. Wenn er ungeschützten Geschlechtsverkehr hat, ohne den Partner vorher über die Infektion in Kenntnis zu setzen, macht er sich wegen versuchter Körperverletzung strafbar.

Eine rechtliche Verpflichtung der Mitteilung gegenüber Ärzten und Behördern besteht nicht. Es ist allerdings ratsam, alle behandelnden Ärzte über die HIV-Infektion in Kenntnis zu setzen, damit Wechselwirkungen vermieden und Nebenwirkungen richtig eingeordnet werden können. In manchen Fällen ist auch notwendig, Leistungsträger über die Infektion zu informieren, z.B. wenn aufgrund der AIDS-Erkrankung eine Rente beantragt wird.

6.2. Schweigepflicht

Für Ärzte und andere Mitarbeiter des Gesundheitswesens besteht eine Schweigepflicht, die nur bei einem rechtfertigenden Notstand gebrochen werden darf. Ein rechtfertigender Notstand ist in der Praxis jedoch nicht einfach zu begründen und liegt daher nur in Ausnahmefällen vor. Auch bei einer Gefährdung Dritter (z.B. wenn ein HIV-Infizierter ungeschützen Geschlechtsverkehr mit seinem Partner hat und dieser nicht über die Infektion informiert ist) gilt zunächst die Schweigepflicht. Es müssen erst alle Maßnahmen (z.B. eindringliche Aufklärung über die Konsequenzen des Handelns) ausgeschöpft sein, bis der Arzt seine Schweigepflicht brechen und den Sexualpartner informieren darf.

Ein Arzt darf sein Wissen um eine Infektion auch nicht beliebig an andere Klinikmitarbeiter weitergeben. Ein Einverständnis des Patienten in die Mitteilung gegenüber Dritten erstreckt sich nur auf Mitarbeiter, die unmittelbar mit dem Patienten befasst sind. Die Verschwiegenheit gilt auch für die Dokumentation und Weitergabe von Befunden sowie die Abrechnung mit der Krankenkasse. Das Ergebnis eines HIV-Tests darf z.B. nicht ohne Einverständnis des Patienten in einem Arztbrief weitergegeben werden. Wenn kein Einverständnis vorliegt, kann der Arzt einen Hinweis auf Unvollständigkeit eintragen. Der Betroffene kann dann allerdings der Weiterleitung eines solchen Arztbriefes widersprechen.

Auch Privatpersonen sind durch das allgemeine Persönlichkeitsrecht zur Verschwiegenheit verpflichtet. Wer das Wissen um eine Infektion weiterträgt, kann auf Schadensersatz verklagt werden.

Näheres zum Umgang mit einer HIV-Infektion unter HIV AIDS > Beruf und Rente und HIV AIDS > Familie Leben Reisen.

7. Wer hilft weiter?

Die AIDS-Hilfe bietet Beratung auf verschiedenen Wegen an

Neben Betroffenen können auch Partner und Angehörige die Beratung nutzen. Bei Bedarf werden die Kontaktdaten lokaler AIDS-Hilfen und bundesweiter Beratungsprojekte zu medizinischen Fragen vermittelt.

8. Praxistipp Ratgeber

Kostenloser Download: Ratgeber HIV und AIDS als PDF mit Informationen zu allen oben stehenden Themen und den Informationen in den nachfolgend verlinkten Artikeln.

9. Verwandte Links

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Letzte Bearbeitung: 01.09.2019

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