Private Krankenversicherung > Notlagentarif

1. Das Wichtigste in Kürze

Der Notlagentarif der privaten Krankenversicherung ist ein Tarif für Versicherte in finanziellen Notlagen. Er soll Versicherten mit Beitragsschulden die Chance geben, ihre Beitragsrückstände zu zahlen. Der monatliche Beitrag dieses sog. Nichtzahlertarifs beträgt ca. 100 €. Der Notlagentarif umfasst nur eine eingeschränkte Versorgung. Wenn alle Schulden beglichen sind, kann die Versicherung im ursprünglichen Tarif fortgesetzt werden.

2. Voraussetzungen

Unter folgenden Voraussetzungen können Versicherte automatisch in den Notlagentarif umgestuft werden:

Die erste Mahnung erhält der Versicherte, wenn er mit 2 Monatsbeiträgen im Rückstand ist, die zweite Mahnung, wenn der Rückstand 2 Monate nach Zugang der ersten Mahnung größer ist als ein Monatsbeitrag. Ist der Prämienrückstand einschließlich der Säumniszuschläge einen Monat nach Zugang der zweiten Mahnung höher als der Prämienanteil für einen Monat, ruht das Versicherungsverhältnis ab dem ersten Tag des nachfolgenden Monats (§ 193 Abs. 6 VVG).

3. Beitragshöhe

Die monatliche Prämie im Notlagentarif ist deutlich günstiger als im Basistarif (Private Krankenversicherung > Basistarif). Sie beträgt durchschnittlich 100 €.

Da im Notlagentarif keine Altersrücklagen gebildet werden dürfen, können bereits angehäufte Sparbeiträge für das Alter dazu verwendet werden, die Prämie bis zu 25 Prozent zu senken.

4. Leistungen

Versicherte im Notlagentarif erhalten keinen vollwertigen Krankenversicherungsschutz, sondern nur eine eingeschränkte Versorgung:

  • Kosten der Behandlung akuter Erkrankungen und Schmerzen
  • Medizinisch notwendige Heilbehandlung chronischer Erkrankungen, wenn deren Nichtbehandlung absehbar zu einer erheblichen Verschlechterung des Gesundheitszustands und damit zu einer akuten Erkrankung führt
  • Untersuchung und medizinisch notwendige Behandlung bei Schwangerschaft (Schwangerschaft Entbindung) und Mutterschaft einschließlich eines nicht rechtswidrigen Schwangerschaftsabbruchs
  • Bei Kindern und Jugendlichen medizinisch notwendige Heilbehandlungen wegen Krankheit oder Unfallfolgen
  • Früherkennungsuntersuchungen und empfohlene Impfungen
  • Teilstationäre und stationäre Versorgung in einem Hospiz (Stationäre Hospize)
  • Spezialisierte ambulante Palliativversorgung
  • Hilfsmittel in der Standardausführung

Beihilfeberechtigte erhalten abhängig von der im Vertrag festgelegten Leistungsstufe nur 20, 30 oder 50 % der Behandlungskosten erstattet.

5. Rückkehr in den Normaltarif

Versicherte können in den Tarif, in dem sie vorher versichert waren, zurückkehren, wenn sie alle rückständigen Prämienanteile einschließlich Säumniszuschläge und Beitreibungskosten beglichen haben. Sie können ihren ursprünglichen Tarif ab dem 1. Tag des übernächsten Monats fortsetzen.

6. Praxistipps

  • Die Allgemeinen Versicherungsbedingungen zum Notlagentarif (AVB/NLT 2013) können beim Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) heruntergeladen werden unter www.pkv.de > Wissen > Krankenversicherung > Brancheneinheitliche Tarife (unten auf der Seite).
  • Da im Notlagentarif nur eine Notfallversorgung angeboten wird und die Altersrückstellungen reduziert werden können, sollte die Umstufung in diesen Tarif vermieden werden. Wer nur vorübergehend zahlungsunfähig ist, sollte sein Versicherungsunternehmen um eine Stundung der Beiträge bitten. Möglichweise können auch ein Tarifwechsel, ein höherer Selbstbehalt oder das Streichen verzichtbarer Leistungen helfen.
  • Für Behandlungen, die voraussichtlich mehr als 2.000 € kosten, kann der Patient von der PKV eine Auskunft einfordern, in welcher Höhe die Kosten übernommen werden.
  • Versicherte im Notlagentarif dürfen ihre Card für Privatversicherte nicht mehr benutzen und müssen sie an die PKV zurückgeben. Sie dürfen nur (Zahn-)Ärzte aufsuchen, die eine kassenärztliche Zulassung haben (sog. "Kassenärzte"), und müssen diese vor Behandlung darauf hinweisen, dass sie im Notlagentarif versichert sind. Hintergrund ist, dass Ärzte dann eine niedrigere Rechnung stellen. Vergisst der Patient diesen Hinweis oder benutzt er seine Privat-Card weiter, muss er die Mehrkosten im Vergleich zur gesetzlichen Regelleistung tragen.

7. Wer hilft weiter?

  • Fragen zum Versicherungsschutz beantwortet das Bürgertelefon des Gesundheitsministeriums: Mo–Do 8–18 Uhr, Fr 8–12 Uhr, Telefon 030 3406066-01.
  • Fragen zum Notlagentarif der privaten Krankenversicherung beantwortet der PKV Verband der privaten Krankenversicherung e.V., Kontaktdaten unter www.pkv.de > Verband > Kontakt.
  • Auskünfte geben auch die PKVen, Krankenkassen und Verbraucherberatungen.

8. Verwandte Links

Krankenversicherung (Gesetzliche)

Krankenbehandlung

Private Krankenversicherung > Basistarif

Basiskonto Pfändungsschutzkonto

 

Gesetzesquellen: § 153 VAG i.V.m § 193 Abs. 6 bis 9 VVG

Letzte Bearbeitung: 29.04.2021

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