Palliativversorgung

1. Das Wichtigste in Kürze

In der Palliativversorgung geht es um die umfassende Betreuung unheilbar Kranker. Das oberste Ziel ist die Linderung ihrer Beschwerden und die Steigerung ihrer Lebensqualität. Leitfaden sollte dabei immer der Wille des Patienten sein. Palliativversorgung hat deshalb nicht nur die Symptome im Auge, sondern kümmert sich ganzheitlich um die Bedürfnisse des Patienten und seiner Angehörigen.

2. Definition

Palliativpatienten leiden an unheilbaren, fortschreitenden (progredienten) Erkrankungen wie Krebs, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), Demenz, HIV AIDS oder Parkinson. Eine heilende (kurative) Therapie ist nicht mehr möglich und die Lebenserwartung ist begrenzt. In der Palliativversorgung geht es aber nicht mehr darum, welche Krankheit ein Patient hat, sondern an welchen Symptomen dieser leidet.

3. Die Phasen der Palliativversorgung

Eine palliative Versorgung kann sehr früh ansetzen und sich über viele Monate, manchmal auch Jahre hinziehen. "Palliativ" heißt also nicht, dass die letzten Tage angebrochen sind.

Man kann 3 Phasen unterscheiden:

  1. Rehabilitationsphase
    Das Ziel der Rehabilitationsphase ist, dass der Patient trotz fortschreitender Krankheit ein weitgehend normales gesellschaftliches Leben führen kann. Leistungen zur Teilhabe kann, aufgrund der Schwere einer Erkrankung, aber nur ein geringer Teil von Palliativpatienten in Anspruch nehmen.
  2. Terminalphase
    Die Terminalphase ist die Vorstufe des Sterbens und kann mehrere Wochen oder Monate dauern. Die Krankheit beeinträchtigt das aktive Leben des Patienten jetzt deutlich. Er ist bettlägrig oder die meiste Zeit auf ein Bett angewiesen. Die Betreuung und Begleitung des Patienten und seiner Angehörigen spielt in dieser Phase eine wichtige Rolle.
  3. Sterbephase/Finalphase
    Die Sterbephase umfasst die letzten Stunden oder auch Tage. Dabei steht im Vordergrund, den Sterbenden auf seinem letzten Weg zu begleiten, seine Würde zu achten und auf seine Bedürfnisse einzugehen. Aber auch die Angehörigen sollen in dieser schweren Phase Trost und Unterstützung erhalten.

4. Würde und Bedürfnisse des Patienten

Die Würde des Patienten ist immer zu respektieren. Seine Selbstbestimmung und Autonomie sind zu achten und Bedürfnisse sollten im Vordergrund stehen.

Bedürfnisse können körperlicher, psychischer, sozialer und spiritueller Natur sein.
Beispiele wären:

  • Letzte Angelegenheiten regeln können
  • Schmerzfrei sein
  • Anwesenheit von Angehörigen und Freunden
  • Zu Hause sterben
  • Allein sein
  • Gebete sprechen

Die Betreuung des Patienten und seiner Angehörigen ist immer individuell und multiprofessionell. Sie reicht über den Tod hinaus, bis in die Trauerphase.

Wichtig ist der Vertrauensaufbau: Das erfordert einen offenen und ehrlichen Umgang aller Beteiligten miteinander. Insbesondere auch mit dem Thema Sterben und Tod. Der Patient soll sich sicher, geborgen und ernst genommen fühlen.

5. Ziel: ganzheitliche Linderung

Palliativpatienten leiden oft nicht nur körperlich. Sie leiden auch an psychischen, sozialen, seelischen und finanziellen Folgen ihrer Krankheit.

Ziel der Palliativversorgung ist deshalb, neben den körperlichen Beschwerden einer unheilbaren Krankheit auch psychische Probleme (Angst, Trauer) und soziale Schwierigkeiten (Einsamkeit, Kommunikation, Einkommensverlust) zu lindern und die letzte Lebenszeit lebenswert zu machen. Deshalb müssen alle Helfer (z.B. Ärzte, Pflegende, Ehrenamtliche, Angehörige, Seelsorger oder Sozialarbeiter) und alle Einrichtungen (z.B. Krankenhäuser, Palliativstationen oder Pflegedienste) zusammenarbeiten. Näheres unter Ganzheitlichkeit in der Palliativversorgung.

5.1. Symptomkontrolle

Quälende Symptome können alles andere überdecken. Deshalb steht im Mittelpunkt der medizinischen Behandlung eines Palliativpatienten die Linderung von Beschwerden (Symptomkontrolle) wie Schmerzen, Übelkeit, Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Atemnot. Diese werden mit einer unterstützenden Behandlung (Supportivtherapie) gemindert.

Bei der Behandlung von Palliativpatienten sollte der Grundsatz Lebensqualität vor Lebensquantität gelten. Näheres unter Palliativphase > Symptome

5.2. Starke Medikamente

Wenn die Lebensdauer begrenzt ist, können manche Symptome wirksamer bekämpft werden, weil man z.B. nicht mehr auf Spätfolgen von Medikamenten achten muss. Das Wichtigste ist die Linderung, deshalb werden zum Teil auch sehr starke Medikamente eingesetzt.

Informationen zu den wichtigsten Symptomen und Medikamenten in der Palliativversorgung in patientenverständlicher Sprache bietet der Ratgeber "Medikamententipps", herausgegeben von der Deutschen PalliativStiftung. Kostenloser Download unter www.palliativstiftung.de > Publikationen > Bücher/Broschüren/Ratgeber > Medikamententipps.

5.3. Pflege

Einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität leisten Pflegende, spezialisierte Therapeuten und Angehörige. Massagen und Mobilisierung, Entspannung und Kräftigung, Mund- und Körperpflege, Raumklima, Ernährung, Versorgung von Wunden, richtige Lagerung des Patienten, sind hier oft zentrale Themen. Einerseits geht es um Erleichterung von Beschwerden, andererseits um das Wiedergewinnen von Normalität und Alltag.

Näheres unter Palliativpflege und Palliativpflege durch Angehörige.

5.4. Betreuung und Soziales

Gerade im letzten Lebensabschnitt können alltägliche "Kleinigkeiten" von großer Bedeutung sein. Beschäftigung und Ablenkung können dazu beitragen, dass Beschwerden "vergessen" werden. Wertvolle Dienste leisten ehrenamtliche Hospizhelfer, die speziell für die Begleitung von Schwerstkranken fortgebildet sind (ambulante Hospizdienste). Sie sind auch den Angehörigen oft eine große Hilfe und Entlastung.

5.5. Seelischen Beistand

Neben der Pflege und lindernden Therapie geht es in der Palliativversorgung auch um seelischen Beistand für Patienten und Angehörige (Palliativphase > Familie). Es ist sehr stark von den persönlichen Einstellungen und dem Glauben abhängig, wer in solchen Nöten helfen kann. Wichtig ist, diese "seelische Not" ernst zu nehmen, anzusprechen und sich Hilfe zu holen: beim Psychotherapeuten, beim Seelsorger, bei guten Freunden oder bei außenstehenden, professionellen Hospiz- und Palliativhelfern.

5.6. Sozialrecht und Kosten

Oft kommen zur körperlichen und seelischen Not auch noch Probleme mit der Krankenkasse oder anderen Kostenträgern. Durch die Krankheit entstehen auch finanzielle Sorgen, weil berufstätige Patienten nicht mehr arbeiten können und Ersatzleistungen wie Erwerbsminderungsrenten oft nicht sehr hoch ausfallen. Sozialarbeiter können in sozialrechtlichen Fragen beraten und bei Anträgen unterstützen.

Häufig benötigt werden Leistungen der Pflegekassen, Näheres unter Pflegestützpunkte Pflegeberatung.

6. Praxistipps

7. Verwandte Links

Multiprofessionelles Team

Ganzheitlichkeit in der Palliativversorgung

Palliativphase

Palliativphase > Symptome

Betäubungsmittel

Palliativpflege

Palliativphase > Pflege

Einrichtungen der Sterbebegleitung

Palliativphase > Familie

Familienpflegezeit

Palliativphase > Tod und Trauer

Redakteur: Max Glaser

Letzte Bearbeitung: 29.10.2018

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