Diabetes > Kinder

1. Das Wichtigste in Kürze

Diabetes bei Kindern wird von Jahr zu Jahr häufiger, wobei sie überwiegend vom Typ-1 der Erkrankung betroffen sind. Kinder mit Diabetes erfordern keine besondere Nachsicht, sondern nur etwas mehr Aufmerksamkeit. Wichtig sind Schutzimpfungen gegen Infektionen, Abstimmung mit Schulen und Kindergärten und eine angepasste Ernährung. Bewegung im Rahmen von sportlichen Aktivitäten und in der Freizeit wirkt sich positiv auf den Stoffwechsel aus und ist wesentlicher Bestandteil der Therapie bei Typ-2-Diabetikern. Familien finden Hilfe für ihre Kinder und sich selbst z.B. als Krankenkassenleistung, vom Jugendamt oder vom Träger der Eingliederungshilfe.

2. Häufigkeit

Die Zahl der Kinder, die unter Diabetes leiden steigt an. Bei Diabetes-Typ-1 sind die Ursachen dieses Anstiegs bisher nicht bekannt. Bei Diabetes-Typ-2 (bekannt als "Altersdiabetes") ist hingegen eine Verbindung mit einem Anstieg von Übergewicht und Adipositas, Fehlernährung und Bewegungsmangel im Kindesalter gegeben.

3. Umgang mit Kindern

Folgende Aspekte sind im Umgang mit betroffenen Kindern wichtig:

  • Das Kind als Betroffene Person muss die größte Kompetenz und Erfahrung entwickeln, die Eltern sollen dabei unterstützend mitwirken.
  • Das Kind muss seine Krankheit akzeptieren und damit umgehen lernen.
  • Verantwortungsbewusstsein, Verlässlichkeit und Disziplin können bei chronischen Erkrankungen lebenswichtige Faktoren sein.
  • Sicherheit und Selbstständigkeit sollten gefördert werden, d.h.: In außergewöhnlichen Situationen richtig zu reagieren und diese auch zu erkennen, sowie im Bedarfsfall Hilfe zu holen.

Nicht nur die Kinder mit Diabetes selbst, sondern auch deren Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt. Sie tragen hohe Verantwortung für die Behandlung ihres Kindes. Dabei kann es besonders ab Beginn der Pubertät zu erheblichen Problemen in der Erziehung kommen.

Vielen Jugendlichen mit Diabetes fällt es schwer, die nötige Disziplin für die Behandlung aufzubringen und es kommt zu Konflikten mit den Eltern. Kinder und Jugendliche können auch das Essen oder die Insulinbehandlung verweigern oder heimlich essen, wodurch es zu gefährlichen Situationen kommen kann. Manche Kinder und Jugendliche mit Diabetes entwickeln Essstörungen. Zum Teil reduzieren sie die Insulinmenge gezielt zum Abnehmen (sog. Insulin-Purging) und riskieren gefährliche Stoffwechselentgleisungen und Folgeschäden. Näheres unter Essstörungen > Formen und Ursachen.

Eltern können dann insbesondere:

3.1. Praxistipp Merkzeichen H

Bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres kann Kindern und Jugendlichen das Merkzeichen H zuerkannt werden. Damit sind verschiedene Nachteilsausgleiche verbunden. Hintergrund ist die erforderliche ständige Überwachung wegen der Gefahr hypoglykämischer Schocks, der notwendigen Abstimmung der Dosierung des Insulins auf die Ernährung und  Bewegung und bei Typ-2-Diabetes um dafür zu sorgen, dass die Kinder sich ausreichend bewegen. Weitere Informationen unter Diabetes > Schwerbehinderung.

4. Ernährung

Für Kinder mit Diabetes gilt genau wie für Erwachsene mit Diabetes heute, dass in der Regel weder eine besondere Diät, noch besondere Diabetes-Lebensmittel erforderlich sind. Auch Süßigkeiten können in Maßen trotz des Diabetes gegessen werden, wenn die Insulindosis entsprechend angepasst wird.

Kinder mit Diabetes benötigen eine gesunde Ernährung, wie sie allgemeinen Empfehlungen entspricht. Näheres unter Diabetes > Ernährung. Bei Diabetes Typ-2 ist diese auch ein wichtiger Teil der Behandlung. Näheres unter Diabetes > Behandlung. Die Wirkung der Nahrung auf den Blutzuckerspiegel muss richtig eingeschätzt werden, um die Insulinmenge richtig anzupassen. Wichtig ist dabei, dass die Kinder lernen, das selbst zu tun. Ab welchem Alter eine Diabetesschulung für ein Kind sinnvoll ist, sollte individuell eingeschätzt und mit dem Kind besprochen werden.

5. Sport

Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen wird unter anderem durch Bewegungsmangel verursacht. Die tägliche Kalorienaufnahme bestimmt als wesentlicher Faktor das Körpergewicht. In Bezug auf die Regulation des Körpergewichtes hat Sport ebenfalls eine wichtige Bedeutung. Auch hier gilt wieder das gleiche wie bei den Erwachsenen. Regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv auf die Stoffwechsellage aus. Sie ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Typ-2-Diabetes.

Durch Sport und ausgiebige Bewegung kommt es in der Regel dazu, dass der Blutzuckerwert absinkt. Deshalb sollte beim Sport immer etwas Traubenzucker oder Fruchtsaft bereitgehalten werden, um dem entgegenzuwirken. Vor einer sportlichen Betätigung sollten auch die Insulinbehandlung und Mahlzeiten entsprechend abgestimmt werden.

Näheres unter Diabetes > Sport.

6. Ferienfreizeiten

Verschiedene Verbände und Organisationen bieten für Kinder mit Diabetes betreute Ferienfreizeiten an. Die Eltern können ihre Kinder beruhigt zu solchen Fahrten ermutigen, denn zu einer optimalen Betreuung und Aufsicht kommt meist eine spezielle Diabetesschulung. In entspannter Atmosphäre können sie sich mit ihrer Erkrankung vertraut machen. Oberste Zielsetzung bei solchen Camps ist neben der Diabetesschulung die Vermittlung von Normalität.

7. Infektionsrisiko

Wenn Kinder und Jugendliche mit Diabetes gut eingestellt sind, ist ihr Infektionsrisiko nicht höher als ohne Diabetes. Bei schlechten Blutzuckerwerten besteht aber eine erhöhte Infektionsanfälligkeit. Umgekehrt kann durch Infektionen der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht kommen.

Kinder und Jugendliche mit Diabetes sollten nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) geimpft werden. Zusätzlich zu den Impfungen, die für alle empfohlen werden, empfiehlt die STIKO ihnen Impfungen gegen Influenza (Grippe) und Pneumokokken (Auslöser z.B. von Hirnhaut-, Mittelohr- und Lungenentzündungen).

Für Kinder mit Diabetes gibt es derzeit keine besonderen Empfehlungen zur Corona-Impfung. Kinder mit Typ-1-Diabetes gelten nicht als Risikogruppe, sondern erst Erwachsene ab ca. 50 Jahren.

Schutzimpfungen gehören zu den erfolgreichsten und effektivsten Präventionsmaßnahmen gegen Infektionskrankheiten. Sie sind nicht immer völlig nebenwirkungsfrei, aber gesundheitlich bedeutende Komplikationen nach Impfungen sind sehr selten. Insbesondere gibt es keine Hinweise darauf, dass der Anstieg von Diabetes mit Impfungen in Zusammenhang stehen könnte. Nähere Informationen dazu bietet das Robert Koch Institut unter www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/AllgFr_Nebenwirkungen/FAQ02.html.

8. Schule und Kita

Diabetes spricht nicht gegen einen normalen Kita- und Schulbesuch. Allerdings sollten das Kita-Personal und die Lehrkräfte gut mit den Eltern und Kindern zusammenarbeiten. Zum Teil sind auch besondere Hilfen nötig:

Folgende Hinweise können hilfreich sein:

  • Wichtige Telefonnummern von Eltern und behandelndem Arzt gut erreichbar aufbewahren.
  • Sonderstellungen sollten vermieden werden. Allerdings kann eine Stoffwechselentgleisung die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen und eine besondere Reizbarkeit hervorrufen. Kommt dies häufiger vor, müssen Eltern und Arzt informiert werden.
  • Kindern mit Diabetes muss es immer möglich sein, zu essen oder zu trinken.
  • Manche Kinder benötigen Insulin vor dem Essen, dann muss vielleicht während des Aufenthaltes in Schule oder Kindergarten gespritzt werden.
  • Blutzuckerbestimmungen können auch zwischendurch medizinisch notwendig sein und müssen dem Kind deswegen gestattet werden.
  • Diabetiker können uneingeschränkt am Sportunterricht teilnehmen, müssen allerdings auch dort die Möglichkeit haben, jederzeit ihren Zucker zu kontrollieren.
  • Zur Sicherheit sollte zusätzlich zu dem Vorrat des Kindes in allen genutzten Räumen eine Packung Traubenzucker aufbewahrt werden.
  • Ausflüge sind jederzeit möglich. Man sollte aber, wenn möglich, wenigstens einen Tag Vorlaufzeit haben, um die nötigen Vorkehrungen treffen zu können. Außerdem sollten das Kind und evtl. eine Begleitperson gut über die Erkrankung informiert sein.
  • Im Notfall können auch Laien mit einem Glukagon-Notfall-Set (rezeptpflichtig) eine schwere Unterzuckerung mit Bewusstlosigkeit durchbrechen. Nach dem Aufwachen unbedingt Traubenzucker oder süße Flüssigkeit zuführen, Eltern und Arzt verständigen.

Detaillierte Empfehlungen zum Kindergartenbesuch für Erzieherinnen und Eltern unter Diabetes > Kindertagesstätten.

8.1. Praxistipp

Wenn Sie für ihr Kind mit Diabetes eine Begleitperson in der Kita und/oder Schule beantragen, kann es dabei zu Problemen kommen. Der Träger der Eingliederungshilfe kann z.B. der Ansicht sein, die Krankenkasse müsse die Leistung bezahlen und umgekehrt.

Im Vorfeld eines Antrags sollten Sie daher die unabhängige Teilhabeberatung in Anspruch nehmen. Wird ein Antrag abgelehnt oder wird die beantragte Leistung nicht in vollem Umfang bewilligt, so müssen Sie das nicht hinnehmen: Ein Widerspruch und ggf. später eine Klage können helfen. Näheres unter Widerspruch im Sozialrecht und Widerspruch Klage Berufung. Der Widerspruch und die Klage selbst kosten zwar nichts, aber wenn anwaltliche Hilfe nötig ist, fallen Anwaltskosten an. Wenn Sie sich diese nicht leisten können, sollten Sie für den Widerspruch Beratungshilfe und für eine Klage Prozesskostenhilfe beantragen.

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Letzte Bearbeitung: 18.01.2022

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