Behinderung > Steuervorteile

1. Das Wichtigste in Kürze

Durch Vorlage des Schwerbehindertenausweises oder des Bescheids über die Schwerbehinderung können Menschen mit Behinderungen, ihre Bevollmächtigten oder bei Minderjährigen deren Eltern steuerliche Vergünstigungen beim Finanzamt erreichen. Möglich sind z.B. die Absetzung eines Pauschbetrags bis maximal 3.700 €, erwerbsbedingter Kinderbetreuungskosten oder außergewöhnlicher Belastungen wie Pflege- oder Kfz-Kosten.

2. Umfang

Zu den Steuervergünstigungen zählen:

  • Kinderfreibetrag für erwachsene Kinder mit Behinderung, wenn die Behinderung vor dem 25. Geburtstag eingetreten ist (§ 32 Abs. 4 Nr. 3 und Abs. 6 EStG, alternativ zum Kindergeld)
  • Kinderbetreuungskosten
  • Pauschbetrag für Menschen mit Behinderungen
  • außergewöhnliche Belastungen bei Pflegepersonen, Pflegepauschbetrag
  • außergewöhnliche Belastungen durch private Kraftfahrzeugkosten
  • bei einem Grad der Behinderung (GdB) ab 70 oder Merkzeichen G bzw. aG: Tatsächliche Fahrtkosten zur Arbeit absetzbar

Zudem kann es für schwerbehinderte Menschen Erleichterungen geben bei der Kfz-Steuer (Kraftfahrzeugsteuer-Ermäßigung bei Schwerbehinderung), der Vermögenssteuer, der Erbschafts- und Schenkungssteuer, der Hundesteuer (blinde, gehörlose oder hilflose Menschen) sowie der Umsatzsteuer.

2.1. Sonderausgaben

(§ 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG)

Als Sonderausgaben können für Dienstleistungen zur Betreuung eines zum Haushalt des Steuerpflichtigen gehörenden Kindes unter 14 Jahren zwei Drittel der Aufwendungen, maximal 4.000 € je Kind, geltend gemacht werden. Bei Kindern mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen, die ihren Unterhalt nicht selbst bestreiten können, ist es möglich diese Sonderausgaben über den 14. Geburtstag hinaus geltend zu machen. Voraussetzung ist, dass die Behinderung vor dem 25. Geburtstag eingetreten ist.
Gemeint sind z.B. Aufwendungen für Internate oder Betreuungspersonen. Nicht unter diesen Freibetrag fallen dagegen Aufwendungen für Unterricht, die Vermittlung besonderer Fähigkeiten sowie für sportliche und andere Freizeitbeschäftigungen.

2.1.1. Praxistipp

Bei Teilnahme an Reha-Maßnahmen können Eltern Kinderbetreuungskosten auch als ergänzende Leistung zur Rehabilitation erhalten.

2.2. Pauschbetrag für Menschen mit Behinderungen

Pauschbeträge für Menschen mit Behinderungen sind Freibeträge, die vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden:

Weitere Informationen siehe Pauschbetrag bei Behinderung.

2.3. Außergewöhnliche Belastungen für Pflegepersonen

Wer einen schwerbehinderten Menschen (Behinderung mit einem GdB von mindestens 50), der zudem das Merkzeichen H (hilflos) hat, oder einen pflegebedürftigen Menschen mit Pflegegrad 4 oder 5 persönlich in seiner Wohnung oder in der des Pflegebedürftigen pflegt, kann entweder die tatsächlichen Kosten (diese sind nachzuweisen) oder einen Pflegepauschbetrag von 924 € jährlich absetzen. Die Kosten beziehungsweise der Pflegepauschbetrag gelten als außergewöhnliche Belastung und können zusätzlich zu den o.g. Pauschbeträgen geltend gemacht werden (§ 33b Abs. 6 EStG).

Voraussetzung ist, dass die Pflegeperson für die Pflege keine Einnahmen erhält und mit dem pflegebedürftigen Menschen verwandt ist oder diesem nahe steht.
Nicht zu diesen Einnahmen zählt das Pflegegeld, das Eltern zur Pflege ihres Kindes mit Behinderung erhalten.

2.4. Fahrten zur Arbeit

Steuerpflichtige können für Fahrten zur Arbeit und für Familienheimfahrten eine Entfernungspauschale von 30 ct/km für die einfache Strecke ansetzen. Aufwendungen für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel können angesetzt werden, wenn sie den im Kalenderjahr insgesamt als Entfernungspauschale abziehbaren Betrag übersteigen.

Alternativ können Menschen mit Behinderungen die tatsächlichen Aufwendungen für diese Wege absetzen (§ 9 Abs. 2 Satz 3 EStG). Dies gilt bei

  • GdB 70 und höher
    oder
  • GdB mindestens 50 und die Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr ist erheblich beeinträchtigt (Merkzeichen G oder Merkzeichen aG).

2.5. Außergewöhnliche Belastungen durch private Kraftfahrzeugkosten

Menschen mit Behinderungen können auch Privatfahrten als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen:

  • GdB ab 80 oder Merkzeichen G mit einem GdB von 70
    Jährlicher Pauschbetrag von 900 € für behinderungsbedingte Privatfahrten (z.B. zum Arzt, zur Therapie) ohne Nachweis. Dies entspricht 3.000 km à 30 ct.
  • Merkzeichen aG, Merkzeichen Bl und Merkzeichen H
    Grundsätzlich können alle Fahrtkosten (auch Erholungs-, Besuchs- und Freizeitfahrten) bis zu 15.000 km jährlich (à 30 ct/km = 4.500 €) abgesetzt werden, sofern sie nachgewiesen oder glaubhaft gemacht werden (z.B. durch ein Fahrtenbuch).

Diese Beträge können auch bei Steuerpflichtigen berücksichtigt werden, die selbst keine Behinderungen haben, sondern auf die der Pauschbetrag übertragen wurde und die den Menschen mit Behinderungen befördert haben.

Besondere Vergünstigungen genießen Menschen mit Behinderungen auch bei der Kfz-Steuer (Kraftfahrzeugsteuer-Ermäßigung bei Schwerbehinderung).

2.5.1. Praxistipp

Fahrten mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Taxi können Menschen mit Behinderungen ebenfalls bei der Steuererklärung angeben. Die oben genannten Kilometerpauschalen werden dann aber gekürzt.

3. Wer hilft weiter?

Individuelle Auskünfte zu allen steuerlichen Vergünstigungen geben die zuständigen Finanzämter. Steuerfragen speziell für Menschen mit Behinderungen beantwortet auch das Versorgungsamt. Für die Hundesteuer (Blindenhund) ist die jeweilige Gemeinde zuständig.

4. Verwandte Links

Behinderung

Kraftfahrzeugsteuer-Ermäßigung bei Schwerbehinderung

Nachteilsausgleiche bei Behinderung

Kinderbetreuungskosten

Behinderung > Berufsleben

 

Gesetzesquellen: §§ 9, 10, 32, 33, 33b EStG - Einkommensteuer-Hinweise 2018 H 33.1–33.4

Letzte Bearbeitung: 14.08.2020

{}Behinderung > Steuervorteile{/}{}{/}