Pauschbetrag bei Behinderung

1. Das Wichtigste in Kürze

Pauschbeträge für Menschen mit Behinderungen sind Freibeträge, die vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden. Sie verdoppeln sich ab dem Veranlagungszeitraum 2021.

2. Voraussetzungen

Die Pauschbeträge ab 2021 erhalten Menschen mit Behinderungen mit einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 20.

 

Die Pauschbeträge bis inklusive Steuererklärung 2020 erhalten

  • Menschen mit Behinderungen mit einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50.
  • Menschen mit Behinderungen mit einem GdB von mindestens 25,
    • denen wegen der Behinderung nach gesetzlichen Vorschriften Renten oder andere laufende Bezüge zustehen (hierunter fallen z.B. die Beschädigtenversorgung nach dem Bundesversorgungsgesetz oder Leistungen aus der Unfallversicherung, jedoch keine Renten der Rentenversicherung wie z.B. die Erwerbsminderungsrente),
      oder
    • wenn die Behinderung zu einer dauernden Einbuße der körperlichen Beweglichkeit geführt hat bzw. auf einer typischen Berufskrankheit beruht.

 

Der Freibetrag kann

  • als Lohnsteuerabzugsmerkmal dem Finanzamt mitgeteilt werden, der Arbeitgeber erhält diese Information dann elektronisch vom Finanzamt und berücksichtigt den Freibetrag bei der Lohnabrechnung
    oder
  • im Jahresausgleich rückwirkend geltend gemacht werden.

3. Höhe

Grad der Behinderung (GdB)

Jährlicher Pauschbetrag € – ab 1.1.2021

20

384

30

620

40

860

50

1.140

60

1.440

70

1.780

80

2.120

90

2.460

100

2.840

Merkzeichen H und Merkzeichen BI unabhängig vom GdB

7.400

 

Für die Steuererklärung für das Jahr 2020 gelten die bisherigen Pauschbeträge:

Grad der Behinderung (GdB)

Jährlicher Pauschbetrag € bis 31.12.2020

25 und 30

310

35 und 40

430

45 und 50

570

55 und 60

720

65 und 70

890

75 und 80

1.060

85 und 90

1.230

95 und 100

1.420

Merkzeichen H und Merkzeichen BI unabhängig vom GdB

3.700

Anmerkung zur Tabelle 2020: Seit 1983 wird der Grad der Behinderung nur noch in Zehner-Schritten eingestuft. Das Finanzamt arbeitet noch mit den alten Tabellen, weil auch Menschen mit Behinderungen mit alten Einstufungen in Fünfer-Schritten erfasst werden müssen.

 

Die Pauschbeträge werden stets in voller Höhe gewährt, auch wenn die Voraussetzungen nicht während des ganzen Kalenderjahres vorgelegen haben. Wird der GdB verringert oder erhöht, gilt für das jeweilige Kalenderjahr der Pauschbetrag nach dem höchsten GdB.

Beim Pauschbetrag sind Nachweise für die einzelnen Aufwendungen nicht nötig. Übersteigen allerdings die tatsächlichen, zwangsläufigen Mehraufwendungen in der privaten Lebensführung des Menschen mit Behinderung die Pauschbeträge, ist es besser, auf den Pauschbetrag zu verzichten und die tatsächlichen Aufwendungen geltend zu machen. Diese müssen dann mit Belegen nachgewiesen werden.

4. Übertrag bei Kindern mit Behinderungen

Bei Kindern mit Behinderungen, die keine eigene Steuererklärung abgeben, können die Eltern den Pauschbetrag auf sich übertragen lassen. Voraussetzung ist, dass sie für das Kind Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag erhalten (§ 33b Abs. 5 EStG).
Der Pauschbetrag eines Kindes mit Behinderungen wird jeweils zur Hälfte auf beide Elternteile übertragen, außer die Eltern wünschen beide eine andere Aufteilung. Wurde der Kinderfreibetrag auf einen Elternteil übertragen, wird auch der Pauschbetrag des Kindes komplett auf diesen übertragen.

5. Behinderten-Pauschbetragsgesetz ab 2021

Das Behinderten-Pauschbetragsgesetz gilt ab dem Veranlagungszeitraum 2021:

  • Die Behindertenpauschbeträge werden verdoppelt und die veraltete Systematik der 5er-Schritte an das Sozialrecht und damit an die 10er-Schritte angepasst (Tabellen siehe oben).
  • Die zusätzlichen Anspruchsvoraussetzungen für die Gewährung eines Pauschbetrags bei einem GdB unter 50 entfallen. D.h. alle Personen ab einem GdB von 20 erhalten den Pauschbetrag ohne weitere Voraussetzungen.
  • Anstelle des bisher aufwändigen Einzelnachweises behinderungsbedingter Fahrtkosten, wird ein Pauschbetrag eingeführt:
    • Einen Pauschbetrag von 900 € können alle Personen mit einem GdB von 80 oder mit einem GdB von 70 und zusätzlich dem Merkzeichen G geltend machen.
    • Einen Pauschbetrag von 4.500 € können alle Personen mit dem Merkzeichen aG, Bl oder H geltend machen.
  • Der Pflege-Pauschbetrag erhöht sich auf 1.800 €. Zudem werden für Pflegegrad 2 und 3 Pauschbeträge von 600 und 1.100 € eingeführt.

Näheres unter Behinderung > Steuervorteile.

5.1. Praxistipps

  • Bei Angestellten wird der Pauschbetrag in der Regel automatisch bei der monatlichen Lohnabrechnung ab Januar 2021 berücksichtigt. Der Pauschbetrag muss dafür jedoch dem Finanzamt als Lohnsteuerabzugsmerkmal mitgeteilt worden sein. Alternativ kann er bei der Einkommensteuererklärung rückwirkend geltend gemacht werden.
    Das Bundesfinanzministerium empfiehlt, die ersten Lohnabrechnungen 2021 zu prüfen. Wenn der verdoppelte Pauschbetrag bis März nicht berücksichtigt wurde, kontaktieren Sie das Finanzamt. Nähere Infos unter www.bundesfinanzministerium.de > Suche nach "Pauschbeträge Behinderung > Sprachregelung Bund / Länder zur Anhebung der Pauschbeträge.
  • Wird eine Behinderung erst im Laufe des Jahres festgestellt, bzw. der Grad der Behinderung während des Jahres erhöht, erhalten Sie  dennoch den vollen Pauschbetrag für Ihren GdB.

6. Verwandte Links

Behinderung

Behinderung > Steuervorteile

Grad der Behinderungen

Merkzeichen

Nachteilsausgleiche bei Behinderung

Leistungen für Menschen mit Behinderungen

 

Gesetzesquelle: § 33b EStG

Letzte Bearbeitung: 17.01.2021

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