Epilepsie > Behandlung

1. Das Wichtigste in Kürze

Es gibt verschiedene Formen der Epilepsie, entsprechend unterschiedlich ist die Behandlung. Wichtig ist daher eine genaue Bestimmung des vorliegenden Anfallstyps, denn Epilepsie ist behandelbar und wenn die Ursache bekannt ist, kann möglicherweise Anfallsfreiheit erreicht werden. Wichtig ist allerdings, die Therapie konsequent einzuhalten.

Mögliche Behandlungsverfahren sind:

  • Medikamente
  • Operationen, Neurostimulationen
  • Ergänzende Verfahren
  • Patientenschulungen

 

Die nachfolgenden Informationen geben nur einen kurzen Einblick, der das Verständnis für die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten erhöhen soll. Sie können keinesfalls die ärztliche Diagnose und Therapieentscheidungen ersetzen.

2. Medikamentöse Behandlung

Die meisten Patienten werden mit Medikamenten behandelt, sog. Antiepileptika oder Antikonvulsiva. Genau betrachtet gibt es keine "Antiepileptika", denn die Medikamente wirken nicht gegen die Epilepsie, sondern nur gegen die Anfälle, also als "Antikonvulsiva".

Wenn die medikamentöse Einstellung gut gelingt, können Anfälle deutlich reduziert werden oder bleiben bei etwa zwei Drittel der Patienten ganz aus.

Viele Antiepileptika haben mehr oder weniger starke Nebenwirkungen. Bei der Einstellung auf ein Medikament geht es deshalb auch oft darum, zwischen positiven Wirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen abzuwägen. Dies sollte immer in enger Absprache zwischen Arzt und Patient erfolgen.

Bei einer medikamentösen Behandlung müssen die Antiepileptika regelmäßig eingenommen werden und dürfen, selbst nach einer langen anfallsfreien Zeit, nur in Absprache mit dem Arzt abgesetzt werden. Sonst besteht die Gefahr, dass die Anfälle nach einigen Monaten oder Jahren wiederkommen. Gut die Hälfte der Patienten müssen ihre Medikamente lebenslang einnehmen.

Patienten ab 18 Jahren müssen für viele Medikamente Zuzahlungen in Höhe von 10 % des Abgabepreises bezahlen, mindestens 5 € und maximal 10 €.

3. Operationen, Neurostimulationen

Wenn 2 Behandlungsversuche mit Medikamenten versagen, sollte bei bestimmten Epilepsiearten über eine Operation nachgedacht werden. Die Entscheidung für eine Operation ist sehr komplex und sollte in enger Absprache zwischen Patient, gegebenenfalls den Eltern (bei Kindern und Jugendlichen) und Ärzten gefällt werden. Schon in diese Entscheidungsfindung sollte frühzeitig ein zertifiziertes epilepsiechirurgisches Zentrum eingebunden werden (siehe unten). Nach 5 Jahren erfolgloser medikamentöser Behandlung sollte die Möglichkeit einer Operation auf jeden Fall geprüft werden. Eine Operation sollte nur von zertifizierten epilepsiechirurgischen Zentren durchgeführt werden.

Abhängig von der betroffenen Hirnregion sind folgende Operationsmethoden möglich:

  • Resektive Verfahren
    Die betroffenen Hirnabschnitte werden komplett entfernt. Dies ist nur möglich, wenn der Anfallsort ("Herd") genau bestimmt werden kann, und wenn durch die Operation keine wichtigen Funktionen, z.B. das Gedächtnis, beeinträchtigt werden. In vielen Fällen führt dieses Verfahren zur Anfallsfreiheit.
  • Vagusnerv-Stimulation (VNS)
    Bei einer Operation wird ein Generator unterhalb des Schlüsselbeins eingesetzt, von dort eine Elektrode zum Hals geführt und an den Vagusnerv angelegt. Die Elektrode gibt regelmäßige Stromimpulse an den Nerv (ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher). Dieses Verfahren kann die Anfallshäufigkeit und die Schwere der Anfälle reduzieren. Die Impulsstärke und -häufigkeit kann von außen mit einem Sender reguliert werden. Manche Patienten, die einen kommenden Anfall spüren, können diesen unter Umständen auch noch unterbrechen.
    Es gibt seit einigen Jahren auch eine VNS durch die Haut (transkutan, t-VNS), ohne Operation. Der Generator wird dann außen getragen, die Impulse an den Vagusnerv gibt eine Elektrode im Ohr. Die Kosten für das t-VNS-Gerät werden nicht von der Krankenkasse übernommen.
  • Tiefe Hirnstimulation
    Dies ist ein neueres Verfahren, bei dem Elektroden ins Gehirn implantiert werden, um bestimmte Bereiche elektrisch zu stimulieren. Dadurch können Anfälle reduziert oder abgeschwächt werden.
  • Palliative Verfahren (Kallosotomie)
    "Palliativ" heißt "lindernd", das heißt: Bei diesen Eingriffen werden die Anfälle weniger gravierend, vor allem Stürze sollen verhindert werden. Beim Eingriff werden bestimmte Hirnverbindungen durchtrennt. Das hat Folgen für die Hirnleistung. Deshalb steht das Verfahren am Ende der Therapiekette.

4. Ergänzende (komplementäre) Verfahren

Verschiedene weitere Behandlungsansätze wie Ernährungsumstellung, Homöopathie, Akupunktur oder Lichttherapie können die Epilepsie-Therapie ergänzen, aber nicht ersetzen. Die Effekte der Methoden sind umstritten, nur für die ketogene Diät bei Kindern gibt es Wirkungsnachweise und damit eine Empfehlung.

Wenn Betroffene sich für ein ergänzendes Verfahren entscheiden, sollten sie dies immer mit dem behandelnden Facharzt abstimmen.

  • Ketogene Diät
    Ketogene Diät ist eine Ernährung mit wenig Kohlehydraten und viel Fett. Sie kann bei manchen Kindern helfen, die auf andere Behandlungsversuche nicht ansprechen und bei denen eine Operation nicht möglich ist. Eine ketogene Diät ist komplex und aufwendig und muss in enger Absprache mit Arzt und Diätassistentin individuell berechnet, durchführt und kontrolliert werden.
  • Modifizierte Atkins-Diät
    Verwandt mit der ketogenen Diät, aber weniger strikt und leichter einzuführen.
  • Biofeedback, Neurofeedback
    Die EEG-Biofeedback-Methode zielt darauf ab, dass die Hirnströme des Patienten sichtbar gemacht werden und dass er erlernt, sie willentlich zu beeinflussen. Das Erlernen der Methode ist komplex und aufwändig. Die Effekte sind wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.
  • Anfallsselbstkontrolle
    Da ein Anfall häufig erst durch ein Zusammentreffen verschiedener Faktoren, z.B. bestimmte Schlafgewohnheiten oder Stress, ausgelöst wird, kann eine sorgfältige Beobachtung und Dokumentation dazu beitragen, Anfälle zu vermeiden. Dadurch kann herausgefunden werden, ob Anfälle besonders häufig in Entspannungsphasen oder in Anspannungsphasen und Stresssituationen auftreten, oder ob sie sich kurze Zeit vorher durch eine Aura ankündigen.

Psychotherapie

Epileptische Anfälle gehen häufig einher mit Depressionen oder Angststörungen. In der Regel sind diese Belastungen psychotherapeutisch gut behandelbar.

Wenn man in absehbarer Zeit keinen Termin bei einem Psychotherapeuten erhält, kann man sich an die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) wenden. Dort erhält man innerhalb von 4 Wochen einen Termin für eine psychotherapeutische Sprechstunde in zumutbarer Entfernung. Dabei wird geklärt, ob anschließend eine Psychotherapie durchgeführt werden sollte. Ein Anspruch auf einen „Wunsch-Therapeuten“ besteht hierbei nicht und es ist nicht garantiert, dass im Anschluss an die Sprechstunde übergangslos eine Psychotherapie erfolgen kann.

5. Patientenschulungen

Patientenschulungen (Psychoedukation) sollen Betroffenen helfen, ihre Krankheit zu verstehen, um mit den Einschränkungen im Alltag besser zurechtzukommen. Wichtige Bestandteil einer Epilepsie-Patientenschulung sind:

  • Informationen über Diagnoseverfahren,
  • Therapiemöglichkeiten,
  • Hilfe zur Selbsthilfe,
  • Anfallsvermeidung durch Selbstkontrolle und
  • Umgang mit der Angst vor einem Anfall und Reaktionen aus dem Umfeld.

Patientenschulungen orientieren sich an der individuellen Erkrankungsform, den Belastungen, den individuellen Möglichkeiten des Patienten und seiner Lebenssituation. Sie können während eines stationären Aufenthalts (z.B. in einem Epilepsiezentrum, siehe unten) oder außerhalb einer Klinik stattfinden. Stationär entstehen dem Patienten keine Kosten, im ambulanten Bereich werden die Kosten in den meisten Fällen von der Krankenkasse übernommen.

5.1. Praxistipps

  • Es gibt mehrere Anbieter von Patientenschulungen: Ein Konzept ist die MOSES-Schulung für Patienten ab 16 Jahren und deren Angehörige, analog dazu gibt es die Familienschulung famoses für Patienten zwischen 7 und 12 Jahren. Informationen unter www.moses-schulung.de und www.famoses.de.
  • Für Epilepsiepatienten, die zusätzlich eine Lern- oder geistige Behinderung haben, gibt es z.B. die PEPE-Schulung. Informationen für Trainer unter www.bethel-regional.de > Suche nach "Pepe". Kurstermine finden Sie im Internet mit der Suche nach "Pepe-Schulungen bei Epilepsie".

6. Behandlungszentren für Epilepsie

6.1. Epilepsie-Ambulanzen

Epilepsie-Ambulanzen sind regionale Spezialeinrichtungen, die für Problemfälle bei Epilepsie zuständig sind:

  • Klärung diagnostischer Zweifelsfälle.
  • Therapie von Patienten, die trotz Behandlung weiterhin Anfälle bekommen.
  • Beratung von Patienten zu Schwangerschaft und Geburt, Sport und Reisen, Führerschein, medizinrechtlichen und versicherungsrechtlichen Fragen.
  • Sozialmedizinische Beratung zu Schule, Ausbildung, Arbeitsplatz, Rehabilitation, Schwerbehindertenstatus und persönlicher Entwicklung.

Epilepsie-Ambulanzen sind an neurologische, pädiatrische und psychiatrische Kliniken oder Fachabteilungen von Krankenhäusern angeschlossen. Die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V. bietet eine Übersicht aller Epilepsie-Ambulanzen unter www.dgfe.info > Informationspool Epilepsie > Adressen & Links > Ambulanzen.

6.2. Epilepsiezentren

Epilepsiezentren können Menschen mit schwer therapierbaren Epilepsien helfen. Ihr Angebot umfasst sowohl eine Epilepsie-Ambulanz als auch stationäre Diagnostik, Therapie (inklusive Epilepsiechirurgie) und Rehabilitation. Epilepsiezentren gibt es für Kinder und für Erwachsene. Die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie bietet eine Übersicht unter www.dgfe.info > Informationspool Epilepsie > Adressen & Links > Epilepsie-Zentren.

7. Praxistipps

8. Verwandte Links

Ratgeber Epilepsie

Epilepsie

Epilepsie > Allgemeines

Epilepsie > Autofahren

Epilepsie > Beruf

Epilepsie > Familienplanung

Epilepsie > Finanzielle Hilfen

Epilepsie > Kinder

Epilepsie > Medizinische Rehabilitation

Epilepsie > Schwerbehinderung

Epilepsie > Sport

Epilepsie > Urlaub (inklusive Internationaler Epilepsie Notfallausweis)

Letzte Bearbeitung: 11.06.2021

{}Epilepsie > Behandlung{/}{}Epilepsie{/}