Palliativphase > Symptome

1. Das Wichtigste in Kürze

Es gibt eine ganze Reihe von Symptomen, die für die letzte Lebensphase typisch sind. Nachfolgend werden nur die häufigen Symptome genannt, um Patienten wie Angehörigen eine Orientierung geben. Vielen hilft schon das Wissen, dass die zunehmenden Schwierigkeiten, die jetzt auftreten, normal sind. Symptome wie Angst, Depression, Schlafstörungen und Unruhe sind häufig: Sie sind auch ganz natürlich angesichts der Tatsache, dass das Leben sich neigt.

2. Linderung von Symptomen

Ganz generell kann gesagt werden: Es gibt ganz viele Hilfen, die die Symptome lindern können, denn die Palliativpflege und -medizin ist ja eben die Kunst des Linderns, wo eine Heilung nicht mehr möglich ist.

Angehörige sollten mit dem Arzt, den Pflegenden und den Hospizhelfern sprechen. Nur wenn die Fachkräfte von den Beschwerden wissen, können sie sich um Abhilfe bemühen. Es gibt neben wirksamen Medikamenten viele pflegende und unterstützende Maßnahmen, mit denen Pflegedienste, Hospizhelfer und Angehörige entlasten und ein Leben in Würde bis zuletzt ermöglichen können.

2.1. Praxistipp

Eine laienverständliche Übersicht zu den wichtigsten Symptomen und Medikamenten kann bei der Deutschen Palliativstiftung unter www.palliativstiftung.de > Publikationen > Bücher/Broschüren/Ratgeber > „Medikamententipps“ heruntergeladen werden.

3. Akute Verwirrtheit (Delir/Delirium)

Innerhalb kürzester Zeit können bei einem Palliativpatienten vorübergehend Symptome wie Verwirrtheit, Aggressivität, Wahnvorstellungen, rasche Gefühlswechsel sowie ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus auftreten. Der Betroffene weiß nicht mehr, wo er sich befindet und was um ihn herum passiert.

Ein Verwirrtheitszustand ist in der Regel nicht dauerhaft und vergeht nach einigen Stunden wieder, allerdings können beim Betroffenen dadurch nachhaltig geistige Beeinträchtigungen auftreten. Bei älteren Patienten kann es sich auch um eine altersbedingte Verwirrtheit wie Demenz handeln.

Es gibt verschiedene Anzeichen, dass sich ein Palliativpatient in einem Verwirrtheitszustand befindet:

  • Betroffene sind desorientiert, unkonzentriert und wissen oft nicht wo sie sich befinden.
  • Antworten auf Fragen erscheinen oft zusammenhangslos und unsinnig.
  • Phasen von Klarheit und Verwirrung wechseln sich abrupt ab.
  • Gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus.
  • Betroffene können gereizt, verärgert aber auch ängstlich und niedergeschlagen wirken.
  • Nicht selten leiden Betroffene unter Halluzinationen.

Die Auslöser können sehr verschieden sein und sind teilweise abhängig von der Art und Schwere der Erkrankung. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, persönliche Zuwendung und Entspannungsübungen können Abhilfe schaffen. Sinnvoll kann aber auch der Einsatz von Medikamenten sein, die kurzfristig über kritische Situationen helfen.

4. Angst

Angst am Lebensende und vor dem Sterben ist normal. Niemand weiß, was auf einen zukommt. Wichtig ist, Ängste auszusprechen, sie mit anderen zu teilen: Das hilft, Ängste zu ertragen. Angehörige, Freunde können zuhören und da sein. Es gibt zudem pflegende Maßnahmen oder Beschäftigungen, die beruhigen und/oder ablenken.

Angstauslöser können aber auch alte Konflikte, "offene Rechnungen" sein. Hier kann manchmal ein unbeteiligter Dritter als Gesprächspartner besser helfen, z.B. ein Hospizhelfer oder Seelsorger.

Wenn es sehr konkrete Ängste sind, z.B. vor Schmerzen, vor dem Fortschreiten der Krankheit, vor dem "ins Heim kommen", sind Ärzte und Pflegende gute Ansprechpartner. Sie kennen Entwicklungen bei anderen Patienten und können durch Informationen Ängste lösen. Bei sehr starken Ängsten kennen sie auch die Medikamente, die dagegen helfen können.

Zu respektieren ist auch, dass Patienten auf gar keinen Fall mit wem auch immer über ihre Ängste sprechen wollen.

5. Appetitlosigkeit

In der Palliativphase verschwinden Hunger und Durst zum Teil völlig, und es erfordert große Sorgfalt, mit diesen Situationen richtig umzugehen. "Richtig" heißt: So, wie es der Patient wünscht, wie es für ihn richtig ist.

Manche Menschen wollen gegen Lebensende nichts mehr essen und trinken. Das ist natürlich - jedoch für die Angehörigen schwer auszuhalten. Anzuerkennen, dass ein geliebter Mensch nicht mehr essen will, das heißt: akzeptieren, dass er nicht mehr lange leben wird.

Wenn ein Mensch noch essen und trinken will, sollte er das zu sich nehmen worauf er Lust hat: Lebensfreude ist in der Palliativphase wichtiger als Ernährungsfachwissen. Es darf aber keinen Zwang zum Essen und Trinken geben.

Bei schwieriger Nahrungsaufnahme sollte das Essen möglichst eiweiß- und kalorienreich sein. In manchen Fällen kann eine künstliche Ernährung (enteral oder parenteral) oder Flüssigkeitsgabe angebracht sein, z.B. wenn Übelkeit, Schmerzen, Kraftlosigkeit, Schluckbeschwerden oder andere Symptome das Essen schwer oder unmöglich machen. Eine künstliche Ernährung ist nur dann durchzuführen, wenn der Patient dies will und sie medizinisch indiziert ist. Über die medizinische Indikation entscheidet der behandelnde Arzt.

6. Atemnot (Dyspnoe)

Atemnot gehört zu den quälendsten und bedrohlichsten Symptomen, weil immer die Erstickungsangst mitschwingt. Spontan glauben viele Menschen, Atemnot habe mit Sauerstoffmangel zu tun, doch bei Palliativpatienten ist das fast immer anders.

Der Körper meldet Atemnot nicht nur bei Sauerstoffmangel, sondern er reagiert viel empfindlicher auf zu viel Kohlendioxid, das ist verbrauchter Sauerstoff, der ausgeatmet werden muss. Wenn die verbrauchte Luft nicht richtig ausgeatmet werden kann, entsteht Atemnot. Gründe dafür können z.B. Atemwegserkrankungen, Herzprobleme, Schwäche oder Nervosität sein. Angst verflacht die Atmung - und die Atemnot wird noch größer.

Bei Atemnot ist es also wichtig, den Patienten zu beruhigen und seine Konzentration auf ein möglichst tiefes Ausatmen zu lenken. Frische Luft oder ein Ventilator können helfen, eine gute Mund- und Lippenpflege ist wichtig.

Atemnot ist aber auch gut mit Medikamenten zu lindern.

7. Depression

Es ist normal, dass eine unheilbare Krankheit, belastende Symptome und das nahende Lebensende die Stimmung drücken - "depressiv" machen. Betroffene leiden deshalb nicht gleich an einer Depression, die mit Medikamenten behandelt werden muss.

Wenn entsprechende Symptome wie z.B. niedergedrückte Stimmung, Schlafstörungen, Hoffnungslosigkeit, vermindertes Interesse und geringer Antrieb aber ausgeprägt sind und lange anhalten, sollte der Arzt informiert und befragt werden. Vorrang hat immer eine möglichst hohe Lebensqualität des Patienten und hier können Antidepressiva (Näheres unter Depressionen > Behandlung) helfen. Die Verordnung von Antidepressiva muss sehr sorgfältig erfolgen, da sich mit vielen anderen Medikamenten Wechselwirkungen ergeben und sie praktisch immer Nebenwirkungen haben. Manche Nebenwirkungen sind aber auch erwünscht, z.B. können Antidepressiva bestimmte Schmerzen lindern.

8. Juckreiz (Pruritus)

Juckreiz ist ein zwar seltenes, dafür aber sehr quälendes Symptom. Juckreiz ist relativ häufig bei Leberschädigungen, trockener Haut und Hautveränderungen, doch es gibt weitere und oft auch recht komplexe Ursachen.

Unbedingt wichtig ist, bei Juckreiz nicht zu kratzen: Kratzen verletzt die Haut und verstärkt den Juckreiz. Lindern kann z.B. drücken, kühlen und jede Form von Ablenkung.

Gute Hautpflege ist wichtig: Hier sollte man sich von Pflegefachkräften beraten lassen, denn alles sollte optimal auf den Hauttyp und das Wohlbefinden des Patienten eingestellt sein: die Waschlotion, die Waschtemperatur, das Abtrocknen (nicht rubbeln), das Hautpflegemittel, die Kleidung, die Raumtemperatur, die Luftfeuchtigkeit, das Essen und Trinken.

Es gibt auch Medikamente gegen Juckreiz, aber sie gelten immer als der letzte Ausweg, wenn pflegende Maßnahmen nicht helfen.

9. Kraftlosigkeit und totale Schwäche (Fatigue)

Nach langer lebensbedrohlicher Krankheit und vielen Behandlungen kommen Körper und Psyche irgendwann an ihre Grenzen. Manchmal ist das der natürliche Prozess und ein Mensch kann nicht mehr und will nicht mehr leben. Das ist für die Angehörigen schwer auszuhalten, sollte aber respektiert werden.

Aber es gibt auch viele Fälle, bei denen nach intensiven Therapien der Körper keine Kraft mehr hat; oder Beschwerden verhindern das Essen, Trinken und Schlafen und führen so zu einer zunehmenden Schwäche und Auszehrung (Kachexie). In diesen Fällen kann künstliche Ernährung helfen. Wenn Symptome wie Schmerzen, Übelkeit oder Angst das Essen oder Schlafen verhindern, sollte unbedingt versucht werden, diese Symptome zu lindern. Wenn Medikamente die Schwäche verursachen, sollte mit dem Arzt besprochen werden, wie vorzugehen ist.

10. Krampfanfälle

Krampfanfälle dauern nur wenige Sekunden bis Minuten, sind aber belastend für den Patienten. Manche schämen sich auch dafür oder haben Angst. Angehörige sind durch die Anfälle oft sehr verunsichert und fühlen sich hilflos.

Krampfanfälle treten oft bei Patienten mit Hirnschädigungen auf, z.B. nach Schädel-Hirn-Trauma, oder nach Operationen am Kopf oder Bestrahlungen. Sie können auch bei Hirnmetastasen oder bei erhöhtem Hirndruck entstehen. Sie sind nicht zu verwechseln mit der Krankheit Epilepsie.

Wenn die Anfälle länger als 5 Minuten dauern oder gehäuft auftreten, sollte möglichst rasch der Arzt informiert werden: Er wird dann in der Regel ein Medikament dagegen verschreiben.

11. Mundpilz (Soor, Kandidiasis)

Palliativpatienten haben häufig einen weißlichen Belag im Mundraum, der beim Essen und Trinken brennt und schmerzt. Das kann Mundpilz sein. Pilze kommen praktisch überall vor, doch Patienten sind besonders anfällig, weil ihr Immunsystem geschwächt ist oder die Schleimhäute angegriffen sind.

Gegen Mundpilz hilft eine konsequente Mundpflege - am besten natürlich vorbeugend. Eine gesunde Mundschleimhaut verhindert die Ansiedlung von Pilzen. Wenn der Mundpilz bereits da ist, muss er unbedingt behandelt werden. Im Mund ist er zwar harmlos, aber wenn er sich ausbreitet, kann er Organe angreifen und besonders bei alten, geschwächten Menschen lebensgefährlich werden.

Mundreinigung und Mundpflege ist ein sehr intimer Bereich. Wenn ein Patient zu schwach ist, sie selbst durchzuführen, sollte sie sehr vorsichtig und rücksichtsvoll ausgeführt werden. Ideal ist, wenn nahestehende Menschen dies tun. Dann kann die Mundpflege auch etwas Angenehmes, Vertrautes bekommen und Nähe erzeugen.

12. Schlafstörungen

Schlafstörungen sind bei Patienten sehr häufig: Manche können nicht schlafen, weil sie Beschwerden haben oder Sorgen, die sie beunruhigen; oder weil sie nur liegen und dabei nicht ermüden. Andere sind "nur noch müde" und erschöpft, siehe auch unter Kraftlosigkeit. Manche Patienten können nicht einschlafen, manche nicht durchschlafen, manche schlafen tagsüber, aber nachts nicht, andere werden morgens nur schwer wach.

So verschieden die Formen von Schlafstörungen, so vielschichtig können auch die Ursachen sein. Es gibt zwar Medikamente gegen Schlafstörungen, aber die Therapie verlangt exaktes Einhalten der Vorgaben. Es sollte sorgfältig überlegt werden und ist nur sinnvoll, wenn die Schlafstörungen sehr belastend sind. Keinesfalls sollten Palliativpatienten, die meist mehrere Medikamente einnehmen, Schlafmittel ohne Absprache mit dem Arzt einnehmen.

Wenn Beschwerden wie Schmerzen oder Übelkeit das Einschlafen oder Durchschlafen stören, müssen unbedingt diese Symptome behandelt werden.

Häufig helfen aber auch pflegerische und betreuende Maßnahmen, z.B.:

  • Akzeptieren, dass der Körper am Lebensende "aus dem Takt" gerät
  • Beruhigende Gespräche, vorlesen, Musik
  • Waschen und eincremen/ölen, Pflegende können Tipps geben
  • Aromatherapie mit beruhigenden ätherischen Ölen
  • Beruhigende Tees, z.B. Melissentee
  • Aktivität am Tag, damit abends die Müdigkeit kommt
  • Einschlafrituale, z.B. Beten, Entspannungsübungen

Weitere Tipps unter Schlafhygiene.

13. Schmerzen

Schmerzen sind das häufigste und oft auch schlimmste Symptom für Patienten. Dazu kommt die Angst vor dem Schmerz, was die Nerven noch sensibler macht. Aber das muss nicht sein! Schmerzen sind das Symptom, das heute am besten gelindert werden kann: Erfahrene Schmerz- und Palliativmediziner schaffen es bei nahezu allen Patienten, ein erträgliches und oft schmerzfreies Leben zu erreichen.

Das ist wichtig zu wissen, denn die traurige Tatsache ist, dass viele Menschen nicht die bestmögliche Schmerztherapie bekommen und deshalb ihre letzte Lebenszeit mit viel Leiden verbringen. Das kann verschiedene Ursachen haben:

  • Manche Patienten und Angehörige glauben, dass Leiden "normal" ist und ausgehalten werden muss. Doch die letzte Lebenszeit ist zu kostbar für unnötiges Leid. Schmerzen muss man nicht erleiden.
  • Schmerzen am Lebensende, angesichts eines geschwächten Körpers, bei mehreren oder schweren Krankheiten, können sehr komplex sein. Entsprechend schwierig ist ihre Therapie, deshalb braucht es oft einen Spezialisten: Fragen Sie Ihren Arzt danach, wenn sich Schmerzen über lange Zeit nicht lindern lassen.
  • Wirksame Schmerzlinderung erfordert oft starke Medikamente, z.B. Opiate. Doch viele Ärzte und Patienten haben Angst vor diesen Mitteln, weil sie süchtig machen können.
    Jedoch:
    Schmerzmittel (Analgetika) machen nicht süchtig, wenn sie richtig eingesetzt werden. Wichtig ist, dass sie so hoch dosiert und so rechtzeitig eingenommen werden, dass sie den Schmerz dauerhaft lindern.
    Wenn starke Schmerzmittel abgesetzt werden, muss das in Absprache mit dem Arzt Schritt für Schritt erfolgen. Dann gibt es auch keine Entzugserscheinungen.
  • Wichtig ist bei der Schmerztherapie, dass die Medikamente exakt nach Vorgabe eingenommen bzw. angewendet werden. Oft ergänzen sich mehrere Medikamente, z.B. ein langfristig wirkendes Medikament (Basistherapie), ein Zusatz-Schmerzmittel (Ko-Analgetikum) und ein Notfall-Medikament, das innerhalb von Minuten wirkt, wenn Schmerzspitzen die Basistherapie durchbrechen. Patienten und Angehörige sollten nur nach Rücksprache von den ärztlichen Vorgaben abweichen.

Neben Medikamenten gibt es je nach Schmerzursache auch viele pflegerische und soziale Maßnahmen, die lindern. Wenn Schmerzen z.B. krampfartig sind, kann Entspannung und Wärme helfen. Bei entzündlichen Schmerzen kann dagegen Kühle das Richtige sein. Ablenkung kann ebenfalls helfen, denn: Das Zentrum der Schmerzwahrnehmung sitzt im Hirn und wer abgelenkt ist, vergisst den Schmerz. Pflege- und Verhaltenstipps für den speziellen Einzelfall geben Ärzte und Pflegende.

14. Übelkeit (Nausea) und Erbrechen (Emesis)

Übelkeit und Erbrechen plagen viele Patienten, sie können auch unabhängig voneinander auftreten. Die Ursachen sind vielschichtig und die Entstehung ist komplex - entsprechend schwierig kann auch die Linderung werden.

Weil Übelkeit, Würgereiz und Erbrechen aber die Lebensqualität stark einschränken, muss eine Linderung unbedingt versucht werden. Das beginnt beim Schaffen einer angenehmen, frischen Raumatmosphäre, geht über pflegerische Maßnahmen und ärztliche Behandlungen bis hin zu Medikamenten. Auch die soziale und psychische Ebene sollte nicht übersehen werden: Angst oder Ekel können "auf den Magen schlagen". Richtschnur ist immer das Empfinden des Patienten: Es sollte möglichst alles unterlassen oder entfernt werden, was ihm Unwohlsein verursacht.

Auf jeden Fall mit dem behandelnden Arzt sprechen, da es unterschiedlichste Medikamente gibt, die bei Übelkeit und Erbrechen ausprobiert werden können.

15. Unruhe (Agitation)

Starke Unruhe zeigen am ehesten Patienten, die sich nicht mehr klar orientieren können oder nicht mehr ansprechbar sind. Die Diagnose "Unruhe" orientiert sich deshalb oft am Verhalten, z.B. wenn sich der Patient im Bett wälzt, ständig an etwas herumnestelt, stöhnt oder um Hilfe ruft. Das ist insbesondere für Angehörige oder auch Zimmernachbarn schwer auszuhalten.

Das Herausfinden der Ursachen ist schwierig, da sich die Patienten eben oft nicht mehr klar äußern können. Wenn organisch nichts gefunden werden kann (z.B. Schmerzen), hilft oft Zuwendung und Zeit: "einfach" da sein, die Hand halten, sprechen, erzählen, vorlesen. Beruhigende und entspannende Pflegemaßnahmen können ebenfalls lindern - hilfreich ist, wenn man weiß, was der Mensch gerne mag. Manchmal geht es aber auch "nur" darum, den Zustand mit dem Patienten auszuhalten, keine weitere Aktivität zu veranlassen und keinen Druck aufzubauen. Wenn Angehörigen dazu die Gelassenheit fehlt, was sehr verständlich ist, sollten sie sich nicht scheuen, bei Hospizdiensten und Palliativfachkräften Rat zu holen.

Wenn nichts anderes hilft, kann versucht werden, Unruhe mit Medikamenten zu lindern. Richtschnur ist immer der Patient, nicht das Ruhebedürfnis der Angehörigen.

16. Verstopfung (Obstipation)

Verstopfungen betreffen über die Hälfte der Palliativpatienten und sie sind oft schwer zu lösen, weil es viele Ursachen geben kann, die zusammenwirken. Die häufigsten Ursachen sind:

  • Einnahme von Opioiden - normalerweise werden aber mit diesen Medikamenten auch gleich leichte Abführmittel (Laxantien) verordnet
  • bestimmte Krankheiten, z.B. Krebs, und ihre Folgen
  • Bewegungsmangel
  • zu wenig Flüssigkeits- und/oder Nahrungsaufnahme
  • Mangel an Ballaststoffen
  • Stoffwechselstörungen

Da Stuhlgang eine sehr intime Angelegenheit ist, können auch psychische und soziale Faktoren eine Rolle spielen. Unter diesem Aspekt muss auch die Therapie gefühlvoll angegangen werden. Es gibt viele Therapiemöglichkeiten, den Stuhlgang zu fördern:

  • Ernährung verändern
  • Mehr trinken
  • Darmaktivität fördern durch Bewegung oder Massage
  • Medikamente zum Einnehmen
  • Zäpfchen
  • Einlauf
  • Manuelle Ausräumung

Bei der Therapie muss immer berücksichtigt werden, wie kräftig der Patient ist, ob die Maßnahmen Schmerzen verursachen und ob Wechselwirkungen mit anderen Therapien und Medikamenten entstehen.

Gegen Lebensende, wenn ein Patient nicht mehr essen und trinken mag, ist auch manchmal geboten, die Verstopfung hinzunehmen. Der Körper will dann auch nicht mehr ausscheiden. Dann sollte man die allerletzte Lebenszeit nicht mit belastenden abführenden Maßnahmen verbrauchen. Allerdings sollte das nur in den letzten Tagen so gehandhabt werden, weil es ansonsten zu einem schmerzhaften und gefährlichen Darmverschluss (Ileus) kommen kann, der unter Umständen im Krankenhaus behandelt werden muss.

17. Verwandte Links

Palliativphase

Palliativversorgung

Palliativpflege

Palliativpflege durch Angehörige

Fatigue - Chronisches Erschöpfungssyndrom

Redakteurin: Andrea Nagl

Letzte Bearbeitung: 13.11.2018

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