Positive Psychologie

1. Das Wichtigste in Kürze

Wenn einen die negativen Nachrichten, Ängste und Sorgen schier erdrücken, ist es umso wichtiger, sich auf positive Aspekte zu fokussieren. Das kann man üben – aber es erfordert eine gewissen Anstrengung, denn tatsächlich hat der Mensch gelernt, auf Negatives und Todesgefahr zu fokussieren, um zu überleben.

2. Warum schauen wir auf die Gefahr statt auf die Chancen

Der Mensch ist auf Negatives geeicht: Der Unfall auf der Autobahn, die Katastrophen in den Nachrichten, die Gefahren durch das Corona-Virus. Angeblich sind 90 Prozent unserer Gedanken negativ. Das ist normal und es gibt drei Gründe dafür:

  1. Genetisch programmiert
    Wir Menschen haben uns über Jahrmillionen entwickelt und durchgesetzt haben sich dabei nur Gene von Menschen, die sehr vorsichtig waren. Wer aber nicht auf Gefahren geachtet hat, z.B. die giftige Schlange, der hat nicht überlebt und seine Gene nicht weitervererbt.
  2. Hilflosigkeit in der frühen Kindheit
    Menschenkinder sind die Säugetiere, die am längsten von den Eltern umsorgt werden müssen. Sie können z.B. nicht allein essen und trinken und müssen hilflos darauf hoffen, dass die Eltern dafür sorgen. Diese ohnmächtige Hilflosigkeit ist unangenehm. Deshalb tun wir als Erwachsene alles dafür, dieses Gefühl nicht mehr zu erleben, und achten ständig auf Situationen, die Ohnmacht verursachen könnten, sprich: Wir fokussieren auf das Negative.
  3. In der Schule gelernt
    Hausaufgaben und Prüfungen wurden markiert. Alle Fehler waren rot, aus den Fehlern sollte man lernen. Stellen Sie sich vor, alles, was gut und richtig war, wäre leuchtend orange unterstrichen worden …

Doch auch wenn es normal und erklärbar ist, dass die Mehrzahl der Gedanken negativ ist, haben Sie es in der Hand, das zu ändern. So wie sich das Negative, z.B. die Covid-19-Bedrohung, seinen Raum erobert, können Sie auch dem Positiven Raum geben.

3. Positive Haltung können Sie üben: Fokussierung

Fokussierung ist die Fähigkeit, seine Gedanken zu lenken. Das können fast alle Menschen und das tun wir tagtäglich. Fokussierung verändert die Wahrnehmung – das erleben Sie gerade: Wenn Sie ständig nach den Zahlen der Corona-Toten suchen, brauchen Sie sich nicht zu wundern, wenn sich die Krankheit zu einer riesigen Bedrohung auswächst. Doch es geht auch anders. Sie können bewusst auf positive Aspekte, Hoffnungen und Handlungsmöglichkeiten fokussieren. Hier einige konkrete Tipps.

Achten Sie auf positive Empfehlungen. Hier einige Links zu Seiten, die unter dem Blickwinkel der psychischen Belastungen konkrete, motivierende Tipps geben, damit Sie die Situation gut durchleben können:

Achten Sie auf Ihre Aussagen und Gespräche: Beschäftigen Sie sich nicht ständig damit, was nicht geht, sondern machen Sie sich Gedanken, was Sie tun können. Und sprechen Sie mit anderen darüber.

Suchen Sie das Gute im Schlechten: Schauen Sie nicht auf die Corona-Krise, sondern fragen Sie sich: Was ist gut daran? Was kann ich daraus für mich lernen?

Genießen Sie alltäglich: Alltäglichkeiten sind Dinge, an die wir uns gewohnt haben und die wir deshalb nicht mehr wirklich wertschätzen. Das ist normal, aber in der Krise hilft es, sich das schöne und Angenehme bewusst zu machen: das warme Wasser aus der Leitung, das über unseren Körper rieselt, der Duft der Creme, mit der wir uns täglich pflegen, die Tasse Kaffee, die blühende Orchidee, der Spitzenvorhang, durch den die Sonne blinzelt, … – was auch immer Ihr Herz erfreut, nehmen Sie es bewusst wahr.

Achten Sie auf sich selbst: Das ist immer wichtig und in Zeiten des Corona-Virus besonders. Machen Sie bewusst Dinge, die Ihnen gut tun, in denen Sie „aufgehen“. Das macht zufrieden – und stärkt ganz nebenher das Immunsystem.

Machen Sie langsamer – bewusster: Ein konkreter positiver Aspekt in der Corona-Krise ist die Entschleunigung. Corona hält uns auch vor Augen, wie rastlos viele von uns tagtäglich und weltweit unterwegs sind, beziehungsweise waren. Die Krise birgt die Chance, dass wir innehalten und nachdenken, was uns wirklich wichtig ist.

Machen Sie sich Positives bewusst. Es gibt dafür eine Methode, die aus der Psychotherapie kommt: Schreiben Sie sich täglich drei schöne, tolle, positive Dinge auf, die Sie erlebt haben. Wenn Sie das regelmäßig machen, möglichst zur gleichen Zeit, kommen Sie in Übung und achten mehr auf positive Aspekte.

3.1. „Three good Things“ – Drei gute Dinge täglich

Die Übung „Three good things“ stammt vom Martin Seligmann, dem Begründer der positiven Psychologie. Probieren Sie eine Woche lang Folgendes:

  1. Setzen Sie sich jeden Abend, bevor Sie zu Bett gehen, an einen Ort, wo Sie sich wohlfühlen.
  2. Erinnern Sie sich an den Tag und suchen Sie nach drei Dingen, Momenten, Situationen, die gut waren. Die gut liefen. Bei denen Sie Glück hatten und sich gut fühlten.
  3. Schreiben Sie diese drei guten Dinge auf. Beschreiben Sie, was Sie dabei empfunden haben und warum es „gut“ war. Denken Sie darüber nach, wie es zu diesen positiven Momenten kam und was Sie dazu beigetragen haben – und schreiben Sie auch das auf.

Dabei kommt es nicht auf große Ereignisse an. Es können auch kleine Momente sein, die ein Wohlgefühl, ein Lächeln, Stolz oder Zufriedenheit bei Ihnen ausgelöst haben.

Wichtig ist, dies nicht nur zu überlegen, sondern auch aufzuschreiben. Beim Schreiben muss man sich konkreter damit beschäftigen und die Wortwahl festlegen, das intensiviert die Reflexion. Und es macht aus der Übung ein Ritual mit einer festen Form und Zeit.

4. Verwandte Links

Corona Covid-19

Corona Covid-19 > Psychische Belastungen

Corona Covid-19 > Informationen - Beratung - Hilfen

Psychotherapie

Letzte Bearbeitung: 11.05.2020

{}Positive Psychologie{/}{}{/}