Kinderheilbehandlung

1. Das Wichtigste in Kürze

Eine Kinderheilbehandlung (Kinderreha) ist eine Kur für Kinder, die vom Rentenversicherungsträger bei bestimmten Indikationen und versicherungsrechtlichen Voraussetzungen bezahlt wird. Sie zählt zu den sonstigen Leistungen zur Rehabilitation und kann in der Regel alle 4 Jahre beantragt werden.

2. Voraussetzungen

2.1. Voraussetzungen der Rentenversicherung

Für die Kostenübernahme durch den Rentenversicherungsträger muss der beantragende Elternteil des zu behandelnden Kindes eine der folgenden versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllen:

  • 6 Kalendermonate mit Pflichtbeiträgen in den letzten 2 Jahren vor Antragstellung
    oder
  • innerhalb von 2 Jahren nach Beendigung einer Ausbildung wird eine versicherte oder selbstständige Beschäftigung bis zur Antragstellung ausgeübt oder nach einer solchen Beschäftigung liegt Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit bis zur Antragstellung vor
    oder
  • Erfüllung der allgemeinen Wartezeit von 5 Jahren (§ 50 SGB VI)
    oder
  • Bezug einer Altersrente
    oder
  • Bezug einer Erwerbsminderungsrente.

Oder: Das Kind selbst bezieht eine Waisenrente aus der Rentenversicherung.

2.1.1. Indikationen

Die Kosten einer Kinderheilbehandlung (Kinderreha) können unter anderem bei folgenden Erkrankungen übernommen werden:

  • Krankheiten der Atemwege,
  • allergischen Krankheiten,
  • Hautkrankheiten,
  • Herz- und Kreislaufkrankheiten,
  • Leber-, Magen-, Darmkrankheiten,
  • Nieren- und Harnwegskrankheiten,
  • Stoffwechselkrankheiten,
  • Krankheiten des Bewegungsapparats,
  • neurologischen Erkrankungen
  • psychosomatischen und psychomotorischen (Verhaltens-)Störungen,
  • Übergewicht in Verbindung mit weiteren Risikofaktoren oder anderen Erkrankungen.

Voraussetzung ist,

  • dass durch die Kinderheilbehandlung (Kinderreha) voraussichtlich eine erhebliche Gefährdung der Gesundheit verhindert werden kann,
  • bzw. die durch chronische Erkrankungen beeinträchtigte Gesundheit wesentlich gebessert/wiederhergestellt werden kann.

So soll im Erwachsenenalter eine lang andauernde Erwerbsunfähigkeit verhindert werden.

2.1.2. Ausschluss

Die Rentenversicherungsträger übernehmen die Kosten nicht:

  • Bei akuten Erkrankungen und Infektionskrankheiten z.B. Scharlach, Diphtherie (hier ist die Krankenkasse zuständig).
  • Bei Fällen, in denen die Aussicht auf eine spätere Erwerbsfähigkeit nicht verbessert werden kann.
  • Wenn das Kind sich aufgrund von Verhaltensstörungen nicht in die Gemeinschaft einordnen kann.
  • Wenn frühere Kinderheilbehandlungen (Kinderrehas) ohne triftigen Grund abgebrochen wurden.

2.2. Voraussetzung der Krankenkasse

Liegen die o.g. Voraussetzungen für eine Kostenübernahme durch den Rentenversicherungsträger nicht vor, können Kinderheilbehandlungen (Kinderrehas) von der Krankenkasse im Rahmen der Medizinischen Rehabilitation übernommen werden.

2.3. Voraussetzungen weiterer Träger

Wird die Kinderheilbehandlung (Kinderreha) aufgrund eines Unfalls in einer Tageseinrichtung oder Schule erforderlich, ist der Kostenträger die Unfallversicherung. Auch das Jugendamt kann als Kostenträger in Frage kommen, wenn die Reha-Leistung als Maßnahme der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche erbracht wird. Bei Erstantragstellung darf das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet sein.

3. Definition Kinder

Als "Kinder", die Anspruch auf eine Kinderheilbehandlung (Kinderreha) haben können, gelten:

  1. bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres:
    • die Kinder des Versicherten
    • die im Haushalt aufgenommenen Stief- und Pflegekinder
    • die im Haushalt aufgenommenen Enkel und Geschwister des Versicherten
  2. die unter 1) genannten Kinder bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres
    • bei schulischer oder beruflicher Ausbildung
    • bei Ableistung eines freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahres
    • bei Ableistung des Bundesfreiwilligendienstes nach dem Bundesfreiwilligendienstgesetz
  3. die unter 1) genannten Kinder ohne Altersbegrenzung bei körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung, wodurch eine finanziell unabhängige Lebensführung nicht möglich ist.

4. Dauer und Wartezeit

Kinderheilbehandlungen (Kinderrehas) dauern in der Regel mindestens 4 Wochen. Eine Verlängerung ist möglich, wenn sie aus medizinischen und therapeutischen Gründen notwendig ist und die Notwendigkeit vom Arzt oder von der Klinik begründet wird.

Zwischen 2 bezuschussten Kinderheilbehandlungen (Kinderrehas) muss in der Regel ein Zeitraum von 4 Jahren liegen.

4.1. Ausnahmen

Der Rentenversicherungsträger genehmigt Kinderheilbehandlungen vor Ablauf der
4-Jahres-Frist, wenn vorzeitige Leistungen aus gesundheitlichen Gründen dringend erforderlich sind, weil ansonsten mit einer weiteren Minderung der Leistungsfähigkeit zu rechnen ist.

5. Begleitperson

Die Rentenversicherungsträger übernehmen die Kosten zur Unterbringung

  • einer Begleitperson, wenn nur so die Durchführung oder der Erfolg der Kinderheilbehandlung (Kinderreha) gewährleistet wird.
  • der Familienangehörigen, wenn die Einbeziehung der Familie in den Rehabilitationsprozess notwendig ist.

Es besteht keine Altersbegrenzung zur Mitnahme einer Begleitperson, bei älteren Kindern erfolgt aber eine umfassende Einzelfallprüfung.

5.1. Praxistipps Begleitperson

Die nachfolgenden Leistungen können zusätzlich beantragt werden:

  • Reisekosten für das Kind und für die Begleitperson.
  • Bei Kindern bis zum vollendeten 15. Lebensjahr: Reisekosten für einen Reisebegleiter.
  • Wird ein Elternteil, der zu Hause Kinder unter 12 Jahren betreut, als Begleitperson mitaufgenommen, kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Haushaltshilfe beantragt werden.

6. Praxistipp

Die Broschüre "Rehabilitation für Kinder und Jugendliche" der Deutschen Rentenversicherung kann unter www.deutsche-rentenversicherung.de > Services > Broschüren & mehr > Broschüren > Rehabilitation kostenlos heruntergeladen oder bestellt werden.

7. Wer hilft weiter?

8. Verwandte Links

Früherkennung von Krankheiten

Frühförderung von Kindern mit Behinderung

Kinder im Krankenhaus

Familienorientierte Rehabilitation

 

Gesetzesquellen: §§ 31, 12, 15a SGB VI

Redakteurin: Sabine Bayer

Letzte Bearbeitung: 15.04.2019

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