Blindenhilfe Landesblindengeld

1. Das Wichtigste in Kürze

Blindenhilfe ist ein Teil der Sozialhilfe für als Blinde anerkannte Menschen. Sie beträgt für Erwachsene 717,07 € monatlich. Anspruch besteht aber nur bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze. Außerdem werden das Landesblindengeld ganz und Leistungen aus der Pflegeversicherung teilweise auf die Blindenhilfe angerechnet.

 

Landesblindengeld wird in der Regel einkommensunabhängig gewährt.

2. Voraussetzungen

Als Blindheit gelten hauptsächlich:

  1. Fehlen des Augenlichts
    oder
  2. Sehschärfe auf beiden Augen beträgt nicht mehr als 1/50 (entspricht dem Schweregrad von 4) oder eine gleichzuachtende Sehstörung, die nicht nur vorübergehend ist

 

Blindenhilfe erhalten nur Personen, die die Einkommensgrenze nach §§ 85 ff., 87 Abs. 1 SGB XII nicht überschreiten (Sozialhilfe > Einkommen und Vermögen).

3. Höhe der Blindenhilfe

  • Für Blinde ab 18 Jahren: 717,07 € monatlich
  • Für Blinde bis 17 Jahre: 359,15 € monatlich

3.1. Anrechnung von Pflegeversicherungsleistungen

Erhalten Blinde bei häuslicher Pflege Leistungen der Pflegeversicherung (Pflegesachleistung, Pflegegeld Pflegeversicherung, Pflegehilfsmittel), sind diese Leistungen bis zu 50 % auf die Blindenhilfe anzurechnen.

  • bei Pflegebedürftigen des Pflegegrads 2 werden 50 % des Pflegegelds angerechnet.
  • bei Pflegebedürftigen der Pflegegrade 3 und 4  werden 40 % des Pflegegelds, maximal 50 % des o.g. Blindenhilfe-Betrags, angerechnet. Diese Anrechnung gilt gleichermaßen bei Leistungen aus einer privaten Pflegeversicherung und nach beamtenrechtlichen Vorschriften.

3.2. Anrechnung von Landesblindengeld

Leistungen nach den Blindengesetzen der einzelnen Bundesländer (Landesblindengeld, s.u.) werden als gleichartige Leistung zu 100 % angerechnet. Ist das Landesblindengeld niedriger als die Blindenhilfe, besteht Anspruch auf ergänzende Blindenhilfe bis zur Gesamthöhe von 717,07 € bzw. 359,15 € (s.o.), wenn die Einkommensgrenze (s.o.) nicht überschritten wird.

3.3. Kürzung und Ausschluss

Die Blindenhilfe kann bis zu 25 % gekürzt werden, z.B. bei Weigerung des Hilfesuchenden, eine zumutbare Tätigkeit oder die Teilnahme an einer erforderlichen Vorbereitung aufzunehmen.

Wenn der blinde Mensch in einer stationären Einrichtung lebt und die Kosten des Aufenthalts ganz oder teilweise aus Mitteln öffentlich-rechtlicher Leistungsträger getragen werden, dann verringert sich die Blindenhilfe um diese öffentlich getragenen Kosten, jedoch maximal um die Hälfte.

Leistungen für Kriegs- und Unfallblinde werden angerechnet.

Neben der Blindenhilfe gibt es keine gleichzeitige Leistung von

3.4. Praxistipp

Beim Antrag auf Blindenhilfe sollten alle ärztlichen Unterlagen beigefügt werden. Der Arzt sollte nicht nur den Grad/Prozentsatz der evtl. verbliebenen Sehfähigkeit attestieren, sondern auch eine vorhandene Gesichtsfeldeinschränkung exakt angeben.

4. Landesblindengeld

Die Bundesländer zahlen jedem Blinden Landesblindengeld.

Blinde, die sich in einer Anstalt, einem Heim oder einer ähnlichen stationären Einrichtung befinden, erhalten in der Regel 50 % des Betrags, abweichende Regelungen siehe unten.

Wenn keine anderen Leistungen wie Pflegegeld, Zuschüsse bei Heimunterbringung etc. angerechnet werden, erhalten Blinde folgende Beträge:

4.1. Baden-Württemberg

Blinde ab 18 Jahren: 410 € monatlich

Blinde bis 17 Jahre: 205 € monatlich

4.2. Bayern

Blinde jeden Alters: 610 € monatlich

Taubblinde: 1.220 € monatlich

Hochgradig Sehbehinderte: 183 € monatlich

Leistungen für taubsehbehinderte Menschen unter Merkzeichen TBl

4.3. Berlin

Blinde jeden Alters: 573,66 € monatlich

Hochgradig Sehbehinderte: 143,41 monatlich

Hochgradig Sehbehinderte, die gleichzeitig gehörlos sind: 286,83 € monatlich

Leistungen für Blinde, die gleichzeitig gehörlos sind, unter Merkzeichen TBl

4.4. Brandenburg

In Brandenburg heißt die Leistung "Landespflegegeld".

Blinde ab 18 Jahren: 345,80 € monatlich

Blinde bis 17 Jahre: 172,60 € monatlich

Bei stationärem Aufenthalt, Verbüßen einer Gefängnisstrafe oder Entschädigungsleistungen aus öffentlicher Hand besteht kein Anspruch.

Gehörlosengeld und Blindengeld gibt es nicht gleichzeitig.

4.5. Bremen

In Bremen heißt die Leistung "Landespflegegeld".

Blinde ab 18 Jahren: 421,65 € monatlich

Blinde bis 17 Jahre: 210,83 € monatlich

4.6. Hamburg

Blinde jeden Alters: 546,16 € monatlich

4.7. Hessen

Blinde ab 18 Jahren: 616,68 € monatlich

Blinde bis 17 Jahre: 358,54 € monatlich

Hochgradig sehbehinderte Erwachsene: 185,00 € monatlich (stationär: 61,67 €)

Hochgradig Sehbehinderte bis 17 Jahre: 107,56 € monatlich (stationär: 35,85 €)

4.8. Mecklenburg-Vorpommern

Blinde ab 18 Jahren: 430 € monatlich

Blinde bis 17 Jahre: 273,05 € monatlich

Hochgradig sehbehinderte Menschen ab 18 Jahren: 107,50 € monatlich (bei teilstationärem Aufenthalt: 64,50 €, bei stationär: 26,64 €)

Hochgradig sehbehinderte Menschen bis 17 Jahre: 68,26 € monatlich (bei teilstationärem Aufenthalt: 40,96 €, bei stationär: 13,65 € monatlich)

4.9. Niedersachsen

Blinde jeden Alters: 375 €

4.10. Nordrhein-Westfalen

Blinde von 18 bis 59 Jahren: 717,07 € monatlich

Blinde bis 17 Jahre: 359,15 € monatlich

Blinde ab 60 Jahren: 473 € monatlich

Hochgradig Sehbehinderte ab 16 Jahren: 77 € monatlich

4.11. Rheinland-Pfalz

Blinde ab 18 Jahren: 410 € (529,50 € monatlich, wenn der Antrag bis 30.4.2003 gestellt wurde.)

Blinde bis 17 Jahre: 205 € (264,75 € monatlich, wenn der Antrag bis 30.4.2003 gestellt wurde.)

Befindet sich der Blinde in teilstationärer Betreuung, einer Kindertagesstätte oder Schule, werden mindestens 75 % des Betrags bezahlt.

Während eines stationären Aufenthalts länger als 4 Wochen ruht der Anspruch.

4.12. Saarland

Im Saarland heißt die Leistung "Blindheitshilfe".

Blinde ab 18 Jahren: 438 € monatlich

Blinde bis 17 Jahre: 293 € monatlich

4.13. Sachsen

Blinde ab 14 Jahren: 350 € monatlich

Blinde von 2 bis 13 Jahre: 262,50 € monatlich

 

Hochgradig Sehschwache ab 14 Jahren: 80 € monatlich

Hochgradig Sehschwache von 2 bis 13 Jahre: 40 € monatlich

Leistungen für Blinde, die gleichzeitig gehörlos sind, unter Merkzeichen TBl

 

Schwerstbehinderte Kinder: 100 € monatlich

Der Anspruch auf diese 100 € entsteht zusätzlich zum Anspruch auf Landesblindengeld, wenn neben der Sehbehinderung weitere Behinderungen vorliegen, die für sich allein einen Grad der Behinderung (GdB) von 100 ergeben.

4.14. Sachsen-Anhalt

Blinde ab 18 Jahren: 320 € monatlich

Blinde bis 17 Jahre: 250 € monatlich

Hochgradig Sehbehinderte: 41 € monatlich

Keine Zahlung bei stationärem Aufenthalt, es sei denn, die Aufenthaltskosten werden überwiegend vom Betroffenen bzw. Angehörigen bezahlt.

4.15. Schleswig-Holstein

Blinde ab 18 Jahren: 300 € monatlich

Blinde bis 17 Jahre: 200 € monatlich

Leistungen für Taubblinde unter Merkzeichen TBl

4.16. Thüringen

Blinde jeden Alters: 400 €

Während eines stationären Aufenthalts oder des Verbüßens einer Gefängnisstrafe: 91,20 € monatlich

Blinde bis 26 Jahre, wenn der Antrag vor dem 1.1.2008 gestellt wurde, während eines stationären Aufenthalts: 150 € monatlich

Leistungen für taubblinde Menschen unter Merkzeichen TBl

5. Wer hilft weiter?

Bundesblindenhilfe ist beim Sozialamt, Landesblindengeld ist in der Regel beim Versorgungsamt zu beantragen.

 

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. informiert z.B. über staatliche Leistungen und unterstützt bei der Beantragung von Blindengeld. DBSV-Geschäftsstelle, Rungestr. 19, 10179 Berlin, Telefon 030 285387-0, Fax 030 285387-200, E-Mail info@dbsv.org, www.dbsv.org, Adressen der Landes- oder Regionalverbände unter www.dbsv.org/landesvereine.html.

6. Verwandte Links

Gehörlosengeld

Sozialhilfe

Hilfe in anderen Lebenslagen

Pflegegeld Pflegeversicherung

Pflegesachleistung

 

Gesetzesquellen: § 72 SGB XII

Redakteurin: Maria Kästle

Letzte Bearbeitung: 26.07.2018

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