Fahrtkosten Krankenbeförderung

1. Das Wichtigste in Kürze

Krankenkassen übernehmen nur Fahrtkosten für Krankenbeförderungen, die unbedingt notwendig sind, z.B. Rettungsfahrten und Krankentransporte. Bei ambulanten Behandlungen gibt es nur in den wenigsten Fällen eine Kostenübernahme, die meist vorab mit der Krankenkasse geklärt werden muss. In jedem Fall müssen Fahrscheine, Quittungen und Bescheinigungen aufbewahrt werden. Patienten müssen in der Regel bis zu 10 € zuzahlen.

2. Grundsätzliche Voraussetzungen für die Fahrtkostenübernahme

Die Krankenkasse übernimmt Fahrtkosten im Rahmen einer Krankenhausbehandlung oder Krankenbehandlung in der Regel nur unter folgenden Bedingungen:

  • Zwingende medizinische Gründe für die Fahrt.
  • Die Fahrt geht zur nächsterreichbaren geeigneten Behandlungsstätte und zurück, außer es besteht ein zwingender medizinischer Grund für die Behandlung an einem entfernteren Ort.
  • Der Arzt verordnet die Fahrt vorher - inklusive ärztlicher Begründung zur Wahl des Beförderungsmittels.

Ausnahmen von der vorherigen Verordnung gibt es

  • bei nachträglicher Verordnung in Notfällen,
  • bei Fahrten mit privatem Kfz oder öffentlichen Verkehrsmitteln (ohne Verordnung) und
  • bei ambulanter oder stationärer Reha. Statt einer Verordnung des Arztes muss der Patient die Fahrtkosten vor der Reha mit der Krankenkasse klären.

3. Welche Fahrten übernimmt die Krankenkasse

Es gibt drei Arten von Fahrten - abhängig von der Ausstattung des Fahrzeugs und den Begleitmaßnahmen:

  • Rettungsfahrten,
  • Krankentransporte und
  • Krankenfahrten.

Die Bedingungen für die Kostenübernahme durch die Krankenkasse unterscheiden sich dabei.

3.1. Rettungsfahrten zum Krankenhaus

Rettungsfahrten sind in der Regel Notfälle. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten, wenn der Patient aufgrund seines Zustands mit einem qualifizierten Rettungsmittel transportiert werden muss. Als solche Rettungsmittel gelten Rettungswagen (RTW), Notarztwagen (NAW), Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) und Rettungshubschrauber (RTH). Sie sind immer über die örtlich zuständige Rettungsleitstelle anzufordern.

3.2. Krankentransporte

Krankentransporte sind erforderlich, wenn der Patient zwar kein Notfall ist, aber eine fachliche Betreuung oder die besondere Einrichtung des Krankentransportwagens (KTW) braucht, oder wenn bei einer schweren, ansteckenden Krankheit eine Ausbreitung verhindert werden muss.

  • Die Krankenkasse übernimmt Krankentransporte zu stationären Leistungen, zu vor- und nachstationären Behandlungen (§ 115 a SGB V) und zu ambulanten Operationen ohne vorherige Genehmigung.
  • Krankentransporte zu allen sonstigen ambulanten Behandlungen müssen nach der Verordnung erst von der Krankenkasse genehmigt werden.

3.3. Krankenfahrten ohne fachliche Betreuung

Alle Fahrten ohne medizinisch-fachliche Betreuung gelten als Krankenfahrten. Sie erfolgen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, privaten Kraftfahrzeugen, Mietwagen, Wagen mit behindertengerechter Ausstattung oder Taxen. Die Krankenkasse übernimmt Krankenfahrten:

  • zu stationären Leistungen (§ 60 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 SGB V).
  • zu vor- und nachstationären Behandlungen, wenn dadurch eine stationäre Behandlung vermieden oder verkürzt wird.
  • zu ambulanten Operationen und damit in Zusammenhang stehenden Vor- oder Nachbehandlungen nur, wenn dadurch eine Krankenhausbehandlung vermieden wird oder wenn diese nicht machbar ist.
  • zu ambulanten Behandlungen bei:
    • Menschen mit den Merkzeichen aG (außergewöhnliche Gehbehinderung), dem Merkzeichen Bl (blind) oder dem Merkzeichen H (hilflos) im Schwerbehindertenausweis.
    • Patienten mit Pflegegrad 3, wenn zusätzlich eine dauerhafte Mobilitätsbeeinträchtigung vorliegt. Letzteres gilt nicht, wenn bereits am 31.12.16 Pflegestufe 2 vorlag.
    • Patienten mit Pflegegrad 4 oder 5.

 

Bei allen anderen Patienten muss die Krankenfahrt zu einer ambulanten Behandlung vorher von der Krankenkasse genehmigt werden. Diese Genehmigung gibt es in der Regel nur bei

  • Versorgung einschließlich Diagnostik in einer Geriatrischen Institutsambulanz.
  • stark beeinträchtigter Mobilität und ambulanter Behandlung über einen längeren Zeitraum.
  • Fahrten zu häufiger Therapie bei bestimmten Erkrankungen (sog. Serienbehandlung). Das gilt bei einer Grunderkrankung,
    • die eine bestimmte Behandlung erfordert,
    • welche häufig und über einen längeren Zeitraum erfolgen muss,
    • und der Krankheitsverlauf muss den Patienten so beeinträchtigen, dass eine Beförderung unerlässlich ist.
      Solche Behandlungen sind z.B. Dialyse oder eine Strahlen- oder Chemotherapie bei Krebs.

3.4. Fahrzeugwahl und Kosten

Bei öffentlichen Verkehrsmitteln müssen Fahrpreisermäßigungen ausgeschöpft werden.

Kosten für Taxi oder Mietwagen übernimmt die Krankenkasse nur, wenn öffentliche Verkehrsmittel aus zwingenden medizinischen Gründen nicht benutzt werden können.

Für Rettungsfahrten, Krankentransporte sowie Taxi- und Mietwagenkrankenfahrten gibt es Tarife, die die Anbieter mit den Krankenkassen aushandeln.

Die Kosten für das Privatauto werden nach § 5 des Bundesreisekostengesetzes (BRKG) erstattet: 0,20 €/km bis maximal 130 €. Erstattung gibt es aber immer nur maximal bis zur Höhe der anderen Fahrzeugkosten, also in der Regel die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel, und die Zuzahlung (siehe unten) wird auch abgezogen.

4. Zuzahlung zu Fahrten und Transporten

Jeder Patient zahlt bei jeder Transportart 10 % der Fahrtkosten selbst, mindestens jedoch 5 € und höchstens 10 €. Dies gilt auch für Kinder und Jugendliche.

Die Befreiung von der Zuzahlung ist bei Überschreiten der Belastungsgrenze möglich, Näheres unter Zuzahlungsbefreiung Krankenversicherung.

5. Praxistipps

  • Für die Kostenerstattung bei öffentlichen Verkehrsmitteln, Taxi, Mietwagen oder Privatauto müssen vorgelegt werden:
    • alle Fahrscheine/Fahrausweise
      und
    • Bestätigung der Klinik/Rehaklinik, des Arztes oder Therapeuten, dass und zu welchem Zweck die Behandlung stattgefunden hat.
  • Bei Serienbehandlung müssen Patienten bei einigen Krankenkassen die Zuzahlung nur für die erste und die letzte Fahrt leisten.
  • Da Fahrten mit dem Privatauto oder öffentlichen Verkehrsmitteln nicht verordnet werden, sollten Patienten bei der Behandlung eine Anwesenheitsbescheinigung erfragen, um die Kosten bei der Krankenkasse geltend machen zu können.
  • Für Fahrtkosten von Begleitpersonen Näheres unter Begleitperson. Bei Rettungsfahrten ist die Mitnahme nur in Ausnahmefällen möglich. Bei Krankentransporten sollte die Begleitperson mit angemeldet werden, damit im KTW ausreichend Platz vorhanden ist.

6. Fahrtkosten für Krankenbesuch

Die Krankenkasse kann die Kosten für Besuchsfahrten in eine Reha-(Klinik) übernehmen, wenn die Mitaufnahme einer Begleitperson nicht möglich und die Anwesenheit einer Vertrauensperson für den Patienten aus therapeutischen und medizinischen Gründen notwendig ist. Kann heißt, dass kein Rechtsanspruch besteht, sondern eine Genehmigung im Ermessen der Krankenkasse liegt. Vieles ist in den Satzungen der einzelnen Krankenkassen geregelt. Nähere Auskünfte dazu erteilen die Krankenkassen.

Die medizinische Notwendigkeit der Anwesenheit der Vertrauensperson muss vom behandelnden Arzt für die Krankenkasse bestätigt werden.

7. Keine Kostenübernahme

Keine Übernahme von Kosten

  • des Patienten im Sinne von Aufwendungen für Verpflegung, Übernachtung, Gepäcktransport, aber Erstattung von Reisekosten bei Fahrten in Verbindung mit einer medizinischen Rehabilitation.
  • eines Rücktransports aus dem Ausland.

8. Richtlinien

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat zur Verordnung von Rettungsfahrten, Krankentransporten und Krankenfahrten, eine Richtlinie erstellt, Download unter www.g-ba.de > Informations-Archiv > Richtlinien > Krankentransport-Richtlinie.

9. Wer hilft weiter?

Krankenkassen und das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit zum Thema Krankenversicherung 030 3406066-01, Mo-Do 8-18 Uhr, Fr 8-12 Uhr.

10. Verwandte Links

Reisekosten

Fahrdienste

Behinderung > Öffentliche Verkehrsmittel

 

Gesetzesquelle: § 60 SGB V

Letzte Bearbeitung: 15.08.2019

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