Nach dem Tod > Organisatorisches

1. Das Wichtigste in Kürze

Nach dem Tod eines nahen Angehörigen befinden sich die Betroffenen meist in einem psychischen Ausnahmezustand, in dem es vielen schwer fällt, notwendige Formalitäten zu erledigen und die Bestattung zu organisieren. Erste Formalie nach dem Tod eines Angehörigen ist die Benachrichtigung eines Arztes, der den Totenschein ausstellt. Parallel dazu sollten die engsten Angehörigen benachrichtigt und ein Bestattungsinstitut verständigt werden. Das Standesamt muss spätestens nach 3 Werktagen informiert werden.

2. Benachrichtigung des Arztes

2.1. Todesfall zu Hause

Ein Arzt, am besten der Hausarzt, untersucht den entkleideten Leichnam und stellt den Totenschein aus. Falls der Hausarzt nicht erreichbar ist, kann auch der ärztliche Notdienst verständigt werden.

2.2. Todesfall in einem Heim oder Krankenhaus

Die Verantwortlichen für das Heim oder das Krankenhaus verständigen den Arzt. Die Angehörigen müssen sich in diesem Fall nicht um die Ausstellung eines Totenscheins kümmern. Dieser wird vom Krankenhauspersonal ausgehändigt.

2.3. Verdacht auf Unfall oder Selbsttötung

Dies vermerkt der Arzt auf dem Totenschein. Er verständigt daraufhin die Kriminalpolizei oder die Gerichtsmedizin und diese führen dann womöglich eine Obduktion durch.

Eine Obduktion wird zur Feststellung der Todesursache und zur Rekonstruktion des Sterbevorgangs durchgeführt. Wenn auf dem Totenschein "Todesursache ungeklärt" angekreuzt ist, erfolgt in der Regel auch eine gerichtliche Obduktion. Erst nach der Freigabe des Verstorbenen, was innerhalb einer Woche erfolgt, kann die Bestattung erfolgen. Der Kriminalpolizist, der verständigt wurde und den Fall aufgenommen hat, bleibt Ansprechpartner für die Angehörigen.

3. Bescheinigungen und Urkunden

3.1. Todesbescheinigung

Eine Todesbescheinigung (= Totenschein, Leichenschauschein) kann erst dann ausgestellt werden, wenn sichere Todeszeichen eingetreten sind. Frühestens ist dies nach 2 Stunden möglich. Sie muss vom Arzt ausgestellt werden. Sie ist eine öffentliche Urkunde. Der Arzt, der den Leichnam gründlich untersucht und den Tod zweifelsfrei festgestellt hat, füllt die Todesbescheinigung aus.

Der Aufbau des Formulars und die Art der einzutragenden Informationen können in den einzelnen Bundesländern variieren.

Generell müssen folgende Angaben gemacht werden:

  • Personalien des Verstorbenen
  • Zeit und Ort des Todes
  • Wenn möglich die Todesursache
  • Todesart: natürlich, ungeklärt oder Anhaltspunkte für einen nicht-natürlichen Tod

3.1.1. Aufbau der Todesbescheinigung

Die Todesbescheinigung besteht aus einem vertraulichen und einem nicht vertraulichen Teil.

Nicht vertraulicher Teil

Wird nach dem Ausfüllen den Angehörigen übergeben und dient zur Vorlage beim Standesamt.

Vertraulicher Teil

Umfasst meist mehrere Seiten, die für unterschiedliche Stellen bestimmt sind. Er enthält neben den Personalien die Todesursache, weitere Angaben zur Klassifikation der Todesursache und die Epikrise. Dieser Teil wird vom Arzt in einen, dem Totenschein beiliegenden, verschlossenen Umschlag gegeben und an die zuständige Stelle weitergeleitet (diese variiert von Bundesland zu Bundesland). Bestehen Anhaltspunkte für einen nicht natürlichen Tod oder ist die Todesursache ungeklärt, ist der Umschlag der Polizei zu übergeben.

Eine Seite des vertraulichen Teils der Todesbescheinigung wird an das Gesundheitsamt weitergeleitet (Details länderspezifisch).

3.1.2. Kosten der Todesbescheinigung

Todesbescheinigungen sind kostenpflichtig und müssen von den Angehörigen bezahlt werden. Der Arzt erstellt eine Privatrechnung nach GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte), Ziffer 100: Untersuchung eines Toten einschließlich Feststellung des Todes und Ausstellung des Leichenschauscheines. Dazu kommen noch Zuschläge für Einsatz am Wochenende oder in der Nacht und Wegegeld (§ 8 GOÄ). Die Kosten der Todesbescheinigung müssen genau aufgeführt sein. Weitere Informationen bietet die Verbraucherinitiative Bestattungskultur unter www.aeternitas.de > Kosten und Vorsorge > Aufgepasst/Tipps > Kosten für Todesbescheinigung.

3.2. Beurkundung und Sterbeurkunde

Sterbefälle sind spätestens nach 3 Werktagen dem zuständigen Standesamt zu melden, das dann Sterbeurkunden ausstellt. Die Sterbeurkunde bescheinigt den Tod eines Menschen, den Ort und den Zeitpunkt des Todes.

Die Beurkundung erfolgt immer beim Standesamt am Sterbeort, nicht am Wohnort. Dort erhält man auch Auskünfte, welche Unterlagen notwendig sind.

Die Anzeige des Sterbefalls, seine Beurkundung im Sterberegister und die Urkunden für die Sozialversicherung (z.B. Kranken- oder Rentenversicherung) sind kostenfrei. Für weitere vom Standesamt ausgestellte Sterbeurkunden müssen die Angehörigen die Kosten von ca. 10 € pro Urkunde tragen.

Sterbeurkunden werden benötigt für

  • Einwohnermeldeamt (teilweise erfolgt aber eine automatische Meldung)
  • Friedhofsamt
  • Krankenkasse
  • Rentenversicherungsträger
  • Private Versicherungen

3.3. Testament und Erbschein

Existiert ein Testament, dann ist dieses umgehend beim Nachlassgericht abzugeben. Die Beantragung eines Erbscheins erfolgt ebenfalls beim zuständigen Nachlassgericht. Näheres unter Testament und Erbschein.

4. Benachrichtigungen

4.1. Personen im Umfeld

Die engsten Angehörigen, Verwandten und Freunde sollten beim Tod des Patienten sofort benachrichtigt werden, damit sie die Möglichkeit haben, sich vom Verstorbenen zu verabschieden. Dazu können je nach Intensität der Begleitung auch Hospizbegleiter, Pflegekräfte, Ärzte und andere Helfer zählen. Des Weiteren sind gegebenenfalls Arbeitgeber, Mitarbeiter, Pfarrer und Vereine, in denen der Verstorbene Mitglied war, zu informieren.

Außerdem sollte gegebenenfalls der eigene Arbeitgeber wegen Sonderurlaub informiert werden.

4.2. Versicherungen und Verträge

Bei einem Todesfall müssen alle Versicherungen, Vereine, Verbände und Vertragspartner des Verstorbenen informiert werden.

  • Lebens- und Unfallversicherungen sind unverzüglich vom Todesfall zu informieren.
    Wenn ein Unfallversicherungsfall vorliegt (Arbeitsunfall, Berufskrankheit), gibt es Sterbegeld von der Berufsgenossenschaft.
  • Vorlage der Sterbeurkunde oder einer beglaubigten Kopie bei der Rentenversicherung. Hier kann dann auch die Witwen- oder Waisenrente beantragt werden.
  • Krankenkasse innerhalb von 4 Wochen informieren, da die Beitragsabbuchungen dann umgehend gestoppt werden. Sind Angehörige bisher beitragsfrei mit dem Verstorbenen mitversichert (Familienversicherung), müssen sie sich um den weiteren Versicherungsschutz kümmern.
  • Vereinsmitgliedschaften enden prinzipiell mit dem Tod. Sollte dies nicht der Fall sein, muss eine Kündigung geschrieben werden.
  • Hausrat-, Haftpflicht-, Kfz- und ähnliche Versicherung umgehend schriftlich informieren.
  • Pflegedienstleistungen, z.B. Essen auf Rädern, kündigen.
    Finanzielle Leistungen der Pflegeversicherung werden für den Rest des Sterbemonats nicht zurückverlangt.
  • Vermieter informieren; Wohnung kündigen oder Mietvertrag ändern.
  • Strom, Telefon, Rundfunk/Fernsehen, Kabel, Internet, Zeitschriften, Kfz etc. um- bzw. abmelden.

4.3. Todesanzeigen, Trauerbriefe, Danksagungen

Todesanzeigen werden als öffentliche Bekanntgabe des Todes in der Tageszeitung und/oder online als Bekanntgabe des Todes veröffentlicht.

  • Bei der Aufgabe einer Todesanzeige müssen inhaltliche und formale Kriterien eingehalten werden.
  • Bei der Gestaltung der Anzeige sind Mitarbeiter der Zeitung behilflich, meist stehen auch Musteranzeigen zur Verfügung. Früher waren standardisierte Texte und Symbole üblich. In den letzten Jahren erscheinen immer häufiger individuell gestaltete Anzeigen mit Fotos oder Bildern.

Trauerbriefe werden an ausgewählte, dem Verstorbenen nahestehende Menschen verschickt. Trauerbriefe ermöglichen, mehr zu erzählen, von Details zu berichten und den Schmerz in Worte zu fassen. Sie werden in der Regel gedruckt und zeitgleich mit der Anzeige in Auftrag gegeben.

4.3.1. Inhalt von Todesanzeigen und Trauerbriefen

Die Inhalte von Todesanzeigen und Trauerbriefen sind im Grunde identisch und beinhalten in der Regel Folgendes:

  • Name des Verstorbenen, gegebenenfalls Geburtsname
  • Titel, Berufsbezeichnung, Auszeichnungen, Beruf
  • Datum des Todes, gegebenenfalls Geburtsdatum oder Alter
  • Namen der Angehörigen (einzeln aufgezählt oder pauschal)
    Bei Anzeigen von Firmen, Vereinen, Freunden entweder alle Namen oder stellvertretend Geschäftsführung, Vorstand, Personalleiter oder entsprechendes
  • Angaben zu Trauerfeier und Bestattung wie Ort und Zeit, Kranz, Spenden, Blumenart, Kleidungsfarbe, gegebenenfalls auch Aufbahrungsort und -zeit
  • Zitat, Sinnspruch oder Gedicht
  • Symbol, Bild oder Foto des Verstorbenen
  • Umstände des Todes
  • Persönlicher Ausdruck der Trauer
  • Adresse, falls Kondolenzschreiben erwünscht sind

Hinterbliebene bedanken sich in der Regel 2-4 Wochen nach dem Tod für die Beileidsbekundungen. Üblich sind Danksagungen in der Tageszeitung und/oder gedruckte Karten oder Briefe.

5. Bestattungsinstitut beauftragen

In der Regel wird ein Bestattungsinstitut für die Überführung und die Organisation der Bestattung verständigt. Mit diesem wird dann das weitere Vorgehen abgesprochen. Näheres unter Bestattungsformen und Bestattungsinstitute.

6. Kosten und Finanzierung

Im Regelfall müssen die Angehörigen alle anfallenden Kosten bei einem Todesfall übernehmen. Um sich einen Überblick über die entstehenden Kosten zu machen, empfiehlt es sich, einen aufgeschlüsselten Kostenvoranschlag vom Bestattungsinstitut zu verlangen und bei den Behörden, insbesondere bei der Friedhofsverwaltung, nach den Gebühren zu fragen.

Bei Menschen, die bedürftig sind, die keine Angehörigen haben oder deren Angehörigen die Kosten nicht zugemutet werden können, übernimmt das Sozialamt die Bestattungskosten.

Die Kosten sind regional unterschiedlich. Sie richten sich stark nach der Gestaltung und dem Aufwand für die Bestattung, die Trauerfeier und das Grab.

Aeternitas bietet zahlreiche Informationen zum Kostenthema, z.B. unter www.aeternitas.de > Home > Kosten und Vorsorge praktische Listen und Kalkulationshilfen oder unter www.aeternitas.de > Publikationen > Ratgeber für den Preisvergleich mehrere Ratgeber für Preisvergleiche.

6.1. Kontenverfügung

Kosten für die Bestattung und dazugehörige Ausgaben können auch vom gedeckten Girokonto oder aus dem Vermögen des Verstorbenen beglichen werden. Dafür müssen die Bank die Angehörigen als legitimiert ansehen, über das Vermögen des Verstorbenen zu verfügen. Die Legitimation erfolgt meist durch Vorlage des Erbscheins, des Testamentsvollstreckungszeugnisses oder einer Testamentsabschrift sowie der zugehörigen Eröffnungsniederschrift. Zudem müssen die Sterbeurkunde und die mit der Bestattung in Verbindung stehenden Rechnungen bei der Bank vorgelegt werden.

Es ist hilfreich, im Zuge eines Testaments frühzeitig zu klären, wer über die Bankkonten verfügen darf, und gegebenenfalls entsprechende Vollmachten auszustellen, Näheres unter Vorsorgevollmacht > Sonderformen.

6.2. Steuererklärung

Der Erbe muss die letzte Steuererklärung für den Verstorbenen zeitnah abgeben.

7. Praxistipp

Zahlreiche sehr konkrete Informationen, Downloads und Links bietet der Verein Aeternitas unter www.aeternitas.de, eine kostenlose Checkliste für den Trauerfall z.B. unter www.aeternitas.de > Home > Trauerfall > Checkliste.

8. Verwandte Links

Einrichtungen der Sterbebegleitung

Todeszeichen

Nach dem Tod > Abschied nehmen

Bestattungsformen und Bestattungsinstitute

Letzte Bearbeitung: 15.08.2019

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