Diabetes > Kinder

1. Das Wichtigste in Kürze

Kinder mit Diabetes erfordern keine besondere Nachsicht, sondern nur etwas mehr Aufmerksamkeit. Wichtig sind Schutzimpfungen gegen Infektionen, Abstimmung mit Schulen und Kindergärten und eine angepasste Ernährung. Kinder sind überwiegend Typ-1-Diabetiker.

2. Umgang mit Kindern

Folgende Aspekte sind im Umgang mit betroffenen Kindern wichtig:

  • Das Kind als Betroffener muss die größte Kompetenz und Erfahrung entwickeln, die Eltern sollen dabei unterstützend mitwirken.
  • Das Kind muss seine Krankheit akzeptieren und damit umgehen lernen.
  • Verantwortungsbewusstsein, Verlässlichkeit und Disziplin können bei chronischen Erkrankungen lebenswichtige Faktoren sein.
  • Sicherheit und Selbstständigkeit sollten gefördert werden, d.h.: In außergewöhnlichen Situationen richtig zu reagieren und diese auch zu erkennen, sowie im Bedarfsfall Hilfe zu holen.
Eltern sollten sich nicht scheuen zur Bewältigung des Alltags, Schule und Freizeit, bei Erziehungsfragen oder anderen Problemen die Hilfe eines kompetenten Psychologen in Anspruch zu nehmen.

2.1. Praxistipp Merkzeichen H

Bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres können Kinder und Jugendlichen das Merkzeichen H zuerkannt werden kann. Damit sind verschiedene Nachteilsausgleiche verbunden. Hintergrund ist die erforderliche ständige Überwachung wegen der Gefahr hypoglykämischer Schocks, der strengen Einhaltung der Diät und der Dosierung des Insulins sowie im Hinblick auf die notwendigen körperlichen Betätigungen. Weitere Informationen unter Diabetes > Schwerbehinderung.

3. Ernährung

Für Kinder gilt das gleiche wie für Erwachsene. Eine gesunde Ernährung ist entscheidend für eine gute Stoffwechsellage. Sie sollte kohlenhydratreich und fettreduziert sein. Zucker ist nicht generell verboten, sollte aber eingeschränkt gegessen werden. Zu den Süßigkeiten gehören auch Fruchtsäfte und zuckerhaltige Getränke.

Näheres unter Diabetes > Ernährung.

4. Sport

Die Zahl übergewichtiger Kinder in Deutschland hat sich in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt. Schätzungsweise 35 % der adipösen Kinder leiden bereits an einer Vorstufe des Typ-2-Diabetes. Die tägliche Kalorienaufnahme bestimmt als wesentlicher Faktor das Körpergewicht. In Bezug auf die Regulation des Körpergewichtes hat Sport den gleichen Stellenwert wie Essen und Trinken. Auch hier gilt wieder das gleiche wie bei den Erwachsenen. Regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv auf die Stoffwechsellage aus.

Durch Sport und ausgiebige Bewegung kommt es in der Regel dazu, dass der Blutzuckerwert absinkt. Deshalb sollte beim Sport immer etwas Traubenzucker oder Fruchtsaft bereitgehalten werden, um dem entgegenzuwirken. Vor einer sportlichen Betätigung sollten auch die Insulinbehandlung und Mahlzeiten entsprechend abgestimmt werden.

Näheres unter Diabetes > Sport.

5. Ferienfreizeiten

Verschiedene Verbände und Organisationen bieten für Kinder mit Diabetes betreute Ferienfreizeiten an. Die Eltern können ihre Kinder beruhigt zu solchen Fahrten ermutigen, denn zu einer optimalen Betreuung und Aufsicht kommt meist eine spezielle Diabetesschulung. In entspannter Atmosphäre können sie sich mit ihrer Erkrankung vertraut machen. Oberste Zielsetzung bei solchen Camps ist neben der Diabetesschulung die Vermittlung von Normalität.

Weitere Tipps unter Diabetes > Urlaub.

6. Infektionsgefahr

Diabetiker sind infektionsanfälliger. Schutzimpfungen gehören zu den erfolgreichsten und effektivsten Präventionsmaßnahmen gegen Infektionskrankheiten. Sie sind nicht immer völlig nebenwirkungsfrei, aber gesundheitlich bedeutende Komplikationen nach Impfungen sind sehr selten. Eltern sollten sich von ihrem Arzt zu folgenden Schutzimpfungen beraten lassen:

  • Poliomyelitis (Kinderlähmung)
  • Diphtherie
  • Haemophilus Influenza
  • Tetanus (Wundstarrkrampf)
  • Pertussis (Keuchhusten)
  • Masern
  • Mumps
  • Röteln
  • Influenza - empfohlen von der Arbeitsgruppe Pädiatrische Diabetologie, da durch die Erkrankung auftretende Stoffwechselentgleisungen vermieden werden können
  • Pneumokokkenimpfung. Sollten Folgeerkrankungen, z.B. eine Nephropathie, vorliegen, ist die Schutzimpfung wegen einer möglichen bestehenden Immunschwäche ebenfalls sinnvoll.

7. Schule und Kindergarten

Wenn Lehrer und Erzieher mit Eltern und Kindern zusammenarbeiten, steht einem normalen und sicheren Schul- oder Kindergartenbesuch nichts im Wege. Folgende Hinweise können hilfreich sein:

  • Wichtige Telefonnummern von Eltern und behandelndem Arzt gut erreichbar aufbewahren.
  • Sonderstellungen sollten vermieden werden. Allerdings kann eine Stoffwechselentgleisung die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen und eine besondere Reizbarkeit hervorrufen. Kommt dies häufiger vor, müssen Eltern und Arzt informiert werden.
  • Kindern mit Diabetes muss es immer möglich sein, zu essen oder zu trinken.
  • Manche Kinder benötigen Insulin vor dem Essen, dann muss vielleicht während des Aufenthaltes in Schule oder Kindergarten gespritzt werden.
  • Blutzuckerbestimmungen können auch zwischendurch medizinisch notwendig sein, sie sollten dem Kind deswegen gestattet werden.
  • Diabetiker können uneingeschränkt am Sportunterricht teilnehmen, sie sollten allerdings auch dort die Möglichkeit haben, jederzeit ihren Zucker zu kontrollieren.
  • Zur Sicherheit sollte zusätzlich zu dem Vorrat des Kindes in allen genutzten Räumen eine Packung Traubenzucker aufbewahrt werden.
  • Ausflüge sind jederzeit möglich. Man sollte aber, wenn möglich, wenigstens einen Tag Vorlaufzeit haben, um die nötigen Verkehrungen treffen zu können. Außerdem sollten das Kind und evtl. eine Begleitperson gut über die Erkrankung informiert sein.
  • Im Notfall kann auch ein Laie mit einem Glucagon-Spritzen-Set (rezeptpflichtig) eine schwere Unterzuckerung mit Bewusstlosigkeit durchbrechen. Nach dem Aufwachen unbedingt Traubenzucker oder süße Flüssigkeit zuführen, Eltern und Arzt verständigen.
  • Wenn die Stoffwechsellage stark schwankt und für die Therapie professionelle Hilfe benötigt wird, kann ein ambulanter Pflegedienst im Rahmen der Häuslichen Krankenpflege auch in Schule oder Kindergarten in Anspruch genommen werden.

Detaillierte Empfehlungen zum Kindergartenbesuch für Erzieherinnen und Eltern unter Diabetes > Kindertagesstätten.

8. Verwandte Links

Ratgeber Diabetes

Kinder im Krankenhaus

Diabetes

Diabetes > Allgemeines

Diabetes > Behandlung

Diabetes > Familie

Diabetes > Verhaltenstipps

Merkzeichen H, Besonderheiten bei Kindern

Letzte Bearbeitung: 15.08.2019

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