Pauschbetrag bei Behinderung

1. Das Wichtigste in Kürze

Pauschbeträge für Menschen mit Behinderungen sind Freibeträge, die vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden. Durch das Behinderten-Pauschbetragsgesetz sollen die Pauschbeträge ab dem Veranlagungszeitraum 2021 verdoppelt werden.

2. Voraussetzungen

Die Pauschbeträge erhalten

  • Menschen mit Behinderungen mit einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50.
  • Menschen mit Behinderungen mit einem GdB von mindestens 25,
    • denen wegen der Behinderung nach gesetzlichen Vorschriften Renten oder andere laufende Bezüge zustehen (hierunter fallen z.B. die Beschädigtenversorgung nach dem Bundesversorgungsgesetz oder Leistungen aus der Unfallversicherung, jedoch keine Renten der Rentenversicherung wie z.B. die Erwerbsminderungsrente),
      oder
    • wenn die Behinderung zu einer dauernden Einbuße der körperlichen Beweglichkeit geführt hat bzw. auf einer typischen Berufskrankheit beruht.

 

Der Freibetrag kann

  • auf der Lohnsteuerkarte eingetragen
    oder
  • im Jahresausgleich rückwirkend geltend gemacht werden.

3. Höhe

Grad der Behinderung (GdB)

Jährlicher Pauschbetrag €

25 und 30

310

35 und 40

430

45 und 50

570

55 und 60

720

65 und 70

890

75 und 80

1.060

85 und 90

1.230

95 und 100

1.420

Merkzeichen H und Merkzeichen BI unabhängig vom GdB

3.700

Anmerkung zur Tabelle: Seit 1983 wird der Grad der Behinderung nur noch in Zehner-Schritten eingestuft. Das Finanzamt arbeitet noch mit den alten Tabellen, weil auch Menschen mit Behinderungen mit alten Einstufungen in Fünfer-Schritten erfasst werden müssen.

Die Pauschbeträge werden stets in voller Höhe gewährt, auch wenn die Voraussetzungen nicht während des ganzen Kalenderjahres vorgelegen haben. Wird der GdB verringert oder erhöht, gilt für das jeweilige Kalenderjahr der Pauschbetrag nach dem höchsten GdB.

Beim Pauschbetrag sind Nachweise für die einzelnen Aufwendungen nicht nötig. Übersteigen allerdings die tatsächlichen, zwangsläufigen Mehraufwendungen in der privaten Lebensführung des Menschen mit Behinderung die Pauschbeträge, ist es besser, auf den Pauschbetrag zu verzichten und die tatsächlichen Aufwendungen geltend zu machen. Diese müssen dann mit Belegen nachgewiesen werden.

4. Übertrag bei Kindern mit Behinderungen

Bei Kindern mit Behinderungen, die keine eigene Steuererklärung abgeben, können die Eltern den Pauschbetrag auf sich übertragen lassen. Voraussetzung ist, dass sie für das Kind Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag erhalten (§ 33b Abs. 5 EStG).
Der Pauschbetrag eines Kindes mit Behinderungen wird jeweils zur Hälfte auf beide Elternteile übertragen, außer die Eltern wünschen beide eine andere Aufteilung. Wurde der Kinderfreibetrag auf einen Elternteil übertragen, wird auch der Pauschbetrag des Kindes komplett auf diesen übertragen.

5. Behinderten-Pauschbetragsgesetz

Das Behinderten-Pauschbetragsgesetz sieht ab dem Veranlagungszeitraum 2021 eine Anpassung der Pauschbeträge sowie Steuervereinfachungen vor:

  • Die Behindertenpauschbeträge werden verdoppelt und die veraltete Systematik der 5er-Schritte an das Sozialrecht und damit an die 10er-Schritte angepasst.
  • Die zusätzlichen Anspruchsvoraussetzungen für die Gewährung eines Pauschbetrags bei einem GdB unter 50 entfallen. D.h. alle Personen ab einem GdB von 20 erhalten den Pauschbetrag ohne weitere Voraussetzungen.
  • Anstelle des bisher aufwändigen Einzelnachweises behinderungsbedingter Fahrtkosten, wird ein Pauschbetrag eingeführt:
    • Einen Pauschbetrag von 900 € können alle Personen mit Geh- oder Stehbehinderung ab einem GdB von 80 oder mit einem GdB von 70 und zusätzlich dem Merkzeichen G geltend machen.
    • Einen Pauschbetrag von 4.500 € können alle Personen mit dem Merkzeichen aG, Bl oder H geltend machen.
      Informationen zu den aktuellen Regelungen siehe Behinderung > Steuervorteile.

 

Ab dem Veranlagungszeitraum 2021 sollen die Pauschbeträge dann wie folgt gewährt werden:

Grad der Behinderung (GdB)

Jährlicher Pauschbetrag €

20

384

30

620

40

860

50

1.140

60

1.440

70

1.780

80

2.120

90

2.460

100

2.840

Merkzeichen H und Merkzeichen BI unabhängig vom GdB

7.400

6. Verwandte Links

Behinderung

Behinderung > Steuervorteile

Grad der Behinderungen

Merkzeichen

Nachteilsausgleiche bei Behinderung

Leistungen für Menschen mit Behinderungen

 

Gesetzesquelle: § 33b EStG

Letzte Bearbeitung: 14.08.2020

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