Rückenschmerzen sind sehr häufig, führen oft zu Arbeitsunfähigkeit oder Reha und/oder sind mitursächlich für eine Erwerbsminderung. Die Medizin unterscheidet die eher seltenen spezifischen Rückenschmerzen (Rückenschmerzen mit einer bestimmten bekannten Ursache) von den häufig vorkommenden unspezifischen Rückenschmerzen (Rückenschmerzen mit unbekannter Ursache). Meist helfen Bewegung, keine Schonung und nicht zu viel Diagnostik. Die Behandlung umfasst oft Physiotherapie, Psychotherapie, sowie Schmerzmittel und andere Medikamente, z.B. Antidepressiva. Spritzen oder Operationen sind meist unnötig und kommen nur bei spezifischen Rückenschmerzen überhaupt in Frage. Kinder leiden seltener unter Rückenschmerzen und wenn, dann sind spezifische Ursachen häufiger. Vorbeugend helfen z.B. Bewegung, ein ergonomischer Arbeitsplatz und gute psychische Gesundheit.
Rückenschmerzen werden nach ihrer Dauer unterschieden:
Fast alle Menschen leiden gelegentlich darunter und sie sind die häufigste Form chronischer Schmerzen.
Außerdem werden Rückenschmerzen nach ihrer Ursache unterschieden:
Insgesamt können Rückenschmerzen sehr viele verschiedene Ursachen haben, z.B. Bandscheibenvorfälle, Verspannungen, Blockaden, Verschleiß, psychische Ursachen oder eine Schwangerschaft. Dabei ist aber meist im Einzelfall nicht erkennbar, ob die mögliche Ursache auch wirklich der Grund für die Schmerzen ist.
Formen:
Statistiken großer Krankenkassen zeigen, dass Rückenschmerzen die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit sind. Sie vermindern die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden in allen Lebensbereichen und führen zu einem hohen Bedarf an Reha-Leistungen. Rückenschmerzen stehen auch häufig im Zusammenhang mit der Bewilligung einer Erwerbsminderungsrente, wenn auch meist nicht als alleiniger Grund. Näheres unter Rückenschmerzen > Reha und Rente. Schwere chronische Rückenschmerzen können zu einer dauerhaften Behinderung führen. Näheres unter Rückenschmerzen > Behinderung.
Meistens reichen ein Gespräch und eine körperliche Untersuchung bei einem Arzt bzw. einer Ärztin. In der Regel ist es nur bei Warnhinweisen sinnvoll, nach der Schmerzursache zu suchen, z.B. bei Verdacht auf Knochenbrüche, Osteoporose, Entzündungen, Nervenschäden oder Tumorerkrankungen.
Zu viel Diagnostik schadet Betroffenen oft eher, z.B. wegen der Strahlenbelastung beim Röntgen und weil die Behandlungsmöglichkeiten meistens von der Ursache unabhängig sind. Viele Untersuchungen erhöhen sogar das Risiko, dass die Rückenschmerzen chronisch werden, weil sich viele deswegen auf die Schmerzen konzentrieren, verspannen und eine Schonhaltung einnehmen.
Die weitaus häufigsten Rückenschmerzen sind unspezifisch, das heißt: Ihre Ursache ist nicht bekannt. In den meisten Fällen können sich Betroffene selbst helfen, vor allem durch Bewegung wie z.B. Gehen, Schwimmen, Radfahren, Muskeltraining und häufige Positionswechsel beim Sitzen oder Stehen. Das Spritzen von Medikamenten oder Operationen sind nicht sinnvoll.
Folgende Behandlung empfehlen die medizinischen Leitlinien bei unspezifischen Rückenschmerzen:
Meist bekommen auch Menschen mit spezifischen Rückenschmerzen (Rückenschmerzen mit bekannter Ursache) eine symptombezogene Behandlung wie bei unspezifischen Rückenschmerzen, die in vielen Fällen ausreicht. Nur wenn das nicht ausreicht, kommt eine Operation oder eine Behandlung mit Spritzen in Betracht.
Spezifische Rückenschmerzen werden in der Regel mit sog. bildgebenden Verfahren festgestellt, z.B. mit Röntgen Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) oder Computertomographie (CT).
Betroffene sollten sich vor Operationen genau beschreiben lassen, warum die Operation sinnvoll ist, und bei Zweifeln eine zweite ärztliche Meinung einholen.
Wenn ein Schleudertrauma Nackenschmerzen verursacht, ist es nur ausnahmsweise sinnvoll, die Halswirbelsäule ruhigzustellen. Denn ohne Bewegung können die Schmerzen eher chronisch werden.
Sich lange krankschreiben zu lassen, ist eher ungünstig. Besser ist es meist, nach spätestens 3 Wochen wieder in den Berufsalltag zurückzukehren.
Werden die Schmerzen chronisch, können Betroffene Antidepressiva (Medikamente gegen Depressionen) einnehmen. Psychotherapie hilft, die Schmerzen zu bewältigen und optimistisch zu bleiben oder wieder zu werden.
Psychische Probleme, z.B. infolge des Unfalls, sind ein Risikofaktor dafür, dass die Schmerzen chronisch werden. Es hilft, wenn Betroffene darüber sprechen und sich frühzeitig Hilfe holen. Lange rechtliche Auseinandersetzungen können auch die Nackenschmerzen verlängern.
Wenn Nerven der Wirbelsäule geschädigt oder gereizt sind (= Radikulopathie), kann das starke Schmerzen verursachen, die in die Beine ausstrahlen (umgangssprachlich z.B. „Hexenschuss“ oder „Ischias“ genannt). Ursache ist oft ein Bandscheibenvorfall oder eine Veränderung der Wirbelgelenke, selten auch ein Tumor, aber etwa die Hälfte der Bandscheibenvorfälle verursacht keine Schmerzen und die Symptome von Hexenschuss oder Ischias kommen auch oft ohne Radikulopathie vor.
Eine Operation sollte erst dann in Erwägung gezogen werden, wenn eine längerfristige Behandlung mit Bewegungstherapie und ggf. Schmerzmitteln zur Verbesserung der Bewegungsfähigkeit nicht geholfen hat.
Werden die Schmerzen chronisch, hilft eine Kombination aus Physiotherapie, Psychotherapie zur Schmerzbewältigung (Verhaltenstherapie) und Medikamenten. Eingesetzt werden Medikamente gegen Depressionen (Antidepressiva) und Epilepsie (Antiepileptika).
Bei Rückenschmerzen von Kindern bis zum 10. Geburtstag sind oft andere Krankheiten die Ursache, z.B. angeborene Wirbelsäulenerkrankungen, Infektionen, Rheuma oder ein Tumor. Deswegen ist es wichtig, dass Kinder mit Rückenschmerzen ärztlich untersucht werden, um Warnzeichen zu erkennen. Bei Rückenschmerzen von Jugendlichen wird oft keine Ursache gefunden. Unspezifische Rückenschmerzen sollten bei Kindern und Jugendlichen ohne Medikamente behandelt werden.
Vorbeugend hilft ausreichende Bewegung, besonders Ausdauersport und angeleitete Bewegungsübungen, aber Leistungssport erhöht das Risiko. Weitere Risikofaktoren bei Kindern sind frühe Schmerzerfahrungen (z.B. mit Kopf- oder Bauchschmerzen), geringer Selbstwert, Unzufriedenheit mit dem Leben, Ängstlichkeit und Depressionen oder depressive Gefühle.
Die medizinische Leitlinie „Rückenschmerz bei Kindern und Jugendlichen“ und die dazugehörige Patientenleitlinie können Sie bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) unter www.awmf.org > Suchbegriff: „Rückenschmerz Kinder“ herunterladen.
Vorbeugend gegen Rückenschmerzen helfen
Die Aktion Gesunder Rücken bietet unter www.agr-ev.de Rückenübungen, Informationen zu geprüften Produkten und Kontakte zu Fachgeschäften, Ärzten und Therapeuten. Die Seite ist auch auf Englisch, Spanisch und Französisch verfügbar.
Rückenschmerzen > Finanzielle Hilfen