Das Wichtigste in Kürze
Bei schwerer Krankheit oder am Lebensende sollte der Mensch mit seiner Persönlichkeit, seinen Bedürfnissen und seinen Wünschen im Mittelpunkt stehen. Palliativversorgung verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und berücksichtigt neben körperlichen Beschwerden auch psychische, soziale und spirituelle Bedürfnisse der Betroffenen. Die Unterstützung von Angehörigen ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Palliativversorgung. Ihre Belastungen, Informationsbedürfnisse und Fragen sollen frühzeitig erkannt und berücksichtigt werden. Dieser sog. mehrdimensionale Ansatz wurde in der Definition „Palliativversorgung“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt.
Definition Palliativversorgung der WHO
Palliativversorgung hilft Menschen mit schweren, lebensbedrohlichen Krankheiten und ihren Familien, besser mit der Situation umzugehen. Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern, indem Schmerzen und andere belastende Beschwerden früh erkannt und behandelt werden, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch, sozial und spirituell.
Sozialer Aspekt
In unserer Gesellschaft haben konsumorientiertes Verhalten sowie Gesundheit, Wellness, Sport und jugendliches Aussehen einen sehr hohen Stellenwert. Für schwere Krankheit und damit verbundenes Leiden ist kaum Platz, sie machen Angst, erfordern Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme. Schwere Erkrankungen können dazu führen, dass soziale Kontakte verloren gehen oder Betroffene sich zurückziehen. Dies kann Gefühle von Einsamkeit und sozialer Isolation verstärken.
Ein wichtiges Ziel ist es, dass Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt nicht isoliert sind. Familien und enge Bezugspersonen werden bewusst mit einbezogen. So können soziale Kontakte erhalten bleiben oder sogar wiederhergestellt werden, z.B. wenn der Wunsch besteht, sich zu versöhnen.
Damit dies gelingt, ist es wichtig, dass Betroffene und Angehörige genau über Erkrankung und Prognose informiert sind. Dies ist die Grundlage, um offene Gespräche zu führen.
Je nach körperlichem und seelischem Zustand können Betroffene zwischen verschiedenen Versorgungsformen wählen, z.B. ambulant (zu Hause), im Krankenhaus auf einer Palliativstation, im Hospiz oder im Pflegeheim. Näheres auch unter Sterbebegleitung. Stationäre Versorgung ist nur möglich, wenn ein Platz frei ist und die betroffene Person oder eine bevollmächtige Person dies möchte.
Physischer Aspekt
Ziel der physischen (körperlichen) Begleitung ist es, Schmerzen und andere Symptome wie z.B. Atemnot, Übelkeit und Erbrechen zu lindern. So soll höchstmögliche Lebensqualität, Denk- und Handlungsfähigkeit erhalten bleiben. Bei einem Großteil der Patienten ist eine sehr gute Symptomkontrolle möglich, auch weil Ärzte, Pflegekräfte und bei Bedarf Therapeuten in der Palliativversorgung zusammenarbeiten. Näheres unter Multiprofessionelles Team und Palliativpflege.
Psychischer Aspekt
Sterben ist etwas sehr Persönliches und Individuelles. Betroffene können unterschiedliche Gefühle erleben, z.B. Angst, Trauer, Verzweiflung, Wut, Hoffnung oder Akzeptanz. Diese Gefühle treten nicht in einer festen Reihenfolge auf und können sich im Verlauf verändern.
Der sterbende Mensch braucht die Gewissheit, alles noch zu Lebzeiten geregelt und erledigt zu haben. Unerledigte Angelegenheiten oder ungelöste Konflikte können Betroffene und Angehörige zusätzlich belasten. Offene Gespräche mit der Familie und Freunden sowie unterstützende Begleitung können helfen, damit umzugehen.
Spiritueller Aspekt
Spirituelle Begleitung unterstützt Menschen dabei, sich mit Sinn-, Wert- und Glaubensfragen sowie persönlichen Quellen von Halt und Hoffnung auseinanderzusetzen. Sie orientiert sich an den individuellen Überzeugungen, Bedürfnissen und Wünschen der betroffenen Person.
Die spirituelle Begleitung sollte nur erfolgen, wenn der kranke Mensch es wünscht. Häufig entsteht erst in der Endphase dieser Wunsch, es taucht das Bedürfnis nach rituellen Handlungen wieder auf.
Egal welche Form der Seelsorge der kranke Mensch wünscht, ob miteinander reden oder rituelle Handlungen, diese sollte ihm ermöglicht werden. Seelsorge bedeutet für Sterbende und ihre Angehörigen Lebenshilfe für ihre letzte Zeit, für Fragen, Gedanken und Emotionen in schwierigen Situationen und Konflikten.
Eine seelsorgerische Begleitung kann als Zeichen des nahen Todes missverstanden werden. Sie sollte deshalb frühzeitig angeboten werden. Sie muss nicht von Theologen geleistet werden, auch Pflegekräfte oder Freunde können diese Aufgabe übernehmen. Vertraute Dinge wie Musik, Meditations- oder Andachtsbilder, Kreuze und andere persönliche oder religiöse Gegenstände können dabei hilfreich sein. Wichtig ist vor allem Zeit.