Reha-Sport und Funktionstraining

1. Das Wichtigste in Kürze

Rehabilitationssport (kurz: Reha-Sport) und Funktionstraining sind Sport- und Bewegungsangebote, die vom Arzt verordnet werden können. Reha-Sport trainiert den gesamten Körper und soll nach einer Erkrankung/Operation die frühere Belastbarkeit wiederherstellen. Funktionstraining stärkt durch bewegungstherapeutische Übungen insbesondere Muskeln und Gelenke. Die Maßnahmen dauern je nach Erkrankung und Kostenträger 6 Monate bis 3 Jahre.

2. Reha-Sport

Zum Reha-Sport zählen Sport, sportliche Spiele und gezielte bewegungstherapeutische Übungen. Möglich sind auch Entspannungsübungen oder Gebrauchsübungen für technische Hilfen. Die Maßnahmen sind abhängig von den (Vor-)Erkrankungen und gesundheitlichen Einschränkungen der Teilnehmer.

 

Ziele von Reha-Sport sind:

  • Ausdauer und Kraft stärken
  • Koordination und Flexibilität verbessern
  • Selbstbewusstsein stärken, insbesondere auch von Menschen mit Behinderungen
  • Hilfe zur Selbsthilfe bieten, Eigenverantwortung stärken und Teilnehmer motivieren, auch nach dem verordneten Reha-Sport weiter Sport zu treiben

Reha-Sport findet immer in Gruppen zu regelmäßigen Terminen statt, denn es geht auch um den Erfahrungsaustausch zwischen Betroffenen, um gruppendynamische Effekte und Selbsthilfe.

3. Funktionstraining

Funktionstraining umfasst bewegungstherapeutische Übungen und wird als Trocken- und/oder Wassergymnastik angeboten. Es wird häufig bei Problemen der Stütz- und Bewegungsorgane verordnet (z.B. Muskel- und Gelenkschmerzen), insbesondere bei degenerativen und entzündlichen Veränderungen wie Rheuma und Osteoporose.

 

Ziele von Funktionstraining sind:

  • Körperliche Funktionen erhalten oder verbessern
  • Funktionsverluste von Organen/Körperteilen verzögern
  • Schmerzen lindern
  • Beweglichkeit verbessern
  • Krankheitsbewältigung unterstützen
  • Selbsthilfepotentiale aktivieren, um die Eigenverantwortung für die Gesundheit zu stärken und langfristig zu körperlichem Training zu motivieren

4. Kostenträger und Zuständigkeit

Reha-Sport und Funktionstraining sind sog. ergänzende Leistungen zur Reha.

Stellt ein Arzt fest, dass Reha-Sport oder Funktionstraining aus medizinischen Gründen erforderlich ist, ist in der Regel die Krankenversicherung zuständig. Die Antragstellung erfolgt mit dem Vordruck „Antrag auf Kostenübernahme von Rehabilitationssport/Funktionstraining“ (Muster 56).

Die Rentenversicherung übernimmt die Kosten, wenn während einer von ihr bezahlten medizinischen Reha die Notwendigkeit für Reha-Sport oder Funktionstraining festgestellt wurde. Die Maßnahmen müssen dann innerhalb von 3 Wochen nach Reha-Ende begonnen werden.

Wenn Reha-Sport oder Funktionstraining aufgrund eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit notwendig sind, übernimmt die Unfallversicherung die Kosten.

Bei einer gesundheitlichen Schädigung im Sinne des Bundesversorgungsgesetzes (z.B. durch einen Unfall während eines militärischen Dienstes) sind die Träger der Kriegsopferversorgung und der Kriegsopferfürsorge zuständig.

Unter bestimmten Voraussetzungen und wenn kein anderer Kostenträger zuständig ist, können Reha-Sport und Funktionstraining im Rahmen einer beruflichen Reha auch von der Agentur für Arbeit übernommen werden.

Privatpatienten müssen in der Regel einen Vertrag über die Reha-Sport- bzw. Funktionstrainings-Leistungen mit dem Leistungserbringer abschließen und erhalten eine Rechnung. Diese Rechnung können sie dann bei ihrer Krankenversicherung zur Erstattung einreichen. Ob und in welcher Höhe die Kosten erstattet werden, sollten Privatpatienten deshalb immer im Voraus mit ihrer Krankenversicherung klären.

5. Verordnung

Reha-Sport und Funktionstraining werden bei medizinischer Notwendigkeit vom behandelnden Arzt verordnet. Wenn die Rentenversicherung der Kostenträger ist, kann die Verordnung auch durch den Arzt einer Reha-Einrichtung verordnet werden.

In der Verordnung stehen

  • die Diagnose nach ICD 10 und ggf. Nebendiagnosen,
  • die Gründe und Ziele, warum Reha-Sport/Funktionstraining (weiterhin) notwendig ist,
  • die Dauer des Reha-Sports bzw. des Funktionstrainings sowie
  • eine Empfehlung für die Auswahl der geeigneten Reha-Sportart, bzw. des geeigneten Funktionstrainings.

6. Dauer

Reha-Sport bzw. Funktionstraining kann je nach Kostenträger und Schwere der Erkrankung unterschiedlich lange in Anspruch genommen werden:

Kostenträger Dauer
Rentenversicherung In der Regel 6 Monate,
bei medizinischer Erforderlichkeit längstens 12 Monate.
Unfallversicherung Die Anspruchsdauer ist nicht begrenzt, sodass Reha-Sport/Funktionstraining wiederholt gewährt werden kann, z.B. bei Erblindung, Amputation oder schwerer Schädel-Hirn-Verletzung.
Krankenversicherung

Reha-Sport: In der Regel etwa 50 Übungseinheiten in 18 Monaten, bei bestimmten Erkrankungen (z.B. Multiple Sklerose, Parkinson oder COPD) bis zu 120 Übungseinheiten in 36 Monaten.
Bei chronischen Herzkrankheiten (z.B. KHK) können in der Regel 90 Übungseinheiten, bei herzkranken Kindern und Jugendlichen 120 Übungseinheiten, in 24 Monaten in Anspruch genommen werden.

Funktionstraining: In der Regel etwa 12 Monate, bei schwerer Beeinträchtigung der Beweglichkeit/Mobilität durch bestimmte chronische Erkrankungen etwa 24 Monate.

Danach muss der Arzt eine neue Verordnung ausstellen.

Bei welchen Erkrankungen Reha-Sport bzw. Funktionstraining von den Trägern länger bezahlt wird, ist in der "Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining" geregelt. Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) stellt diese unter www.bar-frankfurt.de > Service > Publikationen > Reha Vereinbarungen zum Download zur Verfügung.

7. Praxistipps

  • Viele Sportverbände für Menschen mit Behinderungen bieten auch Reha-Sportarten und Funktionstrainingsmaßnahmen an. Über entsprechende Gruppen informiert die Hauptgeschäftsstelle des Deutschen Behindertensportverbands, Telefon 02234 6000-301 bzw. 02234 6000-306, www.dbs-npc.de > Schnellzugriff > Rehasportgruppen.
  • Bei dem gemeinnützigen Rehasport e.V. können unter www.rehasport-finder.de Anbieter von Reha-Sportmaßnahmen nach PLZ gesucht werden.

8. Wer hilft weiter?

Der jeweilige Kostenträger (Krankenversicherung, Rentenversicherung, Unfallversicherung, Agentur für Arbeit bzw. die Träger der Kriegsopferversorgung und der Kriegsopferfürsorge). Bei der Krankenkasse können auch die Adressen von Reha-Sportgruppen in der Nähe erfragt werden. Diese haben eine Übersicht über die Sportvereine und -gruppen, mit denen sie vertraglich Kostenvereinbarungen (regional unterschiedlich) getroffen haben.

9. Verwandte Links

Rehabilitation

Medizinische Rehabilitation

Ergänzende Leistungen zur Reha

Rheuma > Bewegung und Sport

Fatigue - Chronisches Erschöpfungssyndrom

 

Gesetzesquellen: § 43 SGB V - § 28 SGB VI - § 39 SGB VII - § 109 SGB IX - jeweils i.V.m. § 64 SGB IX

Letzte Bearbeitung: 11.01.2022

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