Hilfe für junge Volljährige

1. Das Wichtigste in Kürze

Nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz  haben junge Volljährige vom 18. bis zum 21. Geburtstag einen Rechtsanspruch auf geeignete und notwendige Hilfe vom Jugendamt entsprechend der Regelungen für Kinder und Jugendliche. Er besteht, wenn und solange ihre Persönlichkeit noch nicht so weit entwickelt ist, dass sie ihr Leben selbstbestimmt, eigenverantwortlich und selbständig führen können. Die Hilfen sollen in begründeten Einzelfällen bis zum 27.Geburtstag weitergeführt werden. Das Jugendamt leistet diese Hilfen je nach Bedarf in verschiedener Form, von der Beratung über Unterhaltsleistungen bis hin zur Erziehung in Heimen.

2. Dauer

Die "Hilfe für junge Volljährige" dauert in der Regel bis zum 21. Geburtstag, ausnahmsweise bis zum 27. Geburtstag, wenn die Maßnahme bereits vor dem 21. Geburtstag begonnen worden ist.

Bis zum 21. Geburtstag besteht auf die Hilfe ein Rechtsanspruch. Das bedeutet, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen, muss das Jugendamt die Hilfe bewilligen. Tut es das dennoch nicht, kann die Leistung notfalls vor Gericht eingeklagt werden. Näheres unter Widerspruch Klage Berufung.

Dieser Rechtsanspruch bleibt auch bestehen, wenn die Hilfe beendet wurde, später aber doch wieder erforderlich wird.

Nach dem 21. Geburtstag sollen die Leistungen nur in begründeten Einzelfällen für einen begrenzten Zeitraum fortgesetzt werden. Auf diese Fortsetzung besteht kein Rechtsanspruch. Stattdessen entscheidet das Jugendamt nach sog. gebundenen Ermessen. Das bedeutet, dass das Jugendamt die Leistung in der Regel bewilligen muss, wenn ein begründeter Einzelfall gegeben ist. Ist der Fall aber untypisch, darf die Behörde die Leistung ausnahmsweise ablehnen. Dabei muss es alle Umstände berücksichtigen, auf die es im Einzelfall ankommt.

Nur wenn das Jugendamt eine Entscheidung trifft, die nicht mehr fachlich vertretbar ist, kann die Leistung wirksam über einen Widerspruch oder vor Gericht durchgesetzt werden. Das kann z.B. vorkommen, wenn das Jugendamt wichtige Umstände nicht beachtet oder nicht folgerichtig argumentiert.

Auch nach dem 21. Geburtstag gilt, dass die Hilfe nach einer Unterbrechung erneut gewährt werden kann.

Ab einem Jahr vor der geplanten Beendigung der Hilfe muss das Jugendamt prüfen, ob der junge Mensch ein Recht auf andere Sozialleistungen haben wird, für die dann andere Behörden zuständig sind. Es muss für einen nahtlosen Übergang sorgen.

Nach Beendigung der Hilfe haben die jungen Volljährigen unter folgenden Voraussetzungen einen Rechtsanspruch auf Beratung und Unterstützung:

  • Die Beratung und Unterstützung ist bei der Verselbständigung notwendig.
  • Sie sind höchstens 26 Jahre alt.
  • Die Beratung und Unterstützung findet innerhalb eines angemessenen Zeitraums nach dem Ende der Hilfe statt.

3. Umfang

Als konkrete Hilfen kommen in Betracht:

4. Praxistipp

Vor Juni 2021 waren die Leistungen des Jugendamts für junge Volljährige noch kein Rechtsanspruch. Auch war das Jugendamt noch nicht dazu verpflichtet, für einen nahtlosen Übergang zu anderen Sozialleistungen zu sorgen.

Wenn Sie in Kürze volljährig werden oder Ihr Kind in Kürze volljährig wird oder eine laufende Hilfe für junge Volljährige bald beendet werden soll, kann es sinnvoll sein, das Jugendamt auf die neuen Ansprüche selbst anzusprechen. Nicht immer sind die Gesetzesänderungen jedem Mitarbeiter im Jugendamt bekannt bzw. werden nicht von jedem Mitarbeiter sofort umgesetzt.

5. Wer hilft weiter?

Individuelle Auskünfte erteilt das Jugendamt. Liegt eine Behinderung vor, so hilft auch die Unabhängige Teilhabeberatung weiter.

6. Verwandte Links

Kinder- und Jugendhilfe

Jugendamt

Leistungen für Eltern, Kinder und Jugendliche

 

Gesetzesquelle: §§ 41, 41a SGB VIII

Letzte Bearbeitung: 06.10.2021

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