Physiotherapie

1. Das Wichtigste in Kürze

Unter dem Begriff Physiotherapie werden verschiedene aktive und passive Therapieformen zusammengefasst. Grob wird zwischen Bewegungstherapie (z.B. Krankengymnastik) und physikalischer Therapie (z.B. Massagen, Bäder) unterschieden. Die Bewegungstherapie findet mit Unterstützung und unter Anleitung von Physiotherapeuten statt. Die physikalische Therapie erfolgt durch Masseure und medizinische Bademeister. Physiotherapie erfolgt auf ärztliche Verordnung und wird von der Krankenkasse übernommen.

2. Ziele

Das Hauptziel der Physiotherapie ist, die Leistungsfähigkeit des gesamten Organismus zu verbessern oder wiederherzustellen. Im Therapieplan werden die Ziele der Therapie aufgrund der ärztlichen Verordnung und der Untersuchung durch den Physiotherapeuten erfasst. Ziele der Therapie sind z.B.:

  • Schmerzlinderung
  • Erhaltung und Verbesserung von Beweglichkeit, Koordination, Kraft und Ausdauer
  • Förderung von Stoffwechsel und Durchblutung

3. Anwendungsbereiche

Prävention: Zur Vorbeugung der Entstehung von Erkrankungen oder der Rückkehr vorausgegangener Erkrankungen.

Therapie: Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen, ergänzend zu anderen Behandlungsmaßnahmen.

Rehabilitation: Wiederherstellung von Fähigkeiten, die eine Teilnahme am täglichen Leben trotz körperlicher Beeinträchtigungen ermöglichen. Ziel ist das Ausgleichen und Mindern von krankheitsbedingten Funktionsverlusten.

4. Verordnung und Zuzahlung

Die Maßnahmen der Physiotherapie zählen zu den sog. Heilmitteln. Heilmittel im sozialrechtlichen Sinn sind äußerliche Behandlungsmethoden, die der Krankheitsbekämpfung dienen. Alle erstattungsfähigen Heilmittel werden vertraglich in der Heilmittelrichtline vereinbart und im Heilmittelkatalog festgehalten. Physiotherapie muss von einem Haus- oder Facharzt verordnet werden. Wenn auf der Verordnung keine Angaben über einen Behandlungsbeginn gemacht wurden, muss die Physiotherapie innerhalb von 14 Tagen begonnen werden.

In der Regel müssen Patienten, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, 10% der Kosten, zuzüglich 10 € je Verordnung zuzahlen.

Näheres zu den erstattungsfähigen Heilmitteln im Allgemeinen, Kostenübernahme und Zuzahlungen unter Heilmittel.

5. Therapien

Die Maßnahmen der Physiotherapie und der Physikalischen Therapie werden im Heilmittelkatalog (Näheres unter Heilmittel) unter der Physikalischen Therapie zusammengefasst. Es sind nur solche Heilmittel verordnungsfähig, deren therapeutischer Nutzen nachgewiesen ist und die nicht ausschließlich der persönlichen Lebensführung dienen (z.B. Ganzkörpermassagen ohne konkreten therapeutischen Nutzen). Vor der Erst-Verordnung muss eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Zudem wird zu Beginn der Therapie ein individueller Behandlungsplan erstellt. Er muss die Indikation, das Therapieziel sowie das Ergebnis der Behandlung beinhalten.

Folgende Therapien sind verordnungsfähig:

Massagetherapie

  • KMT: Klassische Massagetherapie
  • BGM: Bindegewebsmassage
  • SM: Segmentmassage (Massage einzelner Körpersegmente, häufig des Rückens)
  • PM: Periostmassage (Druckmassage der Knochenhaut)
  • CM: Colonmassage (Massage des Dickdarms durch die Bauchdecke)
  • UWM: Unterwasserdruckstrahlmassage
  • MLD-30, MLD-45, MLD-60: Manuelle Lymphdrainage (Therapiezeit 30, 45 oder 60 Minuten)

Bewegungstherapie

  • Übungsbehandlungen (auch im Bewegungsbad)
  • Chirogymnastik (funktionelle Wirbelsäulengymnastik)
  • KG: allgemeine Krankengymnastik
  • KG-Gerät: Gerätegestützte Krankengymnastik
  • KG-ZNS, KG-ZNS-Kinder: Krankengymnastik zur Behandlung von Erkrankungen des zentralen Nervensystems (auch für Kinder)
  • MT: Manuelle Therapie

Traktionsbehandlung (Ausüben einer ziehenden Bewegung auf das zu behandelnde Gelenk)

Elektrotherapie (Elektrostimulation zur Lockerung der Muskulatur)

Kohlensäurebäder und Kohlensäuregasbäder (Voll- oder Teilbäder)

Inhalationsbäder

Thermobäder (Wärme-/Kältetherapie)

Standardisierte Kombinationen von Maßnahmen der Physikalischen Therapie („Standardisierte Heilmittelkombinationen“):
Es können auch Kombinationen aus den genannten Maßnahmen verordnet werden, wenn komplexe Schädigungsbilder vorliegen und eine Kombination aus 3 oder mehr Maßnahmen sinnvoll sein kann. Die Erbringung der Standardisierten Heilmittelkombination muss in direktem zeitlichen und örtlichen Zusammenhang erfolgen und für den Patient aus medizinischer Sicht geeignet sein.

5.1. Praxistipp

Erklärungen zu den einzelnen Maßnahmen finden Sie in den Heilmittel-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses unter www.g-ba.de > Richtlinien > Heilmittel-Richtlinie.

6. Dauer

Die Dauer der Verordnung ist abhängig von der Erkrankung und der Leitsymptomatik und ist im Heilmittelkatalog vorgegeben. Je nach Diagnose und Symptomatik ist ein Ziel für die Therapie festgelegt. Zudem sind die Art der Heilmittel und die Verordnungsmenge zugeordnet (Anzahl der Erst-, und Folgeverordnungen sowie die Gesamtverordnungsmenge und Frequenz der Behandlungen). Bei der Heilmittelverordnung wird in vorrangige, optionale und ergänzende Heilmittel unterschieden. Auch eine Kombination der Heilmittel ist möglich (siehe Standardisierte Heilmittelkombinationen). Häufig sind die vorrangigen Heilmittel allgemeine Krankengymnastik, gerätegestützte Krankengymnastik, manuelle Therapie oder klassische Massagetherapie.

 

In der Regel gelten folgende Verordnungsmengen:

Indikation Verordnungsmenge
Wirbelsäulenerkrankungen mit kurzzeitigem Behandlungsbedarf

Erst-Verordnung: 6 Einheiten

Gesamtverordnung: 6 Einheiten

Wirbelsäulenerkrankungen mit längerdauerndem Behandlungsbedarf

Erst-Verordnung: 6 Einheiten

Gesamtverordnung: 18 Einheiten

Verletzungen/Operationen und Erkrankungen der Extremitäten und des Beckens mit kurzzeitigem Behandlungsbedarf

Erst-Verordnung: 6 Einheiten

Gesamtverordnung: 6 Einheiten

Verletzungen/Operationen und
Erkrankungen der Extremitäten und des Beckens mit mittelfristigem Behandlungsbedarf

Erst-Verordnung: 6 Einheiten

Gesamtverordnung: 18 Einheiten

Verletzungen/Operationen und Erkrankungen der Extremitäten und des Beckens mit längerfristigem Behandlungsbedarf

Erst-Verordnung: 6 Einheiten

Gesamtverordnung: 30 Einheiten

Miss- und Fehlbildungen, Strukturschäden der Stütz- und Bewegungsorgane im Säuglings-, Kleinkind- und
Kindesalter

Erst-Verordnung: 6 Einheiten

Gesamtverordnung: 50 Einheiten

Chronifiziertes Schmerzsyndrom

Erst-Verordnung: 6 Einheiten

Gesamtverordnung: 18 Einheiten

Erkrankungen des Nervensystems und des Rückenmarks

Erst-Verordnung: 10 Einheiten

Gesamtverordnung: 50 Einheiten bis zum Alter von 18 Jahren, 30 Einheiten ab 18 Jahren

Periphere Nervenläsionen

Erst-Verordnung: 10 Einheiten

Gesamtverordnung: 30 Einheiten

Störungen der Atmung mit kurzzeitigem Behandlungsbedarf

Erst-Verordnung: 6 Einheiten

Gesamtverordnung: 6 Einheiten

Störungen der Atmung mit längerfristigem Behandlungsbedarf

Erst-Verordnung: 6 Einheiten

Gesamtverordnung: 18 Einheiten

Störungen der Atmung mit längerfristigem Behandlungsbedarf bei schwerwiegenden Bronchialerkrankungen

Erst-Verordnung: 10 Einheiten

Gesamtverordnung: 50 Einheiten

Arterielle Gefäßerkrankungen

Erst-Verordnung: 6 Einheiten

Gesamtverordnung: 12 Einheiten

Lymphabflussstörungen mit kurzzeitigem Behandlungsbedarf

Erst-Verordnung: 6 Einheiten

Gesamtverordnung: 12 Einheiten

Lymphabflussstörungen mit längerfristigem Behandlungsbedarf

Erst-Verordnung: 10 Einheiten

Gesamtverordnung: 30 Einheiten

Chronische Lymphabflussstörungen bei bösartigen Erkrankungen

Erst-Verordnung: 10 Einheiten

Gesamtverordnung: 50 Einheiten

Störung der Dickdarmfunktion und Störung der Ausscheidung

Erst-Verordnung: 6 Einheiten

Gesamtverordnung: 12 Einheiten

Schwindel

Erst-Verordnung: 6 Einheiten

Gesamtverordnung: 12 Einheiten

Periphere trophische Störungen bei Erkrankungen

Erst-Verordnung: 6 Einheiten

Gesamtverordnung: 12 Einheiten

Chronische Entzündung der Prostata oder der Eileiter, Eierstöcke und des umliegenden Gewebes

Erst-Verordnung: 6 Einheiten

Gesamtverordnung: 12 Einheiten

 

Die Angaben entsprechen den Richtwerten des Heilmittelkatalogs und können unter www.g-ba.de > Richtlinien > Heilmittel-Richtlinie > Heilmittelkatalog detaillierter eingesehen werden.

6.1. Praxistipp

Unter gewissen Voraussetzungen kann ein langfristiger Behandlungsbedarf genehmigt werden, Näheres unter Heilmittel.

7. Wer hilft weiter?

Krankenkassen und Unfallversicherungsträger.

8. Verwandte Links

Heilmittel

Heilmittel > Therapiebesuch zu Hause

Chronische Schmerzen

Krankheiten

Frühförderung von Kindern mit Behinderungen

Letzte Bearbeitung: 01.08.2019

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