Sterbebegleitung

1. Das Wichtigste in Kürze

Sterbebegleitung bietet Hilfe in der letzten Lebensphase. Es gibt die allgemeine und die spezialisierte Sterbebegleitung. Die wichtigsten spezialisierten Helfer sind Hospizdienste, Hospize, Palliativteams und Palliativstationen. Sie versorgen und begleiten Sterbenskranke und ihre Angehörigen zu Hause (ambulant), teilstationär oder stationär. In jedem Fall steht eine ganzheitliche Betreuung im Zentrum.

2. Grundsätzliches zur Sterbebegleitung

Unheilbar und schwerstkranken Menschen soll in der letzten Lebensphase ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod ermöglicht werden. Schwerpunkte in der Versorgung und Begleitung von Palliativpatienten sind die Schmerztherapie, die Kontrolle aller weiteren Symptome, die Palliativpflege, die psychosoziale Betreuung des Patienten bzw. seiner Angehörigen sowie die Seelsorge.

Die Sterbebegleitung wird überwiegend im Bereich allgemeine Palliativversorgung geleistet, d.h.: Pflegedienste, Ärzte und viele Stationen in Krankenhäusern begleiten unheilbar kranke Menschen. Nachfolgend geht es vor allem um spezialisierte Anbieter, die dann angefragt werden, wenn die Situation besondere Herausforderungen mit sich bringt.

3. Leistungsformen und Leistungsanbieter

In der Sterbebegleitung existieren verschiedene Organisationsformen. Sie unterscheiden sich im Arbeitsort, in der personellen Besetzung, im Auftrag, im Institutionalisierungsgrad und in der Professionalität. In jedem Fall stehen die ganzheitliche Versorgung und Begleitung von Palliativpatienten sowie die Sterbe- und Trauerbegleitung im Vordergrund.

3.1. Hospizlich und palliativ

In der Praxis sind die Grenzen zwischen Palliativversorgung und Hospizarbeit fließend. Zur Unterscheidung kann gesagt werden, dass hospizliche Arbeit in der Regel einen hohen ehrenamtlichen Anteil hat, während Palliativmedizin und Palliativpflege von professionellen Helfern angeboten werden.

Charakteristisch für die Hospiz- und Palliativversorgung sind folgende Punkte:

  • Der Kranke und seine Angehörigen werden betreut, im Idealfall durch ein multiprofessionelles Team.
  • Ehrenamtliche und qualifizierte Helfer kooperieren.
  • Die Betreuung soll rund um die Uhr möglich sein.
  • Es wird auch Trauerbegleitung angeboten (Näheres unter Trauer > Überblick), auch mit Blick auf die Trauer vor dem Tod.

3.2. Ambulant und stationär

Grundsätzlich wird unterschieden zwischen ambulanter und stationärer Versorgung.

  • Ambulant heißt, der Patient bleibt an seinem gewohnten Wohnort, also z.B. zu Hause oder im Heim. Hier kann man unterscheiden zwischen Hospiz- und Palliativdiensten und der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV), Details siehe unten.
  • Stationär heißt, der Patient kommt in eine Einrichtung. Hier gibt es verschiedene stationäre Leistungserbringer, die Palliativpatienten in ihrer letzten Lebensphase aufnehmen. Die beiden wichtigsten, die Patienten und Angehörige entsprechend dem Palliative-Care-Gedanken ganzheitlich betreuen, sind stationäre Hospize und Palliativstationen im Krankenhaus, Details siehe unten.

3.3. Systematische Einteilung der Sterbebegleitung

Die Hospiz- und Palliativversorgung ist stark in Entwicklung, viele Gruppen und Einrichtungen haben ihr Angebot erweitert, manche haben aber auch reduziert (aus Geld-, Personal- oder persönlichen Gründen), neue sind hinzugekommen. Es gibt zwar theoretische Einteilungen und Benennungen der Dienste und Einrichtungen, aber vor allem im ambulanten Bereich gibt es viele Abweichungen zwischen Namen und tatsächlicher Arbeit. Nachfolgend deshalb eine vereinfachte Darstellung der Anbieter in der Sterbebegleitung. Die Darstellung versucht, die praktische Bedeutung abzubilden.

4. Ambulante Leistungserbringer in der Sterbebegleitung

4.1. Ambulante Hospizdienste

Als ambulante Hospizdienste gelten Dienste, Gruppen und Initiativen, die Palliativpatienten und ihre Angehörigen zu Hause oder im Pflegeheim begleiten.

Der Schwerpunkt liegt auf ehrenamtlichen Leistungen, aber in allen Hospizdiensten arbeiten auch hauptberufliche Fachleute, die beraten, organisieren und begleiten. Alle Hospizhelfer, auch die ehrenamtlichen, sind für ihre Arbeit speziell fortgebildet (§ 39 a SGB V).

Unter folgenden Bezeichnungen können in der Praxis Hospizdienste auftreten:

  • Ambulante Hospizinitiativen und Hospizgruppen
  • Ambulante Hospizdienste (AHD)
    Näheres unter ambulante Hospizdienste
  • Ambulante Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienste (AHPB)
  • Ambulante Hospiz- und Palliativ-Pflegedienste (AHPP)

4.2. Ambulante Palliativdienste

Ambulante Palliativdienste ergänzen die örtlichen Pflegedienste und Sozialstationen (ambulante Pflegedienste) und sind auf die medizinische und pflegerische Betreuung sterbenskranker Patienten spezialisiert.

Hauptamtliche, palliativmedizinisch geschulte Pflegekräfte versorgen die Patienten im häuslichen Umfeld und sind rund um die Uhr erreichbar. Die Palliativdienste können recht verschieden organisiert sein: Zum Teil sind sie eigenständig, zum Teil sind sie eine Spezialabteilung eines "normalen" Pflegedienstes, zum Teil kooperieren sie mit Pflegediensten und/oder Hospizdiensten oder sind Teil eines Hospizdienstes.

Gemeinsam ist ihnen, dass sie über spezialisierte Palliativmediziner und Palliativpflegekräfte verfügen, die Patienten und deren Angehörige im häuslichen Umfeld betreuen. Näheres unter Ambulante Palliativdienste (APD).

4.3. SAPV: Spezialisierte ambulante Palliativversorgung

Palliativpatienten haben bei besonders aufwendigem Versorgungsbedarf Anspruch auf eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV), die von der Krankenkasse finanziert wird (§ 37 b SGB V). Näheres unter Spezialisierte ambulante Palliativversorgung.

Vereinzelt gibt es auch SAPPV-Anbieter: "Spezialisierte Ambulante pädiatrische Palliativversorgung" für die Versorgung von Familien mit todkranken Kindern.

4.4. Weitere ambulante Hilfen

4.4.1. Ambulante Pflegedienste

Ambulante Pflegedienste übernehmen die Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung im häuslichen Umfeld des Palliativpatienten, sie zählen zur allgemeinen Palliativversorgung. Näheres unter Ambulante Pflegedienste.

4.4.2. Ausländische Haushaltshilfen und Pflegekräfte

Bei der Beschäftigung ausländischer Kräfte, in der Regel Frauen aus Osteuropa, gibt es Grauzonen. Grundsätzlich ist die legale Beschäftigung über verschiedene Modelle möglich, Näheres unter Häusliche Pflege > Ausländische Kräfte.

4.4.3. Ambulante Kinderkrankenpflege

Ambulante Kinderkrankenpflegedienste pflegen akut und chronisch kranke sowie behinderte Kinder zu Hause und übernehmen, wenn in der Region kein spezialisierter Dienst zur Verfügung steht, in der Regel auch deren Palliativpflege. Näheres unter Ambulante Kinderkrankenpflege.

4.4.4. Ambulante Kinderhospizdienste

Ambulante Kinderhospizdienste bieten Kindern und Jugendlichen, die an einer unheilbaren Erkrankung  in einem weit fortgeschrittenen Stadium leiden, sowie deren Eltern und Geschwistern Begleitung und Hilfe in der Krankheits-, Sterbe- und Trauerphase an. Näheres unter Ambulante Kinderhospizdienste.

4.4.5. Nachsorgeeinrichtungen

Diese spezielle Form der ambulanten Versorgung richtet sich an chronisch und schwerstkranke Kinder unter 14 Jahren (z.T. auch Jugendliche) und schließt sich an eine stationäre Krankenhausbehandlung oder eine stationäre Rehabilitation an. Näheres unter Sozialmedizinische Nachsorge.

5. Stationäre Leistungserbringer in der Sterbebegleitung

Die meisten Palliativpatienten möchten die letzten Monate, Wochen oder Tage ihres Lebens im häuslichen Umfeld verbringen. Dies ist aber nicht immer möglich und eine stationäre Unterbringung wird unumgänglich. In Deutschland haben sich zwei Formen der stationären Sterbebegleitung herausgebildet: stationäre Hospize und Palliativstationen.

5.1. Stationäre Hospize

Stationäre Hospize sind Pflegeeinrichtungen, die unheilbar Kranke in ihrer letzten Lebensphase umfassend begleiten und betreuen. Die durchschnittliche Verweildauer in einem stationären Hospiz beträgt 2 bis 4 Wochen. In Deutschland gibt es über 200 stationäre Hospize. Näheres unter Stationäre Hospize.

5.2. Kinderhospize

Nehmen schwer kranke Kinder und Jugendliche und deren Familien auf, die an einer unheilbaren Erkrankung leiden. Hauptziel ist die zeitweise Entlastung der ganzen Familie. Näheres unter Kinderhospize.

5.3. Palliativstationen

Eine Palliativstation ist Teil eines Krankenhauses. Ihr Ziel ist, sowohl die körperlichen Beschwerden einer unheilbaren, fortgeschrittenen Krankheit als auch die damit verbundenen psychosozialen Probleme zu lindern. In Deutschland gibt es derzeit etwa 300 Palliativstationen. Näheres unter Palliativstationen.

Gibt es auf der Palliativstation eines Krankenhauses kein freies Bett, dann betreut, falls vorhanden, ein interdisziplinärer palliativmedizinischer Dienst (IPD) den Patienten auf einer anderen Station. Ziel ist die palliativmedizinische Behandlung und die Ermöglichung von speziellen Angeboten für schwerstkranke bzw. sterbende Menschen.

5.4. Weitere stationäre Leistungserbringer in der Sterbebegleitung

Stationäre Hospize und Palliativstationen sind noch nicht flächendeckend vorhanden. Daher erfolgt die Aufnahme von Palliativpatienten meist in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen.

5.4.1. Krankenhäuser

Rund 50 % aller Menschen sterben in Krankenhäusern. Akutkrankenhäuser sind in der Regel nicht auf Palliativmedizin ausgerichtet, doch es kann für den Patienten ein würdiges Sterben sein, wenn er von den Angehörigen sowie den Pflegekräften und Ärzten gut betreut wird. Mehr zur Krankenhausbehandlung.

5.4.2. Pflegeheime

Wenn die Versorgung eines Palliativpatienten zu Hause nicht mehr möglich ist und ein Platz in einem stationären Hospiz nicht zur Verfügung steht, erfolgt meist die Aufnahme in ein Pflegeheim. Näheres unter Vollstationäre Pflege. Immer mehr Pflegeheime verfügen über palliativ fortgebildete Pflegekräfte.

6. Unterstützende Dienste und Angebote in der Sterbebegleitung

Parallel zur stationären und ambulanten Versorgung gibt es für Palliativpatienten unterstützende Dienste und Angebote. Ihr Ziel ist es, dass der Patient wenn möglich in seiner häuslichen Umgebung sterben kann und dass die letzten Lebenstage in höchstmöglicher Qualität gestaltet werden können.

Die Dienste sind regional sehr unterschiedlich ausgestaltet und verfügbar.

  • Palliativmedizinische Konsiliardienste
    Multiprofessionelle Teams, derzeit vorrangig in Kliniken, die andere Ärzte und Fachgruppen palliativmedizinisch beraten und begleiten. Näheres unter Palliativmedizinischer Konsiliardienst.
  • Brückenärzte
    Hauptamtlich tätige Palliativmediziner, die auf Anforderung im Krankenhaus die palliativmedizinische Therapie optimieren und Patienten im häuslichen Umfeld betreuen. Sie kooperieren eng mit Hausärzten, Krankenhäusern sowie ambulanten Pflege- und Hospizdiensten.
  • Brückenschwestern
    Krankenschwestern, die den Palliativpatienten eine Brücke vom Krankenhausaufenthalt in die häusliche Umgebung bauen. Hauptaufgabe ist die Koordination und Organisation.
  • Hausnotrufsysteme
    Systeme, mit denen per Knopfdruck bei Bedarf Hilfe geholt werden kann. Näheres unter Hausnotrufsysteme.
  • Mahlzeitendienste
    Z.B. Essen auf Rädern. Näheres unter Mahlzeitendienste.
  • Fahrdienste
    Regionale Angebote für schwerbehinderte Palliativpatienten. Näheres unter Fahrdienste.

7. Praxistipp Ratgeber

Kostenloser Download Ratgeber Palliativversorgung, der viele Informationen zur Unterstützung Angehöriger liefert: Palliativversorgung.

8. Wer hilft weiter?

Adressen von Einrichtungen der Sterbebegleitung finden sich im Wegweiser Hospiz und Palliativversorgung.

9. Verwandte Links

Begleitung im Sterbeprozess

Palliativversorgung allgemein

Palliativphase

Spezialisierte ambulante Palliativversorgung

Todeszeichen

Nach dem Tod > Organisatorisches

Nach dem Tod > Abschied nehmen

Bestattungsformen und Bestattungsinstitute

Bestattungskosten Sozialhilfe


Gesetzesquellen: §§ 37 b - § 39 a SGB V

Redakteurin: Sabine Bayer

Letzte Bearbeitung: 12.09.2018

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