Epilepsie > Familienplanung

1. Das Wichtigste in Kürze

Antiepileptika können die Wirkung einer Antibaby-Pille reduzieren. Bezüglich Schwangerschaft, Geburt und Stillen sollten sich Patientinnen und Partner eng mit ihrem Arzt abstimmen. Kinder von Epilepsie-Patienten haben nur ein leicht erhöhtes Risiko, an Epilepsie zu erkranken. Da die Mehrzahl der Schwangerschaften problemlos verlaufen, gibt es keine Gründe, warum eine an Epilepsie erkrankte Frau keine Kinder bekommen sollte.

2. Verhütung

Die Wirksamkeit von hormonellen Verhütungsmethoden (z.B. Pille) kann durch die Einnahme bestimmter Antiepileptika herabgesetzt sein, sodass kein sicherer Verhütungsschutz mehr besteht. Dies sollte mit den behandelnden Ärzten besprochen und gegebenenfalls nach Alternativen gesucht werden.

3. Kinderwunsch

3.1. Risiken

Kinder von epilepsiekranken Eltern haben ein etwas höheres Risiko an Epilepsie zu erkranken als Kinder gesunder Eltern. Die Krankheit selbst wird nicht über die Gene übertragen, jedoch kann die Veranlagung für bestimmte Risikofaktoren an das Kind weitergegeben werden, d.h., dass lediglich die Neigung zu Anfällen vererbt werden kann. Wenn beide Elternteile an Epilepsie erkrankt sind, steigt das Risiko.

Für epilepsiekranke Mütter besteht ein leicht erhöhtes Risiko, dass Fehlbildungen beim Kind auftreten. Unbegründet ist dagegen die Befürchtung, dass die eingenommenen Antiepileptika von epilepsiekranken Männern zu einer Fehlbildung bei ihrem Kind führen können. Zur Vorbeugung von Fehlbildungen sollten Frauen, in Absprache mit dem Gynäkologen, ausreichend Folsäure zu sich nehmen und Vorsorgeuntersuchungen inkl. Ultraschalldiagnostik wahrnehmen.

Um potentielle Risiken zu vermeiden, sollten epilepsiekranke Frauen und ihre Partner bei Kinderwunsch unbedingt ausführlich mit dem behandelnden Neurologen und Gynäkologen sprechen.

3.2. Fruchtbarkeit

Antiepileptische Medikamente und die Krankheit selbst können bei Frauen zu einer verminderten Fruchtbarkeit führen, da sie häufig unter Menstruationsstörungen, z.B. Zwischenblutungen und dem Ausbleiben der Regelblutung, leiden.

Aufgrund von Spermienveränderungen kann auch bei Männern die Fruchtbarkeit herabgesetzt sein. Zudem können sexuelle Funktionsstörungen, z.B. der Verlust des sexuellen Interesses sowie Orgasmus- oder Erektionsstörungen, vorliegen. Ursache dafür können z.B. antiepileptische Medikamente oder psychische Begleiterkrankungen sein.

Betroffene sollten ihre Probleme unbedingt mit dem behandelnden Arzt besprechen, damit die Ursache der Funktionsstörung gefunden werden kann. Unter Umständen kann auf ein anderes Antiepileptikum ausgewichen werden. Spielen psychische Konfliktsituationen eine Rolle, kann eine psychotherapeutische Beratung oder Behandlung, evtl. in Form einer Paartherapie, hilfreich sein.

4. Schwangerschaft

Um Anfällen während der Schwangerschaft vorzubeugen, sollte die Patientin schon vor der Schwangerschaft optimal medikamentös eingestellt sein. Gefährlich kann es für die werdende Mutter werden, wenn ohne ärztliche Rücksprache die Medikation reduziert oder abrupt abgesetzt wird. Dies fördert Anfallsserien und kann bei Stürzen die Mutter und das Ungeborene verletzen. Um das Anfallsrisiko im Blick zu haben, empfiehlt sich eine regelmäßige Blutuntersuchung beim zuständigen Arzt.

5. Geburt

In der Regel verläuft die Entbindung bei Müttern mit Epilepsie nicht anders als bei anderen Müttern auch. Mit einem Kaiserschnitt wird normalerweise nur entbunden, wenn die Mutter vor und während der Geburt sehr häufig Anfälle hat.

Manche Medikamente beeinflussen die Blutgerinnung der Mutter und des Babys. Dies muss von den behandelnden Ärzten berücksichtigt werden, in der Regel wird Vitamin K verabreicht.

6. Stillen

Bei epilepsiekranken Müttern ist Stillen in der Regel problemlos möglich. Die Epilepsiemedikamente finden sich zwar auch in der Muttermilch, aber in sehr niedriger Konzentration. Nur wenige Antiepileptika verursachen Nebenwirkungen beim Baby, z.B. zu starke Schläfrigkeit, Antriebsarmut oder Trinkschwäche. Bei Verdacht auf Nebenwirkungen sollte die Medikamentenkonzentration beim Baby untersucht und gegebenenfalls schrittweise abgestillt werden.

7. Wochenbett

Bei einigen Epilepsieformen löst Schlafentzug Anfälle aus. Wenn ein Elternteil an einer solchen Epilepsieform leidet, sollte dieser sehr auf seine Nachtruhe achten. Die nächtliche Betreuung des Kindes sollte dann der gesunde Elternteil oder eine andere nahestehende Person übernehmen. Ist die stillende Mutter betroffen, kann es sinnvoll sein, Milch tagsüber auf Vorrat abzupumpen, um die Nachtruhe zu sichern.

Bei hoher Anfallshäufigkeit eines Elternteils sollten bestimmte Maßnahmen ergriffen werden, um das Kind nicht zu gefährden und die Unfallgefahr zu reduzieren:

  • Beim Füttern so sitzen oder liegen, dass das Kind nicht herunterfallen kann.
  • Das Baby nicht alleine baden.
  • Das Baby auf dem Boden wickeln.
  • Ein Tragetuch verwenden, aus dem das Baby nicht herausfallen kann.

8. Hilfen zur Betreuung von Kindern

Unter den folgenden Links finden Sie allgemeine Hilfen und Entlastungsmöglichkeiten bei der Kinderbetreuung:

9. Praxistipp

10. Verwandte Links

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Letzte Bearbeitung: 03.06.2020

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