Das Wichtigste in Kürze
Dialyse ist eine Blutreinigung, auch Blutwäsche genannt, die bei Niereninsuffizienz lebensnotwendig ist. Dialyse ist auch bei Berufstätigkeit und im Urlaub möglich. Sport und Bewegung sind wichtig bei Dialyse, um die körperliche und psychische Gesundheit zu stärken.
Was ist Dialyse?
Wenn die Nieren nicht mehr ausreichend arbeiten (Niereninsuffizienz), wird eine Dialyse durchgeführt, welche die Nierenfunktion ersetzt.
Es gibt verschiedene Dialyseverfahren. Die beiden wichtigsten sind:
- Hämodialyse: Über einen Gefäßzugang wird Blut in ein Dialysegerät geleitet, dort gereinigt und kommt dann wieder zurück in den Körper.
- Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse): Die Dialyse findet im eigenen Körper statt, als Filter wird das Bauchfell genutzt.
Ausführliche Informationen bietet das unabhängige Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) unter www.gesundheitsinformation.de > Themengebiete > D > Dialyse.
Wenn möglich, sollten Kinder in spezialisierten Kinderdialysezentren dialysiert werden. Adressen von Kinderdialysezentren in Deutschland bietet die Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie unter https://gpn.de > Service > Dialysezentren.
Urlaub für Dialysepatienten
Da Dialysepatienten auch im Urlaub regelmäßig ihre Dialyse benötigen, müssen sie einen Urlaubsort wählen, an dem eine Dialyse möglich ist.
Hämodialyse im Urlaub
Voraussetzung für Reisen von Hämodialysepatienten ist, dass am Urlaubsort eine Dialysebehandlung möglich ist:
- Dialysezentren in ganz Deutschland können über den Verband Deutsche Nierenzentren e.V. unter www.dnev.de > Patienten > Feriendialyse gefunden werden, einige Dialysemöglichkeiten in Europa unter www.dnev.de > Patienten > Internationale Dialysen.
- Auch im nicht-europäischen Ausland und auf einigen Kreuzfahrtschiffen können Dialysebehandlungen durchgeführt werden. Entsprechende Reisen vermitteln Anbieter von Reisen für Menschen mit Behinderungen oder spezialisierte Reiseanbieter. Sie lassen sich im Internet mit Suchbegriffen wie „Dialysereisen” oder „Dialyse Urlaub” finden und übernehmen auch oft die Absprache mit dem heimatlichen Dialysezentrum.
Näheres auch unter Behinderung > Urlaub und Freizeit - Die privat betriebene Dialyse Online Community bietet Adressen von Dialysezentren weltweit unter www.dialyse-online.de > Suchen & Finden > Dialysezentren.
- Einige Krankenkassen haben Verträge mit ausländischen Dialysezentren abgeschlossen. Damit können sich ihre Versicherten dort behandeln lassen wie in Deutschland: ohne Vor-Ort-Zahlung und nach deutschen Standards. Patienten sollten vor der Reise bei ihrer Krankenkasse nach Adressen fragen.
- Viele Dialysezentren gehören zu einem Netzwerk und vermitteln ihren Patienten Kontakte für eine Gast-Dialyse in anderen Zentren.
Kostenübernahme
In Urlaubsländern, in denen die europäische Krankenversicherungskarte (Auslandsschutz) gilt, muss der Versicherungsträger im jeweiligen Land die Kosten für die Hämodialyse tragen. Doch das funktioniert in der Praxis nicht immer. Deshalb sollte vor einem Auslandsurlaub mit der Krankenkasse abgeklärt werden, in welcher Höhe die Kosten der Feriendialyse übernommen werden. Manche Krankenkassen übernehmen z.B. nur die Kosten, die auch am heimatlichen Dialysezentrum entstehen würden. Andere haben Listen, in welchen ausländischen Dialysezentren die Kosten komplett und ohne Aufwand oder finanzielle Vorleistung übernommen werden.
Peritonealdialyse im Urlaub
Peritonealdialyse-Patienten sollten nur in Länder mit guten hygienischen Verhältnissen reisen, um die Infektionsgefahr gering zu halten. Für den Notfall sollte eine gute medizinische Versorgung gewährleistet und erreichbar sein.
Die Peritonealdialyse erfordert ziemlich viel Material. Wer es nicht selbst transportieren kann, hat folgende Möglichkeiten:
- Das Dialyseteam verschickt die Hilfsmittel direkt an den Urlaubsort.
- Heimdialyse-Anbieter organisieren die Lieferung und übernehmen zum Teil innerhalb von Deutschland die Versandkosten.
- Bei Auslandsreisen finanziert zum Teil der Hersteller die Transportkosten für einen Behandlungszeitraum von maximal einem Monat.
- Nach telefonischer Absprache kann das Material auch über das dem Urlaubsort nächstgelegene Dialysezentrum bezogen werden. Adressen siehe oben.
- Auf jeden Fall einen 3-Tage-Vorrat direkt mit sich führen, bei Flugreisen im Handgepäck.
Weitere Informationen unter
- Urlaub bei chronischen und schweren Krankheiten
- Behinderung > Urlaub und Freizeit
- Ermäßigungen bei öffentlichen Verkehrsmitteln (Behinderung > Öffentliche Verkehrsmittel)
- Hilfe für schwerbehinderte Menschen im Flugverkehr (Behinderung > Flugverkehr)
- Krankenversicherungsschutz im Ausland: Auslandsschutz
Praxistipps
- Tipps für den Urlaub inklusive Dialyse gibt der Flyer „Fit für das Reisen” vom Bundesverband Niere e.V., kostenloser Download unter www.bundesverband-niere.de > Angebot > Downloads > Infomaterialien > Fit für das Reisen.
- Für den Notfall sollten Sie Arztberichte mit allen Angaben immer in Kopie mitführen.
- Wenn Sie nur ein geringes Einkommen haben und sich keinen Urlaub leisten können, hilft unter bestimmten Voraussetzungen der Hilfsfonds für Dialyseferien.
Näheres unter www.hilfsfonds-dialyseferien.de.
Dialyse und Berufstätigkeit
Ob und in welchem Umfang dialysepflichtige Patienten arbeiten können, hängt z.B. von der Schwere ihrer Erkrankung, der Art ihrer beruflichen Tätigkeit, der Dialyseform und ihrem körperlichen und psychischen Befinden ab.
Ist Arbeiten trotz Dialyse möglich?
In der Regel können Dialysepatienten ihren Beruf – zumindest in Teilzeit – weiterhin ausüben. Unter bestimmten Voraussetzungen besteht ein Anspruch auf Teilzeit, Näheres unter Teilzeitarbeit.
Menschen, die regelmäßig eine Dialyse benötigen, haben in der Regel einen festgestellten Grad der Behinderung, Näheres unter Nierenerkrankungen > Schwerbehinderung. Damit haben sie einen Anspruch auf bestimmte Hilfen und Nachteilsausgleiche. Nähere Informationen unter Behinderung > Berufsleben.
Menschen mit schwerer Niereninsuffizienz dürfen allerdings bestimmte Berufe (z.B. Bus-, LKW- oder Taxi-Fahrer) nicht ausüben, da sie die entsprechenden Fahrzeuge nicht führen dürfen. Für Menschen mit Niereninsuffizienz in ständiger Dialysebehandlung kann es im Einzelfall eine Ausnahme geben, Näheres unter Nierenerkrankungen > Autofahren.
Ist Arbeit an Dialyse-Tagen möglich?
Die Hämodialyse kann für Patienten ganz unterschiedliche Nebenwirkungen haben.
Je nachdem, welche Nebenwirkungen auftreten und wie stark diese ausfallen, sind Patienten in ihrer beruflichen Tätigkeit mehr oder weniger beeinträchtigt. Manche fühlen sich direkt nach der Dialyse relativ fit und leistungsfähig und können noch am selben Tag arbeiten, andere leiden z.B. an Schwäche oder Übelkeit und können nur an dialysefreien Tagen arbeiten.
Dialyseeinrichtungen bieten in der Regel verschiedene Zeiten an, um den Bedürfnissen ihrer Patienten gerecht werden zu können, z.B. eine Dialyse am frühen Morgen, am Abend oder über Nacht.
Eine Peritonealdialyse muss nicht im Dialysezentrum durchgeführt werden. Sie muss jedoch täglich stattfinden und die Dialysierflüssigkeit muss mehrmals am Tag ausgetauscht werden, also in der Regel auch am Arbeitsplatz. Wenn Betroffenen in der Arbeit ein ruhiger, sauberer Ort zum Austausch des Beutels zur Verfügung steht, ist dies in der Regel problemlos möglich. Nebenwirkungen sind bei einer Peritonealdialyse äußerst selten.
Was passiert bei Arbeitsunfähigkeit durch Dialyse?
Nierenerkrankungen, Begleiterkrankungen oder die Dialyse führen häufig zu wiederholten und/oder langen Zeiten der Arbeitsunfähigkeit. In den ersten 6 Wochen besteht in der Regel ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung, danach auf Krankengeld.
Informationen zu Renten und Erwerbsminderung unter Nierenerkrankungen > Rente.
Informationen zu Rehamaßnahmen und stufenweiser Wiedereingliederung unter Nierenerkrankungen > Ursachen - Behandlung - Reha.
Sport und Bewegung bei Dialyse
Viele Dialysepatienten leiden unter Schwäche, Mattigkeit, Kopfschmerzen oder Übelkeit. Auch die Nierenerkrankung selbst, Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes sowie bestimmte Medikamente können negative Auswirkungen auf die körperliche Fitness haben. Dennoch sind Sport und Bewegung für Dialysepatienten wichtig, um körperliche Funktionen (z.B. Gehfähigkeit) so lange wie möglich zu erhalten und den Muskelaufbau, das Herz-Kreislauf-System und den Stoffwechsel zu fördern. Zudem verbessert Sport in der Regel auch die psychische Gesundheit und die Lebensqualität.
Praxistipps für Sport und Bewegung
- Sprechen Sie jede sportliche Betätigung mit den behandelnden Ärzten ab.
- Individuelle Tipps können die Physiotherapeuten des Dialyseteams geben. Nutzen Sie die Bewegungsangebote im Dialysezentrum, während der Hämodialyse oder unabhängig davon.
- Bei der Deutschen Gesellschaft Rehabilitationssport für chronisch Nierenkranke e.V. (ReNi) finden Sie mehrere Broschüren zum kostenlosen Download unter www.reni-online.de > Mediathek > Veröffentlichungen.
„Strukturiertes Training während der Hämodialyse”
„Anleitung zum Heimtraining für chronisch Nierenkranke”
„Prävention und Rehabilitation durch körperliche Aktivität und Training bei Peritonealdialysepatienten” - Die Deutsche Nierenstiftung bietet Informationen und die Broschüre „Bewegung und Sport in Prävention, Therapie und Rehabilitation” unter www.nierenstiftung.de > Für Betroffene > Niere A–Z > Bewegung und Sport zur Prävention zum kostenlosen Download.
- Sport- und Bewegungsangebote können auch ärztlich verordnet werden, Näheres unter Reha-Sport und Funktionstraining.
- Weitere Tipps finden Sie unter Behinderung > Sport.
Wer hilft weiter?
Sportgruppen für nierenkranke Menschen vermitteln:
- Dialysezentren und Selbsthilfegruppen
- ReNi – Deutsche Gesellschaft Rehabilitationssport für Chronisch Nierenkranke e.V.
Telefon: 03594 74099230
E-Mail: info@reni-online.de
www.reni-online.de - TransdiaSport Deutschland e.V.
www.transdiaev.de
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