Pflegende Angehörige > Entlastung

1. Das Wichtigste in Kürze

Menschen, die ihre Angehörigen pflegen, sind stark beansprucht. Es gibt verschiedene Entlastungsmöglichkeiten. Grundsätzlich sollten die Leistungen der Pflegeversicherung – falls die Voraussetzungen vorliegen – genutzt werden. Damit pflegende Angehörige gesund bleiben, hilft es, frühzeitig Hilfe und Unterstützung anzunehmen.

2. Leistungen der Pflegeversicherung

Wenn ein Mensch pflegebedürftig ist und Hilfe in größerem Umfang benötigt, unterstützt ihn die Pflegeversicherung. Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein und ein Antrag gestellt werden. Näheres unter Pflegeantrag und Pflegebegutachtung.

Die Hauptleistung der Pflegeversicherung bei Pflege durch Angehörige ist das Pflegegeld.

Bei akuter Veränderung der Pflegesituation können Berufstätige mithilfe der kurzzeitigen Arbeitsverhinderung die pflegerische Versorgung neu organisieren, Näheres unter Pflegezeit.

Wenn keine Pflegeversicherung besteht oder Einkommen und Vermögen nicht ausreichen, kann Hilfe zur Pflege beim Sozialamt beantragt werden. Zentrale Leistungen bei Pflege durch Angehörige ist hier das Pflegegeld der Sozialhilfe.

Die Pflegekassen finanzieren unter bestimmten Voraussetzungen eine Entlastung der pflegenden Angehörigen bis zu 14 Wochen im Jahr: 8 Wochen Kurzzeitpflege und 6 Wochen Ersatzpflege.

Mit dem Entlastungsbetrag werden Angebote zur Unterstützung im Alltag finanziert, die Angehörige entlasten.

Einen Überblick über alle Leistungen der Pflegeversicherung bei häuslicher Pflege gibt es unter Häusliche Pflege Pflegeversicherung.

3. Schutz der eigenen Kräfte: Self Care

Bei allen Wünschen, die man Patienten erfüllt, bei allen Diensten, die man ihnen tut, bei all der Zeit, die man mit ihnen verbringt – auch die Kraft von Angehörigen ist endlich. Sie sollten auf sich achten und wenn sie Hilfe und Unterstützung brauchen, sollten sie sich dies auch zugestehen und aktiv holen, z.B. bei Nachbarn, Freunden oder anderen Angehörigen. Pflegende Angehörige sind oft gleichermaßen körperlich und psychisch belastet, denn Pflege kostet Zeit, ist anstrengend und es ist oft schwer, die Krankheit des Angehörigen auszuhalten.

3.1. Praxistipp

Informationen für pflegende Angehörige, z.B. Anzeichen für Überlastung, Stress und Unterstützung oder Bewältigungsstrategien, finden Sie unter https://gesund.bund.de > Pflege > Pflegende Angehörige.

4. Entlastende Angebote, die pflegende Angehörige unterstützen

4.1. Pflegekurse und Beratung

  • Pflegeberatung durch Pflegestützpunkte, Pflegeberatungsstellen, Seniorenberatungsstellen. Adressen gibt es bei Stadt- bzw. Gemeindeverwaltungen oder online bei der Stiftung "Zentrum für Qualität in der Pflege" (ZQP) in einer kostenlos zugänglichen Datenbank auf www.zqp.de > Gefragte Themen > Datenbank Beratungsangebote bundesweit.
  • Pflegekurse vermitteln Pflegenden Fertigkeiten für die Pflege im häuslichen Umfeld.

4.2. Hilfe bei psychischer Belastung

  • Ein Ratgeber, der vor allem auf die psychische Belastung abzielt, wurde von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) und der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung (DPtV) herausgegeben. Er kann unter dem Titel "Entlastung für die Seele" bei der DPtV unter www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de > Patienten > Faltblätter & Broschüren heruntergeladen werden.
  • Das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Online-Portal "Pflegen und Leben" bietet online psychologische Beratung, Entlastung und Fachinformationen unter www.pflegen-und-leben.de. Die Online-Beratung steht allen Menschen offen, die in einer Krankenkasse versichert sind. Sie erfolgt anonym, kostenfrei und datensicher.
  • Sozialpsychiatrische Dienste beraten Angehörige, die psychisch belastet sind, und vermitteln Hilfen.

4.3. Hilfe für pflegende Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche, die sich um ihre Familie kümmern, finden unter www.pausentaste.de Unterstützung, Informationen über Gruppen und Workshops sowie Telefon- und E-Mail-Beratung.

4.4. Hilfen von außen

Bei länger andauernder Pflege und Überlastung der pflegenden Angehörigen ist zu überlegen, welche Entlastungen in der täglichen Pflege möglich sind:

4.5. Hilfe bei der Pflege unheilbar erkrankter Menschen

Wenn die Betreuung und Pflege aufwändiger wird, sind Hospizdienste oder Palliativversorgung eine wertvolle Stütze.

5. Aggressionen und Gewalt in der Pflege

Ein schwieriges und sensibles Thema sind Aggressionen und in der Folge Gewalt. Dabei gibt es sowohl Aggression gegen Pflegebedürftige als auch gegen Pflegende.

Neben körperlicher Gewalt gelten auch psychische Gewalt, Vernachlässigung, finanzielle Ausbeutung oder intime Übergriffe als Gewalt.

Die Ursachen können vielfältig sein und: Gewalt kann auch unabsichtlich oder aus „guter Absicht“ heraus entstehen. Bei Pflegenden können z.B. leichte Reizbarkeit, eigene Gewalterfahrungen, eigene gesundheitliche Probleme, finanzielle Probleme oder Überforderung zu aggressivem Verhalten führen. Bei Pflegebedürftigen können z.B. Hilflosigkeit, Scham, Verzweiflung, Langeweile oder Demenz Aggressionen hervorrufen. Dies sind nur einige Ursachen und oft führt eine Kombination verschiedener Ursachen zu Gewalt.

Aggressionen und/oder Gewalt sind immer ein Signal, dass die häusliche Pflegesituation mit Fachkräften besprochen und verändert werden muss (siehe oben Hilfe von außen).

5.1. Praxistipps für Pflegende

  • Achten Sie auf psychische Signale für Überlastung, z.B. Unzufriedenheit, Angst oder Gereiztheit.
  • Achten Sie auf körperliche Warnsignale, z.B. Schlafprobleme, häufige Infekte oder Kopfschmerzen.
  • Informieren Sie sich frühzeitig bei der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) auf www.pflege-gewalt.de. Die Seite bietet gut verständliche Informationen zum Thema Gewalt in der Pflege und gibt Tipps zur Vorbeugung und zum Erkennen von Gewaltanzeichen.
  • Oder lesen Sie die Patienteninformation "Pflegende Angehörige" der AWMF online (Portal der wissenschaftlichen Medizin) unter www.awmf.org > Suche > Leitliniensuche Suchbegriff "Pflegende Angehörige" > Pflegende Angehörige von Erwachsenen.

6. Auszeit bei Erschöpfung

Für pflegende Angehörige, die längere Zeit pflegen, empfiehlt sich zwischendurch eine kleine "Auszeit" von der Pflege, um wieder neue Kraft tanken zu können. Möglichkeiten sind z.B.:

  • Ein Urlaub, Vorsorgeleistungen und Vorsorgekuren oder eine Medizinische Reha-Maßnahme, wenn die Gesundheit der Pflegeperson durch die dauernde Belastung gefährdet ist. Eine stationäre Reha ist für pflegende Angehörige auch möglich, wenn ambulante Reha-Maßnahmen ausreichen würden, Grundvoraussetzung ist die medizinische Notwendigkeit.
  • Pflegende Frauen und Männer können für eine Auszeit auch Einrichtungen des Müttergenesungswerks (www.muettergenesungswerk.de) nutzen.
  • Während der Auszeit der Pflegeperson kann die pflegebedürftige Person über die sog. Ersatzpflege von einem ambulanten Pflegedienst oder in einer Einrichtung der Kurzzeitpflege versorgt werden.
  • Es ist möglich, dass Reha-Kliniken neben der Pflegeperson auch Pflegebedürftige aufnehmen, falls sie die Voraussetzungen erfüllen.

Welche Form gewählt wird, hängt davon ab, ob die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind, bzw. welche Form für die individuelle Pflegesituation sinnvoll ist.

7. Wer hilft weiter?

  • Die Pflegestützpunkte sowie viele Senioren- und Pflegeberatungsstellen sind darauf ausgerichtet, speziell auch zur Entlastung der Angehörigen zu beraten, Näheres unter Pflegestützpunkte Pflegeberatung.
  • Das Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums beantwortet unter 030 20179131 (Mo-Do 9-18 Uhr) Fragen zu den Themen Pflege und Hilfe im Alter.
  • Das gemeinnützige Internetportal pflegen-und-leben bietet kostenfreie psychologische Online-Beratung für pflegende Angehörige unter www.pflegen-und-leben.de.
  • Selbsthilfegruppen.

8. Verwandte Links

Ratgeber Pflege

Pflege > Leistungen

Häusliche Pflege Pflegeversicherung

Palliativpflege durch Angehörige

Pflegende Angehörige > Sozialversicherung

Letzte Bearbeitung: 08.02.2023

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