Epilepsie > Schwerbehinderung

1. Das Wichtigste in Kürze

Bei Epilepsien kann vom Versorgungsamt ein Grad der Behinderung (GdB) festgestellt werden. Er richtet sich nach Schwere, Häufigkeit und tageszeitlicher Verteilung der Anfälle. Ab einem GdB von 50 gilt ein Mensch als anerkannt schwerbehindert. Menschen mit Behinderungen können bestimmte Hilfen und Nachteilsausgleiche in Anspruch nehmen.

2. Allgemeines

Unterstützung und Hilfen für Menschen mit Behinderungen sind hauptsächlich im SGB IX - Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen geregelt. Nachfolgend Links zu den allgemeinen Regelungen:

3. Versorgungsmedizinische Grundsätze

Das Versorgungsamt richtet sich bei der Feststellung der Behinderung nach den Versorgungsmedizinischen Grundsätzen. Diese enthalten allgemeine Beurteilungsregeln und Einzelangaben über die Höhe des GdB bzw. Grad der Schädigungsfolgen (GdS). Es handelt sich dabei nur um einen Orientierungsrahmen; die Berechnung ist vom individuellen Einzelfall abhängig.

Die Versorgungsmedizinischen Grundsätze können in der „Versorgungsmedizin-Verordnung“ beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter www.bmas.de > Service > Medien > Publikationen gefunden werden.

4. Anhaltswerte für epileptische Anfälle

Hier die Angaben zu epileptischen Anfällen, je nach Art, Schwere, Häufigkeit und tageszeitlicher Verteilung. Epileptische Anfälle können auch infolge eines Schädel-Hirn-Traumas ausgelöst werden.

Epileptische Anfälle

GdB/GdS

Sehr selten: generalisierte (große) und komplex fokale Anfälle mit Pausen von mehr als einem Jahr; kleine und einfach-fokale Anfälle mit Pausen von Monaten

40

Selten: generalisierte (große) und komplex fokale Anfälle mit Pausen von Monaten; kleine und einfach-fokale Anfälle mit Pausen von Wochen

50-60

Mittlere Häufigkeit: generalisierte (große) und komplex fokale Anfälle mit Pausen von Wochen; kleine und einfach-fokale Anfälle mit Pausen von Tagen

60-80

Häufig: generalisierte (große) und komplex fokale Anfälle wöchentlich oder Serien von generalisierten Krampfanfällen; kleine und einfach-fokale Anfälle täglich

90-100

Nach weiteren 3 Jahren Anfallsfreiheit bei weiterer antikonvulsiver Behandlung

30

Ein Anfallsleiden gilt als abgeklungen, wenn ohne Medikation 3 Jahre Anfallsfreiheit vorliegen. Ohne nachgewiesenen Hirnschaden ist dann kein GdB/GdS mehr anzunehmen.

Liegen mehrere Funktionsstörungen vor, so werden die einzelnen Werte nicht zusammengerechnet, sondern es werden die einzelnen Auswirkungen der Funktionsbeeinträchtigungen in ihrer Gesamtheit betrachtet und daraus ein Gesamtgrad der Behinderung festgelegt, der der Behinderung insgesamt gerecht wird.

5. Merkzeichen G

Bei hirnorganischen Anfällen sind die Voraussetzungen für das Merkzeichen G im Schwerbehindertenausweis gegeben, wenn es durch die Art und Häufigkeit der Anfälle zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr kommt. Davon kann man ausgehen, wenn es sich um hirnorganische Anfälle ab einer mittleren Anfallshäufigkeit mit einem GdB von mindestens 70 handelt (siehe Tabelle) und diese überwiegend tagsüber auftreten.

6. Merkzeichen B

Wenn ein Patient mit Epilepsie das Merkzeichen G bewilligt bekommen hat kann er auch das Merkzeichen B beantragen. Dies berechtigt den Betroffenen eine Begleitperson im öffentlichen Nahverkehr kostenfrei mitzunehmen.

7. Hilfen und Nachteilsausgleiche für Menschen mit Behinderungen

Für Menschen mit Behinderungen können folgende Hilfen und Nachteilsausgleiche infrage kommen:

Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über alle GdB-abhängigen Nachteilsausgleiche: Tabelle Nachteilsausgleiche.

8. Verwandte Links

Grad der Behinderung

Versorgungsamt

Epilepsie

Epilepsie > Behandlung

Epilepsie > Allgemeines

Epilepsie > Autofahren

Epilepsie > Beruf

Schädel-Hirn-Trauma

Grad der Behinderung bei Hirnschäden

Grad der Behinderung bei Hirnschäden im Kindes- und Jugendalter

Redakteur: Max Glaser

Letzte Bearbeitung: 18.07.2018

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