Behinderung > Steuervorteile

1. Das Wichtigste in Kürze

Steuervorteile für Menschen mit Behinderungen werden von den Finanzbehörden anhand der entsprechenden Nachweise gewährt (Schwerbehindertenausweis, Feststellungsbescheid des Versorgungsamts, Bescheid der Pflegekasse). In Zukunft soll ein Datenaustausch zwischen den jeweiligen Behörden stattfinden. Viele Menschen mit Behinderungen und deren Angehörige erhalten als Ausgleich für ihre Belastungen steuerliche Entlastungen. Oft erfolgt dies zur Vereinfachung anhand von Pauschalen, z.B. für die Behinderung an sich, für Fahrtkosten, für die Betreuung eines Kindes mit Behinderung oder die Pflege eines Angehörigen. Die Pauschalen werden in der Regel im Zuge der jährlichen Steuererklärung vom gesamten Einkommen abgezogen und mindern somit das zu versteuernde Einkommen. Der Behinderten-Pauschbetrag kann alternativ auch monatlich bei der Lohnsteuer berücksichtigt werden. Die Abzüge sind teilweise auf Eltern oder Angehörige übertragbar.

2. Umfang der Steuererleichterungen im Überblick

Zu den Steuervergünstigungen zählen:

  • Kinderfreibetrag für erwachsene Kinder mit Behinderung, wenn die Behinderung vor dem 25. Geburtstag eingetreten ist (§ 32 Abs. 4 Nr. 3 und Abs. 6 EStG, alternativ zum Kindergeld)
  • Kinderbetreuungskosten
  • Pauschbetrag für Menschen mit Behinderungen
  • außergewöhnliche Belastungen bei Pflegepersonen, Pflegepauschbetrag
  • außergewöhnliche Belastungen durch private Kraftfahrzeugkosten, Fahrtkostenpauschale
  • bei einem Grad der Behinderung (GdB) ab 70 oder Merkzeichen G bzw. aG: Tatsächliche Fahrtkosten zur Arbeit absetzbar

Zudem kann es für schwerbehinderte Menschen Erleichterungen geben bei der Kfz-Steuer (Kraftfahrzeugsteuer-Ermäßigung bei Schwerbehinderung), der Vermögenssteuer, der Erbschafts- und Schenkungssteuer, der Hundesteuer (blinde, gehörlose oder hilflose Menschen) sowie der Umsatzsteuer.

3. Außergewöhnliche Belastungen und zumutbare Belastung

Grundsätzlich müssen Steuerpflichtige sich entscheiden: Entweder sie nutzen für bestimmte Ausgabenbereiche Pauschbeträge oder sie machen tatsächliche Ausgaben bei der Steuer als außergewöhnliche Belastung geltend. Es ist nicht möglich, z.B. als Pflegeperson eines Menschen mit Behinderung den Pflegepauschbetrag und besondere Aufwendungen für die Pflege abzusetzen.

Sog. Pauschbeträge werden vom zu versteuernden Einkommen abgezogen, ohne dass das Finanzamt dafür einen Nachweis verlangt oder dass ein Eigenanteil geleistet werden muss.

Wenn sog. außergewöhnliche Belastungen vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden sollen, müssen sie detailliert mit Belegen nachgewiesen werden. Dieser Aufwand ist dann sinnvoll, wenn die Ausgaben über dem Pauschbetrag liegen. Allerdings wird zwischen allgemeinen (§ 33 EStG) und besonderen (§§ 33a f. EStG) außergewöhnlichen Belastungen unterschieden.

Besondere Belastungen können in vollem Umfang abgezogen werden, dazu zählen z.B. Pflegekosten von pflegenden Angehörigen und Kosten wegen einer Behinderung. Dazu zählen nicht Krankheitskosten.

Von den "allgemeinen" außergewöhnlichen Belastungen, z.B. Krankheitskosten, wird die sog. zumutbare Belastung abgezogen. Die zumutbare Belastung ist abhängig von Einkommen und Familienstand:

Gesamtbetrag der Einkünfte

bis 15.340 €

über 15.340 – 51.130 €

über 51.130 €

Steuerpflichtige ohne Kinder, einzeln veranlagt

5 % der Einkünfte

6 % der Einkünfte

7 % der Einkünfte

Steuerpflichtige ohne Kinder, zusammen veranlagt

4 % der Einkünfte

5 % der Einkünfte 6 % der Einkünfte

Steuerpflichtige mit 1–2 Kindern

2 % der Einkünfte 3 % der Einkünfte 4 % der Einkünfte

Steuerpflichtige mit 3 und mehr Kindern

1 % der Einkünfte 1 % der Einkünfte 2 % der Einkünfte

3.1. Praxistipp

Die zumutbare Belastung wird abschnittsweise ermittelt, es gilt also nicht ein Prozentsatz für das gesamte Einkommen, sondern der Prozentsatz des jeweiligen Einkommensbereichs. Einen Rechner zur zumutbaren Belastung finden Sie beim Bayerischen Landesamt für Steuern unter www.finanzamt.bayern.de > Steuerliche Informationen A - Z des Bayerischen Landesamts für Steuern > Z Zumutbare_Belastung (Online-Rechner).

4. Sonderausgaben für Kinderbetreuung

(§ 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG)

Als Sonderausgaben können für Dienstleistungen zur Betreuung eines zum Haushalt des Steuerpflichtigen gehörenden Kindes unter 14 Jahren zwei Drittel der Aufwendungen, maximal 4.000 € je Kind, geltend gemacht werden. Bei Kindern mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen, die ihren Unterhalt nicht selbst bestreiten können, ist es möglich diese Sonderausgaben über den 14. Geburtstag hinaus geltend zu machen. Voraussetzung ist, dass die Behinderung vor dem 25. Geburtstag eingetreten ist.
Gemeint sind z.B. Aufwendungen für Internate oder Betreuungspersonen. Nicht unter diesen Freibetrag fallen dagegen Aufwendungen für Unterricht, die Vermittlung besonderer Fähigkeiten sowie für sportliche und andere Freizeitbeschäftigungen.

4.1. Praxistipp

Bei Teilnahme an Reha-Maßnahmen können Eltern Kinderbetreuungskosten auch als ergänzende Leistung zur Rehabilitation erhalten.

5. Pauschbetrag für Menschen mit Behinderungen

Pauschbeträge für Menschen mit Behinderungen sind Freibeträge bis zu 7.400 €, die vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden. Wenn die tatsächlichen Ausgaben höher sind, müssen sie nachgewiesen werden und können dann in voller Höhe (keine zumutbare Belastung, siehe oben) statt dem Pauschbetrag abgezogen werden.

Weitere Informationen siehe Pauschbetrag bei Behinderung.

6. Steuererleichterungen für Pflegepersonen

6.1. Außergewöhnliche Belastungen oder Pflege-Pauschbetrag (bis Veranlagungsjahr 2020)

Wer einen schwerbehinderten Menschen (Behinderung mit einem GdB von mindestens 50), der zudem das Merkzeichen H (hilflos) hat, oder einen pflegebedürftigen Menschen mit Pflegegrad 4 oder 5 persönlich in seiner Wohnung oder in der des Pflegebedürftigen pflegt, kann entweder die tatsächlichen Kosten (diese sind nachzuweisen) oder einen Pflegepauschbetrag von 924 € jährlich absetzen. Die Kosten beziehungsweise der Pflegepauschbetrag gelten als außergewöhnliche Belastung und können zusätzlich zu den o.g. Pauschbeträgen geltend gemacht werden (§ 33b Abs. 6 EStG).

Voraussetzung ist, dass die Pflegeperson für die Pflege keine Einnahmen erhält und mit dem pflegebedürftigen Menschen verwandt ist oder diesem nahe steht.
Nicht zu diesen Einnahmen zählt das Pflegegeld, das Eltern zur Pflege ihres Kindes mit Behinderung erhalten.

6.2. Außergewöhnliche Belastungen oder Pflege-Pauschbeträge ab 2021

Wer einen Menschen zuhause (bei sich oder beim Pflegebedürftigen) pflegt, kann dafür entweder die tatsächlichen Kosten (diese sind als "besondere außergewöhnliche Belastung" nachzuweisen) oder einen Pflege-Pauschbetrag bei der Steuer absetzen (§ 33b Abs. 6 EStG):

  • Bei Pflegegrad 2: Pflege-Pauschbetrag 600 €.
  • Bei Pflegegrad 3: Pflege-Pauschbetrag 1.100 €.
  • Bei Pflegegrad 4 oder 5: Pflege-Pauschbetrag 1.800 €.
  • Bei Hilflosigkeit (Merkzeichen H) des Pflegebedürftigen: Pflege-Pauschbetrag 1.800 €.

Voraussetzung ist, dass die Pflegeperson für die Pflege keine Einnahmen erhält. Nicht zu diesen Einnahmen zählt das Pflegegeld, das Eltern zur Pflege ihres Kindes mit Behinderung erhalten.

Ändern sich die Bedingungen im Laufe des Jahres, gilt immer die höhere Pauschale für das ganze Jahr. Pflegen mehrere Steuerpflichtige einen Pflegebedürftigen, wird der Pflege-Pauschbetrag unter ihnen aufgeteilt.

7. Fahrtkosten

7.1. Fahrten zur Arbeit

Alle Steuerpflichtigen können für Fahrten zur Arbeit und für Familienheimfahrten bis 20 km eine Entfernungspauschale von 30 ct/km, ab dem 21. km 35 ct/km für die einfache Strecke ansetzen. Maximal sind 4.500 € ansetzbar. Eine Überschreitung ist möglich, wenn der Arbeitnehmer ein eigenes oder ihm zur Nutzung überlassenes Fahrzeug benutzt.

Aufwendungen für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel können angesetzt werden, wenn sie den im Kalenderjahr insgesamt als Entfernungspauschale abziehbaren Betrag übersteigen.

Alternativ können Menschen mit Behinderungen die tatsächlichen Aufwendungen für diese Wege absetzen (§ 9 Abs. 2 Satz 3 EStG). Dies gilt bei

  • GdB 70 und höher
    oder
  • GdB mindestens 50 und die Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr ist erheblich beeinträchtigt (Merkzeichen G oder Merkzeichen aG).

7.2. Außergewöhnliche Belastungen durch private Kraftfahrzeugkosten (bis Veranlagungsjahr 2020)

Menschen mit folgenden Behinderungen können bis inklusive Steuererklärung 2020 Privatfahrten als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen:

  • GdB ab 80 oder Merkzeichen G mit einem GdB von 70
    Jährlicher Pauschbetrag von 900 € für behinderungsbedingte Privatfahrten (z.B. zum Arzt, zur Therapie) ohne Nachweis. Dies entspricht 3.000 km à 30 ct.
  • Merkzeichen aG, Merkzeichen Bl und Merkzeichen H
    Grundsätzlich können alle Fahrtkosten (auch Erholungs-, Besuchs- und Freizeitfahrten) bis zu 15.000 km jährlich (à 30 ct/km = 4.500 €) abgesetzt werden, sofern sie nachgewiesen oder glaubhaft gemacht werden (z.B. durch ein Fahrtenbuch).

Fahrten mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Taxi können Menschen mit Behinderungen ebenfalls bei der Steuererklärung angeben. Die oben genannten Kilometerpauschalen werden dann aber gekürzt.

7.3. Behinderungsbedingte Fahrtkostenpauschale ab 2021

Ab Veranlagungszeitraum 2021 wird eine neue behinderungsbedingte Fahrtkosten-Pauschale eingeführt (§ 33 Abs. 2a EStG). Es gelten folgende vereinfachte Regelungen:

  • Menschen mit GdB 80 und höher: Pauschale 900 €.
  • Menschen mit GdB 70 und Merkzeichen "G": Pauschale 900 €.
  • Menschen mit Merkzeichen "aG", "Bl", "H" oder "TBl": Pauschale 4.500 €. Die 900 € können nicht zusätzlich abgesetzt werden.

Alternativ zur Pauschale können die behinderungsbedingten Fahrten nachgewiesen und abgesetzt werden. Egal ob Pauschale oder nachgewiesene Fahrtkosten: Sie zählen zu den allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen und deshalb muss die zumutbare Belastung (siehe oben) selbst getragen werden.

8. Praxistipps

  • Diese Beträge können auch bei Steuerpflichtigen berücksichtigt werden, die selbst keine Behinderungen haben, sondern auf die der Pauschbetrag übertragen wurde und die den Menschen mit Behinderungen befördert haben.
  • Besondere Vergünstigungen genießen Menschen mit Behinderungen auch bei der Kfz-Steuer (Kraftfahrzeugsteuer-Ermäßigung bei Schwerbehinderung).

9. Wer hilft weiter?

Individuelle Auskünfte zu allen steuerlichen Vergünstigungen geben die zuständigen Finanzämter. Steuerfragen speziell für Menschen mit Behinderungen beantwortet auch das Versorgungsamt. Für die Hundesteuer (Blindenhund) ist die jeweilige Gemeinde zuständig.

10. Verwandte Links

Behinderung

Kraftfahrzeugsteuer-Ermäßigung bei Schwerbehinderung

Nachteilsausgleiche bei Behinderung

Kinderbetreuungskosten

Behinderung > Berufsleben

 

Gesetzesquellen: §§ 9, 10, 32, 33, 33b EStG – Einkommensteuer-Hinweise 2018 H 33.1–33.4

Letzte Bearbeitung: 23.02.2021

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