Testament und Erbschein

1. Das Wichtigste in Kürze

Ein Testament muss entweder handschriftlich oder zusammen mit einem Notar erstellt werden. Mit dem Computer erstellte Testamente sind ungültig. Gibt es kein Testament, regelt die gesetzliche Erbfolge, was mit dem Vermögen eines Verstorbenen passiert.

Für die Legitimation als Erbe ist der Erbschein der amtliche Nachweis. Dieser wird beim zuständigen Nachlassgericht beantragt.

2. Testament

Das Testament ist eine Form der letztwilligen Verfügung eines Menschen. Eine letztwillige Verfügung wiederum ist eine einseitig getroffene Regelung des Erblassers über sein Vermögen, die im Falle seines Todes in Kraft tritt.

Wer ein Testament errichtet, muss grundsätzlich volljährig und voll geschäftsfähig sein. Auch Minderjährige können ab dem vollendeten 16. Lebensjahr ein Testament errichten, jedoch nur in Form des sog. öffentlichen Testaments.

2.1. Erbfolge ohne Testament

Wenn jemand stirbt, ohne ein Testament verfasst zu haben, tritt die gesetzliche Erbfolge ein, d.h. erbberechtigt sind dann:

  • der überlebende Ehegatte bzw. eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartner sowie
  • Erben der ersten Ordnung, das sind die Abkömmlinge, also Kinder, Enkel und Urenkel sowie nichteheliche Kinder und Adoptivkinder, die minderjährig adoptiert wurden.

Gibt es keine Erben erster Ordnung, wird ein nachrangiger Erbe nach folgender Reihenfolge ermittelt:

  1. Erben der zweiten Ordnung: die Eltern und deren Abkömmlinge, also die Geschwister und deren Kinder.
  2. Erben der dritten Ordnung: die Großeltern und deren Abkömmlinge, also Onkel, Tanten, Kusinen, Vettern.
  3. Erben der vierten Ordnung: die Urgroßeltern und deren Abkömmlinge, also Großonkel und Großtanten.
  4. Gibt es weder Verwandte noch einen Ehepartner, wird der Staat der gesetzliche Erbe. Der Staat hat nicht das Recht, das Erbe auszuschlagen.

Unter mehreren Erben derselben Ordnung wird das Erbe zu gleichen Teilen aufgeteilt.

Diese gesetzliche Erbfolge entspricht oft nicht den Vorstellungen des Erblassers und kann zu Streitigkeiten unter den Angehörigen führen. Streitigkeiten kann der Erblasser durch eine klare testamentarische Regelung vermeiden.

2.2. Pflichtteil

Die Höhe des Pflichtteils beträgt grundsätzlich die Hälfte des Werts des gesetzlichen Erbteils.

Mit dem Pflichtteil erhalten der Ehegatte, der eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartner und die Abkömmlinge des Erblassers auch dann einen Teil des Nachlasses, wenn sie durch ein Testament von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen wurden. Eltern sind nur pflichtteilberechtigt, wenn sie nach der gesetzlichen Erbfolge erben würden.

2.3. Testamentsformen

Es gibt zwei Formen von Testamenten:

  • Öffentliches (notarielles) Testament
    Der Erblasser teilt dem Notar seinen letzten Willen mit. Dieser wird vom Notar niedergeschrieben, nochmals vorgelesen und vom Erblasser genehmigt und unterschrieben.
    Diese notarielle Testamentserrichtung ist kostenpflichtig. Die Höhe orientiert sich am Gerichts- und Notarkostengesetz (Anlage 1 Teil 2 Nr. 21200, Anlage 2 Tabelle B GNotKG ) und ist vom Vermögen des Erblassers abhängig, z.B. beträgt bei 100.000 € Vermögen die Gebühr für ein einfaches (kein gemeinschaftliches) Testament 273 €. Hinzu kommen 15 € für das Zentrale Testamentsregister (siehe unten).
  • Eigenhändiges Testament
    Dieses muss handschriftlich fixiert werden und kann nur von Volljährigen ab 18 errichtet werden. Mit dem Computer oder der Schreibmaschine erstellte Testamente sind ungültig. Es muss klar erkennbar sein, wer das Testament erstellt hat. Neben dem Vor- und Zunamen erfordert dies die Angabe von Ort und Datum. Der Verfasser muss das Dokument mit seinem vollständigen Namen eigenhändig unterschreiben.

2.4. Aufbewahrung und Gültigkeit von Testamenten

Vorschriften zur Aufbewahrung gibt es wenige. Ein eigenhändiges Testament kann, ein öffentliches Testament muss gegen eine Gebühr von 75 € beim Nachlassgericht hinterlegt werden (Anlage 1 Nr. 12100 GNotKG).

Ein Testament kann jederzeit widerrufen, geändert oder vernichtet und neu angefertigt werden. Es gilt immer die zeitlich spätere Fassung.

2.4.1. Zentrales Testamentsregister

Seit 2012 gibt es in Deutschland das Zentrale Testamentsregister. Es wird von der Bundesnotarkammer geführt und verzeichnet sämtliche erbfolgerelevanten Urkunden, die von einem Notar errichtet wurden oder bei Gericht verwahrt werden. Das Register wird in jedem Sterbefall angefragt. Die Registrierung kostet einmalig 15 oder 18 €. Näheres unter www.testamentsregister.de.

3. Erbschein

Der Erbschein ist eine amtliche Urkunde, die regelt, wer Erbe ist. Ein Erbschein ist in vielen Fällen erst die Voraussetzung, Rechtsgeschäfte mit Dritten über das vererbte Vermögen abzuwickeln. Der Erbschein dient der Beweiserleichterung und der Sicherheit im Rechtsverkehr.

Der Erbschein beinhaltet:

  • Daten des Erblassers
  • Daten des Erben
  • Umfang des Erbrechts
  • Verfügungsbeschränkungen (Testamentsvollstreckung)
  • bei Testamentsvollstreckung den Testamentsvollstrecker

3.1. Antrag

Der Erbschein muss beim Nachlassgericht (Amtsgericht), in Baden-Württemberg beim Notariat, beantragt werden, an dem der Erblasser seinen letzten Wohnsitz hatte. Die Erben müssen beweisen, dass sie ein Recht auf die Erbschaft haben.

Erforderliche Unterlagen bei gesetzlichen Erben:

  • Personalausweis.
  • Sterbeurkunde.
  • Familienstammbuch oder andere Personenstandsurkunden, welche die Verwandtschaft zum Verstorbenen belegen.
  • Angaben, ob und welche Personen vorhanden sind, durch die der Erbe von der Erbfolge ausgeschlossen bzw. sein Erbteil gemindert werden würde.
  • Angaben, ob es ein Testament gibt.
  • Angaben, ob ein Rechtsstreit über das Erbrecht geführt wird.
  • Angaben, welcher eheliche Güterstand mit dem Verstorbenen bestanden hat.

Besteht ein notarieller Erbvertrag oder ein notarielles (= öffentliches) Testament, ist in der Regel kein Erbschein notwendig.

3.1.1. Antragsteller

Beantragen können einen Erbschein z.B.:

  • Alle Erben (Erben, Vorerben, Erben des Erben)
  • Testamentsvollstrecker
  • Nachlassverwalter

3.1.2. Erbscheinarten

Es gibt verschiedene Arten von Erbscheinen. Die häufigsten sind:

  • Alleinerbschein: Erbschein für einen Alleinerben.
  • Gemeinschaftlicher Erbschein: Erbschein für mehrere Erben zusammen. Die jeweiligen Anteile sind ausgewiesen.
  • Teilerbschein: Mehrere Erben sind vorhanden und jeder Einzelne bekommt einen Erbschein.

3.1.3. Kosten

Die Kosten für einen Erbschein richten sich nach der Höhe des Erbes.

Im GNotKG (Gerichts- und Notarkostengesetz) ist festgelegt, wie hoch die Gerichtsgebühren bei welchem Geschäftswert (= Höhe des Erbes) sind (§ 34, 40 GNotKG). Detaillierte Angaben stehen in Anlage 2: www.gesetze-im-internet.de/gnotkg/anlage_2.html. Für einen Erbschein gilt Tabelle B.

Weitere Gebühren können anfallen, wenn der Erbschein über einen Notar beantragt wird oder eine eidesstaatliche Versicherung abgegeben werden muss.

3.2. Unrichtigkeit

Wird die Unrichtigkeit eines Erbscheins festgestellt, kann dieser vom Nachlassgericht wieder eingezogen oder für kraftlos erklärt werden.

4. Praxistipps

  • Die Broschüre "Erben und Vererben" kann auf der Internetseite des Justizministeriums kostenlos heruntergeladen werden: www.bmjv.de > Suchbegriff "Broschüre Erben und Vererben".
    Diese Broschüre enthält auf Seite 21 auch Hinweise auf den digitalen Nachlass, der immer wichtiger wird.
  • Ein Testament ist nicht zu verwechseln mit einem "Patiententestament". Bei diesem Begriff ist in der Regel die Patientenverfügung gemeint, die festlegt, wie ein schwer kranker Patient, der sich selbst nicht mehr äußern kann, medizinisch behandelt werden möchte.
  • Die Plattform www.vorsorgeplattform24.de/ macht Angebote u.a. zur digitalen Nachlassverwaltung und Bestattungsvorsorge. Viele Informationen und ein Teil der Angebote sind kostenfrei.

5. Wer hilft weiter?

Beim Abfassen eines Testaments der Notar oder ein Rechtsanwalt (vorzugsweise Fachanwalt für Erbrecht), beim Erbschein das Nachlassgericht.

6. Verwandte Links

Nach dem Tod > Organisatorisches

Patientenvorsorge

 

Gesetzesquellen Erbschein: §§ 2353-2370 BGB

Redakteurin: Andrea Nagl

Letzte Bearbeitung: 19.11.2018

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