Werkstätten für behinderte Menschen WfbM und andere Leistungsanbieter

1. Das Wichtigste in Kürze

Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) bieten Teilhabeleistungen für Menschen mit Behinderungen, die aufgrund ihrer Einschränkungen (noch) nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können. Zum 1.1.2018 wurde durch das Bundesteilhabegesetz (BTHG) mit den sog. anderen Leistungsanbietern eine Alternative zu den WfbM geschaffen.

2. Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM)

In einer WfbM können Menschen mit Behinderungen einer Beschäftigung nachgehen oder durch Förderung ihrer Leistungsfähigkeit auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vorbereitet werden. WfbM sind keine Erwerbsbetriebe, d.h.: Nicht der finanzielle Gewinn steht im Mittelpunkt, sondern Leistungen der Berufsförderung, Berufsbildung sowie der Persönlichkeitsentwicklung. Die Arbeit soll individuell den Bedürfnissen und Interessen der Menschen mit Behinderungen entsprechen.

Ausführliche Informationen über die Aufgaben und Ziele der WfbM sowie eine grafische Darstellung ihrer Organisation unter www.werkstaetten-im-netz.de/aufgaben-und-ziele-der-wfbm.html.

2.1. Voraussetzungen

In einem sog. Eingangsverfahren bzw. im Teilhabe- oder Gesamtplanverfahren wird geprüft, ob der Mensch mit Behinderungen in der WfbM arbeiten kann und welche Tätigkeit für ihn geeignet ist. Voraussetzung ist ein "Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung". Das Eingangsverfahren dauert 4 Wochen bis 3 Monate.

Menschen, die trotz einer ihrer Behinderung angemessenen Betreuung stark selbst- oder fremdgefährdend sind, können dieses Mindestmaß nicht leisten. Dies ist auch der Fall, wenn die nötige Betreuung oder Pflege dauerhaft keine wirtschaftlich verwertbare Arbeitsleistung zulässt.

Sind die Voraussetzungen erfüllt, ist die WfbM verpflichtet, allen Menschen mit Behinderungen in ihrem Einzugsgebiet einen Arbeitsplatz anzubieten.

2.2. Leistungen

Die WfbM ermöglicht Menschen mit Behinderungen

  • berufliche Bildung in einer 1 bis 2 jährigen Berufseingangsphase
  • Beschäftigung
  • die Leistungs- oder Erwerbsfähigkeit zu
    • erhalten,
    • entwickeln,
    • verbessern
    • oder wiederherzustellen
  • ihre Persönlichkeit weiterzuentwickeln
  • eine finanzielle Vergütung (siehe unten)
  • individuelle Betreuung und Förderung durch z.B. ärztliche, sozialpädagogische und psychologische soziale Fachdienste

Menschen mit Behinderungen haben in der WfbM die Möglichkeit, in unterschiedlichen Arbeitsbereichen tätig zu sein, z.B. in einer Gärtnerei, Schreinerei, Hauswirtschaft, Telefonzentrale oder bei der Montage und Verpackung.

Während ihrer Beschäftigung in der WfbM sind die Menschen mit Behinderungen unfall-, kranken-, pflege-, und rentenversichert, in der Regel jedoch nicht in der Arbeitslosenversicherung. Näheres unter Sozialversicherung bei beruflicher Reha und WfbM.

Jeder Mensch mit Behinderung, der im Arbeitsbereich einer WfbM tätig ist, erhält monatlich 52 € Arbeitsförderungsgeld, wenn sein Arbeitsentgelt zusammen mit dem Arbeitsförderungsgeld nicht mehr als 351 € beträgt. Übersteigt das Arbeitsentgelt 299 €, beträgt das Arbeitsförderungsgeld den Differenzbetrag zwischen dem Arbeitsentgelt und 351 €.

2.3. Bezahlung

Die in einer WfbM Beschäftigten bekommen als Vergütung

  • einen Grundbetrag, der 2022 109 € beträgt,
  • einen leistungsabhängigen individuellen Steigerungsbetrag,
  • Arbeitsförderungsgeld
    • in Höhe von 52 €, wenn das Arbeitsentgelt plus dem Arbeitsförderungsgeld höchstens 351 € beträgt
    • bei einem Arbeitsentgelt höher als 299 € 351 € abzüglich des Arbeitsentgelts.

Der gesetzliche Mindestlohn gilt nicht.

Da der Verdienst so gering ist, erhalten sehr viele Menschen in den Werkstätten sehr häufig daneben Sozialleistungen, um ihren Lebensunterhalt zu decken.

Das Werkstatteinkommen (ab dem Arbeitsbereich) wird nicht in voller Höhe auf die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung angerechnet. Nicht als Einkommen berücksichtigt werden:

  • Sozialversicherungsbeiträge
  • Arbeitsmittelpauschale i.H.v. 5,20 €
  • Arbeitsförderungsgeld i.H.v. 52 €
  • Freibetrag i.H.v. 56,13 € (= 12,5 % der Regelbedarfsstufe 1)
  • 50 % des den Freibetrag übersteigenden Entgelts

Ausführliche Informationen im Merkblatt Grundsicherung nach dem SGB XII für Menschen mit Behinderungen des Bundesverbands für körper- und mehrfachbehinderte Menschen unter bvkm.de/produkt/merkblatt-zur-grundsicherung.

2.4. Anforderungen

Um als WfbM amtlich anerkannt zu werden, müssen bestimmte Anforderungen erfüllt werden. Die ausführlichen Bestimmungen sowie die Aufgaben und Pflichten der WfbM sind in der Werkstättenverordnung geregelt. Gesetzestext unter www.gesetze-im-internet.de/schwbwv.

2.5. Praxistipp

In einer Werkstatt Beschäftigte können dort auch außerklinische bzw. ambulante Intensivpflege in Anspruch nehmen. Näheres unter außerklinische Intensivpflege (§ 37c Abs. 2 Nr. 4 SGB V).

2.6. Wer hilft weiter?

Informationen geben die WfbM vor Ort, die unabhängige Teilhabeberatung, die zuständige Agentur für Arbeit, die Integrationsfachdienste oder andere zuständige Reha-Träger, z.B. die Renten- oder Unfallversicherung.

3. Andere Leistungsanbieter

Durch die Einführung der sog. anderen Leistungsanbieter zum 1.1.2018 wurde eine Alternative zur WfbM geschaffen, um Menschen mit Behinderungen mehr Wahlmöglichkeiten zu bieten und das Leistungsangebot zu erweitern. Die Voraussetzungen zur Beschäftigung bei einem anderen Leistungsanbieter sind dieselben wie in einer WfbM.

Menschen mit Behinderungen, die bei anderen Leistungsanbietern beschäftigt sind, haben grundsätzlich die gleichen Rechte wie in einer WfbM. Es gilt zudem ein uneingeschränktes Rückkehrrecht, sodass ein Mensch mit Behinderung in eine WfbM zurückkehren kann, wenn er z.B. gekündigt wird oder sich überfordert fühlt.

Generell können alle Firmen oder Träger sog. andere Leistungsanbieter werden, wenn sie die fachlichen Anforderungen erfüllen. Die Anforderungen sind dieselben wie für WfbM, bis auf folgende Abweichungen:

  • keine förmliche Anerkennung nötig
  • geringere Anforderungen an die räumliche und sächliche Ausstattung
  • keine Mindestzahl an Plätzen nötig
  • keine Aufnahmeverpflichtung gegenüber Menschen mit Behinderungen
  • nicht alle Leistungen einer WfbM müssen angeboten werden
  • eine Vertretung (ähnlich dem Werkstattrat) wird ab 5 Wahlberechtigten gewählt
  • eine Frauenbeauftragte wird ab 5 wahlberechtigten Frauen gewählt

3.1. Praxistipp

Welche Träger oder Firmen konkret als andere Leistungsanbieter anerkannt sind, können Menschen mit Behinderungen bei der unabhängigen Teilhabeberatung oder dem zuständigen Leistungsträger, z.B. der Agentur für Arbeit, erfragen.

4. Wahlrecht

Der Mensch mit Behinderung kann wählen, ob er Leistungen

  • nur von einer WfbM oder
  • von einer WfbM zusammen mit einem oder mehreren anderen Leistungsanbietern oder
  • von einem oder mehreren anderen Leistungsanbietern

in Anspruch nehmen möchte. Wichtig ist, dass das Ziel der beruflichen Teilhabe sichergestellt ist und die Teil-Leistungserbringer zusammen ein komplettes Angebot bereitstellen.

5. Erwerbsminderungsrente für Menschen mit Behinderungen

Hat ein Mensch mit Behinderung vor Eintritt der Erwerbsminderung die Wartezeit von 5 Jahren nicht erfüllt, kann er dennoch eine Erwerbsminderungsrente beantragen. Voraussetzung ist, dass er die Wartezeit von 20 Jahren erfüllt, z.B. indem er 20 Jahre in einer Werkstatt für behinderte Menschen oder bei einem anderen Leistungsanbieter arbeitet und in dieser Zeit ununterbrochen voll erwerbsgemindert ist. Die Erwerbsminderungsrente ist höher als die Leistungen der Grundsicherung.

6. Verwandte Links

Alternativen zu Werkstätten für behinderte Menschen

Behinderung

Behinderung > Ausbildungsgeld

Berufliche Reha > Leistungen

Arbeitsassistenz

Behinderung > Berufsleben

Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen

Persönliches Budget

Budget für Arbeit

 

Rechtsgrundlagen: §§ 56 ff., 219 ff. SGB IX

Letzte Bearbeitung: 13.05.2022

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