Autofahren bei Medikamenteneinnahme

1. Das Wichtigste in Kürze

Das Autofahren bei Einnahme von Medikamenten ist laut Straßenverkehrsordnung erlaubt, wenn die Medikamente zur Behandlung einer Krankheit notwendig und – ganz wichtig – vom Arzt verordnet sind. Darüber hinaus muss der behandelnde Arzt die Fahrtauglichkeit des Patienten beurteilen und dem Patienten Informationen geben.

2. Pflicht bei Medikamenteneinnahme: Fahrtüchtigkeit selbst prüfen

Bei nachgewiesener Vergiftung und anderen Wirkungen von Arzneimitteln, die die Leistungsfähigkeit zum Führen eines Kraftfahrzeugs beeinträchtigen, ist bis zu deren völligem Abklingen die Voraussetzung zum Führen von Kraftfahrzeugen aller Art nicht gegeben. Prinzipiell sind Ärzte verpflichtet, Führerscheininhaber, die auf Medikamente, z.B. Schmerzmittel oder Psychopharmaka, angewiesen sind, auf mögliche Einschränkungen und Gefahren hinzuweisen. Normalerweise erfolgt dieser Hinweis schriftlich und wird vom Patienten bestätigt. Andernfalls könnten Ärzte für die Kosten möglicher Unfälle haftbar gemacht werden.

Die folgenden berauschenden Mittel und Substanzen sind im Straßenverkehrsgesetz (Anhang zu § 24a StVG) ausdrücklich nicht zugelassen: Amfetamin, Designer-Amfetamin, Benzoylecgonin, Cannabis, Cocain, Heroin, Metamfetamin, Methylendioxyamfetamin (MDA), Methylendioxyethylamfetamin (MDE), Methylendioxymetamfetamin (MDMA), Morphin, Tetrahydrocannabinol (THC). Sie dürfen nur bestimmungsgemäß für einen konkreten Krankheitsfall eingenommen werden und müssen vom Arzt verschrieben werden (§ 24a Abs. 2 StVG).

Wenn ein Patient trotz dieser Medikamente Autofahren darf, sollte er sich dies vom Arzt schriftlich bestätigen lassen. Diese Bestätigung gibt es in der Regel nur, wenn der Patient seine Medikamente regelmäßig nach Vorgabe einnimmt und einen guten, stabilen Allgemeinzustand hat, und wenn die Therapie wirkt.

Medikamente dürfen keinesfalls plötzlich abgesetzt werden, weil sowohl das Absetzen an sich als auch das Fehlen der Medikamente fahruntauglich machen können. Veränderungen sollten immer in Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Besonders aufmerksam sollte man bei Beginn einer Arzneimittelbehandlung sein. Aber auch später und insbesondere bei chronischen und schweren Krankheiten muss der Arzt die Therapie führen und regelmäßig überwachen.

Grundsätzlich gilt: Auch wenn der Arzt die grundsätzliche Erlaubnis zum Autofahren gibt, muss der Patient vor jeder Fahrt seine Fahrtauglichkeit selbst kritisch einschätzen. Bei Bedenken bezüglich der Fahrtauglichkeit sollte der Patient besser ein Taxi oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen.

3. Autofahren bei bestimmten Krankheiten und Beschwerden

Die Beurteilung der Kraftfahrer-Fähigkeiten im Zusammenhang mit Medikamenten muss immer sehr differenziert gesehen werden. Einerseits gibt es Krankheiten, die das Autofahren ausschließen (z.B. Epilepsie) – aber mit Hilfe von Medikamenten kann die Fahreignung wieder hergestellt werden. Andererseits gibt es Krankheiten, die das Autofahren zwar nicht beeinträchtigen – aber die Medikamente (z.B. starke Schmerzmittel oder Psychopharmaka) verringern die Leistungsfähigkeit für den Straßenverkehr, z.B. durch Verlangsamung oder Konzentrationsstörungen.

Beeinträchtigend für das Führen von Kraftfahrzeugen ist in der Regel die Reduzierung der psychischen und/oder physischen Leistungsfähigkeit. Von Bedeutung sind hier vor allem Schmerzmittel, Schlaf- und Beruhigungsmittel (Tranquilizer), Antikonvulsiva, Neuroleptika, Antidepressiva und Antiallergika.

3.1. Herz-Kreislauf-Mittel

Die meisten Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden dauerhaft mit Medikamenten behandelt. Diese wirken sehr unterschiedlich. Nachfolgend die häufigsten Beeinträchtigungen für das Autofahren:

  • Antikoagulantien (Blutverdünner) bergen die Gefahr akuter Blutungen. Die Behandlung sollte regelmäßig ärztlich überwacht und die Fahreignung durch ein entsprechendes Attest bestätigt werden.
  • Medikamente der Digitalisgruppe können Rhythmusstörungen verursachen, selten auch Sehstörungen oder akute psychische Störungen. Auch hier ist also die ärztliche Überwachung mit Nachweis angezeigt.
  • Antihypertonika (Blutdrucksenker) verursachen bei zu starker Senkung des Blutdrucks Schwindel und Ohnmacht.

3.2. Psychopharmaka

Werden Patienten mit höheren Dosen psychoaktiver Arzneimittel behandelt, wirkt sich das unter Umständen auf die Fähigkeiten zum Autofahren aus, unabhängig davon, ob die eigentliche Erkrankung die Anpassungs- und Leistungsfähigkeit des Betroffenen beeinträchtigt.

3.3. Einnahme von Opioiden

Verschiedene Studien zur Fahrtauglichkeit bei Opioideinnahme ergaben, dass bei stabiler Dosierung im Allgemeinen die Belastbarkeit, Konzentration, Orientierung, Aufmerksamkeit oder Reaktionsfähigkeit nicht wesentlich eingeschränkt sind.

Trotzdem muss bei Opioiden, z.B. auch bei Schmerzpflastern, Folgendes ernst genommen werden:

  • Fahrtüchtige Patienten sollten einen Opioid-Ausweis mit sich führen. Diesen können Sie hier als PDF-Datei herunterladen, ausschneiden und entlang der Linien (zuerst in der Mitte) falten, um ihn in der Brieftasche aufzubewahren. Im Opioid-Ausweis vermerkt der Arzt, dass der Betroffene auf diese Medikamente angewiesen ist.
  • Während der Einstellungsphase, z.B. von Morphin, wird das Führen eines Fahrzeugs wahrscheinlich nicht möglich sein, da in den ersten 14 Tagen sowie nach jeder Dosiserhöhung aufmerksamkeitseinschränkende Nebenwirkungen häufig sind. Bei gut eingestellten Patienten, die nicht mehr unter Sehstörungen, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel leiden, steht dem Autofahren nichts entgegen.

3.4. Medizinisches Cannabis

Bei der Verordnung von Cannabis durch einen Arzt können Sonderregelungen bezüglich der Verkehrstüchtigkeit gelten, Näheres unter Medizinisches Cannabis.

3.5. Schwindel infolge von Medikamenten

Schwindel kann eine Nebenwirkung von zentral wirksamen Medikamenten, z.B. Psychopharmaka oder Mittel gegen Bluthochdruck, sein. Das kann die Eignung für den Straßenverkehr stark einschränken. Deshalb darf bei Schwindel infolge von Medikamenten kein Fahrzeug geführt werden. Ausnahmen sind unter Berücksichtigung der Leitlinien zur Dauertherapie mit Arzneimitteln möglich.

3.6. Alkohol und Drogen

Da Alkohol die Nebenwirkung von Medikamenten verstärken kann, sollte – nicht nur mit Blick auf das Autofahren – vollständig darauf verzichtet werden.

Wer alkoholabhängig ist, kann nicht Autofahren.

Wer Betäubungsmittel einnimmt oder von ihnen abhängig ist, kann nicht Autofahren. Die Fahreignung kann jedoch gegeben sein, wenn das Mittel vom Arzt verschrieben ist und bestimmungsgemäß eingenommen wird, wenn also kein Suchtverhalten vorliegt.

Wer seine Fahrerlaubnis infolge einer Abhängigkeit von Alkohol oder Drogen verloren hat, erhält sie in der Regel nur zurück, wenn er eine erfolgreiche Entwöhnungsbehandlung und eine in der Regel einjährige Abstinenz (nachgewiesen durch ärztliche Untersuchungen) nachweisen kann. Notwendig sind oft auch ein psychologisches Gutachten sowie teilweise das erneute Ablegen einer Fahrprüfung. Zudem darf der Konsum der Suchtmittel keine Schädigungen des Zentralen Nervensystems oder Persönlichkeitsveränderungen verursacht haben, die sich auf die Fahreignung auswirken.

4. Begutachtung der Fahreignung

Die "Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung" der Bundesanstalt für Straßenwesen enthalten an mehreren Stellen detaillierte Hinweise zur Kraftfahreignung im Zusammenhang mit Medikamenten. Der Download der Leitlinien ist kostenlos unter www.bast.de > Verhalten und Sicherheit > Fachthemen > Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung > unten "zum Download ..." > oben "Begutachtungsleitlinien ..." > rechts "Volltext ...".

Die Fahreignung wird für Gruppe 1 (z.B. Kfz) und 2 (z.B. Lkw, Personenbeförderung) getrennt beurteilt. Näheres unter Fahrerlaubnisgruppen.

5. Verwandte Links

Betäubungsmittel

Opioid-Ausweis

Chronische Schmerzen > Reisen

Führerschein bei Behinderung/Krankheit

Chronische Schmerzen

Migräne

 

Gesetzesquelle: § 24 a Abs. 2 StVG

Letzte Bearbeitung: 13.01.2021

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