Das Wichtigste in Kürze
Verlauf und Behandlung von Parkinson sind individuell verschieden. Parkinson ist bisher nicht heilbar. Medikamente, Operationen wie die Tiefe Hirnstimulation und ergänzende Therapien (z.B. Physio- und Ergotherapie) können jedoch Beschwerden lindern und die Selbstständigkeit im Alltag unterstützen.
Medikamente
Medikamente können auf die Symptome der Parkinson-Krankheit und die damit verbundenen Beeinträchtigungen einwirken, indem sie den Dopaminmangel beeinflussen.
Folgende Wirkstoffe können dabei zum Einsatz kommen:
- L-Dopa (Abkürzung für Levodopa)
L-Dopa ist das wirksamste Medikament, besonders auch in der Frühphase der Erkrankung. L-Dopa wird im Gehirn zu Dopamin umgewandelt und meist mit anderen Medikamenten kombiniert. - Dopamin-Agonisten
Dopamin-Agonisten müssen im Gegensatz zu L-Dopa nicht umgewandelt werden, sie wirken direkt an den Empfängerstellen im Gehirn. Die Wirksamkeit ist meist nicht so stark wie bei L-Dopa und es können häufiger Nebenwirkungen auftreten. Dopamin-Agonisten führen aber seltener zu Hyperkinesen (unwillkürliche, plötzliche Bewegung). - COMT-Hemmer (Catechol-O-Methyltransferase-Hemmer)
COMT-Hemmer verlängern die Wirkdauer von L-Dopa. Die Einnahme ist daher nur in Kombination mit L-Dopa sinnvoll. - MAO-Hemmer (Monoaminoxidasehemmer)
Diese Medikamente verlangsamen den Abbau von Dopamin und werden in Kombination mit anderen Medikamenten eingesetzt.
Daneben gibt es noch einige weitere Medikamente, die als Tabletten, Pflaster oder Spritzen gegeben werden können.
Wenn die Krankheit fortschreitet, kann es zu Therapiekomplikationen kommen, z.B. Hyperkinesen oder Wirkungsfluktuationen (Wechsel zwischen Phasen guter und schlechter Beweglichkeit). Medikamente, die anfangs noch gut gewirkt haben, helfen dann vielleicht nicht mehr ausreichend. Daher sind regelmäßige ärztliche Kontrollen und eine gute Beobachtung der medikamentösen Therapie wichtig, um eine möglichst wirksame Behandlung zu finden.
Versicherte ab 18 Jahren müssen für viele verschreibungspflichtige Medikamente eine gesetzliche Zuzahlung leisten, sofern keine Zuzahlungsbefreiung vorliegt.
Praxistipp
Parkinson-Medikamente müssen häufig mehrmals täglich zu festgelegten Zeiten eingenommen werden. Deshalb sollten Sie Hilfsmittel zur pünktlichen Einnahme nutzen, z.B. Tablettenboxen mit mehreren Fächern pro Tag, Erinnerungsfunktion im Handy oder Medikamenten-Apps.
Invasive Behandlungen
Wenn Medikamente als Tabletten nicht mehr ausreichend wirken, können invasive Behandlungsverfahren infrage kommen. Dabei wird in den Körper eingegriffen, z.B. durch Medikamentenpumpen oder operative Verfahren.
Pumpentherapie
Eine Pumpe führt dem Körper die Parkinson-Medikamente gleichmäßig zu. Sie wird nur im fortgeschrittenen Stadium eingesetzt, wenn die Medikamente nicht mehr lange genug wirken oder wenn sie nicht (mehr) eingenommen werden können, z.B. wegen Schluckstörungen oder Demenz. Feste Einnahmezeiten spielen dann eine geringere Rolle.
Folgende Pumpentherapien werden eingesetzt:
- Apomorphin
Apomorphin ist ein stark wirkendes Medikament gegen Bewegungsstörungen. Es wirkt aber nicht gut, wenn es geschluckt wird. Apomorphin wird deshalb subkutan verabreicht, d.h.: mit einer Nadel unter die Haut. Für eine dauerhafte Apomorphin-Gabe wird eine tragbare Pumpe mit Teflonnadel eingesetzt. - Levodopa-Carbidopa-Intestinal-Gel (LCIG)
Bei dieser Behandlung gelangen Levodopa und Carbidopa als Gel über eine Sonde direkt in den Dünndarm. Die Pumpe wird außen am Körper getragen. Die Sonde führt durch die Bauchdecke und den Magen in den Dünndarm. Über einen zusätzlichen Zugang kann bei Bedarf Sondennahrung in den Magen gegeben werden.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Die Tiefe Hirnstimulation, umgangssprachlich als „Hirnschrittmacher“ bezeichnet, ist eine Operation, die mittlerweile bei Parkinson etabliert ist. Dabei werden Elektroden in die symptomverursachende, überaktive Hirnregion (Basalganglien) implantiert. Unter der Haut wird ein Impulsgeber eingesetzt, der elektrische Impulse an das Gehirn sendet und dadurch die Basalganglien gezielt hemmt. Die Hirnstimulation verbessert in der Regel die Hauptsymptome von Parkinson. Weitere Symptome müssen zusätzlich behandelt werden. Näheres dazu unter Parkinson > Krankheitssymptome.
Pallidotomie
Bei der Pallidotomie wird gezielt ein winziges, überaktives Areal im Gehirn dauerhaft zerstört, um die Bewegungsstörungen bei Parkinson zu lindern.
Diese Operation ist ein sehr schwerwiegender Eingriff. Sie wird nur durchgeführt, wenn Parkinson weit fortgeschritten ist und keine andere Behandlung (Medikamente, Pumpentherapie, THS) wirkt.
Ergänzende Therapien bei Parkinson
Es gibt eine Reihe ergänzender Therapien, die die Symptome von Parkinson lindern können.
Blasentraining
Bei Blasenfunktionsstörungen können Blasentraining, Inkontinenzhilfen, eine angepasste Trinkmenge sowie der Verzicht auf Koffein, Alkohol und kohlensäurehaltige Getränke helfen, die Beschwerden zu lindern.
Beratungsstellen oder Kontinenz- und Beckenbodenzentren können unter www.kontinenz-gesellschaft.de > Expertensuche gefunden werden.
Physiotherapie bei Parkinson
Regelmäßige Bewegung hilft dabei, die körperliche Leistungsfähigkeit möglichst lange zu erhalten. In der Physiotherapie werden Übungen vermittelt, die Beweglichkeit, Gleichgewicht, Haltung und sicheres Gehen fördern. Physiotherapie-Praxen können auch bei Auswahl und Gebrauch geeigneter Hilfsmittel helfen.
Praxistipp Physiotherapeutensuche
Der Deutsche Verband für Physiotherapie e.V. bietet eine Physiotherapeutensuche unter www.physio-deutschland.de > Patienten & Interessierte > Physiotherapeutensuche.
Ergotherapie bei Parkinson
Ergotherapie unterstützt Menschen mit Parkinson bei alltäglichen Tätigkeiten in den Bereichen Selbstversorgung, im Haushalt und Freizeit. Ergotherapeutische Übungen trainieren u.a. die Feinmotorik, z.B. das Öffnen von Knöpfen oder Reißverschlüssen, und erhalten damit Alltagskompetenzen und Selbstständigkeit. Näheres unter Parkinson > Bewegung und Mobilität und unter Ergotherapie.
Praxistipp Ergotherapeutensuche
Ergotherapie-Praxen finden Sie beim Deutschen Verband Ergotherapie unter www.dve.info > Service > Praxen-Suche.
Logopädie bei Parkinson
Im Verlauf der Parkinson-Krankheit können zunehmend Probleme mit dem Sprechen auftreten, weil die Sprechmuskulatur betroffen ist. Die Stimme wird dann häufig leiser, die Aussprache undeutlicher. Gezieltes logopädisches Training kann die Sprachprobleme bei Parkinson effektiv behandeln. Logopädie hilft auch bei Schluckstörungen, die ebenfalls ein häufiges Symptom bei Parkinson sind. Näheres unter Logopädie.
Praxistipp Logopädensuche
Logopädie-Praxen vor Ort finden Sie beim Deutschen Bundesverband für akademische Sprachtherapie und Logopädie unter www.dbs-ev.de > Service > Therapeut:innenverzeichnis.
Multimodale Komplexbehandlung
Bei einer multimodalen Komplexbehandlung werden verschiedene Therapieelemente aus Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Neuropsychologie zu einer individuellen Therapie zusammengestellt. Betroffene sollen unterstützt werden, möglichst lange im Alltag mobil und aktiv zu bleiben. Die ganzheitliche Behandlung mit verschiedenen täglichen intensiven Therapieeinheiten wird stationär in neurologischen Spezialkliniken durchgeführt und dauert etwa 2–3 Wochen. Die Therapie sollte mindestens 7,5 Stunden pro Woche umfassen. Der Hausarzt oder Facharzt, meist ein Neurologe, kann die Behandlung verordnen. Die Kosten werden bei medizinischer Notwendigkeit von der Krankenkasse in der Regel einmal pro Kalenderjahr übernommen, eine vorherige Genehmigung ist nicht notwendig. Bei dieser Therapie handelt es sich nicht um eine Rehabilitationsmaßnahme.
Künstlerische Therapien
Zu den künstlerischen Therapien zählen u.a. die Musik-, Tanz-, Theater- und Kunsttherapie. Dabei handelt es sich um aktivierende Therapieformen, welche die Lebensqualität, die soziale Teilhabe und die Selbstständigkeit im Alltag verbessern sollen.
Neben der Förderung von Körperfunktionen (z.B. der Verbesserung motorischer Fähigkeiten durch Tanztherapie und musikgestütztes Gangtraining) können künstlerische Therapien auch Begleitsymptome wie eine depressive Stimmung, Angst, Interessenverlust und kognitive Einschränkungen lindern. Die Therapien sollen auch die Selbst- und Körperwahrnehmung sowie das Selbstwertgefühl stärken und die Entwicklung neuer Lebensperspektiven unterstützen.
Die Kosten für ambulante künstlerische Therapien müssen in der Regel selbst bezahlt werden. In stationären Einrichtungen gehören sie oft zum Angebot dazu.
Leitlinie
Das aktuelle Wissen zu Früherkennung, Diagnose und Behandlung der Parkinson-Krankheit ist in einer medizinischen Leitlinie zusammengefasst. Herausgeber sind die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) unter Beteiligung weiterer medizinischer Fachgesellschaften und Experten.
Die Leitlinie können Sie unter www.dgn.org > Leitlinien > Parkinson-Krankheit herunterladen.
Wer informiert über die Behandlung bei Parkinson?
- Die Deutsche Parkinson Hilfe informiert auf www.deutsche-parkinson-hilfe.de über weiterführende Angebote, Fachkliniken und Förderprojekte.
- Bei der Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung finden Sie unter www.aktive-parkinsonstiftung.de > Informieren Informationen über medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlungen sowie Buchtipps.
Verwandte Links
Parkinson > Krankheitssymptome
Parkinson > Bewegung und Mobilität
Parkinson > Hilfsmittel und Wohnen
Parkinson > Reisen und Autofahren