Regelsätze

1. Das Wichtigste in Kürze

Die Regelsätze sind eine Pauschale, die bei der Berechnung der Hilfe zum Lebensunterhalt, der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung im Rahmen der Sozialhilfe sowie der Grundsicherung für Arbeitsuchende (Arbeitslosengeld II und Sozialgeld, umgangssprachlich "Hartz IV") für den größten Teil des Bedarfs eines Menschen angesetzt werden. Nicht Teil der Regelsätze sind z.B. Kosten der Unterkunft und Heizung, bestimmte Mehrbedarfe und Leistungen für Bildung und Teilhabe. Dafür gibt es zusätzliche Leistungen.

2. Umfang

Es gelten einheitliche Regelsätze für die Sozialhilfe (Hilfe zum Lebensunterhalt und Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung) und die Leistungen nach dem SGB II, also Arbeitslosengeld II und Sozialgeld (umgangssprachlich "Hartz IV"). Die laufenden Leistungen nach den Regelsätzen sollen den Regelbedarf abdecken. Unter anderem folgende Dinge müssen Betroffene aus ihrem Regelsatz finanzieren:

  • Ernährung
  • Kleidung
  • Körperpflege
  • Hausrat
  • Haushaltsenergie, z.B. elektrischen Strom und Gas zum Kochen (ohne Heizung und Warmwasser aus der Heizanlage)
  • Medikamente und Zuzahlungen zu Medikamenten
  • Mobilität, z.B. mit PKW, Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Internet, Telefon und Post
  • Freizeit, Unterhaltung (inklusive Spielwaren), Kultur, Sport
  • Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Fernsehen
  • Bildung
  • Hygieneartikel
  • Gaststättenbesuche, Urlaub

Für folgende nicht durch die Regelsätze abgedeckte Bedarfe gibt es zusätzliche Leistungen:

3. Höhe

Seit 1.1.2022 gelten folgende Regelsätze:

Regel-
bedarfsstufe

Regelsätze für

Höhe

1

Volljährige Alleinstehende oder Alleinerziehende

449 €

2

Volljährige Ehe- oder Lebenspartner in einer Bedarfsgemeinschaft jeweils

404 €

3

Volljährige in Einrichtungen (nach SGB XII) sowie
nicht-erwerbstätige Erwachsene unter 25 Jahre im Haushalt der Eltern jeweils

360 €

4

Jugendliche vom 14. bis zum 18. Geburtstag jeweils

376 €

5

Kinder vom 6. bis zum 14. Geburtstag jeweils

311 €

6

Kinder bis zum 6. Geburtstag jeweils

285 €

 

3.1. Kürzung der Regelsätze

3.1.1. Kürzungen der Sozialhilfe

Für Leistungen der Sozialhilfe gilt:

  • Die Regelsätze können in einer ersten Stufe um bis zu 25 % gekürzt werden, z.B. bei Weigerung des Sozialhilfeempfängers, eine zumutbare Tätigkeit aufzunehmen oder an einer erforderlichen Vorbereitung teilzunehmen (§ 39a SGB XII).
  • Bei wiederholter Ablehnung kann jeweils weiter in 25-%-Stufen gekürzt werden.

Diese Regelung wird selten angewendet, weil erwerbsfähige Menschen normalerweise keine Sozialhilfe, sondern Leistungen nach dem SGB II (Arbeitslosengeld II) im Rahmen der Grundsicherung für Arbeitsuchende (umgangssprachlich "Hartz IV") bekommen. Sie betrifft aber Erwerbsfähige, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bekommen, für die die Regeln der Sozialhilfe entsprechend gelten.

3.1.2. Kürzungen beim Arbeitslosengeld II und Sozialgeld

Für die Leistungen nach dem SGB II, also Arbeitslosengeld II und Sozialgeld ("Hartz IV") galt, dass Kürzungen um bis zu 30 % möglich sind, sog. Sanktionen. Näheres unter Arbeitslosengeld II und Sozialgeld und Grundsicherung für Arbeitsuchende.

Von 1.7.22 bis 30.6.23 gilt ein sog. Sanktionsmoratorium. Vorübergehend sind nur noch Sanktionen in Höhe von 10 % des Regelsatzes möglich und zwar nur bei einem wiederholten Meldeversäumnis, d.h. wenn mehr als einmal ein Termin beim Jobcenter ohne ausreichende Entschuldigung versäumt wurde. Langfristig soll das sog. Bürgergeld die bisherigen Leistungen nach dem SGB II ersetzen.

3.1.3. Praxistipp

Das Bundesverfassungsgericht hat im Jahr 2019 entschieden, dass im Bereich der Grundsicherung für Arbeitsuchende Sanktionen von mehr als 30 % des Regelsatzes in der Regel verfassungswidrig sind. Darum sind Kürzungen von mehr als 30 % wahrscheinlich auch im Rahmen der Sozialhilfe nicht rechtmäßig. Sind Sie von einer Kürzung von mehr als 30 % betroffen, sollten Sie daher Widerspruch einlegen und ein Eilverfahren vor dem Sozialgericht durchführen. Anwaltliche Hilfe dafür gibt es über die Beratungshilfe und die Prozesskostenhilfe.

3.2. Abweichende Festsetzung des Regelsatzes

Bei der Sozialhilfe gilt:

Die Regelsätze müssen bei einem individuellen Bedarf, der laufend (nicht nur einmalig, voraussichtlich länger als einen Monat) höher ist als der durchschnittliche Bedarf (§ 27a Abs. 4 SGB XII) höher angesetzt werden. Dieser höhere Bedarf muss im Einzelfall nachgewiesen werden und er muss "unabweisbar" sein, d.h.: Es gibt keine andere Möglichkeit, die Absicherung einer menschenwürdigen Existenz kostengünstiger zu erreichen. Beispiele:

  • Erhöhte Fahrtkosten, damit ein nicht sorgeberechtigter Elternteil seine Kinder besuchen kann.
  • Mehrkosten bei altersbedingten Schwierigkeiten (z.B. Fahrten zur Grabpflege).
  • Hohe Kosten durch Über- und Sondergrößen bei Bekleidung und Schuhen.

Wird der Bedarf nachweisbar anderweitig gedeckt, kann es auch zu einer Absenkung des Regelsatzes kommen. Dies findet z.B. dann statt, wenn im Rahmen der Kosten der Unterkunft eine Inklusivmiete übernommen wird, in der bereits Stromkosten berücksichtigt sind. Die Stromkosten werden dann aus dem Regelsatz herausgerechnet.

Bei den Leistungen nach dem SGB II ("Hartz IV") gilt:

Der Regelsatz wird nicht angepasst, aber ergänzend werden Mehrbedarfe berücksichtigt. Näheres unter Mehrbedarfszuschläge.

4. Praxistipps

5. Wer hilft weiter?

Individuelle Auskünfte erteilen das Jobcenter und das Sozialamt.

6. Verwandte Links

Sozialhilfe

Sozialamt

Arbeitslosengeld II und Sozialgeld

Grundsicherung für Arbeitsuchende

 

Rechtsgrundlagen: §§ 20, 23 SGB II; §§ 28, 28a SGB XII

Letzte Bearbeitung: 01.07.2022

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