Entwöhnungsbehandlung

1. Das Wichtigste in Kürze

Bei Abhängigkeit von

  • Alkohol,
  • Medikamenten und/oder
  • Drogen

kann eine Entwöhnungsbehandlung als ambulante oder stationäre Therapie gewährt werden. Die Entwöhnungsbehandlung zählt zur Medizinischen Rehabilitation und wird von der Kranken- oder der Rentenversicherung übernommen. Sie dauert bis zu 16 (Alkohol) bzw. 26 (Drogen) Wochen.

2. Zuständigkeit der Kostenträger

Die Entwöhnungsbehandlung zählt zur Medizinischen Rehabilitation und wird von der Kranken- oder der Rentenversicherung übernommen. Zur praktikablen Abgrenzung der Zuständigkeit bei Drogenkrankheiten gibt es eine spezielle Suchtvereinbarung:

  • Die Krankenversicherung
    ist zuständig für die Entzugsbehandlung (im Krankenhaus), d.h. für die Akutbehandlung toxisch bedingter Versagenszustände (drohende komatöse Zustände, Delirgefahr, psychiatrische Komplikationen) und bei der freiwilligen Entzugsbehandlung von Suchtkranken.
  • Die Rentenversicherung
    ist zuständig für die Entwöhnungsbehandlung in Reha-Einrichtungen, die auf die Entzugsbehandlung folgt, z.B.
    • Alkohol-Entwöhnungsbehandlung.
    • Behandlung psychisch bedingter Sprachstörung.
    • Entwöhnungstherapie von Medikamentensucht.
    • Drogen-Entwöhnungstherapie.
    • Aufenthalt von Suchtkranken in sozialtherapeutischem Übergangsheim.

Werden die persönlichen und versicherungsrechtlichen Voraussetzungen des Rentenversicherungsträgers vom Versicherten nicht erfüllt, dann ist die Krankenkasse auch für die Entwöhnungsbehandlung zuständig. Details unter Medizinische Rehabilitation > Zuständigkeit und Voraussetzungen.

3. Dauer

Stationäre Entwöhnung bei Alkoholkranken wird in der Regel bis zu 16 Wochen finanziert, bei Drogenabhängigen bis zu 26 Wochen.

4. Zuzahlung

Kostenträger Krankenversicherung: Bei ambulanten und stationären Rehamaßnahmen 10 € Zuzahlung pro Tag, begrenzt auf 28 Tage pro Kalenderjahr.

Kostenträger Rentenversicherung: Ambulante Rehamaßnahmen sind zuzahlungsfrei; bei stationären Rehamaßnahmen 10 € täglich, begrenzt auf 42 Tage im Kalenderjahr. Schließt die Entwöhnungsbehandlung unmittelbar an eine stationäre Entgiftung an, beträgt die Zuzahlung 10 € täglich, begrenzt auf 14 Tage im Kalenderjahr.

5. Praxistipps

  • Erster Weg zur Suchtberatungsstelle: Sie hilft, eine Entzugsklinik (für den körperlichen Entzug) und eine daran anschließende stationäre oder ambulante Entwöhnungseinrichtung zu finden, die entsprechenden Anträge an die Kostenträger auszufüllen und die notwendigen Bewerbungen für die Einrichtungen zu schreiben.
  • Erster Schritt ist immer die körperliche Entgiftung, i.d.R. in einem Krankenhaus. Dorthin können auch (ohne vorherige Suchtberatung) Hausärzte überweisen. Auch die Entgiftungseinrichtungen helfen, eine passende Entwöhnungseinrichtung zu finden, die Anträge auszufüllen und Bewerbungen zu schreiben.
  • Detaillierte Informationen zur Rehabilitation bietet die "Arbeitshilfe für die Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen" der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR), kostenloser Download oder Bestellung (2 €) unter www.bar-frankfurt.de/publikationen/arbeitshilfen/.
  • Die Broschüre "Entwöhnungsbehandlung - ein Weg aus der Sucht" der Deutschen Rentenversicherung kann kostenlos heruntergeladen werden unter www.deutsche-rentenversicherung.de > Services > Broschüren & mehr > Rehabilitation.
  • Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) erarbeitet und publiziert praxisbezogene Leitlinien, unter anderem Leitlinien zu Alkohol und zu Tabak. Downloads unter www.dgppn.de/leitlinien-publikationen/leitlinien.html > Unterpunkt "Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen". 

6. Wer hilft weiter?

7. Verwandte Links

Medizinische Rehabilitation

Psychotherapie

Gesetzesquellen: § 40 SGB V - §§ 15, 32 SGB VI

Redakteurin: Andrea Nagl

Letzte Bearbeitung: 06.06.2018

{}Entwöhnungsbehandlung{/}{}Drogensucht{/}{}Alkoholsucht{/}{}Sucht{/}{}Suchtkrankheit{/}