KHK > Allgemeines

1. Kurzinfo zur Krankheit

Die koronare Herzkrankheit (KHK) zählt zu den Volkskrankheiten in Deutschland. Bei etwa 7 von 100 Frauen und etwa 10 von 100 Männern tritt die Erkrankung im Laufe des Lebens auf. Bei einer KHK sind die Blutgefäße, die das Herz versorgen, verengt. Das Herz bekommt dann nicht mehr genug Sauerstoff, was schwerwiegende Folgen haben kann.

Die Verengung entsteht durch Fett- und Kalkablagerungen an den Innenwänden der Blutgefäße (sog. Plaques). Die Gefäßverengung wird Arteriosklerose genannt. Die arteriosklerotischen Engstellen führen dazu, dass das Herz nicht mehr mit genug Sauerstoff versorgt wird. Dann kann das Herz, besonders bei Belastung, nicht mehr genug Blut durch den Körper transportieren und es treten Beschwerden wie Schmerzen hinter dem Brustbein, Engegefühl in der Brust oder Luftnot auf. Wenn diese Beschwerden auch in Ruhephasen auftreten, besteht dringender Handlungsbedarf.

Eine KHK kann lebensbedrohliche Folgen haben: Herzinfarkt, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen und plötzlicher Herztod.
Eine KHK ist nicht heilbar, aber mit einer guten Behandlung, können Betroffene ein weitestgehend normales Leben führen.

Umfangreiche Informationen für Patienten und Fachleute bietet die Nationale Versorgungsleitlinie KHK unter www.leitlinien.de/nvl/khk/.

2. Risikofaktoren

Es gibt verschiedene Umstände, die die Entstehung einer KHK begünstigen. Einige dieser Risikofaktoren können Betroffene selbst beeinflussen.

Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren gehören:

  • Rauchen
  • Bewegungsmangel
  • Fehlernährung und Übergewicht
  • Zu hohe Blutfettwerte (Hyperlipidämie)
  • Diabetes
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Psychosoziale Belastungen oder Erkrankungen wie Stress und Depressionen.

 

Manche Risikofaktoren sind nicht beeinflussbar, z.B.:

  • Alter (das Risiko für KHK nimmt mit dem Lebensalter zu)
  • Geschlecht (Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen)
  • Genetische Veranlagung (Arteriosklerose bei Verwandten 1. Grades: bei Männern vor dem 55. und bei Frauen vor dem 65. Lebensjahr)

 

Durch einen gesunden Lebensstil mit viel Bewegung, gesunder Ernährung und dem Verzicht auf Rauchen, kann der Betroffene also viel dafür tun, sein Risiko für eine KHK und schwerwiegende Folgen wie einen Herzinfarkt zu senken. Mehr dazu unter KHK > Behandlung.

3. Symptome

Bei einer KHK treten nicht ständig Beschwerden auf. Im Verlauf der Erkrankung kann es aber immer wieder zu unterschiedlich starken Symptomen kommen. Zunächst treten diese vor allem bei Belastungen und Stress auf, später allerdings auch schon in Ruhe.

Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Schmerzen hinter dem Brustbein, die häufig in Hals, Nacken, Kiefer, Arme und Oberbauch ausstrahlen
  • Engegefühl in der Brust
  • Luft- und Atemnot, Kurzatmigkeit
  • Schweißausbrüche
  • Übelkeit
  • Gefühl der Lebensbedrohung

 

Da solche und ähnliche Beschwerden auch bei anderen Krankheiten (z.B. Lungenerkrankungen) auftreten können, ist eine gründliche Diagnostik (siehe unten) wichtig.

Bei Frauen zeigen sich oft andere Symptome, z.B. Beschwerden im Oberbauch und Übelkeit. Daher ist die Gefahr bei Frauen besonders groß, dass eine KHK oder ein Herzinfarkt unerkannt bleibt, was zu einer höheren Sterblichkeitsrate bei Frauen führt. Frauen sollten solch unspezifischen Beschwerden daher ernst nehmen und das Herz untersuchen lassen.

3.1. Angina pectoris

Eine KHK äußert sich typischerweise als sog. Angina pectoris. Unter einer Angina pectoris versteht man ein anfallsartiges Engegefühl in der Brust.

Eine Angina pectoris wird in 4 Schweregrade eingeteilt:

  • Schweregrad 1: Keine Beschwerden bei Alltagsbelastungen wie Laufen oder Treppensteigen, jedoch bei plötzlicher oder längerer körperlicher Belastung
  • Schweregrad 2: Beschwerden bei stärkerer Anstrengung wie schnelles Laufen, Treppensteigen nach dem Essen, Bergaufgehen sowie bei Kälte, Wind oder psychischer Belastung
  • Schweregrad 3: Beschwerden bei leichter körperlicher Belastung wie normales Gehen oder Ankleiden
  • Schweregrad 4: Beschwerden in Ruhe oder bei geringster körperlicher Belastung wie kleine Tätigkeiten im Sitzen

 

Eine stabile Angina pectoris liegt vor, wenn

  • die Schmerzen hinter dem Brustbein nur kurz (1–20 Min.) andauern,
  • die Beschwerden unter körperlicher oder psychischer Belastung auftreten,
  • sich die Beschwerden in Ruhe wieder bessern (innerhalb von 5–30 Min.),
  • die Beschwerden innerhalb von 5–10 Min. nach Einnahme von Nitroglycerin abnehmen.

 

Von einer instabilen Angina pectoris spricht man, wenn

  • ein Anfall erstmals auftritt,
  • die Anfälle in Ruhe auftreten,
  • sich die Anfälle häufen,
  • die Anfälle zunehmend länger andauern,
  • die Anfälle zunehmend stärker werden.

4. Folgen

Eine KHK kann schwerwiegende Folgen haben und lebensbedrohlich verlaufen, zum Beispiel wenn es zu einem Herzinfarkt kommt. KHK und Herzinfarkt gehören zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland.

Eine KHK kann vielfältige Folgen nach sich ziehen:

  • Herzinfarkt: Ein Herzinfarkt (Myokardinfarkt) ist ein plötzlich eintretendes Ereignis mit Zerstörung von Herzmuskelgewebe, was durch einen akuten Sauerstoffmangel verursacht wird. Der Sauerstoffmangel entsteht z.B. durch die Verengung oder den Verschluss der versorgenden Herzkrankgefäße.
  • Herzmuskelschwäche: Bei einer Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) ist die Pumpfunktion des Herzens krankhaft vermindert. Dadurch kann es zu einer unzureichenden Versorgung des Körpers mit Blut und Sauerstoff und zum Blutstau in der Lunge oder anderen Organen kommen.
  • Herzrhythmusstörungen: Bei Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) ist die normale Herzschlagfolge gestört. Ursache sind krankhafte Vorgänge im Herzmuskel.
  • Plötzlicher Herztod: Beim plötzlichen Herztod kommt es zu einem plötzlichen und unerwarteten Tod (Sekundentod) durch einen Herzstillstand. Betroffene können durch einen sofort abgegebenen Elektroschock (Defibrillation) unter Umständen wiederbelebt werden.

 

Die lebensbedrohlichen Folgen einer KHK werden auch als akutes Koronarsyndrom bezeichnet. Dazu zählen eine instabile Angina pectoris, ein Herzinfarkt sowie der plötzliche Herztod.

4.1. Praxistipp Notfall

Um im Notfall richtig reagieren zu können, sollten sich Betroffene und Angehörige gut über Notfallmaßnahmen informieren. Die Bundesärztekammer hat zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung ein Merkblatt erstellt, auf dem das richtige Verhalten im Notfall kompakt zusammengefasst ist. Es kann unter www.patienten-information.de > Kurzinformationen > Herz und Gefäße > Koronare Herzkrankheit (KHK) > KHK - Verhalten im Notfall kostenlos heruntergeladen werden.

5. Diagnostik

Eine gründliche Untersuchung ist wichtig, um eine KHK zu erkennen und die richtige Behandlung planen zu können. Ansprechpartner ist zunächst der Hausarzt. Bei der sog. Anamnese stellt er Fragen zu typischen Beschwerden, den Lebensgewohnheiten, vorausgegangenen und bestehenden Krankheiten (auch innerhalb der Verwandtschaft) sowie eingenommenen Medikamenten.

Da auch psychosoziale Belastungen (z.B. berufliche oder familiäre Stressbelastungen, mangelnde soziale Unterstützung) und Erkrankungen (z.B. Depressionen, Angststörungen, Schizophrenie) die Entstehung und den Verlauf einer KHK ungünstig beeinflussen können, wird der Hausarzt auch hierzu Fragen stellen.

Bei der körperlichen Untersuchung wird unter anderem Gewicht, Größe, Puls und Blutdruck gemessen, Herz und Lunge abgehört und gegebenenfalls Blut abgenommen.

 

Bei Verdacht auf eine KHK folgen weitere Untersuchungsverfahren. Dies sind vor allem:

  • EKG: Beim EKG wird die elektrische Aktivität des Herzens aufgezeichnet. Dadurch können Aussagen über die Häufigkeit des Herzschlags (Herzfrequenz) und den Herzrhythmus getroffen werden. Das EKG gibt Auskunft über die Abläufe innerhalb des Herzmuskels, wodurch indirekt auch Veränderungen der Form und Struktur des Herzens erkannt werden können. Es wird in der Regel ein Ruhe-EKG durchgeführt, bei dem die Tätigkeit des Herzens ohne Belastung aufgezeichnet wird.
  • Herzultraschall: Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (auch Echokardiographie oder Sonographie genannt) bildet mit Hilfe von Schallwellen die Herzfunktion ab. Dadurch können vor allem die Größe der Herzkammern, die Funktion der Herzklappen und die Pumpfunktion des Herzens beurteilt werden.
  • Myokard-Perfusions-SPECT: Es wird ein radioaktiver Stoff in die Blutbahn gespritzt, um die Durchblutung des Herzens bildlich darstellen zu können.
  • MRT: Beim sog. Stress-Perfusions-MRT wird ein gefäßerweiterndes Medikament und ein Kontrastmittel in die Blutbahn gespritzt, um den vom Blut durchströmten Herzmuskel durch starke elektromagnetische Felder darstellen zu können. Eine weitere Variante ist das sog. Dobutamin-Stress-MRT, bei dem das Medikament Dobutamin stufenweise in die Blutbahn gespritzt wird, damit sich der Herzschlag nach und nach erhöht.
  • CT-Koronarangiographie: Beim CT wird durch ein Röntgenbild aus verschiedenen Richtungen ein räumliches Bild vom Herzen erzeugt. Dadurch können Ablagerungen und Engstellen der Herzkranzgefäße entdeckt werden. Meist wird dabei ein jodhaltiges Kontrastmittel gespritzt.

5.1. Herzkatheter-Untersuchung

Eine Herzkatheter-Untersuchung (sog. invasive Koronarangiographie) ist nicht immer notwendig. Sie wird hauptsächlich eingesetzt, um zu überprüfen, ob eine Operation zum Überbrücken der verengten Blutgefäße (sog. Bypass-Operation, Näheres unter KHK > Behandlung) sinnvoll ist.
Dabei wird eine dünne, biegsame Sonde (Katheter) über eine Arterie in der Leiste oder am Arm bis zum Herz vorgeschoben. Über den Katheter wird Kontrastmittel gespritzt und mit Hilfe von Röntgenstahlen werden mögliche krankhafte Veränderungen der Herzkranzgefäße sichtbar gemacht.

5.1.1. Praxistipp

Die Patienteninformation „Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit: Brauche ich eine Herzkatheter-Untersuchung?“ bietet Informationen, um besser beurteilen zu können, wann eine Herzkatheter-Untersuchung sinnvoll ist. Sie kann unter www.patienten-information.de > Suchbegriff: „Herzkatheter“ gefunden werden.

6. Praxistipps Ratgeber

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Letzte Bearbeitung: 15.08.2019

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