Osteoporose > Allgemeines

1. Das Wichtigste in Kürze

Osteoporose ist eine Erkrankung des Skeletts, an der in Deutschland jährlich mehr als 800.000 Menschen neu erkranken. Die Osteoporosebehandlung besteht aus

  • medikamentöser Therapie,
  • ausgewogener Ernährung mit ausreichender Zufuhr von Kalzium und Vitamin-D und
  • einem Bewegungsprogramm.

2. Kurzinfo zur Krankheit

Osteoporose, auch "Knochenschwund" genannt, ist eine Stoffwechselerkrankung des Skeletts. Durch Abnahme der Knochenmasse kommt es zu einer Verringerung der Knochendichte. Dadurch erhöht sich das Risiko von Knochenbrüchen, typischerweise an Hüfte, Wirbelsäule und Unterarmen.

In Deutschland sind etwa 6 Millionen Menschen betroffen – mit steigender Tendenz. Damit zählt Osteoporose zu einer der bedeutendsten Volkskrankheiten der heutigen Zeit.

Frauen erkranken im Durchschnitt früher und häufiger an Osteoporose als Männer. Das liegt daran, dass viele Frauen nach den Wechseljahren einen Mangel an Östrogen haben, dem weiblichen Geschlechtshormon, dass eine Schutzfunktion für die Knochen hat. Zudem ist die Struktur der Knochen bei Frauen feiner als bei Männern, was die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Osteoporose bei Frauen zusätzlich erhöht.

Auch ein höheres Lebensalter begünstigt die Entstehung einer Osteoporose. Neben diesen Risikofaktoren hat vor allem der Lebensstil einen großen Einfluss auf die Entstehung der sog. primären Osteoporose. Diese wird nicht durch eine andere Grunderkrankung ausgelöst.

Wenn bestimmte Erkrankungen (z.B. Darm-, Leber- und Nierenerkrankungen, Stoffwechselstörungen oder Störungen des Hormonhaushalts) oder eine medikamentöse Behandlung (z.B. mit Kortison) zur Entstehung einer Osteoporose führen, spricht man von einer sekundären Osteoporose. Hiervon sind jedoch nur etwa 5 % der weiblichen und 20 % der männlichen Osteoporose-Patienten betroffen.

2.1. Osteoporose und Knochenumbau

Die Knochenqualität wird von einem ständigen Auf- und Abbauprozess bestimmt. Bis ungefähr zum 30. Lebensjahr wird mehr Knochenmasse auf- als abgebaut. Ab etwa dem 40. Lebensjahr kehrt sich dieser Prozess um und der Knochen verliert mit zunehmenden Alter mehr Knochenmasse.
Bei Osteoporose findet dieser Abbauprozess übermäßig schnell statt und das Gleichgewicht zwischen Auf- und Abbau ist gestört. Durch einen raschen Zerfall von Knochenmasse werden die inneren Strukturen des Knochens zerstört. Die Knochen werden brüchig, weil sie an Elastizität und Stabilität verlieren. Das kann so weit führen, dass es sogar ohne einen Sturz zu sog. Spontanbrüchen kommt, beispielsweise nur durch das Tragen schwerer Taschen oder kräftiges Niesen.

2.2. Symptome

Eine Osteoporose verläuft oft schleichend und die meisten Patienten haben lange Zeit keine Symptome. In einem späteren Stadium macht sie sich vor allem durch Schmerzen und das vermehrte Auftreten von Knochenbrüchen bemerkbar.

Folgende Symptome treten meist im Zusammenhang mit einer Osteoporose auf:

  • Chronische Rückenschmerzen
  • Abnahme der Körpergröße durch Fehlstellungen und Skelettveränderungen
  • Verkrümmung des Oberkörpers (auch „Rundrücken“ genannt)
  • Auftreten von Knochenbrüchen ohne akuten Anlass (sog. Spontanbrüche)

3. Risikofaktoren

Für die Entstehung einer Osteoporose gibt es verschiedene Risikofaktoren. Manche davon kann man aktiv beeinflussen, andere hingegen nicht.

Beeinflussbare Ursachen:

  • Kalzium- und Vitamin-D-Mangel
  • Hormonstörungen
  • Rauchen
  • Übermäßiger Alkohol- und Koffeinkonsum
  • Untergewicht (BMI < 18,5)
  • Fehlernährung
  • Bewegungsmangel


Nicht oder schwer beeinflussbare Ursachen:

  • Erbliche Veranlagung
  • Alter und Geschlecht
  • Erkrankungen wie z.B. chronisch entzündliche Darm- oder Rheumaerkrankungen, Diabetes Typ 1, Magersucht oder Bulimie
  • Zustand nach Organtransplantation oder Magenentfernung
  • Funktionsstörungen der Nieren, Leber oder Schilddrüse
  • Bestimmte Medikamente (z.B. Antidepressiva, Antiepileptika, Kortison, Zytostatika)

3.1. Praxistipp

Unter www.osd-ev.org > Osteoporose > Osteoporose Test bietet der Osteoporose Selbsthilfegruppen Dachverband einen Osteoporose Test an, der Aufschluss über das individuelle Osteoporose-Risiko geben kann. Eine ärztliche Diagnose kann er natürlich nicht ersetzen.

4. Diagnostik

Häufig wird Osteoporose nicht rechtzeitig erkannt, weil poröse Knochen keine Schmerzen verursachen. Daher wird die Diagnose meist erst nach vermehrten Knochenbrüchen gestellt. Doch je früher eine Osteoporose entdeckt wird, desto besser kann (weiterem) Knochenschwund vorgebeugt werden und Folgeerkrankungen wie schmerzhafte Frakturen, eine Abnahme der Körpergröße und ein Rundrücken können vermieden werden.

Neben einem ausführlichen Patientengespräch mit Erhebung möglicher Risikofaktoren, einer körperlichen Untersuchung sowie bestimmten Laboruntersuchungen ist die Knochendichtemessung eine der sichersten Methoden, um eine Osteoporose zu erkennen.

5. Behandlung

Die Osteoporosebehandlung besteht aus medikamentöser Therapie, ausgewogener Ernährung mit hohem Kalziumanteil (Osteoporose > Ernährung) und einem konsequenten Bewegungsprogramm (Osteoporose > Sport und Rehabilitation).

Ziel der Maßnahmen ist es, eine positive Kalziumbilanz zu erreichen, sodass ausreichend Kalzium im Körper vorhanden ist und dieses nicht aus dem Knochen abgebaut wird. Auch sollen Verformungen der Wirbelkörper und Knochenbrüche verhindert sowie Schmerzen reduziert werden. Das erfordert eine umfassende Diagnostik, eine kontinuierliche, individuelle Behandlung sowie die aktive Mitarbeit des Patienten.

5.1. Medikamentöse Therapie

Je nach Ursache der Erkrankung gibt es verschiedene Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung.

Als Basis-Therapie soll eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D sichergestellt werden. Es stehen aber auch weitere Wirkstoffe zur Verfügung, die entweder den weiteren Knochenabbau bremsen oder den Knochenaufbau fördern. Am häufigsten werden Bisphosphonate eingesetzt, die sich auf den Oberflächen der Knochen anreichern und die knochenabbauenden Zellen (sog. Osteoklasten) hemmen.

Bei Frauen in den Wechseljahren ist in der Regel der Östrogenmangel die Ursache der Osteoporose. Nach den heutigen medizinischen Kenntnissen muss über die Einnahme von Östrogen allerdings sehr sorgfältig und unter Abwägung von Nutzen und Risiken entschieden werden, da sie die Entstehung von für Brustkrebs, Thrombosen und Embolien begünstigen kann. In der Regel ist eine Hormontherapie nur eine Behandlungsoption, wenn andere Medikamente nicht vertragen werden. Alternativ stehen Substanzen wie z.B. Raloxifen und Bazedoxifen zur Verfügung, die die Wirkung von Östrogen nachahmen.

Auch eine Behandlung mit dem Teriparatid-Parathormon kann in Frage kommen, denn dieses biotechnologisch hergestellte Teilstück des körpereigenen Parathormons regt den Knochenstoffwechsel an und unterstützt dadurch die Bildung einer neuen Knochensubstanz. Das Medikament wird als Injektion mit einem „Pen“ vom Patienten selbst unter die Haut von Bauch oder Oberschenkel gespritzt.

Welche Medikamente für den Einzelnen am besten geeignet sind, sollte individuell mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

5.1.1. Praxistipps

5.1.2. Schmerztherapie

Osteoporose kann akute und chronische Schmerzen verursachen, die frühzeitig behandelt werden müssen.

Akute Schmerzen entstehen vor allem nach einem Knochenbruch. Häufig sind die Wirbelkörper betroffen, was zu starken Rückenschmerzen führen kann. Bei akuten Schmerzen werden vor allem Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac eingesetzt, die die Schmerzempfindung senken sollen. Bei starken und stärksten Schmerzen ist auch die kurzfristige Einnahme von Opioiden möglich.

Chronische Schmerzen entstehen vor allem durch Veränderungen der Körperstatik (Rundrücken und verminderte Körpergröße). Durch diese Veränderungen kommt es zu einer Fehlstellung der Wirbelsäule, wodurch Bänder und Sehnen permanent gereizt werden. Die Muskulatur wird überlastet, verspannt sich und löst ihrerseits Schmerzen aus. Die Behandlung chronischer Schmerzen muss individuell angepasst werden und erfordert eine genaue Abstimmung mit dem behandelnden Arzt.

5.2. Selbsthilfe und Beratung für Betroffene und Angehörige

Links zu Informationen sowie Adressen von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen für Osteoporose finden Sie unter Osteoporose > Adressen.

6. Praxistipp Ratgeber

Der kostenlose Ratgeber Osteoporose liefert Informationen zu psychosozialen und sozialrechtlichen Themen bei Osteoporose.

7. Wer hilft weiter?

Bei einem Verdacht auf Osteoporose wenden Sie sich am besten an einen Osteologen, einen Facharzt, der auf Knochen- und Skeletterkrankungen spezialisiert ist.

Zertifizierte Praxen und Kliniken für Osteoporose können beim Wissenschaftlichen Dachverband Osteologie (DVO) unter www.dv-osteologie.org > Zentren > Zentrum DVO gefunden werden.

8. Verwandte Links

Osteoporose

Osteoporose > Arbeit und Rente

Osteoporose > Behinderung

Osteoporose > Ernährung

Osteoporose > Finanzielle Hilfen

Osteoporose > Mobilität und Hilfsmittel

Osteoporose > Sport und Rehabilitation

Osteoporose > Pflege

Osteoporose > Wohnen

Sturzprophylaxe

Knochendichtemessung

Letzte Bearbeitung: 25.06.2020

{}Osteoporose > Allgemeines{/}{}Osteoporose{/}