Mehrbedarfszuschläge

1. Das Wichtigste in Kürze

Hilfebedürftige, die Sozialhilfe erhalten, können unter gewissen Voraussetzungen zusätzlich zum Regelsatz weitere finanzielle Zuschläge erhalten (= Mehrbedarfszuschläge). Diese zusätzliche finanzielle Unterstützung ist z.B. bei Schwangerschaft, Alleinerziehung eines Kindes oder Behinderung möglich. Die Höhe errechnet sich prozentual vom Regelsatz der Sozialhilfe.

2. Allgemeine Voraussetzungen zum Erhalt von Mehrbedarfszuschlägen

In bestimmten Situationen gibt die Sozialhilfe zusätzlich zum Regelsatz weitere finanzielle Unterstützung. Folgende Personen können Mehrbedarfszuschläge erhalten:

  1. Bezieher von Grundsicherung für Arbeitssuchende (Arbeitslosengeld II und Sozialgeld, bei Erwerbsfähigkeit)
  2. Bezieher von Leistungen der Sozialhilfe (Hilfe zum Lebensunterhalt oder Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, bei Erwerbsunfähigkeit)

2.1. Voraussetzungen der Grundsicherung für Arbeitssuchende

Die Voraussetzungen und weitere Erklärungen zu den Mehrbedarfszuschlägen bei Bezug von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) unter Arbeitslosengeld II und Sozialgeld.

2.2. Voraussetzungen der Sozialhilfe

Mehrbedarfszuschläge gibt es zusätzlich zum Regelsatz der Sozialhilfe bzw. der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung.

Mehrere Mehrbedarfszuschläge zusammen dürfen maximal so hoch sein wie der maßgebende Regelsatz. Nur der Mehrbedarf zur Warmwassererzeugung darf darüber hinausgehen.

3. Wer bekommt Mehrbedarfszuschläge in welcher Höhe

Die Höhe errechnet sich prozentual aus dem jeweils maßgebenden Regelsatz der Sozialhilfe, Näheres unter Regelsätze der Sozialhilfe.

3.1. Merkzeichen G und aG

Personen, die

und Merkzeichen G oder Merkzeichen aG in ihrem Schwerbehindertenausweis haben: Mehrbedarfszuschlag von 17 % des maßgebenden Regelsatzes.

3.2. Schwangere

Schwangere mit Beginn der 13. Schwangerschaftswoche: Mehrbedarfszuschlag von 17 % des maßgebenden Regelsatzes.

3.3. Alleinerziehende

Alleinerziehende, die mit einem oder mehreren minderjährigen Kindern zusammenleben und diese(s) versorgen:

  • für ein Kind unter 7 Jahren oder für 2 bzw. 3 Kinder unter 16 Jahren: Mehrbedarfszuschlag 152,64 € monatlich (= 36 % der Regelbedarfsstufe 1).
  • für jedes Kind, das die oberen Voraussetzungen nicht erfüllt: Mehrbedarfszuschlag 50,88 €, insgesamt maximal 254,40 € monatlich (= 12 % bis max. 60 % der Regelbedarfsstufe 1).

3.4. Menschen mit Behinderungen: Eingliederungshilfe

Menschen mit Behinderungen über 14 Jahren, die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen zur Schul- oder Ausbildung erhalten, erhalten einen Mehrbedarfszuschlag von 35 % des maßgebenden Regelsatzes (Regelsätze der Sozialhilfe).

Der Mehrbedarf kann bei nachgewiesenem Bedarf auch höher sein und kann für eine angemessene Übergangszeit nach der Schul- oder Ausbildung gewährt werden. Den Mehrbedarf gibt es nicht gleichzeitig mit dem Mehrbedarf bei Merkzeichen aG.

3.5. Kranke, Genesende, Menschen mit Behinderungen: aufwendige Ernährung

Kranke und Genesende, Menschen mit Behinderungen oder von einer Krankheit oder Behinderung bedrohte Menschen, die einer kostenaufwendigeren Ernährung bedürfen, erhalten Krankenkostzulage in angemessener Höhe nach den Richtlinien der Sozialämter und in der Regel unter Vorlage eines ärztlichen Attestes. Näheres unter Krankenkostzulage.

3.6. Warmwassererzeugung in der Wohnung

Die Kosten für Warmwasser gehören normalerweise zu Unterkunft und Heizung, Näheres unter Sozialhilfe > Miete und Heizung. Aber bei einer dezentralen Warmwasserversorgung (Durchlauferhitzer, Boiler) werden diese Kosten als Mehrbedarf abgerechnet.

Die Höhe des Mehrbedarfs für Warmwassererzeugung richtet sich nach dem Regelbedarf der jeweiligen Regelbedarfsstufe (Regelsätze der Sozialhilfe).

Regelbedarfsstufe

Mehrbedarf für Warmwasser

1

Volljährige Alleinstehende oder Alleinerziehende

9,75 € (2,3 % der Regelbedarfsstufe 1)

2

Volljährige Ehe- oder Lebenspartner in einer Bedarfsgemeinschaft
(= gemeinsamer Haushalt) jeweils

8,79 € (2,3 % der Regelbedarfsstufe 2)

3

Sonstige Volljährige in einer Bedarfsgemeinschaft jeweils

7,80 € (2,3 % der Regelbedarfsstufe 3)

4

Jugendliche vom 14. bis zum 18. Geburtstag jeweils

4,51 € (1,4 % der Regelbedarfsstufe 4)

5

Kinder vom 6. bis zum 14. Geburtstag jeweils

3,62 € (1,2 % der Regelbedarfsstufe 5)

6

Kinder bis zum 6. Geburtstag jeweils

1,96 € (0,8 % der Regelbedarfsstufe 6)

4. Praxistipps

  • Individuell höherer Bedarf
    Der Regelbedarf ist mit den Regelsätzen abgedeckt und der ergänzende Mehrbedarf ist eindeutig festgelegt. Hat jedoch ein Sozialhilfeempfänger einen individuellen Bedarf, der laufend (nicht nur einmalig) höher ist als der durchschnittliche Bedarf, muss der Sozialhilfeträger diesen besonderen Bedarf anerkennen und einen abweichenden Regelsatz festsetzen (§ 27a Satz 4 SGB XII), Näheres unter Regelsätze der Sozialhilfe.
  • Einmalige Bedarfe der Sozialhilfe
    Zudem können als Leistung der Sozialhilfe unter gewissen Voraussetzungen auch einmalige Bedarfe (in Form von Pauschalbeträgen) beantragt werden. Näheres unter Sozialhilfe > Einmalige Leistungen.

5. Wer hilft weiter?

Individuelle Auskünfte erteilt das Sozialamt.

6. Verwandte Links

Sozialhilfe

Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung

Regelsätze der Sozialhilfe

Hilfe zum Lebensunterhalt

Krankenkostzulage


Gesetzesquelle: § 30 SGB XII

Letzte Bearbeitung: 15.08.2019

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