Corona Covid 19 > Long Covid - Langzeitfolgen Coronainfektion

1. Das Wichtigste in Kürze

Von Long Covid wird gesprochen, wenn Menschen eine Infektion mit SARS CoV-2 (dem Virus, das Covid 19 auslöst) durchgemacht haben und an Langzeitfolgen leiden. Die Symptome sind vielfältig und reichen von ausgeprägter Müdigkeit (Fatigue) und reduzierter Leistungsfähigkeit über Husten und Luftnot bis hin zu neurologischen Symptomen wie Gedächtnisstörungen oder einem länger dauernden Geschmacks- und Geruchsverlust. Da das Virus noch neu ist, gibt es noch wenig Erfahrung und viel Forschungsbedarf zu den Langzeitfolgen. Dennoch gibt es bereits spezialisierte Ambulanzen und Selbsthilfegruppen.

2. Ursachen

Ursache für Long Covid ist eine Infektion mit SARS CoV-2. Wie viele andere Viruserkrankungen kann auch dieses neue Virus Langzeitfolgen verursachen. Die Langzeitfolgen werden dabei nicht nur durch schwere Verläufe der Krankheit COVID 19 verursacht, sondern können auch auf Infektionen folgen, die nur mit leichten akuten Symptomen verbunden waren. Wer also in der Akutphase nicht ins Krankenhaus musste und vielleicht nur Anzeichen einer leichten Erkältung hatte, kann später dennoch an Long Covid erkranken. Selbst Menschen, die zunächst gar keine Symptome hatten, können betroffen sein.

Bei Menschen mit leichten Symptomen sind nach bisherigen Erkenntnissen über 10 % von Long Covid betroffen, während Menschen die in der Akutphase im Krankenhaus behandelt werden mussten ca. die Hälfte der Erkrankten ausmachen. Die Langzeitfolgen können auch vormals kerngesunde junge Menschen (auch Kinder und Jugendliche) treffen, die eine Infektion mit SARS CoV-2 durchgemacht haben.

Diskutiert wird derzeit in der Wissenschaft, ob und inwiefern eine verringerte Verformbarkeit der Blutkörperchen nach der Infektion die Symptome von Long Covid erklären kann. Insgesamt sind aber die Ursachenzusammenhänge noch unklar.

3. Diagnose

Derzeit wird britischen Leitlinien entsprechend in den ersten 4 Wochen von akutem Covid 19 gesprochen, nach 4 Wochen bis zur 12. Woche wird von laufender Covid-19 Symptomatik gesprochen und danach vom Post-COVID-19-Syndrom. Der Begriff Long Covid fasst dabei alle Symptome, die über die akute Phase in den ersten 4 Wochen hinaus andauern oder auch neu entstehen zusammen.

Wochen 1–4 Akutes Covid 19 Akutphase
Wochen 5–12 Laufende Covid 19 Symptomatik Long Covid
ab der 13.Woche Post-COVID-19-Syndrom Long Covid

Zur Diagnostik werden die von den Patienten geschilderten Symptome eingeordnet und soweit möglich objektiviert. So werden z.B. Riechtests durchgeführt, wenn ein Geruchsverlust berichtet wird oder eine neurologische Testung wird vorgenommen, wenn Probleme mit dem Gedächtnis berichtet werden. Die eigene subjektive Wahrnehmung kann sich von den objektiv messbaren Befunden unterscheiden. Betroffenen kann die Objektivierung helfen, da sie dann eine Bestätigung dafür haben, sich ihre Symptome nicht einzubilden.

Betroffene sollten ein Symptomtagebuch führen und zur Untersuchung mitbringen, das kann den Medizinern die Diagnostik erleichtern.

4. Pädiatrisches hyperinflammatorisches Syndrom mit Multiorganbeteiligung PIMS

Eine seltene aber schwere Folgeerkrankung einer Infektion mit SARS CoV-2 bei Kindern ist PIMS (Pädiatrisches hyperinflammatorisches Syndrom mit Multiorganbeteiligung). Es wird nicht als Long Covid oder Post-COVID-19-Syndrom diagnostiziert, sondern als eigenständige Erkrankung.

Kinder (meist ohne Vorerkrankungen oder schwere Symptome in der ersten akuten Infektionsphase) bekommen dabei plötzlich nach zwei bis vier Wochen Symptome:

  • Fieber (oft über 40 Grad)
  • Hautausschlag
  • entzündete Schleimhäute
  • juckende Augen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Kreislaufbeschwerden
  • starke Bauchschmerzen

Wichtig ist, dass Eltern mit ihren Kindern dann einen Arzt (oder ein Krankenhaus) aufsuchen, weil unbedingt eine Behandlung erforderlich ist (meistens im Krankenhaus auf einer Intensivstation).

Knapp die Hälfte der Betroffenen wird wieder vollständig gesund, während der Rest Folgeschäden behält (Herz- und Kreislaufprobleme). Die Erkrankung ist gut behandelbar, so dass die Kinder nur sehr selten daran sterben.

Als MIS (Multisystem Inflammatory Syndrome) kann die Erkrankung auch bei Erwachsenen auftreten.

5. Symptome von Long Covid

Es können Symptome in verschiedenen Kategorien auftreten:

Respiratorische Symptome
• Atemnot
• Husten
Kardiovaskuläre Symptome
• Engegefühl in der Brust
• Schmerzen in der Brust
• Herzklopfen
Generalisierte Symptome
• Müdigkeit (Fatigue)
• Fieber
• Schmerzen
Neurologische Symptome
• Kognitive Beeinträchtigungen (sog. Hirnnebel, Konzentrationsschwäche oder Gedächtnisprobleme)
• Kopfschmerzen
• Schlafstörungen
• Symptome der peripheren Neuropathie (Kribbeln, Schmerzen und Taubheitsgefühle)
• Schwindel
• Delirium (bei älteren Menschen)
Magen-Darm Symptome
• Bauchschmerzen
• Übelkeit
• Durchfall
• Appetitlosigkeit und verminderter Appetit (bei älteren Menschen)
Symptome des Bewegungsapparats
• Gelenkschmerzen
• Muskelschmerzen
Psychologische/psychiatrische Symptome
• Anzeichen von Depressionen
• Anzeichen von Angst
Hals-Nasen-Ohren Symptome
• Tinnitus
• Ohrenschmerzen
• Halsentzündung
• Schwindel
• Geschmacks- und/oder Geruchsverlust
Hautsymptome
• Hautausschläge

Die Symptome können auch erst nach der Akutphase von COVID-19 neu auftreten und Menschen treffen, die zunächst den Eindruck haben, die Infektion ohne größere Probleme überstanden zu haben.

Ob die Symptome nach längerer Zeit wieder verschwinden oder aber jahrelang oder gar für immer andauern werden, ist noch nicht bekannt. SARS Cov-2 gibt es noch nicht lange genug um hierzu wissenschaftliche Aussagen treffen zu können. Bei einigen Patienten mit Long Covid sind die Symptome allerdings bereits abgeklungen oder ganz verschwunden, so dass betroffene Patienten auf eine Gesundung hoffen können.

Patienten mit Long Covid können andere Menschen nicht mehr mit SARS CoV-2 anstecken, müssen also nicht in Quarantäne bleiben, sondern können wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

6. Behandlung

Die Behandlung von Long Covid setzt an den jeweiligen Symptomen an und ist daher sehr unterschiedlich. Bei psychischen/psychiatrischen Beschwerden kann z.B. eine Verhaltenstherapie sinnvoll sein und auch eine Behandlung mit Medikamenten gegen Depressionen und Ängste, während bei Riechstörungen ein Riechtraining hilfreich ist und bei Problemen mit der Lungenfunktion eine physiotherapeutische Atemtherapie helfen kann.

Die Behandlung sollte durch den Hausarzt oder eine auf Long Covid spezialisierte Ambulanz koordiniert werden. Je nach Symptomatik sollten entsprechende Fachärzte in die Behandlung einbezogen werden.

7. Impfung gegen SARS CoV-2

Eine Impfung gegen SARS CoV-2 wird grundsätzlich auch Menschen empfohlen, die bereits eine Infektion mit diesem Virus durchgemacht haben, da hierdurch keine dauerhafte Immunität entsteht. Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt eine Impfung von Genesenen schon ab 4 Wochen nach Infektion.

Auch Menschen mit Long Covid gelten als genesen, denn genesen bedeutet nur, die akute Phase überstanden zu haben. Eine Impfung wird also von der STIKO auch Menschen mit Long Covid empfohlen.

Wie sich die Impfung auf Menschen mit Long Covid auswirkt wird derzeit wissenschaftlich untersucht: Erste Studienergebnisse lassen vermuten, dass die Impfung die Symptome von Long Covid nicht verschlechtert. Auch deuten Studien darauf hin, dass die Impfung sogar die Gesundheit von Menschen mit Long Covid verbessern könnte und dazu beitragen könnte, dass die Symptome schwächer bzw. weniger werden. Allerdings ist hier noch weitere Forschung nötig, bevor zuverlässige Aussagen dazu möglich sind.

Aktuelle Informationen zu Covid-19 und Impfen können nachgelesen werden unter www.rki.de > Häufig gefragt > Covid 19 und Impfen.

8. Forschung

Derzeit wird viel zum Thema Long Covid geforscht und immer wieder kommt es zu neuen Erkenntnissen. Der derzeitige Stand der Wissenschaft lässt noch nicht viele klare Aussagen zu, auch wenn es einige gute Ansätze und erste Erkenntnisse gibt. Klar ist allerdings bereits jetzt, dass das Phänomen Long Covid real ist und sich die betroffenen Menschen ihre Erkrankung nicht nur einbilden.

9. Praxistipps

10. Wer hilft weiter?

  • Post-COVID-19-Ambulanzen
  • Hausärzte und Ärzte mit speziellen Post-Covid-19-Sprechstunden
  • Selbsthilfegruppen

11. Verwandte Links

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Letzte Bearbeitung: 26.07.2021

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