Corona Covid-19 > Psychische Belastungen

1. Das Wichtigste in Kürze

Das Corona-Virus Covid-19 und die Folgen belasten viele Menschen: Die alltäglichen Einschränkungen sind massiv, dazu kommen Existenzängste, gedrückte Stimmung zuhause, Einsamkeit und Isolation, der Wegfall geliebter Aktivitäten, Unsicherheit und ein Ohnmachtsgefühl. Psychische Belastungen und Angst sind angesichts der Corona-Pandemie normal, jedoch: Jeder kann einiges tun, um sich besser zu fühlen und nicht in ein psychisches Tief zu fallen. Nachfolgend konkrete Tipps gegen die Angst in der Corona-Krise.
Eine Bemerkung vorab: Jeder Mensch ist anders und deshalb können nicht alle Tipps für alle passen. Probieren Sie einfach aus und sehen Sie, was Ihnen hilft und gut tut.

2. Angst vor Covid-19 und Existenzangst

Das Corona-Virus löst viele Ängste aus, denn Menschen streben nach Sicherheit – und die ist derzeit nicht gegeben. Menschen haben Angst vor der Ansteckung mit dem Virus, oder genauer: Vor einem Ausbruch der Krankheit Covid-19. Und sie haben Angst, dass nahestehende Menschen davon betroffen sein könnten.

2.1. Tipps, um sich gegen Covid-19 zu schützen

Dagegen hilft, sich an die Abstands- und Hygieneregeln zu halten. Näheres liefert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA unter www.infektionsschutz.de.

Außerdem sollten Sie Ihre Abwehrkräfte so gut wie möglich starken:

  • Essen Sie vitamin- und mineralstoffreich, viel Obst, Salat und Gemüse, wenig Fertiggerichte und Konserven.
  • Trinken Sie heiße Tees, welche die Mundschleimhaut, Atemwege und Abwehrkräfte stärken.
  • Bewegen Sie sich an der frischen Luft, aber verausgaben Sie sich nicht. Denn direkt nach einem erschöpfenden Training sind nicht nur die Muskeln schlapp, sondern auch das Immunsystem und das Infektionsrisiko steigt. Bleiben Sie also beim Training immer unter Ihren Möglichkeiten: Sie sollten sich jederzeit mühelos unterhalten können, ohne außer Atem zu kommen.
  • Bei einem Anflug von Fieber oder Erkältung sollten Sie jegliches Training einstellen – der Körper braucht die Kraft dann für die Immunabwehr.

 

Viele Menschen haben zudem Angst vor finanziellen Problemen und/oder dem Verlust des Arbeitsplatzes, Existenzängste, Angst vor dem Zusammenbruch des ganzen Systems.

2.2. Tipps gegen die Angst vor Corona Covid-19 und den Folgen

  • Teilen Sie Ihre Angst – sprechen hilft. Aber bleiben Sie nicht bei der Angst, sondern versuchen Sie, das Gespräch in positive, zuversichtliche Bahnen zu lenken.
  • Suchen Sie sich bewusst positive Gesprächspartner, nicht Menschen, die nur an den schlimmsten Neuigkeiten und Gerüchten interessiert sind und alles schwarz sehen.
  • Wenn Sie allein leben, pflegen Sie Ihre Kontakte auf Distanz – am besten per (Video-)Telefon: Allein und ohne Ablenkung wird die Angst meist größer.
  • Gestehen Sie sich die Angst zu und betrachten Sie diese als normale Reaktion auf diese Ausnahmesituation. Angst kann man aushalten und sich daran gewöhnen, dann ist sie nicht mehr so schlimm. Im Gegensatz dazu verstärkt Verdrängung die Angst – also besser daran gewöhnen. Dann verliert sie ihren Schrecken.
  • Lassen Sie sich nicht von Panik anstecken: Informieren Sie sich bei seriösen Quellen – aber surfen Sie nicht stundenlang nach den neuesten Katastrophennachrichten im Netz. Näheres unter Corona Covid-19 > Informationen - Beratung - Hilfen.
  • Ärgern Sie sich nicht über Hamsterkäufer: Ja, es ist ärgerlich, wenn die Lieblingsnudeln ausverkauft sind, aber Sie werden nicht verhungern. Und nach einem Toilettengang kann man sich auch waschen.
    Einen erklärenden Podcast zum Hintergrund der Hamsterkäufe finden Sie unter www.sputnik.de > Podcasts > Was macht Corona mit unserer Psyche? > Warum hamstern wir?

2.3. Ausweglosigkeit

Wenn Sie schwere Ängste haben, Panikattacken haben oder an Suizid denken – zögern Sie nicht, sich professionelle Hilfe zu holen.
Wenden Sie sich an Krisendienst, Notfallseelsorge, Telefonseelsorge, Notrufnummern, den sozialpsychiatrischen Dienst, den ärztlichen Bereitschaftsdienst, Beratungsstellen  oder psychiatrische Notfalldienste. Telefonnummern unter Notfall- und Beratungsnummern.

3. Stress in der Familie, Belastungen in der Beziehung

Die gute Nachricht zuerst: Endlich haben Sie in der Familie mehr voneinander. Aber das ist auch ungewohnt, Rückzugsraum und Freiheiten werden weniger. Es gibt mehr Reibungen und Streit und die Ängste in der Corona-Krise können Aggressionen verstärken. Das alles ist normal.

3.1. Wie Sie sich gut streiten und weniger nerven

  • Nutzen Sie die Chance, dem vermehrten Miteinander mehr Inhalt und Substanz zu geben. Eine äußere Krise wie Corona ist eine Gefahr, weil die veränderte Situation auch Reaktionen verändern kann. Nutzen Sie die Chance, sich gegenseitig besser kennenzulernen – ohne das Gegenüber für seine ungewohnte Art zu kritisieren. Seien Sie neugierig.
  • Denken Sie sich gemeinsame Aktivitäten aus. Schaffen Sie Höhepunkte und Abwechslung, z.B.: Verzieren Sie das Wasserglas mit einem Orangenschnitz, inszenieren Sie ein Candlelight-Dinner, stylen Sie sich, als würden Sie ausgehen, machen Sie gemeinsam Gymnastik oder ein Wunschkonzert, …
  • Vereinbaren Sie Allein-Zeiten: Damit jedes Haushaltsmitglied auch mal „seine Ruhe“ hat. Berücksichtigen Sie dabei, dass das Bedürfnis, allein zu sein, individuell verschieden ist.
  • Lassen Sie auch Streit zu – aber streiten Sie konstruktiv, achtsam, nie verletzend. Bleiben Sie bei sich, senden Sie Ich-Botschaften. Machen Sie keine Vorwürfe. Achten und lieben Sie Ihr Gegenüber, zeigen Sie Ihre Wertschätzung, auch wenn Sie verschiedener Meinung sind.

4. Alleinlebende: Einsamkeit, Isolation, Langeweile

Menschen, die allein leben, können das gegenteilige Problem haben: Fehlende Kontakte und Ansprache, Isolation, Einsamkeit. Dabei gibt es eine Minderheit von Menschen, die sich in der Einsamkeit durchaus wohl fühlen und dankbar für die Zeit sind, die sie durch ausgefallene Aktivitäten für sich gewinnen. Doch was hilft, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt, man sich zu nichts mehr aufraffen kann oder die Gedanken kreisen?

4.1. Tipps gegen Einsamkeit und Langeweile

  • Pflegen Sie Ihre Kontakte, telefonieren Sie: Gespräche mit anderen geben mehr Nähe als geschriebene Nachrichten.
  • Nutzen Sie Online-Angebote: Webinare, Wohnzimmerkonzerte und -lesungen, aber meiden Sie negativ gefärbte Online-Nachrichten und Schreckensszenarien (oder gar Verschwörungstheorien).
  • Besinnen Sie sich auf Hobbies und Interessen, für die Sie jetzt Zeit haben: Lesen, eine Sprache lernen, handarbeiten, Musik hören, musizieren, meditieren, künstlerisch arbeiten, Gymnastik, jonglieren, puzzeln, dichten, ….
  • Fangen Sie etwas Neues an: Schattenboxen, Teppich knüpfen, Chinesisch lernen, Nudeln selber machen, ein Kellerregal bauen, Blumen pressen, bloggen – für alles gibt es Anleitungen und die notwendigen Materialien im Internet.
  • Erledigen Sie Dinge, die lange liegen geblieben sind: Den Pulli fertigstricken, das Fotoalbum gestalten, die Steinesammlung sortieren, Bilder an die Wand hängen, das Modellflugzeug bauen, die Blumen umtopfen, den Wäscheständer reparieren, einen Brief schreiben ….
  • Wenn die Tage strukturlos dahinfließendie, z.B. weil Sie derzeit nicht in die Arbeit gehen oder das Home Office die Zeiten verschwimmen lässt, geben Sie sich selbst Struktur. Planen Sie Arbeits- und freie Zeit, nehmen Sie sich täglich konkrete Dinge vor, gestalten Sie Wochenende und Feiertage bewusst anders: Das gibt Halt und schafft Erfolgserlebnisse.
  • Wechseln Sie bewusst zwischen konsumierenden und aktiven Tätigkeiten: Ein Wochenende mit Streamingdiensten kann einen auch „runterziehen“, weil es zwar ablenkt, aber keine positiven Erfolgserlebnisse gibt.

5. Psychotherapie

Wenn Sie in psychischer Behandlung sind, finden Sitzungen in der Regel weiter statt, natürlich unter Einhaltung der bekannten Hygiene- und Abstandsregeln am Empfang, im Wartezimmer und beim Gespräch. Wenn die technischen Voraussetzungen gegeben sind und wenn es auf die jeweilige Patientensituation passt, können psychotherapeutische Gespräche auch per Video geführt werden. Dazu wurde eigens eine bisher geltende prozentuale Beschränkung der Videosprechstunden aufgehoben. Das ist auch bei Erstkontakten möglich (siehe auch Psychotherapeutische Sprechstunde unter Psychotherapie).

5.1. Gruppensitzungen

Für Gruppensitzungen gelten in den Bundesländern unterschiedliche Regelungen, zum Teil können sie weiter stattfinden, zum Teil nicht. Kontaktieren Sie also Ihren Therapeuten. Zum Teil kann Ihr Therapeut die Gruppentherapie bis 30.6.2020 in Einzelsitzungen umwandeln. Diese Einzelsitzungen können auch in einer Videosprechstunde durchgeführt werden.

5.2. Akute Belastung bei psychischen Erkrankungen

Für Menschen, die bereits psychisch belastet sind, ist die aktuelle Corona-Krise besonders schwierig. Die soziale Isolation und die überall präsenten Befürchtungen zur Corona-Pandemie können Ängste verstärken und Gefühle wie Kontrollverlust oder Ohnmacht auslösen. Dies kann psychische Symptome weiter verstärken.

Hier ist es beruhigend zu wissen, dass die psychiatrischen Kliniken weiterhin arbeiten und auch Notfälle aufnehmen, selbstredend unter Berücksichtigung der bekannten Hygiene- und Abstandsregeln.

Wenn Sie eine stationäre Einrichtung aufsuchen müssen oder wollen, erkundigen Sie sich vorher bei der entsprechenden Einrichtung nach möglichen Einschränkungen.

Einschränkungen gibt es insbesondere, wenn

  • Sie mit dem Corona-Virus infiziert sind, oder der Verdacht dafür besteht,
  • Sie Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatten,
  • Sie in den 14 Tagen vor dem Termin aus einem Risikogebiet (www.rki.de) zurückgekehrt sind,
  • Sie Erkältungs- oder Grippesymptome haben, die nicht geklärt sind.

Besuche von Bekannten und Verwandten, die in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht sind, sind weitgehend verboten. Informieren Sie sich auf den Webseiten der Einrichtungen – insbesondere für Eltern von Kindern gibt es meist Ausnahmen.

6. Verwandte Links

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Letzte Bearbeitung: 29.04.2020

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