Chronische Schmerzen > Behandlung und Rehabilitation

1. Das Wichtigste in Kürze

Die Behandlung chronischer Schmerzen hat das Ziel, dass die Schmerzen weniger werden und die Funktionsfähigkeit und Lebensqualität der Patienten sich wieder verbessern. Dafür stehen je nach Ursache der chronischen Schmerzen verschiedene Therapiemöglichkeiten (z.B. Medikamente, Physiotherapie, Psychotherapie) zur Verfügung. Wenn diese Behandlungen keinen Erfolg bringen, kann die sog. multimodale Schmerztherapie Betroffenen weiterhelfen. Leistungen der medizinischen Rehabilitation können Schmerzpatienten darin unterstützen, ihren Gesundheitszustand zu erhalten oder zu verbessern.

2. Medikamente in der Schmerztherapie

Medikamente sind ein wichtiger Teil der Schmerztherapie und bilden häufig die Grundlage für andere Bausteine der Schmerzbehandlung.

Abhängig von der Schmerzart können verschiedene Medikamente eingesetzt werden:

Analgetika

Nichtopioide Analgetika unterdrücken schmerzauslösende Prozesse und werden vor allem bei leichten bis mittelstarken Schmerzen angewendet. Sie wirken fiebersenkend und teilweise entzündungshemmend. Beispiele sind Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Paracetamol und Metamizol.

Opioid-Analgetika wirken vor allem im Gehirn und Rückenmark und hemmen die Schmerzweiterleitung. Näheres unter Opiate und Opioide.

Antidepressiva Antidepressiva wirken an Botenstoffen im Nervensystem und haben schmerzlindernde und entspannende Eigenschaften. Beispiele sind Amitriptylin und Clomipramin.

Antiepileptika/Antikonvulsiva
Antiepileptika/Antikonvulsiva werden insbesondere bei Nervenschmerzen eingesetzt. Sie senken die Aktivitäten geschädigter Nerven und stabilisieren die Zellmembranen. Beispiele sind Gabapentin, Carbamazepin und Pregabalin.
Cannabinoide Cannabinoide sind chemische Verbindungen, die auch im menschlichen Körper vorkommen (sog. Endocannabinoide). Werden dem Körper zusätzliche Cannabinoide zugeführt, wirken sie u.a. schmerzlindernd. Näheres unter Medizinisches Cannabis.
Pflanzliche Schmerzmittel Pflanzliche Schmerzmittel werden teilweise ergänzend zu anderen Schmerzmitteln eingesetzt, um deren Dosis zu senken und dadurch Nebenwirkungen zu verringern. Beispiele sind Arnika, Teufelskralle oder Weidenrinde.

Die Krankenkasse übernimmt bei verordnungspflichtigen Medikamenten in der Regel die Kosten. Bei vielen Medikamenten müssen jedoch Zuzahlungen geleistet werden. Näheres unter Arznei- und Verbandmittel > Zuzahlung und Befreiung.

3. Heilmittel

3.1. Physiotherapie

Physiotherapie hat das Ziel, die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des menschlichen Körpers wiederherzustellen, zu verbessern oder zu erhalten. Bei Schmerzpatienten soll sie vor allem Bewegungsangst und Verspannungen abbauen, Muskeln stärken und ein optimales Bewegungsverhalten trainieren. Auch physikalische Verfahren können helfen, Schmerzen zu lindern.

Zu den physiotherapeutischen Verfahren zählen z.B.:

  • Sport- und Bewegungstherapie, v.a. Dehnungs- und Kräftigungsübungen
  • Thermotherapie:
    • Wärmetherapie, z.B. Fangopackungen, heiße Rolle, heiße Bäder oder warmes Licht
    • Kältetherapie, z.B. Eismassagen oder Kneipp-Therapien
  • Massagen (unterstützend)
  • Elektrotherapie, v.a. die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS)

Beim chronifizierten Schmerzsyndrom (z.B. Nervenschmerzen, Fibromyalgie) beinhaltet eine Verordnung 6 Einheiten, insgesamt in der Regel bis zu einer Gesamtverordnung von 18 Einheiten, davon bis zu 12 Massageeinheiten.

Vielen Schmerzpatienten hilft auch ein gezieltes Training der Muskulatur durch Reha-Sport und Funktionstraining. Dadurch können Schmerzen, die durch Fehlhaltungen und Verspannungen entstehen, reduziert werden.

3.2. Ergotherapie

Ergotherapie unterstützt Patienten, die in ihrer Handlungsfähigkeit, z.B. durch Schmerzen bei bestimmten Bewegungsabläufen, eingeschränkt sind. Durch Beratung und spezifische Übungen sollen die Fähigkeiten der Betroffenen wiederhergestellt werden.

Ziel der Ergotherapie bei Schmerzpatienten ist das Üben von schmerzarmen Bewegungsabläufen oder Ersatzbewegungen, wenn der Schmerz bestimmte Bewegungsabläufe verhindert.

3.3. Kostenübernahme

Die Maßnahmen der Physiotherapie und Ergotherapie sind anerkannte Heilmittel und können vom Arzt verordnet werden. Patienten ab 18 Jahren zahlen 10 % der Kosten plus 10 € je Verordnung zu. Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine Befreiung von der Zuzahlung möglich, Näheres unter Zuzahlungsbefreiung Krankenversicherung.

4. Akupunktur

Die Akupunktur ist eine Behandlungsmethode der traditionellen chinesischen Medizin. Durch Reizung ausgewählter Akupunkturpunkte kann die Weiterleitung von Schmerzimpulsen unterdrückt und die Ausschüttung der schmerzhemmenden Endorphine aktiviert werden. Näheres unter Akupunktur bei chronischem Schmerz.

5. Psychotherapie

Psychische Erkrankungen, vor allem Depressionen, können das Schmerzerleben und die Schmerzempfindlichkeit beeinflussen.

Die Krankenkasse übernimmt bei psychischen Erkrankungen die Behandlungskosten für bestimmte psychotherapeutische Verfahren, Näheres unter Psychotherapie.

Bei chronischen Schmerzen wird in der Regel ein (kognitiv-)verhaltenstherapeutischer Ansatz gewählt. Ziel ist zu lernen, wie Verhaltensweisen, die den Schmerz verstärken, gezielt verändert werden können.

6. Alternative Behandlungsverfahren

Bei Schmerzen werden vor allem Entspannungsmethoden eingesetzt, entweder in der physikalischen oder in der psychologischen Behandlung. Sie reduzieren Verspannungen und Stress, wirken auf Körper und Seele und können den Schmerz lindern. Viele Methoden können Patienten selbst erlernen und gezielt einsetzen. Anleitung zu den verschiedenen Entspannungsmöglichkeiten geben z.B. Reha-Kliniken, Ergo- und Physiotherapeuten oder Ärzte.

Zu den Entspannungsverfahren, die in der Schmerztherapie eingesetzt werden, zählen z.B.:

  • Progressive Muskelentspannung nach Jacobson: Gezieltes An- und Entspannen einzelner Muskelgruppen.
  • Autogenes Training: Methode, durch die man sich in einen Zustand einer veränderten, vertieften Wahrnehmung des eigenen Körpers versetzen kann. Patienten stellen sich etwas vor, z.B. "Ich fühle mich ganz warm", und der Körper folgt der Vorstellung.
  • Yoga, Tai Chi, Qigong: Ganzheitliche Körperübungen, Atem- und Meditationstechniken entspannen und dehnen die Muskulatur.
  • Biofeedback-Verfahren: Patienten lernen, unbewusst ablaufende Körperprozesse zu beeinflussen. Näheres unter Biofeedback.
  • Stressbewältigung durch Achtsamkeit (Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR): Achtsamkeitsübungen für den Alltag, um Stress zu reduzieren.
  • Hypnose: Gezielte Entspannung und Konzentration in trance-ähnlichen Bewusstseinszuständen.
  • Feldenkrais-Heilmethode: Übungen für eine bessere Körperhaltung und Beweglichkeit.
  • Imaginations- und Meditationstechniken: Achtsamkeit, Fokussierung und Bewusstmachen innerer Bilder und Vorstellungen.

Von diesen Entspannungsmethoden werden progressive Muskelentspannung nach Jacobson, autogenes Training und Hypnose von der Krankenkasse übernommen, wenn es von entsprechend qualifizierten Leistungserbringern angeboten wird. Näheres unter Psychosomatische Grundversorgung.

Darüber hinaus bieten viele Krankenkassen im Rahmen ihrer Bonusprogramme und Präventionskurse eine teilweise oder komplette Kostenerstattung für Entspannungskurse an, die z.B. an Volkshochschulen, bei Sportvereinen, in Fitnessstudios und in Ergo- und Physiotherapiepraxen angeboten werden. Näheres unter Prävention.

7. Multimodale Schmerztherapie

Eine multimodale Schmerztherapie ist eine multiprofessionelle Behandlung, bei der in der Regel folgende Therapiebausteine in enger zeitlicher und fachlicher Abstimmung eingesetzt werden:

  • Schmerztherapie, z.B. Medikamente, Physiotherapie
  • Schulungen, z.B. über das bio-psycho-soziale Modell, siehe Chronische Schmerzen > Psyche
  • Entspannungsverfahren und Stressbewältigungsprogramme, z.B. progressive Muskelentspannung, Yoga
  • Physio-, Ergo- und Bewegungstherapie, z.B. Massagen, gezieltes körperliches Training
  • Psychotherapeutische Gruppen- oder Einzeltherapie

Die multimodale Schmerztherapie kann berufsbegleitend, teilstationär oder in speziellen Schmerzkliniken stattfinden und unterschiedliche Schwerpunkte und Therapieformen beinhalten.

8. Minimal-invasive und operative Verfahren bei chronischen Schmerzen

Bei bestimmten chronischen Schmerzen, z.B. Rückenschmerzen, können minimal-invasive und operative Verfahren durchgeführt werden, wenn die vorher genannten Therapiemöglichkeiten nicht erfolgreich waren. Minimal-invasive Verfahren greifen im Unterschied zu operativen Verfahren sehr gering in den Körper ein, sodass Haut- und Weichteile möglichst wenig verletzt werden. In der Regel können sie ambulant durchgeführt werden. Zu den minimal-invasiven Verfahren zählt z.B. die Injektionstherapie, bei der schmerz- und entzündungshemmende Medikamente gezielt an der schmerzenden Körperstelle, z.B. in Muskeln oder Nervenwurzeln eingespritzt werden. Da nur eine geringe Medikamentenmenge erforderlich ist, können Nebenwirkungen auf den gesamten Körper minimiert werden.

Folgende Verfahren werden abhängig vom Gesundheitszustand und dem Vorgehen minimal-invasiv oder operativ durchgeführt:

  • Neurostimulation: Der Neurostimulator (auch Schmerzschrittmacher oder Nervenschrittmacher genannt) ist ein Gerät, das in der Regel unter der Haut am Bauch eingesetzt wird. Es sendet elektrische Impulse, die das Schmerzempfinden positiv beeinflussen. Patienten erhalten meist ein kleines Programmiergerät, mit dem sie die Impulsstärke anpassen können.
  • Schmerzmittelpumpe: Eine kleine Schmerzmittelpumpe wird unter die Haut implantiert, von der aus ein dünner Schlauch in das Rückenmark gelegt wird. Die Schmerzmittelpumpe kann so eingestellt werden, dass sie eine bestimmte Dosis der in der Pumpe befindlichen Schmerzmittel zu festgelegten Zeiten freigibt.
  • Bandscheibenoperation: Bei einem Bandscheibenvorfall drückt Bandscheibengewebe auf eine Nervenwurzel. Ist der Druck zu stark, kann es zu bleibenden Schäden kommen. Bei einer Operation wird in der Regel das Bandscheibengewebe entfernt, um die Nervenwurzel zu entlasten.
  • Endoprothetik: Ein durch Krankheit oder Unfall zerstörtes oder durch natürlichen Verschleiß abgenutztes Gelenk wird durch ein künstliches Gelenk (Endoprothese) ersetzt. Zu den häufig eingesetzten Endoprothesen zählen z.B. Hüft- und Knieprothesen. Hüftprothesen werden zunehmend minimal-invasiv eingesetzt, was bedeutet, dass Muskulatur, Sehnen, Gefäße und Nerven rund um das Gelenk möglichst wenig verletzt werden.

Je nach Art und Umfang des Eingriffs kann das Verfahren ambulant oder stationär durchgeführt werden. Da alle invasiven Eingriffe Nebenwirkungen und Risiken haben, sollten Betroffene sich im Vorfeld eingehend beraten lassen und ggf. eine zweite Meinung einholen.

9. Medizinische Rehabilitation bei chronischen Schmerzen

Vor allem nach einem operativen Eingriff können Leistungen der medizinischen Rehabilitation dabei helfen, die Funktionsfähigkeit und den Gesundheitszustand zu erhalten oder zu verbessern. Die Maßnahmen können ambulant oder stationär erbracht werden.

Inhalte der Reha sind z.B.:

  • Medikamentöse Behandlung: Einstellung und ggf. Verringerung der Dosierung
  • Physio- und Ergotherapie: Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit und Erlernen von Hilfestellungen für den Alltag
  • Psychotherapeutische Betreuung: Bessere Verarbeitung der Schmerzzustände und Umgang mit den chronischen Schmerzen
  • Erlernen von Entspannungstechniken

Ziele der Reha sind z.B.:

  • Verlängerung der symptomarmen Zeit
  • Verbesserung der körperlichen und psychischen Belastbarkeit
  • Verhinderung von Folgeerkrankungen und Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes

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Letzte Bearbeitung: 16.11.2022

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