Verletztengeld

1. Das Wichtigste in Kürze

Verletztengeld bekommen Patienten von der Unfallversicherung, wenn sie aufgrund eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit arbeitsunfähig sind. Es ist eine sog. Lohnersatzleistung, d.h. es wird nur gezahlt, wenn der Arbeitgeber keine Entgeltfortzahlung leistet. Das Verletztengeld ist maximal so hoch wie das Nettoarbeitsentgelt. Es ist eine ähnliche Leistung wie das Krankengeld der Krankenkasse.

2. Voraussetzungen

Voraussetzungen für die Zahlung von Verletztengeld:

Verletztengeld wird auch gezahlt,

  • wenn Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben erforderlich sind, die aufgrund vom Versicherten nicht zu vertretenden Gründen nicht direkt nach der Heilbehandlung erfolgen können. Voraussetzung ist, dass unmittelbar zuvor eine der oben genannten Geldleistungen bezogen wurde und der Versicherte zwischenzeitlich seinen bisherigen Beruf nicht wieder aufnehmen kann bzw. eine andere zumutbare Tätigkeit nicht vermittelbar ist.
  • an Schüler und Studenten, wenn sie zu Beginn der Arbeitsunfähigkeit einer bezahlten Beschäftigung nachgegangen sind.

3. Höhe

(§ 47 SGB VII)

Das Verletztengeld beträgt

  • 80 % des Bruttoarbeitsentgelts,
  • maximal aber das Nettoarbeitsentgelt.

Bei der Berechnung werden auch die Einmalzahlungen in den letzten 12 Monaten vor der Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt.

Das Verletztengeld wird kalendertäglich für 30 Tage je Kalendermonat gezahlt.

Abgezogen werden davon 50 % der Beitragsanteile zur Renten- und Arbeitslosenversicherung. Die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung werden vom Leistungsträger voll übernommen. Sofern der Versicherte den Kinderlosenzuschlag zur Pflegeversicherung (0,25 %) entrichten muss, ist dieser von ihm alleine zu zahlen.

3.1. Berechnungsbeispiel

(Arbeitnehmer mit Kind)

Monatlich brutto 2.000 €

2.000 : 30 pro Kalendertag = 66,67 €

davon 80 % = 53,33 €

Monatlich netto 1.500 €

1.500 : 30 pro Kalendertag = 50 €

abzüglich Beiträge zur Arbeitslosenversicherung (1,25 %) und Rentenversicherung (9,3 %) = 5,28 €

folgt: Verletztengeld beträgt: 44,72 € täglich.

Das Verletztengeld wird jährlich an die Lohnentwicklung angepasst (§ 70 Abs. 3 SGB IX), entsprechend der Anpassung beim Krankengeld. Näheres zur Anpassung unter Krankengeld > Höhe.

3.2. Sonderregelung

Bei Bezug von Arbeitslosengeld, Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung oder Kurzarbeitergeld wird Verletztengeld in Höhe des Krankengelds gezahlt. Bei Bezug von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) oder anderen Leistungen des SGB II wird Verletztengeld in Höhe des Arbeitslosengelds II (Hartz IV) gezahlt.

Tritt der Versicherungsfall im Strafvollzug ein oder ist der Berechtigte freiwillig in der Unfallversicherung versichert, gelten abweichende Regelungen. Dazu informieren die Unfallversicherungsträger.

3.3. Anrechnung

Auf das Verletztengeld werden z.B. angerechnet (§ 52 SGB VII):

  • Netto-Erwerbseinkommen - unter Außerachtlassung von einmalig gezahltem Entgelt (z.B. Urlaubs- oder Weihnachtsgeld).
  • Mutterschaftsgeld, Versorgungskrankengeld, Arbeitslosengeld I, Kurzarbeitergeld, langfristig bezogenes Arbeitslosengeld II (Hartz IV).

3.4. Steuerfrei

Verletztengeld ist steuerfrei. Allerdings ist es bei der Steuererklärung anzugeben, da es bei der Berechnung des Steuersatzes berücksichtigt wird. Es unterliegt dem sog. Progressionsvorbehalt.

4. Dauer

(§ 46 SGB VII)

Die Zahlung des Verletztengelds beginnt

  • mit dem Tag der ärztlichen Feststellung der Arbeitsunfähigkeit
    oder
  • mit dem Tag des Beginns einer Heilbehandlungsmaßnahme.

 

Die Zahlung des Verletztengelds endet

  • mit dem letzten Tag der Arbeitsunfähigkeit
    oder
  • mit dem letzten Tag der Hinderung an einer ganztägigen Erwerbstätigkeit durch eine Heilbehandlungsmaßnahme
    oder
  • bei Anspruch auf Übergangsgeld mit dem Tag vor Entstehen eines solchen Anspruchs (z.B. bei Beginn einer Maßnahme zur Beruflichen Reha)
    oder
  • nach der 78. Woche ab Beginn der Arbeitsunfähigkeit, außer eine weitere Behandlung als Folge des Versicherungsfalls ist medizinisch notwendig,
    oder
  • wenn die Arbeitsfähigkeit vermutlich auch mit Maßnahmen der Beruflichen Reha nicht wiederhergestellt werden kann. Dann ist in der Regel ein Übergang zur Rente der Unfallversicherung oder der Rentenversicherung möglich.

5. Wer hilft weiter?

Auskünfte erteilen die Unfallversicherungsträger.

6. Verwandte Links

Medizinische Rehabilitation

Berufliche Reha > Leistungen

Arbeitsunfall

Berufskrankheit

Unfallversicherung

Übergangsgeld

 

Gesetzesquellen: §§ 45 - 48 SGB VII

Redakteurin: Jutta Meier

Letzte Bearbeitung: 23.01.2019

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