Wohngeld

1. Das Wichtigste in Kürze

Wohngeld ist ein staatlicher Zuschuss zu den Kosten für Wohnraum für Haushalte mit geringem Einkommen. Dieser Zuschuss wird entweder als Mietzuschuss für Mieter einer Wohnung oder als Lastenzuschuss für Eigentümer eines selbstgenutzten Hauses oder einer Wohnung gewährt.

2. Voraussetzungen

Wohngeld kann jeder beantragen, der einen Wohnraum gemietet oder gekauft hat und diesen selbst benutzt. Das Wohngeld ist abhängig von:

  • der Zahl der Haushaltsmitglieder,
  • deren Gesamteinkommen und
  • der regional unterschiedlichen Höhe der zuschussfähigen Miete oder Belastung.

Anspruchsberechtigt sind Haushalte mit geringem Einkommen, die keine anderen Leistungen beziehen, bei denen bereits Kosten der Unterkunft bei deren Berechnung berücksichtigt wurden.

 

Keinen Anspruch auf Wohngeld haben in der Regel u.a. Empfänger von

Wer solche Leistungen nur als Darlehen bekommt, hat trotzdem einen Anspruch auf Wohngeld.

3. Berücksichtigte Miete und Belastung

3.1. Berücksichtigte Miete

Beim Wohngeld wird als Miete die Kaltmiete inklusive der kalten Nebenkosten berücksichtigt. Nicht berücksichtigt werden:

  • Kosten für Heizung, Warmwasser, Haushaltsenergie
  • Kosten für eine Garage oder einen KFZ-Stellplatz
  • Kosten für die Vermittlung von Pflege- und Betreuungsleistungen, Hausnotrufe, hauswirtschaftliche Versorgung oder Ähnliches, die zusätzlich zum Wohnraum bezahlt werden

In vielen Mietverträgen sind die Nebenkosten nicht aufgeschlüsselt. In diesem Fall werden Pauschalbeträge von den Nebenkosten abgezogen.

Für die Heizkosten wird eine Pauschale gestaffelt nach Anzahl der Haushaltsmitglieder hinzugerechnet.

3.2. Berücksichtigte Belastung bei selbstbewohntem Wohneigentum

Berücksichtigt werden insbesondere:

  • Tilgungsraten für Darlehen, die nur für den Bau, Erwerb oder für die Verbesserung des Wohneigentums aufgenommen wurden
  • Zinsen für diese Darlehen
  • Kosten für etwaige Bürgschaften für solche Darlehen und Nebenkosten für diese Darlehen
  • Erbbauzinsen und ähnliche wiederkehrende Zahlungen zur Eigentumsfinanzierung
  • Betriebskosten als Quadratmeterpauschale
  • Kosten für die Instandhaltung des Wohneigentums
  • Grundsteuer

3.3. Nicht berücksichtigte Miete oder Belastung

Nicht berücksichtigt werden insbesondere:

  • An Dritte, die nicht zum Haushalt gehören, vermietete oder untervermietete Teile des Wohnraums, für den Wohngeld bezogen wird.
  • Räume, in denen Dritte leben, die nicht zum Haushalt gehören, auch wenn diese dafür nichts bezahlen.
  • Bereiche oder Räume die nur für Arbeit oder Beruf genutzt werden. Wer also im eigenen Wohnzimmer oder in der eigenen Küche arbeitet, kann für diese Räume Wohngeld beziehen, wer hingegen ein häusliches Arbeitszimmer dafür nutzt, bekommt für dieses Extrazimmer kein Wohngeld.
  • Die Kosten, die schon durch andere Leistungen wie z.B. nach dem Wohnraumförderungsgesetz gedeckt sind.
  • Miete oder Belastung, die über den Höchstgrenzen liegt. Die Höchstgrenzen richten sich nach der Zahl der Haushaltsmitglieder sowie der Mietenstufe und ergeben sich aus der Anlage 1 des Wohngeldgesetzes (WoGG). Diese finden Sie beim Bundesamt für Justiz unter www.gesetze-im-internet.de > Gesetze/Verordnungen > WoGG > Anlage 1.

3.4. Mietenstufen

Weil die Mieten in den einzelnen Kommunen in Deutschland sehr unterschiedlich hoch sind, gibt es beim Wohngeld 7 verschiedene Mietenstufen. Mietenstufe 1 gilt in Regionen mit sehr niedrigen, Mietenstufe 7 mit sehr hohen Mieten. Eine Liste, die alle deutschen Kommunen ihrer Mietenstufe zuordnet, bietet das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) zum Download an unter www.bmi.bund.de Suchbegriff: Mietstufen > Mietstufen nach Ländern ab dem 1. Januar 2020.

4. Höhe

Wohngeld wird für jeden Einzelfall abhängig von der Haushaltsgröße, dem Einkommen und der Miete bzw. Belastung individuell berechnet. Einen Wohngeldrechner stellt das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) unter www.bmi.bund.de > Themen > Bauen, Stadt & Wohnen > Stadt & Wohnen > Wohngeld & Wohnraumförderung > Wohngeld > Wohngeldrechner (gültig ab 01. Januar 2021) zur Verfügung. Das Wohngeld wird ab dem 1.1.2022 alle 2 Jahre an die Mietpreis- und Einkommensentwicklung angepasst.

 

Das Wohngeld bleibt im Bewilligungszeitraum gleich, jedoch kann eine Erhöhung beantragt werden, wenn

  • Haushaltsmitglieder dazu kommen (z.B. bei der Geburt eines Kindes),
  • die zu berücksichtigende Miete oder Belastung (abzüglich der Beträge zur Entlastung bei den Heizkosten) um mehr als 15 Prozent steigt,
  • das Gesamteinkommen um mehr als 15 Prozent sinkt.

 

Umgekehrt wird das Wohngeld von Amts wegen gesenkt, wenn

  • mindestens 1 Haushaltsmitglied wegfällt (z.B. Auszug eines Kindes),
  • die zu berücksichtigende Miete oder Belastung (abzüglich der Beträge zur Entlastung bei den Heizkosten) um mehr als 15 Prozent sinkt,
  • das Gesamteinkommen um mehr als 15 Prozent steigt.

Wohngeldempfänger müssen solche relevanten Änderungen unaufgefordert mitteilen.

5. Dauer

Das Wohngeld wird in der Regel für 12 Monate gewährt und muss möglichst vor Ablauf der Bezugszeit neu beantragt werden.

6. Freibeträge bei Schwerbehinderung, für Alleinerziehende und bei Grundrente

Bei schwerbehinderten Menschen wird bei der Ermittlung des für das Wohngeld maßgeblichen Jahreseinkommens ein Freibetrag von 1.800 € abgezogen (§ 17 Abs. 1 Nr. 1 WoGG):

 

Einen Freibetrag von 1.320 € gibt es für Alleinerziehende, wenn

  • der Wohngeldberechtigte allein mit einem oder mehreren Kindern zusammenwohnt
    und
  • mindestens eines der Kinder minderjährig ist und Kindergeld für es gezahlt wird.

 

Ab 2021 gibt es erstmalig die Grundrente. Damit dieser Zuschlag auf die Rente bei anspruchsberechtigten Wohngeldempfängern nicht zu Kürzungen der Sozialleistung führt, wird zusätzlich ein Freibetrag von max. 223 € (50 % der Regelbedarfsstufe 1) gewährt. Der Freibetrag soll sicherstellen, dass der Grundrentenzuschlag beim Wohngeld nicht voll als Einkommen angerechnet wird. Näheres unter Grundrente.

7. Praxistipps

8. Wer hilft weiter?

Der Antrag auf Wohngeld erfolgt bei der Wohngeldstelle des örtlichen Landratsamts oder der kreisfreien Stadt, die auch weitere Auskünfte erteilt. Hier können auch die aktuellen Wohngeldtabellen eingesehen werden. Die Stadt- oder Gemeindeverwaltung des Wohnorts nennt die zuständige Stelle bzw. das zuständige Amt für Wohngeld.

9. Verwandte Links

Wohnumfeldverbesserung

Wohnberechtigungsschein

Sozialhilfe > Miete und Heizung

Mietschulden

Wohnungshilfe

Wohnraumförderung

Wohnen im Alter

Behinderung

Grundrente


Gesetzesquelle: WoGG

Letzte Bearbeitung: 28.07.2021

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